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Kirche macht sich in Gießener Kitas breit

Gießen | Weniger als ein Drittel der Kitaplätze in Gießen sind in städtischen Einrichtungen, die meisten sind kirchlich und werden mit staatlichen Geldern unterstützt und gefördert.

Eltern, die für ihre Kinder eine weltanschaulich neutrale Einrichtung suchen, haben es zunehmend schwerer, obwohl Grundgesetz und Hessische Verfassung die Trennung von Staat und Kirche vorschreiben. Etwa 35% der Bevölkerung im Kreis Giessen gehören keiner Kirche an; in der Stadt dürfte der Anteil noch erheblich höher liegen. Und die Kirchenaustritte häufen sich: 1815 Menschen haben 2014 die Kirchen verlassen, 400 mehr als im „Rekordjahr“ 2013.

Dabei geht es nicht nur um die nichtchristlichen Eltern und Kinder, die von den Kirchen vereinnahmt werden. Auch die Beschäftigten müssen sich dem Diktat der Kirchen beugen. In den Stellenausschreibungen ist jeweils die Mitgliedschaft in einer Kirche Bedingung, was dazu führt, dass manche sich nicht getrauen auszutreten, oder – noch schlimmer – wieder eintreten oder sich „taufen“ lassen müssen. Kirchensteuer müssen sie dann auch bezahlen. Sicher ist der Arbeitsplatz dann aber noch lange nicht, denn: Wer gegen den Moralkodex der katholischen Kirche verstößt (Ehescheidung…), kann wegen der Sonderrechte des „Tendenzbetriebes“ entlassen werden.

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Mit der gleichen Begründung dürfen die kirchlich Beschäftigten nicht streiken. Der aktuelle Streik im Sozial- und Erziehungsdienst macht das Missverhältnis deutlich: 240.000 Beschäftigte im kommunalen Bereich kämpfen faktisch für 500.000 kirchlich Angestellte mit. Diese "Tendenz"-Bestimmungen sind für Staat und Kirche sehr nützlich, damit werden die Rechte der Gewerkschaften und Beschäftigten ausgehebelt.

Dieser verfassungswidrige Trend zur staatlich geförderten Missionierung bei gleichzeitigem Mitgliederschwund wird noch verstärkt. Zwar hatte Bgm. Weigel-Greilich 2007 versprochen, dass keine weiteren städtischen Kitas privatisiert werden sollten. Doch der im RKH-Gelände geplante Kindergarten soll gleich der Kirche überlassen werden.

Und es kommt noch schlimmer. Die August-Hermann-Franke Schule will auf dem ehemaligen Pascoe-Grundstück ebenfalls eine Kita eröffnen; sie gehört zur fanatischen Evangelischen Allianz, die neben weiteren „Teufelswerken“ gegen jede Abtreibung und Homosexualität hetzt, die „wie außereheliche Sexualität grundsätzlich unvereinbar mit der biblischen Ethik“ sei (Spiegel, 21/15).
Erika Beltz
(aus Gießener Echo, Juli 2015)

