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Freiwillige Deutschkurse für Flüchtlinge werden gut angenommen

Gießen | Sozialdezernent Oßwald besucht mit Stadträtin Eibelshäuser jüngsten Sprachkurs für Asylbewerber - „Integration funktioniert über Sprache“

Landkreis Gießen/Gießen. „Unser Angebot ist ein entscheidender Grundstein für die Integration von Flüchtlingen“, sagte Dirk Oßwald, Sozialdezernent im Landkreis Gießen, als er vergangene Woche im neuesten Deutschkurs des Kreises für Asylbewerber zu Gast war. Gemeinsam mit Stadträtin Astrid Eibelshäuser besuchte er den Kurs von Lehrerin Barbara Schmitt. Er findet in der Monroestraße nahe der dort gelegen Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge des Kreises statt. Angeboten wird er von der Volkshochschule (vhs) des Landkreises – auf freiwilliger Basis für die Flüchtlinge und als freiwillige Leistung des Landkreises. Das heißt, es gibt keine Fördergelder für diese Sprachkurse, die den geförderten Integrationskursen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) vorgeschaltet sind. Der Landkreis Gießen lässt sich dies jährlich zirka 100.000 Euro pro Jahr kosten.

„In 16 der 19 derzeit bestehenden Gemeinschaftsunterkünfte des Kreises werden solche Deutschkurse für die Bewohnerinnen und Bewohner angeboten“, erläuterte Werner Leipold. Als Fachbereichsleiter für Sprachen an der vhs des Landkreises koordiniert er neben den BAMF-Integrationskursen auch die freiwilligen Sprachkurse. Die Flüchtlinge nehmen dieses Angebot gerne an. „Seit Beginn der zusätzlichen Kurse vor rund drei Jahren haben rund 700 Frauen, Männer und im Ausnahmefall auch Kinder die Kurse besucht und erste Deutschkenntnisse erworben“, berichtet der Initiator dieses Angebots stolz. Sie kommen erfahrungsgemäß gern und motiviert in die Kurse, die zumeist mehrmals in der Woche in Schulen des Landkreises sowie in öffentlichen Bürgerhäusern oder kirchlichen Gemeindehäusern stattfinden. „Wir haben uns als Unterrichtsraum gezielt für Räume außerhalb der Unterkünfte entschieden, um die Menschen aus den Wohnheimen herauszuholen. Sie sollen hinein in die Orte und Dörfer gehen, damit sie sehen und gesehen werden. Das fördert die Kommunikation ungemein“, erläutert Werner Leipold einen positiven Nebeneffekt der Sprachkurse.

In der Monroestraße in Gießen, in der der Kreis seit Frühsommer dieses Jahres eine Gemeinschaftsunterkunft betreibt, gibt es seit gut drei Wochen den Kurs in einen Raum, der extra für die Sprachkurse hergerichtet wurde.
Ein Kurs läuft über 250 Stunden und vermittelt an bis zu vier Tagen in der Woche praxistaugliches Deutsch. Es soll den Flüchtlingen helfen, beim Einkauf, Arztbesuch oder im Gespräch mit Nachbarn sagen zu können, was sie wünschen. Dass das klappt, konnten Astrid Eibelshäuser und Dirk Oßwald nun vor Ort persönlich erleben. Denn die über 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer beantworteten ihre Fragen und erzählten aufgeschlossen, was sie bereits lernen konnten. Einige sprechen bereits besser Deutsch als andere. „Aber auch das liegt in der Natur der Sache“, erklärt Kursleiterin Barbara Schmitt, „denn die Unterrichtseinheiten sind so gestaltet, dass man jederzeit einsteigen kann.“

Jeder Flüchtling kann also sofort mitmachen, sobald ein Platz im Kurs frei ist. Geplant ist jedoch, den Gießener Kurs in zwei Gruppen zu teilen, um den unterschiedlichen Sprachkenntnissen und dem individuellen Lerntempo besser gerecht werden zu können.

Die Unterrichtsmaterialien der Sprachkurse sind so gewählt, dass die Absolventen bei regelmäßiger Teilnahme die ersten beiden BAMF-Einsteiger-Module überspringen können, wenn sie später zum regulären Integrationskursbesuch verpflichtet sind. Für die Zulassung zu den Integrationskursen muss das Asylverfahren des Flüchtlings abgeschlossen sein. „Nicht so bei den freiwilligen Deutschkursen, die sofort nach Ankunft der Flüchtlinge beginnen können. Das ist eine besondere Integrationsleistung“, sagte Dirk Oßwald, „die wir für die Asylbewerber im Landkreis Gießen anbieten. Denn Sprache ist für jeden Menschen der Schlüssel zur Kommunikation und damit Integration.“

Neben den vorbereitenden Sprachkursen der vhs des Landkreises gibt es in der Stadt Gießen aber auch auf ehrenamtlicher Basis eine Vielzahl von Initiativen, damit die hier lebenden Flüchtlinge ohne bürokratische Hürden die deutsche Sprache lernen können. Zum Beispiel führt in den Räumen des Freiwilligenzentrums von Stadt und Landkreis Gießen der Verein an.ge.kommen seit Mai in der Innenstadt regelmäßig Sprach-Treffs durch, berichtete Astrid Eibelshäuser ihren Mitstreitern vom Landkreis.

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Kommentare zum Beitrag

Martin Wagner
2.741
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 27.08.2015 um 13:31 Uhr
Ganz kurz zu der Passage:

(Anfang des Zitates)

Die Unterrichtsmaterialien der Sprachkurse sind so gewählt, dass die Absolventen bei regelmäßiger Teilnahme die ersten beiden BAMF-Einsteiger-Module überspringen können, wenn sie später zum regulären Integrationskursbesuch verpflichtet sind. Für die Zulassung zu den Integrationskursen muss das Asylverfahren des Flüchtlings abgeschlossen sein. „Nicht so bei den freiwilligen Deutschkursen, die sofort nach Ankunft der Flüchtlinge beginnen können. Das ist eine besondere Integrationsleistung“, sagte Dirk Oßwald, „die wir für die Asylbewerber im Landkreis Gießen anbieten. Denn Sprache ist für jeden Menschen der Schlüssel zur Kommunikation und damit Integration.“

(Ende des Zitates)

Ich bin anderer Ansicht als Herr Osswald. Ich denke aus guten Grund wird bisher ein Sprachkurs nur für Personen angeboten, welche das Asylverfahren "erfolgreich" hinter sich gebracht haben.

Ich verstehe nicht, dass mit dem Angebot an einem Sprachkurs vielen später "nicht erfolgreichen" Asylbewerber Hoffungen gemacht wird, dass sie in der BRD bleiben können. Denn - ich versetze mich einmal in die Lage eines Asylbewerbers - ich würde davon ausgehen, dass wenn ein Staat Geld in die Hand nimmt (z.B. um die Lehrer der Kurse zu bezahlen), dass ich "dann auch hier bleiben kann".

Bitte nicht falsch verstehen: Das Verfahren rechtstaatlich fair und unanfechtbar innerhalb von 3 bis 4 Wochen "durchziehen" und danach bei Anerkennung als politischen Verfolgter verstärkte Integrationsmassnahmen ergreifen.
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