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Auf den Spuren von Pater Brown - Pfarrer Mathias Schmid (St. Thomas Morus) über seine Leidenschaft an Kriminalistik und Mordsgeschichten

Die eigenen Abgründe erkennen: Pfr. Mathias Schmid (St. Thomas Morus)
Die eigenen Abgründe erkennen: Pfr. Mathias Schmid (St. Thomas Morus)
Gießen | Am kommenden Sonntag, den 18. Oktober, gastiert bereits zum zweiten Mal nach 2014 das Krimifestival in der St.-Thomas-Morus-Kirche. Um 15:30 Uhr liest Schauspieler Roman Kurtz kriminalistische Short Stories „zwischen Himmel und Hölle.“

Was bewegt Sie, eine Veranstaltung im Rahmen des Gießener Krimifestivals in der St.-Thomas-Morus-Kirche zu unterstützen?

Ich bin ein Fan von Polit- und Agententhrillern. Und ich bin Pfarrer. Wenn es ums töten geht sind mir aber Krimis besonders lieb. Es geht mir nichts um einen gepflegten Tatort, nach dem Abendgebet. Aber ich berichte nur von meiner Leidenschaft.

Krimis erzählen in seltener seelsorglicher Reinheit, erlauben sie mir es so auszudrücken, von Leidenschaften, Abgründen und Höhen des Charakters von uns Menschen. Es ist von Sünde, Strafe und Vergebung, von Verfall und Auferstehung zu hören. Das ist aufregend, weil ich immer auf Aspekte von mir gelenkt werde. Ein guter Krimi zeigt mir meine Abgründe in mir...Und das gehört in die Kirche, wie das Sündenbekenntnis zu Beginn der Messe.

Das Gießener Krimifestival ist ein Kunstereignis, das diese Eigenschaften in kriminalistischer Perspektive in den Raum von religiösen Kult und spirituellen Horizont stellt. Eine Kirche, hier unsere Thomas Morus Kirche ist dafür prädestiniert.

Mehr über...
Thomas Morus (70)Tatort (18)St. Thomas Morus (109)Spannend (2)Roman Kurtz (1)Pfarrer Mathias Schmid (1)Mord (10)Krimifestival (36)Kirche (820)Hölle (3)Himmel (390)GS80 (99)Förderverein (215)
Es ist ein Krimi ja eigener Art, wie unser Patron, Sir Thomas Morus, Lordkanzler seiner Majestät König Heinrich VIII. von England, sozusagen, pseudolegal gekillt wurde. Krimis passen in unsere Kirche, wie in keine andere sonst im Land.

Frage 2: Wie begegnen Sie Ängsten oder Vorbehalten von Menschen, die sagen, kriminalistische Geschichten gehörten nicht in die Kirche?

Manche von unseren Gemeindemitgliedern stört ja das ganze Festival. Aber, vielleicht schärft es ja genau deswegen das Bewusstsein unserer Gemeindemitglieder, dass wir aufpassen müssen unserer Urteile gut zu wägen und unseren Kopf nicht umsonst zu verlieren. Thomas Morus ein gläubiger und romtreuer Mann wurde, übrigens, enthauptet.

Eine Kirche ist ein öffentlicher Ort. Viele Bürgerinnen und Bürger haben den Kontakt zu Kirche und Kult weitgehend verloren. Meine Überzeugung ist, dass sie in den Lesungen des Krimifestivals eine gute Nachbarschaft zu uns pflegen können. Und das ist viel wert!
Ihre spirituellen Bedürfnisse werden hier sicher nicht in unserer Zieloptik sein können. Dafür müssen wir uns andere "Fallen" und "Listen" einfallen lassen müssen. Kirche als Ort der Begegnung von Menschen, die nach einer Gotteserfahrung suchen, das ist ein eigener Weg.

Frage 3: Warum ist gerade St. Thomas Morus für eine solche Veranstaltung prädestiniert?

Wie gesagt, St. Thomas Morus ist der Ort, der wie kein anderer von Liebe, Lust und Verrat, von Wahnsinn und bizarrer Selbstbezogenheit erzählt. Aber eben darin von göttlicher Lauterkeit, heiliger Ehrlichkeit und Glaube. Unsere Kirche ist für diese Themen, so finde ich, der hervorragende Ort.

Der Förderverein hat die Organisation des Krimifestivals in der St. Thomas Morus Kirche mitverantwortet und dafür sage ich, Danke! Das sind engagierte Leute, die eine Kirche der Zukunft mithelfen aufzubauen. Ich freue mich auf ein schönes Literaturereignis im sakralen Raum unserer Kirche!

