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Wallfahrt in die Klappergass‘: „Stöffche“ „Schobbepetzer“ und „Gerippte“ – Eine kleine Kulturgeschichte des „Äbbelwois“

Ob als frisch gepresster Most, Rauscher oder fertig ausgegorener „Viez“, das Zeugs schmeckt in allen „Aggregatszuständen“. Allerdings nicht jedem.  Schnorbsi/pixelio.de
Ob als frisch gepresster Most, Rauscher oder fertig ausgegorener „Viez“, das Zeugs schmeckt in allen „Aggregatszuständen“. Allerdings nicht jedem. Schnorbsi/pixelio.de
Gießen | Schon die ollen Römer und alten Griechen kannten das herzhafte Stöffchen und wussten es zu schätzen. In der Äppler-Metropole Frankurt kam das heutige Hessische Nationalgetränk aber erst im 15. Jahrhundert auf und galt zunächst als minderwertiger Durstlöscher für Arme. Lang her! Heute ist der Booskop-Riesling beliebter denn je – auch als Mixgetränk. Da gibt es inzwischen die abenteuerlichsten Mischungen. Geschmacksverwirrte und –verirrte strecken das Zeugs sogar mit Buttermilch oder Malzbier. Igitt. Und Inzwischen hat ja auch ein namhafter Schokoladenhersteller mit dem Faible für Quadratisches, Praktisches und Gutes die Geschmacksnote „Ebbelwoi“ im kalorienhaltigen Sortiment.
Aber nicht jeder verträgt das Zeugs gleich gut. Die einen fallen schon nach eineinhalb Gläsern ins Wachkoma, um in Folge, nach der Reanimation, stundenlang die Klobrille zu herzen. Der Plörre eilt schließlich ein sagenumwobener, verdauungsfördernder Ruf voraus. Schlachterprobte Turniertrinker hingegen stehen auch nach acht Einheiten stramm wie eine Eiche (oder halt wie ein Apfelbaum). Als Schutzpatronin dieser examinierten "Schobbepetzer" gilt übrigens Frau Rauscher aus der Klappergass'.
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Puristen schwören auf die Marke Eigenbau. Selbstgekelterter schmeckt um Längen besser, ist würzig-pikanter und hat mitunter auch mehr Umdrehungen. Je nach Rezeptur bei der Herstellung. Und die erfordert schon einige Mühen – von der Ernte der Äpfel angefangen, dem Pressen, der Aufbereitung bis hin zur Lagerung und dem richtigen Zeitpunkt des Um- und Abfüllens. Aber dann.
Man kennt ihn unter vielen Namen: Saurer Most, Äppelwoi, Äppler, Appelwein, Ebbelwoi, Ebbelwei. Wobei die Linguisten bis heute darüber streiten, ob die korrekte Bezeichnung im Hochdeutschen "Apfelwein" oder "Äpfelwein" lauten muss. Es heißt ja auch an anderer Stelle "Kirschsaft" und nicht „Kirschensaft“, dann aber wieder "Bananenlikör" statt „Bananelikör“. Vom "Pflaumemus" spricht hingegen kein Mensch…
Äbbelwoi-Fans sind Naturschützer und leisten einen wertvollen Beitrag zum Erhalt alter und ökologisch bedeutender Kulturlandschaften wie den Streuobstwiesen :-) Für dieses hehre Ziel darf man dann schon mal einen über den Durst trinken. Das tut man in der Regel aus speziellen gerippten Gläsern. Die Beschaffenheit der Trinkgefäße stammt aus einer Zeit, als die Menschen noch ohne Besteck zu essen pflegten. Damit ihnen die Trinkgefäße nicht aus den fettigen Händen rutschten, waren sie eben "aufgeraut" und hatten ein griffiges Muster.
Ein etwas ausführlicheres Brevier des Apfelweins hier: http://www.rotorman.de/ebbelwoi-schon-die-ollen-roemer-wusstendas-herzhaft-sueffige-stoeffche-zu-schaetzen/#more-4419

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Apfelbaum 1: Wehret den Anfängen. Voll hängende Apfelbäume wecken bei passionierten Stöffche-Sommeliers schon mal gewisse Begehrlichkeiten.
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Kommentare zum Beitrag

Martin Wagner
2.600
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 01.10.2015 um 18:24 Uhr
Danke Herr Heimann für diesen informativen Artikel. Ich habe dazu gelernt.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Jürgen Heimann

von:  Jürgen Heimann

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Interessensgebiet: Gießen
Jürgen Heimann
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