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Der VW Skandal und seine Bewältigung

von Marcus Linkam 27.09.20151165 mal gelesen7 Kommentare
Gießen | Es wird viel berichtet was geschehen ist, was die Folgen sind und wie VW wieder Vertrauen gewinnen will. Fasst man es jedoch nüchtern zusammen, ist das alles eine riesige Show um die Verbraucher und Wähler ein zu lullen.

2011 hat ein Techniker in einem Revisionsbericht dargelegt, dass der nun öffentlich bekannt gewordene Betrug, tatsächlich zur Anwendung kommen soll. Man lasse es sich auf der Zuge zergehen: Die Revision, welche Probleme und Fehler aufdecken soll, war nicht in der Lage einen vorsätzlichen Betrug aus zu merzen. So etwas geht doch nur, wenn Menschen mit viel Einfluss ihre Finger mit drinnen haben und das System aushebeln. Hier ist auf mittlerer und höherer Führungsebene offensichtlich eine verrottete und vermutlich Geld motivierte Moral am Werkeln, die einen höheren Stellenwert hat, als Ehrlichkeit und Vertrauenswürdigkeit.

Was passiert nun? Der Chef wird entlassen! Da es ein Riesen Ding ist, muss das Bauernopfer eben größer sein. Das fehlerhafte, betrügerische System bleibt davon völlig unberührt. Auch in Zukunft wird das Management die Möglichkeit haben, Aktienkurs fördernde Entscheidungen über die Vernunft zu stellen, nachvollziehbar, aber gewiss nicht gut wie es sich in diesem Fall zeigt.
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Um mein Vertrauen wieder zu gewinnen, ok Vertrauen in Aktengesellschaften ist eigentlich etwas ausgesprochen naives, müssten grundsätzliche systemische Änderungen vorgenommen werden. Diesen Fehler als Beispiel nehmend sollte man die Belegschaft von unten bis oben durch schulen, um hier zukünftig etwas positives mit zu nehmen.
Martin Winterkorn zu entlassen, was ändert das? Wer glaubt denn im Ernst dass sein Nachfolger tatsächlich anders gehandelt hätte? Matthias Müller wird als neuer Besen gut kehren, aber aus anderem Holz ist er vermutlich nicht geschnitzt! Martin Winterkorn kann sich so recht einfach aus der Verantwortung stehlen und bekommt noch eine Abfindung, für die erst wieder viele tausend VW verkauft werden müssen.

Jetzt wird erwartet dass die Software in allen betroffenen Autos, von der Manipulationssoftware befreit wird. Aber wofür bitte? Die Autos auf den Straßen werden von dieser Software nur dann Manipuliert, wenn sie nach vorgegebener Normung für die Kontrolle der Abgaswerte auf dem Prüfstand stehen. Selbst bei einer Abgasuntersuchung im Rahmen der Hauptuntersuchung greift die Software nicht ein. Es spielt für den Betrieb der Autos keine Rolle! Somit ist die Entfernung der Manipulation nur wieder Augenwischerei!

Die enormen Strafen die drohen, betreffen wohl nur wieder den Konzern. Ich kann mir nicht vorstellen, dass nur eine Person persönlich haftet, trotz vorsätzlicher Manipulation, Steuerbetrugs, Betrugs, Umweltschädigung und Rufschädigung. Ist man nur hoch genug in der Hirarchie, ist man letztendlich „to big to fail“. Da ist eine Entlassung alles andere als ein persönliches Dilemma.

Die Politik, die Regierung wusste wohl irgendwie von dem Vorgang, hat aber aufgrund ihrer marktradikalen Grundeinstellung nicht reagiert und dadurch sogar mit gespielt. Wir Bürger haben uns an diese Art Politik derart gewöhnt, dass wir nicht einmal mehr aufbegehren! Das ist schlimm und ich ertappe mich selbst, wie normal das für mich ist. Trotzdem bekommen die verantwortlichen Parteien auch bei den nächsten Wahlen wieder viele Stimmen, weil man ihnen zutraut ihre Arbeit gut zu machen. Das ist noch schlimmer!!!