Kommentare zum Beitrag

Florian Schmidt
4.880
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 13.07.2015 um 18:11 Uhr
Unterstützt ist ein dehnbarer Begriff. Meistens sind es vielleicht 5-10% Kirchengelder die in die Kindergärten fliessen. Das jedeoch bei 100% Oberhoheit über das Privatleben der Angestellten. Schwul, Geschieden, Wiederverheiratet, Atheist oder mindestens nicht Christ und man hat keine Chance. Die Lippenbekenntisse der letzten Zeit zum Arbeitsrecht kann man auch nicht ernst nehmen.
Dazu die Erziehung nach christlichen Werten. Sippenhaft, Führerhörigkeit, Homophobie, Frauenfeindlichkeit, Antisemitismus... Bitte nicht.
Wer seine Kinder dieser Ideologie ausliefern möchte, übrigens die freien Evangelikalen lassen auch heute noch gerne den Rohrstock kreisen, der soll das bitte selbst bezahlen. Keine staatlichen Mittel in Ideologisierte Kitas. Auch nicht an die Anthroposophen Spinner aus dem Waldorf.
Florian Schmidt
4.880
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 13.07.2015 um 20:21 Uhr
Irgendwo schade oder bezeichnend, dass das niemanden zu interessieren scheint.
Christine Stapf
8.211
Christine Stapf aus Gießen schrieb am 14.07.2015 um 10:43 Uhr
Zur Überschrift eine Frage :
Das Familienzentrum Westwind in der Anne-Frank-Straße war, als meine Tochter von 1989 - 1992 in diese Kita ging noch eine Einrichtung der Stadt Gießen.
Warum gibt die Stadt ihre Einrichtungen ab ? Ich unterstelle einmal dass die frühere Kita meiner Tochter nicht die Einzige in der Stadt Gießen ist, die den Träger wechselte.
Florian Schmidt
4.880
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 14.07.2015 um 11:06 Uhr
Warum ist schnell erklärt, die Kirchen haben bessere Konditionen und diverse Erleichterungen.
Klaus Stadler
5.167
Klaus Stadler aus Reiskirchen schrieb am 14.07.2015 um 12:23 Uhr
Lieber Herr Beltz,sind sie der Nachfolger von Karl-Eduard von Schnitzler und der neue Macher des - Schwarzen Kanals-.So hört sich ihr Bericht an.
Florian Schmidt
4.880
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 14.07.2015 um 13:37 Uhr
Das sind doch Tatsachen. Mittlerweile haben Eltern fast keine Möglichkeit mehr ihre Kinder in eine Kita zu geben die nicht von der Kirche durchseucht ist.
Es wird Zeit endlich Kirchen von den Steuerfleischtöpfen zu werfen und ihre Privilegien aufzukündigen.
Christine Stapf
8.211
Christine Stapf aus Gießen schrieb am 14.07.2015 um 15:14 Uhr
Wenn die Stadt Gießen sich ihrer Verantwortung entzieht und Kitas verhökert, kann man den neuen Betreibern keinen Vorwurf machen.

Die armen Eltern werden wohl auch noch mit Waffengewalt gezwungen ihre Kinder in die Kitas der Kirche zu geben. Aber die Eltern sind aufgeklärt genug zu wissen, dass ihre Kleinen nicht täglich 3 x den Rosenkranz beten müssen.

Ihr letzter Satz Herr Schmidt ist Wunschdenken.
Da Sie ja so kompetent sind, eröffnen Sie doch eine Kita :-)
Michael Beltz
7.760
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 14.07.2015 um 16:08 Uhr
Zur Wirkung der Religion auf Kinderseelen gibt es ein interessantes wissenschaftliches Experiment:

Schulkindern wurde die Geschichte von Josua und seinem Kriegsvolk, wie sie die Stadt Jericho eroberten und anschließend alle Einwohner brutalst abschlachteten, genau so vorgelesen, wie es in der Bibel im Buch Josua 6,21 steht. Die Frage, ob Josua richtig gehandelt hatte, beantworteten danach 66% mit 'Ja', weil es ja Gottes Wille war - 26% lehnten es ab.

Anderen Schulkindern wurde genau dieselbe Geschichte vorgelesen mit nur kleinen Änderungen: Aus Josua machte man einen imaginären chinesischen Kaiser und der Bezug zu Gott fiel weg. Die Frage, ob der Kaiser richtig gehandelt hatte, beantworteten 75% mit einem klaren 'Nein', weil es eben Massenmord und Kriegsverbrechen waren. Nur 7% hielten das Verhalten für gut.

Die Berufung auf Gott bewirkt also keinesfalls moralisches Handeln, sondern dient der Rechtfertigung abscheulichster Verbrechen. (Quelle: Richard Dawkins, „Der Gotteswahn“)

