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Blast die Bouffier-Safari ab ! Handverlesene Promi-Nimrods "verkaufen" Gesellschaftsjagd als Wohltätigkeitsaktion

"Jägermeister": Dagegen macht Rambo keinen Stich! Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier hat handverlesene Freunde, Spezies und Großkopferte zu einer Gesellschaftsjagd nach Groß-Gerau eingeladen. Alles für Muttern…
"Jägermeister": Dagegen macht Rambo keinen Stich! Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier hat handverlesene Freunde, Spezies und Großkopferte zu einer Gesellschaftsjagd nach Groß-Gerau eingeladen. Alles für Muttern…
Gießen | Man muss sich das auf der Zunge (oder wo auch immer) zergehen (oder zerfließen) lassen: Da bittet unser weiser, gütiger und in Ehren erblondeter Landesvater privilegierte Büchsenhelden zum blutigen Schlachtfest in den Groß-Gerauer Forst und verpasst dieser Tötungsorgie unter den tierischen Waldbewohnern noch ein (Pelz-)Mäntelchen von Wohltätigkeit. “Charity” sagt der aufgeklärte Flintenfreund von heute ja zu so etwas. Der Erlös, also die immensen Summen, die die ob ihrer Trefferquote wohl euphorisierten Pirschgänger beim anschließenden Schüsseltreiben in edler Großmütigkeit in den herum kreisenden Klingelbeutel stopfen, kommt dem Müttergenesungswerk zu gute. Was ja noch nicht mal so schlimm wäre. Aber: Träger dieser honorigen und sicherlich unterstützenswerten Organisation ist die “Elly-Heuss-Knapp-Stiftung”, benannt nach der Frau des ersten deutschen Bundespräsidenten, Theodor Heuss. Und von keinem Geringerem als diesem stammt der bemerkenswerter Satz: “Jagd ist nur eine feine Umschreibung für besonders feigen Mord am chancenlosen Mitgeschöpf. …” Tataa!!
Ein Kabarettist hätte sich das nicht besser ausdenken können.
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Volker Bouffier (53)Töten für gute Zwecke (1)Jagd (60)Gesellschaftsjagd (2)
Man müsste drüber lachen, wenn es nicht so ernst wäre. Wenn nicht vielleicht hunderte von Wildtieren am 4. November den Spaß einiger weniger – und viel Fun werden diese bestimmt haben – mit ihrem Leben bezahlen müssten. Aber die Viecher wissen ja noch noch nix von ihrem Glück… Während die anderen in aufgeregter Vorfreude schon ihre Waffen putzen. Apropos zahlen: Das es letztendlich der Steuerzahler sein wird, der für dieses fröhliche Herumgeballere löhnt, kommt erschwerend hinzu. Da wird der Kugelhagel, unter dem sich weg zu ducken Fuchs, Hase, Wildschwein, Waschbär und Reh kaum möglich sein wird, großzügig von der Öffentlichkeit subventioniert. Welcher Keiler unseren Landesvater geritten haben mag, für so etwas seinen Namen her zu geben, weiß wohl nur der Heilige Hubertus selbst.

Ein klein wenig fühlt man sich hier an Reinhard Meys “Diplomatenjagd” erinnert. Aber die diente ja letztendlich auch einer guten Sache:
Die Nacht bricht herein, und Schloß Hohenhecke
Bietet ein friedliches Bild:
Der Monsignore segnet die Strecke von leblosem, greisen Wild, schon fast vergessen, will doch keiner essen: Die Veteranen, die zähen Fasanen, die Ente mit Rheuma, den Keiler mit Asthma. Die Jagd wird begossen, und dann wird beschlossen: Der Krempel wird, – weil man hier großzügig denkt, –
Für hehre Ziele, wie für eine Spende an das Müttergenesungswerk, muss man/tier halt schon mal Opfer bringen. Das sehen Fuchs und Damwild im Groß-Gerauer Forst hoffentlich auch ein.
Für hehre Ziele, wie für eine Spende an das Müttergenesungswerk, muss man/tier halt schon mal Opfer bringen. Das sehen Fuchs und Damwild im Groß-Gerauer Forst hoffentlich auch ein.
Dem nächsten Armenhaus geschenkt! So wird auch den Ärmsten der Segen zuteil! Es lebe das Weidwerk, dreimal Waidmannsheil!
Doch in Hessen wie in anderen Bundesländern, formiert sich inzwischen massiver Widerstand gegen die Bouffier-Safari. Es hagelt Protestschreiben und Aufrufe. Und es gibt es längst diverse Unterschriftenkampagnen gegen das geplante Gemetzel, beispielsweise auch auf der Online-Petitionsplattform “Change.Org”.

Diese sinnfreie Waidshow ist ein Anachronismus!

