Bürgerreporter berichten aus: Gießen | Überall | Ort wählen...

Erstes Vogelschlagopfer im Windpark am „Noll“

Gießen | Rabenau. Wie der NABU Kreisverband Gießen mitteilt, hat es am Windpark „Noll“ bereits ein erstes nachgewiesenes Vogelschlag-Opfer gegeben. Ende vergangener Woche wurde ein schwer verletzter Rotmilan mit Flügelbruch und aufgerissener Bauchdecke gefunden. Dieser habe vermutlich schon länger im Wald gelegen, da Maden in seinen Wunden saßen. In der Giessener Vogelklinik konnte der Greifvogel nur noch eingeschläfert werden. Die Tierärzte bestätigten anhand der Verletzungen dass es sich um ein Schlagopfer handeln müsse. Ob der betroffene Altvogel noch eine Brut zu versorgen hatte, deren Ausfliegen nun gefährdet ist, muss offen bleiben.

„Wir haben schon während des ganzen Planungsprozesses laufend davor gewarnt, dass der Standort für Windräder nicht verträglich ist“, hieß es seitens des NABU. Im Umkreis von rund einem Kilometer nisten nach Angaben des Verbands zwei Paare des Rotmilans, ein Paar Schwarzmilane, zwei Paare Uhus. Im weiteren Umkreis finden sich drei weitere Rotmilan-Paare sowie Schwarzstörche. Die Arbeitsgemeinschaft der deutschen Vogelschutzwarten habe im „Helgoländer Papier“ Empfehlungen gemacht, welche
Mehr über...
Windpark (11)Schlagopfer (1)Rotmilan (14)Noll (2)NABU (133)
Abstände zwischen Brutplätzen und Windrädern eingehalten werden sollten. Der Standort am Noll wurde deshalb vom NABU von Anfang an sehr kritisch eingeschätzt, weil die Windräder hier von Brutpaaren kollisionsgefährdeter Vogelarten regelrecht umzingelt sind.
Gerade der Rotmilan gilt als besonders anfällig gegenüber Windenergieanlagen, da diese Art bisher bundesweit überproportional häufig als Schlagopfer gefunden wurde. Vor allem gilt das für Anlagen in der offenen Agrarlandschaft, wo Rotmilane hauptsächlich Nahrung suchen. Am Noll sei es nach Angaben örtlicher Beobachter hingegen die Thermik: Hier steigen häufig Greifvögel mit der warmen Luft auf. So könnten sie besonders leicht in den Bereich der Rotoren gelangen und verletzt werden.
„Die sinnvolle Nachnutzung von Konversionsflächen ist begrüßenswert, wenn sie nicht renaturiert werden können. Aber auch dann muss die Nachnutzung naturverträglich und im Einklang mit den Naturschutzgesetzen sein. Beim Windpark Noll merkt man, dass er politisch gewollt ist“, so ein Sprecher. Es gebe zahlreiche Beispiele in Hessen und darüber hinaus, wo Windparks schon wegen geringerer Dichte an kollisionsgefährdeten Vogelarten keine Genehmigung bekamen.
„Die Anlagen sind gerade erst in Betrieb genommen worden, und schon wurde ein erstes Schlagopfer gefunden. Wie viele werden in den Jahrzehnten der Betriebsdauer noch folgen?“ fragen sich die Naturschützer. Die Dunkelziffer sei hoch, da keine regelmäßigen Kontrollen stattfänden und verletzte und tote Vögel im Wald kaum zu finden sein. Das Regierungspräsidium als Genehmigungsbehörde müsse den Betreibern nun weitere Auflagen zum Schutz der Vögel machen. Der Genehmigungsbescheid sehe diese Möglichkeit ausdrücklich vor, so der NABU. Die Naturschützer fordern nun konsequente Abschaltzeiten während der Brutzeiten der windkraftrelevanten Vogelarten von Mitte März bis Mitte August und während der Flugzeiten von Fledermäusen. Schließlich habe der Windkraftbetreiber die Bedenken des Naturschutzes gekannt und trotz der aufgelisteten sensiblen Vorkommen hier gebaut. Also sei es auch sein wirtschaftliches Risiko, wenn sich nun herausstelle, dass es zu den befürchteten letalen Opfern käme. Außerdem fordert der NABU, dass die Abschaltungen durch geeignete Mittel seitens der Genehmigungsbehörde kontrolliert werden, z.B. durch technische Überwachungsprotokolle.

Dies könnte Sie zum Thema auch interessieren

Vorne Rotmilan, dahinter Schwarzmilan.
Rot- und Schwarzmilan
Rot- und Schwarzmilan tummelten sich am 06.06. ebenfalls auf dem Feld, wo auch die Störche waren.

Kommentare zum Beitrag

96
Heiko Schmidt aus Grünberg schrieb am 22.07.2015 um 19:38 Uhr
In Rabenau ist das "Kind bereits in den Brunnen gefallen", das ist bedauerlich.