Diesen Beitrag schickte mir Ralf Cüppers
Florian Schmidt
4.880
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 14.07.2015 um 18:30 Uhr
Wenn es keine Alternativen gibt, und die Plätze in säkularen Kindergärten besetzt sind, bleibt den Eltern nichts anderes übrig als ihre Kinder der Kirche auszuliefern.
Die Indoktrination verläuft wesentlich subtiler, wie das Beispiel von Herrn Belz zeigt. Den Kindern wird das Gottesmärchen als Wahrheit verkauft. Sie bekommen die Geschichten erzählt und eben nicht gesagt das es sich um fiktive Begebenheiten handelt. Es wird aus der Kinderbibel gelesen und mit der Sintflut und der Hölle eine subtile Drohkulisse aufgebaut.
Es ist wirklich ein Wunsch den ich hege das vielleicht die Kirche selbst mal sagt: "Also diese Verträge, dieses Konkordat das wir mit Adolf Hitler geschlossen haben ist einfach nicht mehr zeitgemäß." Bei Franco oder Mussolini haben sie es ja auch getan.
Übrigens, Zitat vom GröFaz: " Wir haben Soldaten notwendig, gläubige Soldaten. Gläubige Soldaten sind die wertvollsten. Sie setzen alles ein"
Den Kindern diesen Glauben in die Köpfe zu impfen, damit kann nicht früh genug begonnen werden.
Christine Stapf
8.211
Christine Stapf aus Gießen schrieb am 14.07.2015 um 21:17 Uhr
Was für Aussichten, in den Schulbänken sitzen Massenmörder, die zu abscheulichen Verbrechen fähig sind.
Florian Schmidt
4.880
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 14.07.2015 um 21:24 Uhr
Was glauben sie denn warum die soldaten im Krieg "Gott mit uns" auf den Koppelschlössern hatten? Glaubensgeschichte sollten sich viel mehr Leute aneignen nicht Glaubensgeschichten.
Wenn die Kirchen wieder mehr an Einfluss gewinnen, weil sie die Kinder von frühester Jugend beeinflussen könne, dann wird auch die Kirche irgendwann ihre Zähne wieder spitzen und beißen.
Michael Beltz
7.760
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 15.07.2015 um 13:16 Uhr
Hallo Christine,

zur Beantwortung Deiner Frage hier ein Artikel aus dem Gießener Echo von September 2007 über die letzte Sitzung des Stadtparlaments:

"Die grüne Bürgermeisterin Weigel-Greilich beginnt mit der Privatisierung städtischer Kindergärten. Sie will die Kita in der Anne-Frank-Straße ab nächsten Sommer an einen „freien Träger“, der in einem „Interessenbekundungsverfahren“ gefunden werden soll, abgeben. Gründe: nicht genügend Geld für eigentlich notwendige Beschäftigte, die personell z.Zt. nicht mögliche, 4. Gruppe könnte sofort dort eingerichtet werden und die jetzigen Erzieherinnen dort könnten dann die Personaldecke in anderen städtischen Kitas verstärken. Ihre abstruse Argumentation gipfelt in dem Non-plus-ultra, daß dann endlich eine Kita von einem freien Träger „in einem relativ schwierigen Gebiet mit hohem Aussiedleranteil“ betrieben wird. Was bitte sind das für Vorteile?...."
Christine Stapf
8.211
Christine Stapf aus Gießen schrieb am 15.07.2015 um 21:02 Uhr
Hallo Michael,

wie sollen Erzieherinnen die Personaldecke in anderen Kitas verstärken, wenn sie von dem neuen Träger übernommen wurden ?

Und was der negative Beigeschmack - „in einem relativ schwierigen Gebiet mit hohem Aussiedleranteil“ betrieben wird betrifft, würde ein Aufschrei durch die Straßen gehen, da die Kinder von Aussiedlern nicht dümmer und auffälliger sind als all die Anderen.

Aber es muß ja etwas gefunden werden um einen Verkauf der eigenen Einrichtungen zu rechtfertigen.
Florian Schmidt
4.880
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 15.07.2015 um 21:33 Uhr
Aber in konfessionellen Einrichtungen können Kinder aus nicht christlichen Hausgalten besser fern gehalten werden.
Kurt Wirth
3.080
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 16.07.2015 um 11:06 Uhr
Als Opa (und mein Enkel verläßt auch schon bald die Schule) stecke ich ja nicht so voll drin im Geschehen. Aber der Eindruck aus meiner ziemlich großen Wohnanlage mit vielen Kindern ist folgender:

