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„Wer nichts weiß, muss alles glauben“

AKW Kühlturm
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Gießen | Ein Artikel aus der ‚Sächsische Zeitung’ sollte selbst dunkelgrün belichtete „Energieakteure“ zum nachdenken ermuntern! – Artikel ‚Sächsische Zeitung’ vom 19.10.2015:

„Wildschwein-Esser sorgt für Alarm im Atomkraftwerk“
Temelin. Mitarbeiter im tschechischen Atomkraftwerk Temelin sind bei der Zugangskontrolle auf ein ungewöhnliches Problem gestoßen: bei einem Arbeiter einer Fremdfirma schlugen die hochempfindlichen Messgeräte für Radioaktivität an. „Am Ende kam heraus, dass er am Tag zuvor kontaminiertes Schweinefleisch aus dem Böhmerwald zu Mittag gegessen hatte", sagte AKW-Sprecher Marek Svitak.
Der Arbeiter sei nicht in Gefahr, denn Grenzwerte seien nicht überschritten worden. Viele Wildschweine der Region sind den Behörden zufolge als Spätfolge des Reaktorunfalls in Tschernobyl vor 29 Jahren mit radioaktivem Cäsium belastet. Umweltschützer fordern seit langem die Abschaltung des Atomkraftwerks in Südböhmen, weil sie es für besonders störanfällig und gefährlich halten. (dpa)

Na dann mal guten Appetit beim nächsten Braten aus dem Supermarkt. Oder glaubt irgendjemand immer noch, dass die „Wolke“ vor der Grenze halt macht, während man hierzulande den Atomausstieg mit Naturzerstörenden und völlig unwirtschaftlichen Windenergie-Industrieanlagen vorantreibt? – Zurückblasen vielleicht?

Im Übrigen hinkt der Verweis der Zeitung auf den Reaktorunfall in Tschernobyl gewaltig, denn in der Nähe des veralteten Temeliner Kraftwerks, das vermutlich vielmehr die Radioaktivitäts-Ursache für die kontaminierte Umgebung war, werden schon bald vier neue AKWs in Tschechien entstehen. (Stichwort zur Bildersuche im Internet: Atomkraftwerk Temelin).
Als Standort dafür wurde ab 2016 Dukovany (liegt 35 km vor der österreichischen Grenze, oberhalb Wiens) auserkoren. Die Reaktoren auf dem Gelände in Dukovany gelten als die älteren der beiden Atomkraftwerke in Tschechien, wo sich allein 1996 ganze 76 Störfälle ereigneten. Demnach fällt es gar nicht auf, was die Quelle bzw. die Ursache wirklich ist oder war! Hochempfindliche Messgeräte für Radioaktivität könnten die Wahrheit ans Licht bringen, wären da nicht die variierbaren Grenzwerte und die „unbescholten-politisch-korrekten“ Erklärungsversuche! Beide Atomkraftwerke decken übrigens derzeit etwa ein Drittel der Stromerzeugung des Landes ab.
Auf der anderen Grenzseite zu Deutschland sieht es nicht anders
aus (Stichwort Fessenheim, 25 km südwestlich von Freiburg). Frankreich bezieht 75% seines Stroms aus Atomkraft, der in großen Mengen zu uns ins Netz importiert und den „Grünstrom“-Stromkunden zur kompensierten Grundlastbereitstellung teuer verkauft wird – Prima, oder? (…siehe auch Beitrag „Fukushima war gestern … Was hat Japan und Europa daraus gelernt?“).

Europa wächst zusammen, hört man häufig aus Brüssel. Ironischerweise geht es im Falle eines Falles auch zusammen unter! Ist es daher nicht sinnvoller und vorbildhafter, bestehende Gas- und Kohlekraftwerke in Deutschland effizienter bei Energieabgabe und Abgasverhalten umzurüsten bzw. zu modernisieren? Und: parallel dazu Forschungsanreize für Strom-Speichertechnologien und wahrhafte Alternativen hin zu einer vernünftigen Energie (VERNUNFTKRAFT) an Universitäten und Fachhochschulen finanziell zu fördern? Stattdessen fabulieren politische Schachfiguren über Feinstäube, CO2-Normen und Umweltplaketten und drehen gegenwärtig modernsten Stromkraftwerken den Hahn ab. Das alles im Sinne des Fortschritts einer Energiewende die fortschreitet bis sie fort ist.
Ob Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel auch schon an Vergesslichkeit leidet? Seine Auftritte vor Wirtschaftsvertretern und Spitzenfunktionären scheinen immer mehr dem „Fähnchen im Wind“ zu dienen, bzw. seiner Wählerschar im Schulterschluss mit den Grünen. Zur Erinnerung aus 2014: „Es ist eine Illusion zu glauben, wir könnten gleichzeitig aus Kernkraft und Kohle aussteigen“, oder im April: „Die Wahrheit ist, dass die Energiewende kurz vor dem Scheitern steht. Für die meisten anderen Länder in Europa sind wir sowieso Bekloppte.“

