Bürgerreporter berichten aus: Gießen | Überall | Ort wählen...

Gewalt gegen Kinder: Jugendamt geht 2014 im Landkreis 375 insgesamt Fällen nach

Gießen | Von Nachbarn, vom Kinderarzt, von Lehrern und Erzieherinnen – aber auch von der Polizei und von Spielgefährten: Hinweise darauf, dass es einem Kind nicht gut geht, gibt es von vielen Seiten. Insgesamt 375 Mal ist das Jugendamt im Kreis Gießen im vergangenen Jahr gezielt solchen Hinweisen nachgegangen. Im Jahr 2013 wurde das Jugendamt 324 Mal tätig. Im Jahr 2014 wurden damit 15,7 Prozent mehr Fälle als im Jahr zuvor bearbeitet. In Deutschland bearbeiteten die Jugendämter in 2014 insgesamt 124.000 (7,4 Prozent mehr als 2013) solcher Verfahren.

Das Jugendamt stellt immer das Wohl des Kindes in den Mittelpunkt. Wird es von den Eltern vernachlässigt? Muss es zu Hause Gewalt oder Misshandlung fürchten? Gibt es sexuelle Übergriffe? „Das sind zentrale Fragen, bei der Einschätzung, ob ein Kind oder ein Jugendlicher akut gefährdet ist“, sagt Jugend-Dezernent Dirk Oßwald.

Im Ernstfall bilden die Fachkräfte ein Team, sammeln alle wichtigen Fakten und überlegen, was zu tun ist, damit Kinder und Eltern nicht überfordert werden. Dies sei eine ungeheuer verantwortungsvolle, schwierige und durchaus auch konfliktreiche Aufgabe. „Wichtig dabei ist, dass nicht ein einzelner Mitarbeiter die Einschätzung vornimmt, sondern dass mit die Situation in der Familie unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet wird“, erklärt Dirk Oßwald. Schließlich komme es darauf an, sich ein umfassendes und differenziertes Bild zu machen.

Was genau dann unternommen wird, entscheiden die Fachleute gemeinsam. „In jedem Fall geht das Jugendamt allen Hinweisen nach und baut einen direkten Draht zur Familie auf“, sagt Hans Happel, stellvertretender Leiter des Landkreis-Jugendamtes. Wenn nötig, stünden sie auch unangemeldet vor der Tür. Die Lage muss in der Regel konkret vor Ort angesehen werden. 30 Mal deckten die Fachleute im Landkreis Gießen im vergangenen Jahr konkrete Fälle von Vernachlässigung in der Familie auf. 38 Mal erkannten sie psychische und in 22 Fällen körperliche Misshandlungen. Anzeichen für sexuelle Gewalt sahen die Experten in 9 Fällen.

Immer wieder seien auch besonders junge Kinder betroffen: In knapp ein Viertel aller gemeldeten Fälle, bei denen der Verdacht einer Gefährdung vorlag, waren die Kinder jünger als drei Jahre. Bei akuter Gefahr machen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unmittelbar ein persönliches Bild von der Situation der Kinder und Jugendlichen. „Alle Räder müssen dann schnell ineinander greifen“, erklärt Hans Happel. Für jede Familie werde rasch eine individuelle Lösung gesucht. Manchmal reicht den Eltern schon eine Familien-Hilfe, die ihnen zeigt, wie man sich besser um sein Kind kümmert: Frühstück machen, aufräumen, in die Schule bringen, emotionale Zuwendung, Kinder im Alltag unterstützen.