-Den meisten Eltern ist es eigentlich egal, in welche KITA sie ihre Kinder geben können. Hauptsache, überhaupt mal ein Platz und dann, wenns geht, möglichst nah dabei. (Wenn es allerdings auch islamische KITA's gäbe, das würde bei den meisten doch viel Überwindung kosten).
-Von irgendwelchen religiösen Übungen oder Beeinflussungen habe ich noch nie gehört. Mag sein, daß Kreuze an der Wand hängen. Auch in den kirchlichen KITA's sind die Kinder bekenntnismäßig und nicht-bekenntnismäßig bunt gemischt.
-heftig ist jedoch die Situation der Beschäftigten dort (auch wenn gerade gestern in Bayern 23 von 27 Diözesen das Arbeitsrecht dahingehend geändert haben, daß Scheidung und Wiederheirat kein Kündigungsgrund mehr sind). Aber was hier generell gehandhabt wird, ist grundgesetzwidrig. Vor allem das fehlende Streikrecht führt zu einem ständigen Hinterherhinken im Vergleich zu staatlichen und kommunalen Einrichtungen. Aber immerhin hat sich schon mal geändert, daß man nicht für Gottes Lohn arbeiten muß, wie früher, als in diesem Sektor ausschließlich Ordensschwestern tätig waren (wie auch in Krankenhäusern, Schulen, Pflegeheimen).
- Mein Sohn besuchte ein Gymnasium unter katholischer Trägerschaft in Fulda. Das kostete zwar monatliches Schulgeld, aber seine "Bekenntnislosigkeit" führte zu keinerlei Nachteilen oder Bearbeitungen. Mit 14 beschloß er, sich taufen zu lassen, aber evangelisch (inzwischen ist er wieder ausgetreten und bekenntnislos). In der Abschlußklasse fehlte er den größeren Teil des Schuljahres auf Grund einer gesundheitlichen Krise. Seine Lehrer und Mitschüler organisierten einen Intensiv- und Crashkurs für ihn - mit Erfolg. Ich glaube, das ist in staatlichen Schulen nicht immer die Norm.
-Meine Schwester konnte wg. Down-Syndrom weder einen "Kindergarten" noch eine Schule besuchen (meine Mutter war später Gründungsmitglied der "Lebenshilfe", die dann nach und nach entsprechende Rechte und Einrichtungen für Betroffene erkämpfte). Als sie 13 war, kam die Leiterin des nahegelegenen katholischen Kindergartens (eine Ordensschwester) auf meine Mutter zu: Sie würde - entgegen der Vorschriften und einiger zu erwartender Widerstände von Elternseite - meine Schwester aufnehmen. Sie blieb da, bis sie 17 war, mit großer Freude.

Auch in außerkirchlichen Einrichtungen ist man übrigens vor Nachstellungen nicht sicher: Meine Mutter war zuletzt in einem Pflegeheim der "Arbeiterwohlfahrt", also SPD-nahe. In Abstimmung mit der Heimleitung machte jede Woche ein katholischer Pfarrer seine Runde durch die Räume.
Und als ich vor vielen Jahren mit verletztem Bein in einem kommunalen Krankenhaus lag, kam auch regelmäßig der katholische Pfarrer ins Zimmer und erkundigte sich nach dem Befinden. Mein Bettnachbar, wegen Hämorrhoiden operiert, meinte zu dem Pfarrer, auf die Frage, wie es ihm gehe: "So weit ganz gut, bloß das Schei... geht fürchterlich schlecht". Darauf der Pfarrer schmunzelnd: "Omnia ad majorem gloriam dei" (alles zur größeren Ehre Gottes). Eines Sonntagsvormittags wurde ich sogar, ohne gefragt zu werden, in meinem Bett in die Kapelle zum Gottesdienst gebracht. Es stellte sich heraus, mein Bettnachbar hat in einem von mir nicht wahrnehmbaren Moment dem Personal geflüstert. ich wolle am Sonntag in die Kirche.

Außer Weiterungen der Allgemeinbildung hat kirchliches Tun bei mir keine bleibenden Spuren hinterlassen. Aber, wie gesagt, die Beschäftigten müssen aus ihrem Dasein zweiter Klasse befreit werden.
Florian Schmidt
4.880
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 16.07.2015 um 12:46 Uhr
-heftig ist jedoch die Situation der Beschäftigten dort (auch wenn gerade gestern in Bayern 23 von 27 Diözesen das Arbeitsrecht dahingehend geändert haben, daß Scheidung und Wiederheirat kein Kündigungsgrund mehr sind)