Tierschützer, Naturfreunde, engagierte Bürger und vor allem Menschen, die nicht nur Trophäen und Wildsaubraten im Kopp haben, sondern die sich ihrer Verantwortung gegenüber dem Mitgeschöpf Tier sehr wohl bewusst sind, fordern unisono: Blast diese sinnfreie Waidshow ab! Und sei es mit Jagdhörnern. Halali! Der Ministerpräsident möge dem unsäglichen Treiben ein Ende setzen und seine Treiber, die er rief, eigenhändig wieder aus dem Wald treiben! Diese Aktion ist ein Fehlschuss, ein Scguss, der daneben geht. Garantiert! Andernfalls wird das Echo der Detonationen den sonst doch mit so viel Gespür taktierenden CDU-Politiker noch lange in den Ohren liegen. Man kann auch Tinitus bekommen, wenn’s besonders laut knallt. Wer das Hetzen und Töten von Tieren als Event versteht, hat die moralische Entwicklung der vergangenen Jahre völlig verschlafen. Leute, aufwachen!!
Sterben für Hessen und das Vaterland: Auch die Reineckes sind Teil der Rechnung, die Ministerpräsident Bouffier hoffentlich ohne den (Forst-)Wirt gemacht hat…
Sterben für Hessen und das Vaterland: Auch die Reineckes sind Teil der Rechnung, die Ministerpräsident Bouffier hoffentlich ohne den (Forst-)Wirt gemacht hat…
In Hamburg beispielsweise sind solche anachronistischen Society- und Diplomaten-Events inzwischen obsolet. Da, wie vorher in Niedersachsen, hatte der Großfürst, ähmm, nee, der Wirtschaftssenator auch immer wieder mal ganz gerne ein illustres Völkchen um sich versammelt, damit dieses während der Senatsjagd den ein oder anderen Bock schießen möge. Zuletzt 2013. Promis, Konsule, Wirtschaftsbosse, Ex-Ministerpräsidenten. 2007 soll sogar Joachim Weinlig-Hagenbeck, der zoologischer Leiter des Tierparks, Jagdkönig geworden sein. Angeblich gedeihen Wirtschaftskontakte besonders gut, wenn Männer gemeinsam auf Tiere schießen. Seit 2014 ist an der Alster aber Sch(l)uss mit lustig. Das Trommelfeuer der Gegner dieser feudalen Brauchtumspflege war zu heftig geworden. Könnte in Hessen auch passieren.

Zwischen Vitamin B und minimalistischem Catering

Wen Volker B. zu diesem Schützenfest gebeten hat, wer auf Strecke geht um Strecke zu machen, ist nicht bekannt. Das dürften aber kaum gemeine Feld-, Wald- und Wiesennimrods sein. Das Vorrecht, teilnehmen zu dürfen, erfordert Vitamin B. und lässt sich nur durch eine persönliche Einladung des gastgebenden Jagdherren in Anspruch nehmen. Dafür muss man schon mal Opfer bringen, nicht nur auf tierischer Seite. Das Catering ist nämlich minimalistisch. Die tapferen Pirschgänger werden mit Blechkuchen am wärmenden Streckenfeuer abgespeist, haben aber anschließend gegen einen bescheidenen Stehimbiss im feudalen 5-Sterne-Schlosspalast Kronberg nichts einzuwenden. Wenn’s denn sein muss… Beißen wir halt mal in diesen sauren Rehbraten.
Der Maître d’hôtel wird sein Bestes geben. Und er versteht sein Handwerk. Will sich ja gegenüber seinem Kollegen im Kreis Bad Segeberg nicht blamieren. Der hatte den einer Stärkung dringend bedürftigen Teilnehmern der letzten Hamburger Senatsjagd Wildkraftbrühe, geschmorte Rehkeule und Hirschkalbkeule in Wacholderrahmsoße serviert. Dazu werden getrüffelter Spitzkohl, Rotkohl, Salzkartoffeln und Kroketten gereicht. Das Dessert: Bratapfel mit Marzipan. Lecker und deftig, so, wie es der Waidmann mag! Wenn einem da das Wasser nicht im Munde zusammen läuft. Und das in den Augen….
Weitere Links zum Thema:
http://www.rotorman.de/mordspass-krokodilstraenen-und-obskurerituale-was-den-jagdtag-richtig-rund-macht/
http://www.rotorman.de/gesellschaftsjagd-als-toetungs-happening-unter-dem-deckmantel-der-wohltaetigkeit/

Zur Petitionskampgane von "Change.Org." geht es hier:
http://www.change.org/p/absage-der-gesellschaftsjagd-im-forstamt-gro%C3%9F-gerau-am-04-november-2015?recruiter=7839577&utm_source=share_petition&utm_medium=facebook&utm_campaign=autopublish&utm_term=des-lg-no_src-reason_msg