Wird der NABU auch im Vorfeld - während der Planungsphase zu Windkraftanlagen / im Rahmen der Regionalplanung - aktiv?

Aktuell wird u.a. unter Mißachtung des neuen Helgoländer Papiers in der Gemarkung Grünberg geplant.
Es gibt u.a. einen gesicherten/bestätigten Rotmilanhorst bei dem man meint die 1500m nicht einhalten zu müssen.
Am 23.07.2015 werden die vermutlich nichtsahnenden Mitglieder der Regionalversammlung Mittelhessen wahrscheinlich die u.a. diesbezüglich fehlerhafte Planungsvorlage des RP absegnen.
Die Planung des RPs basiert offensichtlich auf einem Gutachten, vorgelegt durch den gleichen Projekteur, der auch für Rabenau geplant hat.
Bei der Vorstellung dieses Gutachtens in einer Ausschusssitzung der städtischen Gremien in Grünberg, erklärte direkt ein Mitglied des Ausschusses, dass es einen Rotmilan - entgegen dem Gutachten - über der Planungsfläche gesichtet hat...

Ein weiteres Planungsgebiet im Bereich Grünberg/Laubach liegt sogar im Vogelschutzgebiet. Dort wurde in den vergangenen Jahren regelmäßig ein Schwarzstorch gesichtet. Einen Horst soll es in diesem Areal auch geben.
Wenn dieser nun einmal ein Jahr nicht besetzt ist, so kann dies m.E. kein Freibrief für dieses Areal sein. Was ist, wenn er nach der Errichtung der Windkraftanlagen wieder kommt?
NABU Kreisverband Gießen
481
NABU Kreisverband Gießen aus Gießen schrieb am 22.07.2015 um 21:41 Uhr
Der NABU hat sich in diese Planung ebenfalls schon eingeklinkt, vor allem auf Ebene der örtlichen Gruppe Laubach. Diese und der Kreisverband wissen, welche Arten im Umkreis der beiden Planungen vorkommen.
Die Regionalversammlung kann lediglich die grundsätzliche Abweichung von der derzeitigen Vorgabe des Regionalplans absegnen und damit den Weg frei machen, dass auf der Fläche grundsätzlich WEA gebaut werden dürfen. Ob und wo und wie viele WEA dann aber tatsächlich auch genehmigt werden obliegt dem Immissionsschutz-Dezernat als Genehmigungsbehörde, das die Vorgaben der Oberen Naturschutzbehörde zu berücksichtigen hat.
EU-Vogelschutzgebiete sind (leider) kein pauschaler Ausschlussgrund für Windkraft. Im neuen Teilregionalplan Windenergie sollen aber die Vogelschutzgebiete mit Ausnahmen in den beiden größten Gebieten (Vogelsberg und Westerwald) von der Windkraft freigehalten werden. Nur leider ist der Plan noch lange nicht rechtskräftig. Auch im Rahmen der nächsten Offenlage des Planentwurfs im Herbst wird sich der NABU wieder einbringen.
Die den sogenannten tradierten Horste von Schwarzstorch und Co genießen dauerhaften Schutz und gelten nach derzeitiger Konvention der Behörden erst dann als verlassen, wenn sie das fünfte Jahr in Folge nicht belegt sind.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) NABU Kreisverband Gießen

von:  NABU Kreisverband Gießen

offline
Interessensgebiet: Gießen
NABU Kreisverband Gießen
481
Nachricht senden
Aktuellste Beiträge des Autors:
NABU lädt zum "Birdwatch"
Kreis Gießen. Am Wochenende greifen wieder weltweit Vogelfreunde zu...
NABU-Kreisverband gibt 26. Jahresbericht heraus
Kreis Gießen. Ungezählte ehrenamtliche Stunden stecken in dem Werk –...

Veröffentlicht in der Gruppe

Natur+Umwelt

Natur+Umwelt
Mitglieder: 43
Aktuellste Beiträge der Gruppe:
Summ summ summ, das Bienchen summt in der Wilden Ecke herum
Ein kleines Wildblumensamen Päckchen, das jemand in der wilden Ecke...
Feldhase besucht die wilde Ecke
Die wilde Ecke und ihre Besucher
Ich war auf Insektensuche und wurde von einem Feldhasen beobachtet....

Weitere Beiträge aus der Region

WM-Vergabe an Katar: Ex-Uefa-Boss Platini festgenommen
War doch nicht alles so sauber gelaufen mit der Vergabe der WM 2022...
Die Energiewende auf kommunaler Ebene
Die Stadtwerke Gießen (SWG) beteiligen sich an einer Ringvorlesung...
historische Schienenbusse der 1960er Jahre
Sonderfahrt zum Mittelaltermarkt nach Bad Münster am Stein
Am Samstag den 14. September 2019 startet ein Sonderzug, gebildet aus...

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.