Es soll lediglich keine "automatische Kündigung" erfolgen. aber der Einzelfall...
Michael Beltz
7.760
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 17.07.2015 um 13:39 Uhr
Hallo Kurt, Du schreibst, noch nie von religiösen Beeiflussungen in Kitas gehört zu haben. Was ist mit Gebet und dem Singen von frommen Liedern?
Dass Du kirchenkonformes Verhalten von Mitarbeitern, Pfarrern und Schwestern lobst und dagegen andere aus AWO usw entgegenstellst, kann ich nicht nachvollziehen. Gewiss gibt es freundliche Kirchenmänner und-frauen.
Hier geht es aber um Systhem.
Kurt Wirth
3.080
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 17.07.2015 um 14:59 Uhr
In der Tat ist mir Beten und Singen religiöser Lieder in Kitas nicht bekannt. Kann ich mir bei Zwei- und Dreijährigen auch schwer vorstellen (mein Sohn war noch nicht ganz zwei, als er in die KITA kam. Mußte halt "stubenrein" sein). Aber ich habe da sicher keinen Gesamtüberblick.

Ich habe die konkreten Erfahrungen mit Kirchenleuten geschildert, die waren mal so und mal so (habe doch nicht nur gelobt).

Und das System macht eben auch vor der AWO nicht halt.
Florian Schmidt
4.880
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 17.07.2015 um 16:24 Uhr
Es ist einfach anmassend von der Kirche sich überall rein zu drängen
Kurt Wirth
3.080
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 17.07.2015 um 18:39 Uhr
Inzwischen habe ich auch internetmäßig festgestellt, daß - vor allem katholische Kitas - in ihren Selbstdarstellungen tatsächlich schreiben, daß sie nicht nur die großen christlichen Feste wie Weihnachten, Ostern, oder auch das kleinere St.Martin (für Kinder ja besonders interessant wegen der Lampions, aber wenn von da bei ihnen was vom "Teilen" und Solidarität hängen bliebe, wärs ja auch nicht schlecht) mit den Kindern gebührend begehen, sondern auch beten und singen. Da war ich tatsächlich nicht auf dem Laufenden. Ist aber auch ein Zeichen, daß das für die Eltern um mich herum relativ belanglos ist. Oder auch einfach unterschiedlich. Aber das gehört sich einfach nicht. Da hat Michael durchaus recht. Mein Sohn und mein Enkel waren in kommunalen Kitas bzw. Hort, da gabs das natürlich ohnehin nicht.

Aber ansonsten sehe ich die Kirchen zum Glück nicht auf dem "aufsteigenden Ast", in Europa nicht und weltweit nicht. Auch wenn es ein sehr langwieriger und zäher Prozeß ist. Der Papst guckte kürzlich zwar noch verdutzt, als ihm das Kreuz in Form von Hammer und Sichel überreicht wurde, aber die vielen Che-Guevara- und sogar Kuba-Flaggen bei einzelnen Veranstaltungen könnten ein Indiz dafür sein, daß "zusammenwächst, was zusammengehört".

Die jüngste deutschsprachige Ausgabe der "Granma" (Kuba) enthält einen ehrenden Artikel über die kürzliche Seligsprechung des ermordeten salvadoranischen Erzbischof Romero, an der auch die Vizepräsidenten Kubas und Venezuelas teilnahmen. Mal sehen, was der demnächst stattfindende Besuch des Papstes in Kuba bringt.

Ich bin mir da also nicht so sicher, ob ich die Kirche perspektivisch nicht doch als "Bündnispartner" betrachten sollte.