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Kommentare zum Beitrag

Ilse Toth
37.744
Ilse Toth aus Heuchelheim schrieb am 13.10.2015 um 11:47 Uhr
Wenn ich mir Bouffier im grünen Anzug und Flinte vorstelle, kann ich mir ein Lächeln nicht verkneifen.
Männer und Jagd- ein Pakt fürs Leben! Da fühlen sich die Herren als richtige Männer- Herr über Leben und Tod! Schädliche und nützliche Tiere- das wird von den Grünröcken entschieden. Die Nützlichen hegt und pflegt man, bis sie "reif" sind für die Pfanne, dann wird geernet. Die Schädlichen, die werden erbittert verfolgt und zur Strecke gebracht. Am liebsten mit Fallen, da muss man nicht "ansitzen", bis sie tierischen Feinde erledigt werden können. Für diese Männer- und leider immer mehr Frauen- ist die Zeit stehen geblieben- nur die Waffen sind moderner geworden. Die paar Prozent Jäger entscheiden über die Meinung der Restbevölkerung, wie das Jagdgesetz auszusehen hat. Da viele Politiker auch Jäger sind, wird es schwer sein, das Jagdgesetz grundlegend zu reformieren. Aber da hätten wir ja auch noch den Jagdtourismus- der Adel macht´s vor! Auge in Auge mit einem Elefanten- ein kleines, älteres Männlein vor einem Riesen! Eine kurze Bewegung mit dem Zeigefinger- und schon ist der Elefant tot! Was für Helden! Was müssen das für frustierte Menschen sein, die ihr Ego aufbessern mit dem Tod eines chancenlosen Tieres. Waidmannsheil!
Jürgen Heimann
2.591
Jürgen Heimann aus Gießen schrieb am 13.10.2015 um 12:01 Uhr
Ihre Ausführung kann ich alle unterschreiben! Ist leider so. Und: Inzwischen 20 Prozent der aktiven, im Deutschen Jagdverband organisierten Mitglieder weiblich. Die Emanzipation erreicht die Hochsitze.
Aber ich bin sicher: Diese insgesamt 350.000 deutschen Waidmännlein und –weiblein haben ihre beste Zeit hinter sich. Und das wissen sie selbst. Seit 2002 ist der Tierschutz im Grundgesetz verankert. Hat zunächst nicht viel geändert, aber nach und nach, ganz langsam, gab es doch Verbesserungen. Massentierhaltungen und Tiertransporte sind zwei Felder, auf denen die Schrauben angezogen worden sind. Da gibt es nach wie vor Missstände, aber den Kriminellen wird es längst nicht mehr so leicht gemacht, das Mitgeschöpf Tier wie eine Sache zu behandeln, die es laut GG ja auch nicht ist.
Und genauso wird es mit der Jagd werden. Es bedarf nämlich einen zwingenden Grund, ein Wirbeltier zu töten. Und da kommen unsere Loden-Jockels früher oder später in arge Erklärungsnöte. Und wenn dann noch ein Verbandsklagerecht für Naturschützer durch ist, können die Pirschleute langsam mal damit anfangen, ihre Gewehre in Pflugscharen umzubauen. Hoffe ich wenigstens..
Ilse Toth
37.744
Ilse Toth aus Heuchelheim schrieb am 13.10.2015 um 13:04 Uhr
Ich hoffe mit Ihnen, Herr Heimann! Aber ich bin nicht so optimistisch. In den fast 40 Jahren meines aktiven Tierschutzes ist leider nicht viel passiert. Und was die Grünröcke in Deutschland nicht schaffen, dass holen sie sich im Ausland. Über den Verfassungsrang des Tierschutzes müsste an anderer Stelle diskutiert werden.
Wild ist ein Wirtschaftszeig! Und so wie es ein vernünftiger Grund ist, Wirbeltiere zu Fleisch zu machen, solange wird "Mann - Frau" Wild töten. Und solange es von der Politik akzeptiert wird, dass Wirbeltiere ohne Schonzeit als "Grobzeug" tituliert wird, um ein Alibi zum Abschuss zu haben, solange wird man Fuchs, Waschbär und Co. abballern und in Fallen zu Tode bringen. Das "Feudalzeitgefühl" reicht den Grünröcken nicht, nein, man will mit Pfeil und Bogen in die Steinzeit zurück! Die Heger und Pfleger des Waldes fahren mit ihren schweren Autos zu Waldwege zu Matsch. Darauf angesprochen, bekam ich zur Antwort: dafür zahlen wir ja auch! Nach meinem Rechtsverständnis ist die Natur mit allem, was da kreucht und fleucht Allgemeingut! Ausgenommen die Eigentümer der Wirtschaftswälder- ihnen gehören die Bäume- aber nicht die Tiere! Aber das ist ein unendliches Thema!
H. Peter Herold
28.433
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 15.10.2015 um 09:09 Uhr
Horrido und Halali - Ja blast die Jagd ab. Oder leben wir noch im Mittelalter. Ja aus dieser Zeit stammt der Brauch des Halali.
Manchmal denke ich gewisse Politiker leben noch in der Vergangenheit der Feudalherren.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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von:  Jürgen Heimann

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