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Demenz-Café: Mehr als Kuchen essen und Zuhören

Menschen mit Demenz gerecht zu werden, ist keine leichte Aufgabe. Einige der Kursteilnehmer sind schon länger in einem Demenz-Café tätig und berichteten, wie viel Freunde ihnen diese Aufgabe dennoch macht.
Menschen mit Demenz gerecht zu werden, ist keine leichte Aufgabe. Einige der Kursteilnehmer sind schon länger in einem Demenz-Café tätig und berichteten, wie viel Freunde ihnen diese Aufgabe dennoch macht.
Gießen | Wie begegnet man Menschen mit Demenz? Worauf kommt es im Gespräch mit ihnen an? Besonders ehrenamtliche Demenzbetreuer müssen im Alltag mit demenziell veränderten Menschen umgehen und brauchen deswegen das erforderliche Rüstzeug für diese verantwortungsvolle Aufgabe.

Eine entsprechende Schulung haben nun knapp 20 Teilnehmer durchlaufen und sind begeistert. Hannelore Görtz war eine der Fortbildnerinnen, die in den Räumen des Freiwilligenzentrums für Stadt und Landkreis Gießen den Kurs angeboten hat. Dirk Oßwald hat vergangene Woche die Zertifikate überreicht. Dabei kam der Sozialdezernent des Landkreises mit den Absolventinnen und Absolventen ins Gespräch über Inhalte der Ausbildung, Schwerpunkte bei der Arbeit im Demenz-Café und Gedanken zu diesem besonderen Ehrenamt, dem immer stärkere Bedeutung zukommt.

„Das Engagement in Demenz-Cafés ist gar nicht hoch genug zu schätzen“, sagte Dirk Oßwald voller Anerkennung. Er weiß, worüber er spricht, hat er doch in der eigenen Familie Erfahrungen mit Demenz machen müssen. „Ich konnte mir ein Bild davon machen, wie Menschen mit Demenz aufblühen, wenn sie gemeinsam basteln, Spiele spielen, sich bewegen, Lieder aus ihrer Jugend singen oder auch nur Kaffeetrinken und dabei unbeschwert von früher erzählen“, sagte er.

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Die Qualifizierung und Stärkung der Demenzbetreuer liegt ihm deswegen besonders am Herzen. Wie wichtig eine solche Schulung ist, machte eine Teilnehmerin deutlich: „Jede Demenz-Helferin sollte einen solchen Kurs besuchen, auch wenn sie – wie ich – früher selbst als Altenpflegerin gearbeitet hat. Es gibt viele neue Erkenntnisse zur Demenz und ganz viele Anregungen für die Gestaltung der Nachmittage im Café.“

Einige der Kursteilnehmer sind schon länger in einem Demenz-Café tätig und berichteten, wie viel Freunde ihnen diese Aufgabe macht. „Zu sehen, wie wohl sich unsere Gäste bei uns fühlen und welche Fähigkeiten sie wieder entfalten, das ist wunderbar zu beobachten“, sagte einer der Teilnehmer. Eine Teilnehmerin befand es als „besonderen Lohn, wie viel Zuneigung uns die Gäste und auch deren Angehörige entgegenbringen“.

Das Themenspektrum der Fortbildung war sehr umfangreich. So setzten sich die Teilnehmer in fünf Wochen und 39 Unterrichtseinheiten unter anderem mit den unterschiedlichen Erscheinungsformen der Demenz auseinander. Aber auch Rechtsfragen, wie Schweigepflicht oder „was darf ich im Ehrenamt und wo sind die Grenzen?“ gehörten zum Schulungsinhalt. Besonders spannend fanden die Teilnehmer die praktischen Einheiten, wie sie im Gespräch verrieten.

Knapp 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben die Schulung durchlaufen und sind begeistert. Dirk Oßwald (r.) hat die Zertifikate überreicht und das Engagement gewürdigt.
Knapp 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben die Schulung durchlaufen und sind begeistert. Dirk Oßwald (r.) hat die Zertifikate überreicht und das Engagement gewürdigt.
Besonderen Dank sprachen die Teilnehmer Patricia Ortmann vom Freiwilligenzentrum aus. Sie hatte die Koordination der Schulung übernommen und für eine gute Lernatmosphäre gesorgt. Patricia Ortmann erinnerte daran, dass Ruth Hoffmann, Altenhilfeplanerin des Landkreises, die Schulung erst ermöglicht hatte. Denn sie wiederum war es, die die Verantwortlichen für die Demenz-Cafés an einen Tisch geholt hatte, um die Idee von gemeinsamen Schulungen in die Tat umzusetzen.

Einig waren sich alle, dass es über den Kurs hinaus regelmäßige Treffen für ehrenamtliche Helfer geben sollte, um sich austauschen zu können. Deshalb wurde auch gleich ein Termin für einen ersten „Stammtisch“ verabredet. Aufgrund des großen Interesses beginnt der nächste Kurs am 24. Juni 2015, wieder im Freiwilligenzentrum in der Ludwigstraße 6, in Gießen. Weitere Kurse werden, so Patricia Ortmann, nach Bedarf angeboten.