Für die momentanen Realitäten trifft der Beitrag und die ja auch aus vielen früheren Äußerungen bekannte Kritik Herrn Schmidts vollauf zu.
Florian Schmidt
4.880
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 17.07.2015 um 20:35 Uhr
Ich befürchte, die Gläubigen werden sich mehr den Freikirchen und Evangelikalen zuwenden. Radikale und fundamentalistische Glaubensauslegungen gewinnen an Mitgliedern. Siehe auch der fundamentalistische Islam.
Speziell in den USA gibt es radikale christliche Strömungen. Kreationisten die ernsthaft glauben, die Erde sei 6000 Jahre alt und gleichzeitig die Evolutionstheorie ablehnen. In einigen Gebieten sogar den Unterricht darüb er verbieten. Da gibt es Lebensschützer die ohne Probleme 100 Ärzte erschießen würden um ein Abtreibung zu verhindern. Ausgehend von den USA gibt es Hassprediger die gezielt Kinder anwerben um sie auf Mission zu schicken. Diese endet dann auch gerne durch eine Disconnection von Hals und Kopf durch einen gezielten Hieb mit der Machete.
In Afrika haben fundamentalistische Christen noch in jüngster Vergangenheit die Todesstrafe für Homosexuelle gefordert. Da werden Frauen juristisch belangt die statt einem Kleid oder Rock eine Hose tragen. Da werden Kinder von Christen als Hexen und Hexer verfolgt, speziell Albinos. Damit die katholische Kirche nicht noch mehr an Einfluss verliert führen katholische Priester dort Exorzismen durch.
Religiöse Führer bekommen eine mega Bühne. Papstbesuche, selbst hier im Bundestag. Der Dalai Lama in Hessen. Ich möchte nicht wissen wie das Leben in tibet heute wäre ohne die Chinesen. Besser war es für das einfache Volk vorher jedenfalls nicht unbedingt.
Wenn wir von Humanität reden dann fällt jedem zuerst Mutter Theresa ein. Auch genannt: Die Hexe von Kalkutta. Eine bösartige Frau und Sadistin. Die Menschen unbehandelt hat sterben lassen und deren Leid als göttlich betrachtete. Dazu kommt, dass es nicht klar ist wo viele Spenden für ihre Sache eigentlich gelandet sind.
Die Kirchen in Deutschland sind Steinreich. Alleine das Geld von dem wir wissen ist unermässlich. Mehrere Milliarden. Darunter Firmen und Immobilien. Aber auch Briefkästen in Holland.
Trotzdem lassen sie sich alles finanzieren. Das Bschöfliche Hilfswerk Misereor trägt sich nur zu 6% aus Kirchlichen Haushaltsmitteln. Über die Hälfte kommt vom Staat und 34% sind Spenden und Kollekte. Aber alles was sicher auch gutes von dort ausgeht steht zu 100% im Stammbuch der Kirche.
Kinder müssen kritisch erzogen werden, nicht Religionsblind. Wenn Kinder die Bibel als und die christliche Lehre als Wahrheit vermitteln haben es die Rattenfänger sehr leicht auch ihre redikalen Lehren schmackhaft zu machen.
Florian Schmidt
4.880
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 17.07.2015 um 20:38 Uhr
Übrigens, der solidarische heilige Martin war ein Sklaventreiber und hat sich sehr um die Zerstörung "Heidnischer" Kunst und Kultur verdient gemacht.
Michael Beltz
7.760
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 19.07.2015 um 18:19 Uhr
Eine Ergänzung aus dem Ausland, das unter der Christianisierung gelitten hat
Eine der brutalsten Rebellengruppe Afrikas heißt "Holy Spirit Movement". Diese in Uganda wütende Gruppe ist eine christlich
inspirierte Kleinkirche (Sekte). Sie versuchte in den 80er Jahren die Regierung zu stürzen. Aus dieser Sekte ging die "Lord`s Resistance Army" hervor. Der Anführer Joseph Kony ist dafür bekannt, Kinder zu verschleppen und sie zu Soldaten zu machen.
Klaus Stadler
5.167
Klaus Stadler aus Reiskirchen schrieb am 22.07.2015 um 15:28 Uhr
Lieber Beltz,ihr geliebtes Väterchen Stalin wollte Priester werden und hat dann aber umgeschult zu einem der größten Massenmörder der Geschichte. Mit seinem Kumpel Adolf fing er den 2. Weltkrieg an.
Florian Schmidt
4.880
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 22.07.2015 um 18:51 Uhr
Dem überzeuigten Katholiken und selbsternannten Erfüller der Vorsehung.
Kurt Wirth
3.080
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 22.07.2015 um 21:13 Uhr
Ob der (A.H.) so etwa ab 1920 noch überzeugter Katholik war, da habe ich meine Zweifel. Andersrum hatten nur wenige Katholiken etwas gegen ihn einzuwenden (wie z.B. der Pater Rupert Mayer, der nach 1945 an den Folgen der KZ-Haft verstarb und später immerhin seliggesprochen wurde. Der Beisitzer in seinem Prozeß, der Richter Schwingenschlögl, fällte reihenweise Todesurteile am OLG München wegen Wehrkraftzersetzung - von Zivilisten, fast immer nur wegen banaler Äußerungen beim Friseur oder am Stammtisch - und wurde 1953 wieder in den Justizdienst in Kempten eingestellt bis er mit allen Ehren 1967 in den Ruhestand trat) und der Vatikan arrangierte sich mit ihm (mit A.H.)