Zu Gast beim 12. Gießener Krimifestival am Sonntag in der St.-Thomas-Morus-Kirche, Grünberger Straße 80, in Gießen. Restkarten gibt es noch an der Nachmittagskasse ab 15 Uhr für 8 €, inkl. Kaffee und Kuchen.

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Kommentare zum Beitrag

Florian Schmidt
4.883
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 15.10.2015 um 08:38 Uhr
Also wenn es eine Organisation gibt der ich eine Nähe zur Kriminalität nicht absprechen würde, dann doch wohl der katholischen Kirche. Die kennen sich mit Mord, Raub, Betrug, Vergewaltigungen, Erpressungen, Diebstahl bestens aus.
Martin Wagner
2.705
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 15.10.2015 um 09:05 Uhr
Herr Schmidt,

ich teile ja ihre berechtigte Kritik an der Amtskirche in weiten Teilen. Aber zwischendurch versuche ich einfach "mal locker zu bleiben".

Das Ganze kann mann / frau auch anders sehen: Nur noch mit solchen Freizeitangeboten schafft es die Amtskirche ihre (in der Regel heute überdimensionierten) Veranstaltungsräume zu füllen.

Und das ist mir so spontan dazu eingefallen. Wenn ein für sehr viel Geld geheizter Ort nur noch für Dinge verwendet wird, welche auch (von mir aus) in der benachbarten Miller-Hall stattfinden könnten wäre es Zeit die verbleibenden Aktiven der Gemeinde den anderen Giessener Gemeinden anzugliedern, den Laden zu schliessen (der Pfarrer hat eh schon einen Zweitjob,der ihm viel Arbeitszeit klaut ...) und das Gelände zu verkaufen.

Die Immobilinelage ist ja recht innenstadtnahe, da findet sich sicher ein Investor.

Oder ein anderer Vorschlag!

(Jetzt werde ich kurz polemisch.) Hat nicht der "Boss" der Katholiken gefordert, dass jede Zweigniederlassung (sprich Gemeinde) Wohnraum für Flüchtlinge zur Verfügung stellt? In der Kirche in der Grünberger Strasse eine Zwischenetage eingezogen, Toiletten dazu gebaut und ........ dann könnten zig Flüchtlinge dort gut beheizt über den Winter kommen. Diese Aussenstelle des Erstaufnahmeeinrichtung wäre auch sehr nahe am Stammsitz. Das ist logistisgh gesehen wichtig.

(Wäre sicher ökologisch sinnvoller eine Kirche zu heizen als Leichtbauhallen.)
Florian Schmidt
4.883
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 15.10.2015 um 17:57 Uhr
Herr Wagner, unter dem großen Reformpapst ist unlängst ein homosexueller Priester der sich geoutet hat vonn all seinen Ämtern enthoben worden. Diese Art der Diskriminierung ist in meinen Augen eine weitere Kerbe in der Verbrechenslatte der Kirche. Mir ruhig bleiben ist es wirklich nicht mehr getan. Ich lese gerade ein sehr interessantes Buch in dem es auch um die Verwicklungen vom Vatikan und den Nazis bzw. anderen Verbreche(r)n gegen die Menschlichkeit geht.
Bei all demwas ich bereits dazu gelesen habe erscheint mir die Frage nach der Übereinkunft zwischen Kirche und (fiktiver) Verbrechen nehezu lächerlich.
Ps. Der Opa in Rom hat ausser seiner Klappe weit auf noch nicht wirklich was gerissen.
Jakob Handrack
1.164
Jakob Handrack aus Gießen schrieb am 21.10.2015 um 09:25 Uhr
Gibt es hier denn keine Lösch-Funktion, damit man solchen verbalen Dünnfluss einfach in den Papierkorb verbannen kann?
Florian Schmidt
4.883
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 21.10.2015 um 16:52 Uhr
Hätten sie wohl gerne? Aber sie müsen die Ansichten anderer wohl leider ertragen.
Jakob Handrack
1.164
Jakob Handrack aus Gießen schrieb am 26.10.2015 um 13:48 Uhr
Ein Glück nicht, denn ich weiß, wo sich der Ausschalter befindet und das Real life beginnt.
Florian Schmidt
4.883
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 26.10.2015 um 14:12 Uhr
Dann erklären sie mir doch bitte was an meinen ausführungen falsch ist.
Florian Schmidt
4.883
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 26.10.2015 um 17:13 Uhr
Na Herr Handrack, keine Antwort?
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Jakob Handrack

von:  Jakob Handrack

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Interessensgebiet: Gießen
Jakob Handrack
1.164
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