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Partnerschaftsverein Gießen-Netanya e.V. in Erfurt und der Gedenkstätte des KZ Buchenwald - Ein Beitrag zur Erinnerungskultur

Die Verbrennungsöfen
Die Verbrennungsöfen
Gießen | Die Busfahrt des Partnerschaftsvereins Gießen-Netanya e.V., organisiert von Hannelore Kraushaar-Hoffmann (Rödgen), führte zunächst nach Erfurt, wo Rüdiger Bender die Gruppe kompetent in die Gesamtthematik Buchenwald einführte. "Stets gern für Sie beschäftigt", dieser Satz aus einem Schreiben an die SS, jetzt auf der Außenwand des früheren Verwaltungsgebäudes zu lesen, ist an Zynismus nicht mehr zu übertreffen, wenn man weiß, dass es sich um eine Liegenschaft der Firma Topf & Söhne handelt, die Ofenbauer von Auschwitz.

Zunächst nutzten die Nazis das Krematorium in Weimar. Als sich die Weimarer Bürger darüber beschwerten, dass an ihren Häusern ständig Leichen vorbeigefahren würden, wandte sich die SS an die Firma Topf & Söhne. Sie beauftragten dieses Metallunternehmen mit dem Bau von Verbrennungsöfen für Krematorien, weil diese Firma über eine lange Erfahrung beim Bau von pietätvollen Krematorien verfügte. Ingenieure der Firma Topf wetteiferten ohne Skrupel darum, die Verbrennungsöfen insbesondere für Auschwitz zu perfektionieren und ihre Verbrennungsleistung zu steigern. Auf den Verbrennungsöfen ist das Firmenloggo zu sehen. Das frühere Verwaltungsgebäude der Firma Topf & Söhne ist seit 2011 ein Erinnerungsort mit öffentlich zugänglichen Ausstellungen.

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Partnerschaftsverein Gießen-Netanya e.V. in Erfurt und in der Ge (1)
Zwei Drittel der Arbeiter und ein Drittel der Angestellten der Topf-Beschäftigten wurden 1939 zum Kriegsdienst eingezogen. Verschont blieb nur derjenige, für den die Betriebsleitung bei der Wehrwirtschaftsstelle eine "uk"-Stellung beantragte. "Uk" bedeutet unabkömmlich. Dem Sozialdemokraten und Ingenieur Georg Reinl gelang es, aus moralischen Gründen aus der Abteilung für Flugzeugteile versetzt zu werden, ohne seine Freistellung vom Kriegsdienst durch seine Arbeitsverweigerung zu verlieren. Auch andere sozialdemokratische und kommunistische Gegner des Nazi-Regimes wurden von der Betriebsleitung bevorzugt "uk" gestellt.

Nicht weniger menschenverachtend ist der Nazi-Spruch "JEDEM DAS SEINE" am Eisentor zum Konzentrationslager Buchenwald. Im Buchenwald-Krematorium mit dem hohen Schornstein wurden nicht nur Tag und Nacht Menschen verbrannt, sondern im Keller dieser Verbrennungszentrale auch Nazi-Gegner erhängt, erschossen und ihre Leichen per Aufzug zu den Verbrennungsöfen befördert. Im Lager Buchenwald waren von 1937 bis 1945 250 000 Menschen aus über 50 Nationen interniert, von denen 56 000 starben vor Hunger, durch Krankheit, medizinische Versuche oder willkürlichen Mord. Über 8000 sowjetische Kriegsgefangene wurden von der SS in der Genickschussanlage erschossen. Während die Asche anfangs noch in Urnen aus Blech bestattet wurde, verscharrten die Nazis sie später in der Umgebung des Waldes auf dem Ettersberg bei Weimar in größeren Gruben.

Die Fotos von dieser Exkursion sollen einen Beitrag zur Erinnerungskultur leisten, damit die Greueltaten der Nazis nicht in Vergessenheit geraten und sich so etwas bei uns nie wiederholen kann, wie Hannelore Kraushaar-Hoffmann in ihrer Einladung zu der sehr informativen Tagesfahrt schreibt.

Die Verbrennungsöfen
Die Gießener Gruppe
Fa. J.A. Topf & Söhne
Topf, die Ofenbauer von Auschwitz
Eingang zum KZ Buchenwald
Am Eisengittertor: "JEDEM DAS SEINE"
Das Krematorium
Das Firmenzeichen an den Verbrennungsöfen
Gießener Gruppe mit Rüdiger Bender
Ingenieur Georg Reinl weigerte sich, Kriegsprodukte zu produzieren

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von:  Werner Döring

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Werner Döring
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