Stalin hatte das Glück, aus ärmlichen und verkorksten Familienverhältnissen durch den örtlichen Geistlichen einer weiterführenden Bildung zugeführt zu werden (wie das auch in Mitteleuropa über Jahrhunderte später berühmt gewordenen Geistesgrößen geschah). Er verließ aber das Priesterseminar vorzeitig und ohne Abschluß, wohl in rechtzeitiger Erkenntnis dessen, was ihm da bevorstand. (Damit will ich spätere Entwicklungen seiner Persönlichkeit nicht rechtfertigen).

Noch zum hl.Martin: Irgendwie bleiben "historisch bedeutsame" Persönlichkeiten immer ein Produkt ihrer Zeit und können sich nur teilweise daraus befreien. Mir ist aber Ihre Information, Herr Schmidt, auch neu und ich werde mich nun eingehender damit befassen. Aber lassen wir die Kindergartenzöglinge erst mal größer werden und vorerst bei dem bekannten Bild bleiben :-)

Zu den afrikanischen Sekten von Michael: Wenn sich die natürlich jetzt um eine KITA in Gießen bewerben, also da bin ich natürlich energisch dagegen. Ansonsten findet man natürlich in der langen Geschichte der Christenheit und auch in der Gegenwart das Abscheulichste. Ich bemühe mich da, in die Zukunft zu blicken.

Vorgestern wurde übrigens die evangelische Kirche in Immenstadt im Allgäu mit über 100 neofaschistischen Aufklebern verunziert und ein aus 1 m hohen Steinbuchstaben vor ihr befindlicher Schriftzug "Menschlichkeit" zerstört, weil die Kirche zwei Flüchtlingsfrauen und einem Kind Kirchenasyl vor der Abschiebung gewährte.
Florian Schmidt
4.880
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 22.07.2015 um 22:20 Uhr
Folgt man dem Gedankengut Martin Luthers sollte eigentlich auf jeder evangelischen Kirche ein Hakenkreuz prangen, aber offiziell.
Kurt Wirth
3.080
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 23.07.2015 um 10:52 Uhr
Das Hakenkreuz haben auch nicht die Nationalsozialisten erfunden.
Da hätte eben früher jemand darauf hinweisen müssen, dann wäre Luther vielleicht im Auschwitzprozeß mit abgeurteilt worden. Aber die guten Ideen kommen immer zu spät.
Michael Beltz
7.760
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 25.07.2015 um 11:48 Uhr
Immerhin hat Martin Luther den Ablasshandel v e r t e u f e l t.
Florian Schmidt
4.880
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 25.07.2015 um 14:00 Uhr
Genau wie die Bauernaufstände und die Juden. Ach und seine Meinung zu Menschen mit Behinderung war auch einfach bezaubernd. Zitat: "Wenn man aber von den teufelsähnlichen Kindern erzählt, von denen ich einige gesehen habe, so halte ich dafür, dass sie entweder vom Teufel entstellt, aber nicht von ihm gezeugt sind, oder dass es wahre Teufel sind."
Michael Beltz
7.760
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 27.07.2015 um 10:06 Uhr
Gestern in Bad Nauheim im "Kaffeemühlchen". Herr Schmidt, Sie hätten Ihre Freude gehabt. Ein Frau überfiel eine alte Dame (wohl die Mutter) mit einem Wortschwall:
Ich habe für ihn gebetet, da war so ein armes Kind, ich habe gebetet, bei Gott bin ich aufgehoben, ich habe mal wenig Geld und malviel, Gott beschützt mich immer, einem Kind ging es nicht gut, ich habe das Gott überlassen..........das ging so eine halbe Stunde.......
Die Leute an den Nachbartischen haben sich amüsiert, wir konnten alles hören, da die Fau recht laut sprach (die Mutter war wohl schwerhörig)
Florian Schmidt
4.880
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 27.07.2015 um 22:10 Uhr
Ja, beten das Ruhekissen der Gläubigen.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Michael Beltz

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