Dieser Skandal zeigt nur wieder zu deutlich wie unser Wirtschaftssystem Funktioniert, wie unmoralisch in Konzernspitzen gedacht wird, wie undemokratisch unsere Politik defakto ist und dass die Kunden und Wähler nach Ermessen der Verantwortlichen manipuliert werden.

Kommentare zum Beitrag

Birgit Hofmann-Scharf
10.362
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 27.09.2015 um 20:24 Uhr
Weltweit schadet das sicher dem Konzern- die Deutschen aber werden ihrem VW die Treue halten, so denke ich.
Volkswagen hat in den letzten Jahren ihre Preise enorm nach oben korrigiert, trotzdem gehört er in unserem Lande zu den Lieblingsmarken.
Ich gehe erst einmal vorsichtig mit all den Berichterstattungen um - zumal es hier "stinkt".
Sabine Manuela Kuhl
242
Sabine Manuela Kuhl aus Gießen schrieb am 02.10.2015 um 13:58 Uhr
Nun ja, das ist salopp formuliert, der größte Beschiss am Kunden aller Zeiten, produziert von ein paar Nieten in Nadelstreifen, von denen es ja mal wieder keiner gewesen sein will und das wird voraussichtlich neben dem Imageschaden für den Konzern und die Marke, wahrscheinlich im Endeffekt mal wieder die Belegschaft ausbaden müssen......Chapeau!!!
Sabine Manuela Kuhl
242
Sabine Manuela Kuhl aus Gießen schrieb am 06.10.2015 um 18:01 Uhr
Wer heute die Nachrichten verfolgt hat, durfte erfahren, dass die Belegschaft von VW künftig mit massiven Einschnitten zu rechnen habe.....
Marcus Link
456
Marcus Link aus Gießen schrieb am 05.11.2015 um 06:22 Uhr
Als wäre ich Hellseher
Der neue VW Chef hat vermutlich schon vorher bei Porsche vergleichbares wie sein Vorgänger bei VW mit getragen und die Ergänzung des Skadals durch die zu hohen CO2 Werte und Verbrauch. Auch davon wusste Herr Müller sicherlich etwas, bevor es heraus kam.

Und wieder einmal Salamitaktik im Umgang mit den Problemen statt der versprochenen echten Aufklärung. Überrascht das noch wen? Es ist doch nun wirklich nichts neues, dass unsere Autos in der Realität mehr verbrauchen als es im Prospekt steht. Aber das liegt bestimmt daran dass wir alle nicht ordentlich fahren wie es sich gehört...

Was mich an der Sache wirklich wundert, dass nur VW und Co. überführt werden und alle anderen eine weiße Weste zu haben scheinen. Na ich schaue mal in die Glaskugel: Da kommt noch was!
Stefan Walther
4.847
Stefan Walther aus Linden schrieb am 05.11.2015 um 22:45 Uhr
Große Verwunderung Herr Link bezüglich der "Reaktion" der Regierung?
Wie nennt man das: "marktradikale Grundeinstellung"? Ich nenne das StaMoKap, ich denke Sie wissen was dies bedeutet...

Und die anderen Automobilhersteller? Ach, warum sind die denn so leise? Warum nutzen sie nicht ihre Chance, wäre doch wie ein "Elfmeter ohne Torwart"? Evt. selbst Dreck am Stecken?
Marcus Link
456
Marcus Link aus Gießen schrieb am 06.11.2015 um 06:57 Uhr
Natürlich: Andere Hersteller werden sich nicht freiwillig in den Dreck werfen, ohne dass ein Ball auf's Tor fliegt. Doch ist meine Ahnung die, dass andere als die Hersteller selbst, weitere Mängel "entdecken" und publik machen.
Marcus Link
456
Marcus Link aus Gießen schrieb am 11.11.2015 um 18:59 Uhr
Ich mag meine Glaskugel!

Das Kraftfahrtbundesamt hat nun auch bei anderen Herstellern als VW erhöhte Abgaswerte gefunden.

Wie durchschaubar das System ist... Und überraschen tuts auch keinen... Warum ist dann das KBA oder die Politik überrascht?
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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von:  Marcus Link

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Marcus Link
456
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