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Überteuerte Sanierung mit Technik von gestern

Gießen | Die Wohnbau baut für viel Geld neue Lüftungsanlagen ein.
Und keiner will sie haben?

Um 75 % unterschritten werden soll der Energieverbrauch
gegenüber einem „Niedrig-Energiehaus“ für 49 Wohnungen in der Eichgärtenallee 110,
so mit stolz geschwellter Brust unser Energieminister in Hessen.

Das erste Hochhaus also in Gießen,
das die Wohnbau auf den „Passivhausstandard im Bestand“ bringt.
278.900 € für diese hochaufwändige Art der energetischen Modernisierung
erhält die Wohnbau vom Land.

Das sind 50 % der Kosten, um diesen „Energieeinspar-Status“ herzustellen.
Rund 5.700 € für jede der 49 Wohnungen.
Das hört sich erstmal gut an.

Doch führt das nicht auch zu einer beträchtlichen Mieterhöhung?
Ja, denn die restlichen Kosten muss der Vermieter zahlen.
Der kann bis zu 11 %, das sind 627 € jährlich, auf den Mieter umlegen.
250 bis 350 € kostet der Betrieb der Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung
(für Strom und Wartung).

Summa summarum sind das fast 1.000 € mehr für die energetische „Teuer-Sanierung".
Die bisherigen Heizkosten sind fast immer niedriger als die hohen Zusatzkosten.

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Das rechnet sich so nie und nimmer!

Die Technik dazu?

Im Herderweg 12/14 wurde eine solche Lüftungsanlage
bereits eingebaut.

Da gibt es für die Mieter nun keine separate Badentlüftung mehr.
Gut entlüftet wird das Bad nur dann, wenn die Lüftung auf Maximalstufe gestellt wird.

Doch dann werden alle anderen Räume einschließlich Abstellraum automatisch mit maximaler Luftströmung mitbelüftet.
Wer vergisst,
einige Minuten nach Verlassen des Bades die Stark-Lüftung abzustellen,
zahlt für den unnötigen Stromverbrauch,
bei 24 Stunden fast einen Euro.

Seit der ersten Kritik daran sind die Stromzähler für die Mieter nicht mehr zugänglich.

Und wer in der kühleren Jahreszeit vom Wohnzimmer nachts sein Haupt ins vermeintlich kühlere Schlafzimmer betten will:
Nixda, genauso warm wie im molligen Wohnzimmer ist es hier.
Denn die Lüftungsanlage arbeitet ausschließlich zentral für die gesamte Wohnung
– ohne Temperaturunterschiede,
weil Räume nicht einzeln reguliert werden können.

Wer die Entlüftung der Küche während des Kochens anstellen will,
muss durch Wohnzimmer und Flur bis zur Badezimmertür gehen,
wo der Schalter installiert ist. Beim Abstellen nochmals diesen Weg.

Vorgaben, die Fenster geschlossen zu halten,
führen an heißen Tagen dazu,
dass ständig warme Luft von draußen angesaugt wird
und dass die die Wohnung saunamäßig aufheizt.

Und zur Mittagszeit kann man in der Wohnung mitriechen,
was der Mieter ein Geschoss tiefer gerade „Leckeres“ kocht.
Dessen Luft wird aus der Küche abgesaugt und tritt waagrecht in die Außenluft aus.
Die vermeintliche Frischluft des Mieters darüber wird durch einen 90-Grad-Bogen von unten her angesaugt und in Wohn-, Schlafzimmer und Abstellraum geblasen.

Zudem sind in der Lüftungsanlage ausschließlich Grobfilter eingebaut.
Feinfilter gegen den Feinstaub der nahen Hauptverkehrsstraße Rodheimer fehlen.

Sind solch teure Lüftungsanlagen mieterfreundlich?

Eher das Gegenteil!

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Kommentare zum Beitrag

Rüdiger Schäfer
739
Rüdiger Schäfer aus Gießen schrieb am 02.09.2015 um 20:52 Uhr
Artikel als Leserbrief am 26. August im Gießener Anzeiger veröffentlicht
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von:  Rüdiger Schäfer

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Rüdiger Schäfer
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