Da nützt es auch nicht wenn lobbyistenfreundliche Webseiten nur einseitige und unkritische Artikel wiedergeben, wie zunehmend die „Sonnenseite“ von Franz Alt, und den Energie- und Wirtschaftsstandort Deutschland als bockig-rückständig titulieren. Logischerweise zwängt sich dem oberflächlichen Leser dann genau dieser Verdacht auf, der zusammenhanglos und doppelzüngig ist. Mit objektiver Berichterstattung und Recherche, was normalerweise die Grundlage von investigativem Journalismus ist, hat das rein gar nichts zu tun.

Ulrich Grüger

AKW Kühlturm
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Kommentare zum Beitrag

H. Peter Herold
26.906
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 26.10.2015 um 12:12 Uhr
Atomkraft? Nein Danke!
Dr. Tim Mattern
640
Dr. Tim Mattern aus Wettenberg schrieb am 27.10.2015 um 21:37 Uhr
Natürlich lässt sich Radioaktivität nicht über irgendwelche Grenzen zurück pusten. Aber wie bei allen Änderungen - es muss ja einer mal den Anfang machen und zeigen dass es geht. Wie oft wurde behauptet, Kühlschränke ohne FCKW seien nicht (wirtschaftlich) machbar? Oder das Dreiliter-Auto? oder oder oder... und dann kam einer und machte es vor.
Wenn die Neandertaler mit Plutonium hantiert hätten, müssten wir uns heute noch mit der Hälfte davon herumplagen.
49
Hermann Dirr aus Grünberg schrieb am 30.10.2015 um 15:34 Uhr
Zitat Dr. Tim Mattern: "Aber wie bei allen Änderungen - es muss ja einer mal den Anfang machen und zeigen dass es geht." Zitat Ende

Ach und wir Deutschen zeigen der Welt, dass es geht?
Die Grafik hinter dem Link zeigt die Stromerzeugung am 29.10.2015 um 15:00 Uhr. Hatten die Grünstrombezieher zu dieser Zeit alle ihren Strom? Wohl kaum, denn Wind und Sonne zeigten sich wieder einmal als Totalausfall bei der Stromversorgung. Mit den 5 GW Strom aus Biomasse und knapp 2 GW Strom aus Wasserkraftwerken kann man auch kein Land mit Strom versorgen.

http://www.rtf-radmarathon.de/VB/media/Daten/20151029_15_Uhr.jpg
Dr. Tim Mattern
640
Dr. Tim Mattern aus Wettenberg schrieb am 30.10.2015 um 20:37 Uhr
Warum zeigen wir es der Welt nicht, dass es geht? Wieso kopiert China unsere Energiewende? Deutschland hat kaum Ressourcen, die es exportieren kann, aber eben Know-How.
Dass die Energiewende in unserem Land derzeit überstürzt und kopflos läuft ist uns allen bewusst. Aber sich stur den Enereuerbaren Energien entgegenzustellen und weiterhin auf endliche und gefährliche Ressourcen wie Kohle und Atom zu setzen, kann wohl auch nicht die Lösung sein, oder?
Speichermöglichkeiten, intelligente Netze usw. hier müssen wir noch richtig in die vollen gehen und diese Dinge weiterentwickeln und optimieren.
49
Hermann Dirr aus Grünberg schrieb am 30.10.2015 um 21:27 Uhr
Tja, nur was heißt intelligente Netze? Den Verbrauch steuern. Und 20 Jahre lang Anlagen hoch subventionieren, dann wieder abreißen um in 30 Jahren vielleicht die benötigten Speicher zu haben, ist auch eine Nummer, die sich Schildbürger hätten nicht besser ausdenken können. Zur Zeit läuft der Ausbau der EEs ausschließlich, weil die Förderung so hoch ist. Können wir uns das ewig erlauben? Wäre es nicht besser, das Geld in zukunftsträchtige Techniken zu stecken, als in eine Technologie, die in einer Zeit, als zuverlässige Energiequellen nutzbar zur Verfügung standen, abgeschafft wurde. (Windkraft) Und so viel hat sich an dieser Technik nicht geändert. Nutzbar nur bei Wind. Aber das wußten die Menschen schon vor 2000 Jahren und ist nicht neu.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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