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Ob Ratte, Ente oder Fisch, hauptsache Fleisch kommt auf den Tisch

Gießen | Der Tod gehört zum Leben, wie es so schön heißt und das gilt natürlich auch für die Tiere in der Natur. Viele, wenn nicht die meisten enden als Nahrung im Magen anderer Tiere, einschließlich unserem, aber natürlich enden auch viele durch Krankheiten oder Parasiten, manche schaffen es gar, an Altersschwäche zu sterben.

Meist bekommen wir Menschen das hier nicht mit, bei uns gibt es schließlich keine Geier, die man schon aus Kilometern Entfernung, über einem Kadaver kreisend, sich versammeln sehen kann. Bei uns übernehmen das zumindest im städtischen Raum oft die Krähen, und die kreisen nicht erst lange, sondern machen sich sofort an die Arbeit, wenn sie etwas Nahrhaftes entdecken.

Als ich einmal drei Stunden am Ufer des Schwanenteich stand und darauf wartete, dass ein Reiher zur Fütterung der Jungen anflog, sah ich plötzlich sieben, acht Meter neben mir zwei Krähen, die sich um einen Fisch stritten. Er war gar nicht so klein und wie er aufs Ufer geraten ist, wer weiß das. Vielleicht hatte ihn ein Reiher verloren, vielleicht ist er auf der Flucht vor einem solchen in die falsche Richtung gesprungen und buchstäblich
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an Land gelandet. Jedenfalls war er tot und bei ein paar Krähen gab es an dem Tag Fisch. Ich konnte ein kurzes Video davon drehen, leider kam bald jemand vom Gartenamt angefahren, um den Müllbehälter zu leeren und das verscheuchte die Krähen. Eine kam anschließend zurück, hackte noch ein bisschen am Fisch herum, hob ihn dann mit dem Schnabel hoch und stellte offenbar fest, dass er inzwischen leicht genug war, um ihn abzutransportiern und schwupps, machte sie sich mit ihm dorthin davon, wo sie wahrscheinlich niemand weiter beim Fressen stören würde.

So einfach hatten es zwei Krähen nicht, die ich morgens auf dem Radweg an der Lahn beim Frühstück einer zarten Ratte überraschte. Sie müssen ziemlich genervt gewesen sein, weil sie trotz der frühen Stunde oft genug durch Jogger oder Radfahrer gestört wurden. Das machte allerdings den Aasfliegen und Wespen nichts aus, die sofort den Platz der Krähen einnahmen.
Besonders wenn die Wespen am Obstkuchen auf Balkonien naschen, sollte man vielleicht auch mal daran denken, dass Wespen nicht nur Süßes mögen und welchen Schnellimbiss sie womöglich zuvor angesteuert hatten. Dann schmeckt der Kuchen bestimmt gleich nochmal so gut.

Am Schwanenteich sieht man gelegentlich auch mal einen
So ein zarter Schenkel ist doch lecker
So ein zarter Schenkel ist doch lecker
zerrupften Vogelkadaver. Ehe man einem Hund oder einer Katze die Schuld gibt, sollte man auch da an die Krähen denken. Das Tier kann an natürlichen Ursachen verendet sein und die Krähen haben sich des Leichnams angenommen. Das habe ich zuletzt am 8.9. gesehen, als zwei von ihnen eine tote Stockente aufbrachen. Eine hatte sich schon an einer Stelle Zugang zum Fleisch verschafft, als eine zweite dazu kam. Da die erste sie nicht an die Stelle lassen wollte, an der sie schon die Federn entfernt hatte, musste der Neuankömmling erst mal ausgiebig rupfen. Die erste war aber anscheinend schon gesättigt und flog davon und Nummer zwei wechselte dann lieber zu der Stelle, mit der Nummer eins sich zuvor beschäftigt hatte.

Da es der Morgen war, an dem auch ein Jungschwan mit Verdacht auf Botulismus in die Vogelklinik kam, wäre es natürlich auch möglich, dass das die Ursache für den Tod der Ente gewesen sein kann. Es würde mich zwar wundern, schließlich war es seit Anfang September nicht mehr so heiß und auch windig genug, um das Wasser mit Sauerstoff anzureichern. Das Umweltamt kontrolliert auch regelmäßig die Wasserwerte. Aber ausschließen kann man es auch erst, wenn die Ursache in der Vogelklinik bekannt ist.
Immerhin gibt es eine gute Nachricht von dort, der Jungschwan lebt und es geht ihm zur Zeit schon besser, er muss aber weiter in der Vogelklinik behandelt werden. Mehr soll Anfang nächster Woche zu erfahren sein.

Video 1: Krähen zanken sich um Fisch http://www.youtube.com/watch?v=0kiEF-vqjKw

Video 2: Krähen verköstigen sich an toter Stockente http://www.youtube.com/watch?v=KXj-J7tILDA

So ein zarter Schenkel ist doch lecker
In Ruhe zum Fressen kommt man auf einem Radweg einfach nicht
Es sei denn, man ist Wespe ...
... oder Fliege
Fisch hat man auch nicht jeden Tag
Den will sie doch wohl nicht alleine essen?
Jetzt bin ich erst mal dran
Da hat die Krähe mich überrascht. Es ist ja noch ein ganz schöner Brocken, aber kaum hatte sie ihn hoch bekommen, war sie mit ihm auf und davon.
Tote Stockente am Schwanenteichufer
Erste Fraßspur am Bauch der Ente. Was merkwürdig war, die malachitgrüne Farbe an der Innenseite der Flügel. Das dunklere Grün am Bauchgefieder sieht nach Algenschlamm aus.
Falls die Ente durch Botulismus vergiftet war, vergiften sich hoffentlich nicht auch die Krähen.
Das Umweltamt kontrolliert regelmäßig die Wasserqualität.

Kommentare zum Beitrag

Andrea Mey
11.009
Andrea Mey aus Lollar schrieb am 11.09.2015 um 23:18 Uhr
Nicht sehr appetitlich, aber auch die Krähen haben Hunger. Gut, dass wir diese Aasfresser haben.
Ja, und auch die Wespen lieben Fleisch!
Jutta Skroch
13.746
Jutta Skroch aus Buseck schrieb am 11.09.2015 um 23:37 Uhr
Die Krähen sind ja freche Burschen, heute haben sie wieder einen Greifvogel erfolgreich in die Flucht geschlagen. Das Video mit dem Fisch finde ich super, man sieht, wie intelligent die Tiere sind. Komplett auf den Fisch stellen und schon hat der Mitfresser keine Chance mehr.
Andrea Mey
11.009
Andrea Mey aus Lollar schrieb am 11.09.2015 um 23:54 Uhr
Genau das habe ich auch in dem Video beobachtet.
Die Krähe rechts im Bild zieht den kürzeren.
Interessantes Video, Bernd!
Bernd Zeun
11.777
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 12.09.2015 um 09:17 Uhr
Ich muss auch immer wieder schmunzeln, wenn ich mir das Video ansehe. Auch die dritte Krähe, die durchs Bild marschiert, scheint genau zu wissen, da brauche ich mich gar nicht dazu gesellen, da kriege ich doch nichts ab. Leider kam das Gartenamt im falschen Moment, ich hätte die Szene gern weiter beobachtet.
H. Peter Herold
29.365
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 13.09.2015 um 14:49 Uhr
In einigem was hier zur Sprache kam musste ich immer wieder an uns Menschen denken. Auch wir streiten uns um alles Mögliche, natürlich nicht um Aas.
Hallo Lieber Leser
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