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Stadtwerke Gießen AG will sich zum Energiedienstleister wandeln

Die beiden Vorstände Jens Schmidt (l.) und Matthias Funk sowie die Aufsichtsratsvorsitzende Astrid Eibelshäuser bei der Präsentation der Unternehmensbilanz 2014 der Stadtwerke Gießen AG.
Die beiden Vorstände Jens Schmidt (l.) und Matthias Funk sowie die Aufsichtsratsvorsitzende Astrid Eibelshäuser bei der Präsentation der Unternehmensbilanz 2014 der Stadtwerke Gießen AG.
Gießen | Korkenknallen hörte man in den Geschäftsräumen der Stadtwerke Gießen AG (SWG) am Tag der Veröffentlichung der Unternehmensbilanz nicht. Dennoch zeigte sich der Vorstand mit dem Ergebnis des vergangenen Jahres zufrieden. Abermals erwirtschaftete der Energieversorger rund 6,8 Millionen Euro - ein Minus von circa sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Den geringeren Umsatz begründete Jens Schmidt bei einem Pressegespräch mit dem vergleichsweise mildem Winter. Für den „guten Kurs“ des Unternehmens sprechen die gestiegenen Kundenzahlen sowie ein Plus von vier Prozent beim Umsatz auf dem Strommarkt. Auch die Investitionskraft der SWG trug Schmidt als Argument für „ein gut aufgestelltes Unternehmen“. Demnach bilanzierte der Vorstand Anlagen in Höhe rund 29,9 Millionen Euro - ein Wert der im Vergleich zum Jahr 2013 fast konstant blieb.
Dass das Unternehmen stärker „auf die Gegebenheiten des Markts“ eingehen müsse, zeigt sich in den Geschäftsfeldern Wärme, Kälte und Gas. Hier berichtete Schmidt von Absatz- und Umsatzrückgängen sowie einem konstanten Minus beim Bäderbetrieb. Im Hinblick auf die sinkenden Besucherzahlen
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der Bäder betonte der Technische Vorstand der SWG, Matthias Funk, dass eine langfristige Ausrichtung des Geschäftsfelds notwendig sei, um die Verluste zu kompensieren. Als ersten Schritt beabsichtigt Funk die Altersstruktur der Besucher und die Attraktivität der Bäder bei den Badegästen empirisch zu erfassen. Seine weiteren Vorhaben im Hinblick auf die Modernisierung des Unternehmens sei die Integration moderner Mess- und Datenverarbeitungssysteme sowie die Entwicklung eines „intelligenten Stromnetzes“.
Dass die SWG ihr innovatives Potential bei der Energiegewinnung noch lange nicht ausgeschöpft hat, begründete Schmidt mit dem Bauprojekt „TREA 2“ - einer Kraft-Wärme-Kopplungsanlage, die behandelte Abfälle verbrennen und im Jahr 2017 ans Netz gehen wird. Auf Basis der Kraft-Wärme-Kopplung wird sie rund 75 Millionen kWh Wärme und etwa 40,6 Millionen kWh Strom erzeugen. Gegenüber der getrennten Strom- und Wärmeproduktion spart die TREA 2 pro Jahr fast 28.000 Tonnen CO2 ein. Darüber hinaus wird die TREA 2 mit dem Tag ihrer Inbetriebnahme den Primärenergiefaktor für Fernwärme in Gießen auf unter 0,20 senken. Für das Jahr 2014 erreichten die SWG bereits den Rekordwert von 0,36. Der Primärenergiefaktor beschreibt das Verhältnis von eingesetzten fossilen Energieträgern zur erzeugten Wärmeenergie. 0,36 bedeutet, dass die SWG für jede Kilowattstunde Wärme nur 0,36 Kilowattstunden Erdgas einsetzen müssen.
Weiteres Potential als ganzheitlicher „Energiedienstleister“ bewies die SWG bei Investitionen in die E-Mobilität sowie die Kooperation mit Start-Ups aus der Region. Für die Zukunft der SWG zeichnete Schmidt folgendes Bild: „Wir wollen unser bisheriges Geschäftsmodell klug flankieren und mit innovativen Entwicklungen ergänzen. Das erfordert auch, verstärkt mit Experten aus anderen Bereichen zu kooperieren.“
Konkrete Kooperationen hatte Schmidt sogleich vorzuweisen: „Besonders freuen wir uns darüber, dass unsere Dienstleistung jetzt auch bundesweit Anklang findet. Tatsächlich kooperieren die Stadtwerke Gießen inzwischen mit der Stiftung Viamedica und der Firma Bosch. Ziel der Zusammenarbeit ist es, in ganz Deutschland weitere Kunden für ein Wärme-Contracting mit den SWG zu gewinnen. Aber auch in den eigenen vier Wänden stehen unter der Leitung des kürzlich neu besetzten Vorstands Veränderungen an. „Wir werden in Zukunft Führung und Mitarbeiter in den Vordergrund stellen.“ Die Unternehmenskultur soll mehr Beachtung erhalten. Allen voran die Frage „Wie arbeiten wir miteinander?“ will Schmidt intensiv zur Diskussion stellen. Zudem sollen mehr Mitarbeiter mit geeignetem Fachwissen für die Bewältigung zukünftiger Herausforderungen gewonnen werden. Angesichts der ehrgeizigen Ziele war es nicht verwunderlich, dass die Sektflaschen verschlossen blieben und die Führungskräfte schnell zum „business as usual“ übergingen.

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