„Bei schweren Fällen zieht das Jugendamt aber auch die Notbremse und holt das Kind – wenigstens vorübergehend – aus der Familie heraus und vermittelt in eine Jugendeinrichtung oder in eine ausgewählte Pflegefamilie“, berichtet er weiter. Dies seien äußerst schwierige Entscheidungen, die das Abwägen zwischen dem Wohl des Kindes und dem Recht der Eltern auf Erziehung erfordert. Das Jugendamt gehe also keineswegs willkürlich vor. Längerfristig eingreifen könne sowieso nur das Familiengericht. „Das wird vom Jugendamt dann eingeschaltet, wenn sich Eltern gegen jede Hilfe sperren oder nicht dazu in der Lage sind, Hilfe anzunehmen.“

Weitere Informationen zu dem Thema sind in der Kreisverwaltung erhältlich bei Iris Manthey unter Telefon 0641 9390-9797 oder per E-Mail an iris.manthey@lkgi.de.

Dies könnte Sie zum Thema auch interessieren

Julia Schmidt
Karate Dojo Lich erfolgreich in der e-Tournament World Series
Nach dem geglückten Pionierversuch der Karate-Szene in der Welt des...
Foto: PalliativPro e.V.
1000 Eurospende an PallilativPro durch die Lang-Gönser "Fingerfertigen" - Aufträge zum Strümpfestricken werden gerne entgegengenommen
Liesel Puhl ist eine Frau mit großem Herzen, Tatkraft und Energie....
oben: Christian Bonsiep im Online-Training, unten v.l.: Janne Launhardt, Julia Schmidt, Markus Hecht
KD Lich im Kampf gegen Corona und Markus Hecht belegt den 3. Platz bei den E-Tournament World Series
Das Corona-Virus hat unser aller Leben – und damit auch das...
Probe mit Abstand und Maske bei Sonnenschein
Blues unter freiem Himmel – Der Blues-Chor Laubach probt mit Hygienekonzept
Der Blues-Chor Laubach probt wieder – nach einem Viertel Jahr Corona...
Von links: Renate Pilz (Deutsches Kinderhilfswerk), zukünftige Schulanfänger der Kindertagesstätte Alter Wetzlarer Weg mit Leiterin Gabriele Frank-Kucera, Stadträtin Gerda Weigel-Greilich
Deutsches Kinderhilfswerk und Jugendamt helfen 50 Schulkindern in Gießen
Das Deutsche Kinderhilfswerk verteilt in den nächsten Tagen und...
Training im Waldschwimmbad und Verabschiedung des FSJler
26 Karatekas des Karate Dojo Lich e.V. nutzen am Donnerstag, den...
Janne Launhardt
Karate Dojo Lich richtet E-Turnier aus - 1. Platz für Janne Launhardt
Corona hat auch in der Karate-Szene neue Wege geöffnet. Nachdem...

Kommentare zum Beitrag

Birgit Hofmann-Scharf
10.362
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 30.09.2015 um 19:19 Uhr
BITTE, BITTE nicht wegschauen !!!!!!!!!!!!!!
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Landkreis Gießen

von:  Landkreis Gießen

offline
Interessensgebiet: Gießen
Landkreis Gießen
9.144
Nachricht senden
Aktuellste Beiträge des Autors:
Apfelwein, -saft und -secco aus Äpfeln von hessischen Streuobstwiesen
Typisch hessisch ist nicht nur der bekannte Äbbelwoi, sondern auch...
Gallus-Schule weiht neuen Kletterfelsen ein
Mehr Bewegung und Spaß haben die Schülerinnen und Schüler der...

Weitere Beiträge aus der Region

Dieses Bild wurde bewusst als Titelbild genommen, mit den schönen Rosensträuchern davor!
Herbstbesuch im Neuen Botanischen Garten in Marburg
Das herrliche Herbstwetter und die Neugier mal wieder den...
Es ist wieder soweit, der „Nikolaus im Schuhkarton“
Im vierten Jahr startet Markus Machens diese Aktion. An die denken,...
Die Absolventen der Vitos Schule für Gesundheitsberufe Oberhessen mit ihrem Kursleiter Frank Dingeldein und dem Schulleiter Klaus-Dieter Jahn. (Foto: Vitos Gießen-Marburg)
16 Pflegekräfte feiern ihr Examen
Marburg, 23. September 2020. An der Vitos Schule für...

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.