Interessierte können sich an das Freiwilligenzentrum für Stadt und Landkreis Gießen wenden, Telefon: 0641 3062258, oder Altenhilfeplanerin des Landkreises Gießen, Ruth Hoffmann, Telefon: 0641 9390-9703.

Menschen mit Demenz gerecht zu werden, ist keine leichte Aufgabe. Einige der Kursteilnehmer sind schon länger in einem Demenz-Café tätig und berichteten, wie viel Freunde ihnen diese Aufgabe dennoch macht.
Menschen mit Demenz... 
Knapp 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben die Schulung durchlaufen und sind begeistert. Dirk Oßwald (r.) hat die Zertifikate überreicht und das Engagement gewürdigt.
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Kommentare zum Beitrag

Martin Wagner
2.705
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 25.06.2015 um 08:20 Uhr
Vorneweg ein Satz, damit klar wird, dass ich durchaus weiss von was geredet wird. Vor vielen Jahren bin zwei Jahre aus meinem Beruf raus (Arbeitgeber machte mit) und habe die Pflege meiner dementen Mutter übernommen.

Die Aktivitäten des Landkreises sehe ich gespalten.

Ohne Zweifel ist es notwenig, dass ehrenamtliche Demenzhelfer die Möglichkeit der Rücksprache mit Menschen in der gleichen Situation geboten wird. Das erfolgt meiner Meinung nach am Besten mit der Gründung (von mir aus auch mit der finanziellen Unterstützung durch die Kommunen) einer entsprechenden Selbsthilfegruppe. Dort können die ehrenamtlichen Helfer sich über die stark belastende Arbeit mit dementen Bürgern sich austauschen und (bei Bedarf) sich Fachleute beiziehen, die Tipps geben, wie mann / frau das am Besten hinbekommt.

((Da bin ich damals regelmäßig hingefahren.))

Diese Funktion wird sicher das Demenzcafe auch erfüllen.

Das Ganze aber so "aufzupusten", dass "(...) .... in fünf Wochen und 39 Unterrichtseinheiten ... (...) auf ein Zertifikat hin gearbeitet wird halte ich für stark übertrieben. Ich vermute mal, da waren clever Leutchen am Werk und haben sich selber eine Verdienstquelle erschlossen, in dem sie den manchmal doch ahnungslosen Parteipolitkern in den Kommunen erfolgreich erzählt haben: Dafür brauchen die ehrenamtliche Helfer aber eine gründliche Ausbildung. Mitbürger, die dementen Menschen im Freizeitbereich begleiten brauchen meiner Meinung nach keine Ausbildung.

Und bitte komme mir keiner mit "(...) .... Aber auch Rechtsfragen, wie Schweigepflicht oder „was darf ich im Ehrenamt und wo sind die Grenzen?“ gehörten zum Schulungsinhalt. .... (...)". Das ist doch so was von banal. Das muss doch jeder Ehrenamtlicher wissen und der weiss das auch. Dafür brauche zumindest ich keine 39 Unterrichtseinheit. Natürlich kommt es im Ehrenamt (ich weiss von was ich rede ...) immer einmal vor, dass du in speziellen Fragestellungen dir professionelle Hilfe holen musst, aber doch nur erst wenn es notwenig ist. Aber 20 Leute für ein Zertifikat vorsorglich damit zu "beschallen", dass ist doch "geraubte Lebenszeit".

Ich bezweifele nicht, dass die Schulung mit 39 Stunden für bestimmte Gruppen von Ehrenamtlichen Sinn macht, aber für die Begleitung reicht "der gesunde Menschenverstand" mit Rückkopplung der Helfer innerhalb einer Selbsthilfegruppe und eventuell Koordinierungstreffen über das eigene Engeagement hinaus völlig aus. Dazu braucht es keinesfalls der Koordination im Rahmen von Kommunen. Das kann frei organisiert werden.

Auch an diesem Beispiel zeigt sich meiner Einschätzung nach ein Zielkonflikt in der Ehrenamtlichenarbeit. Immer mehr wird von den Pleite gegangenen Kommunen versucht durch "Angebote" Ehrenamtliche in Aufgaben "reinzudrücken", die - falls sie nicht von Ehrenamtlichen geleistet wird - durch kommerzielle Dienstleister viel teurer sind, aber (eventuell) von den Kommunen bezahlt werden muss.

Einerseits zeigt sich da die Fähigkeit von den Parteipolitiker stategisch zu denken ( ... langfristig kommt uns das so billiger ...) anderseits besteht immer die Gefahr, dass sie Ehrenamtliche gegen Dienstleister ausspielen.

Konkret zu der Demenzerkrankung. Alle Ärzte sagen, dass die Anzahl der an Demenz Erkrankten in den nächsten Jahren noch anstiegen wird. Da müssen dringend zur Betreuung bezahlte Arbeitsstellen her. Das schliesst natürlich nicht aus, dass ehrenamtliche Mitbürger in der Freizeitgestaltung dieser Menschen sich engagieren. Aber das ist doch nur der kleinere Teil. Da kommen ab einen gewissen Krankheitsfortschritt doch hauptsächlich pflegerische Aufgaben. Und die müssen gut Qualifizierte übernehmen.

Und es muss endlich einmal klar geregelt werde was und vor allem wer das dann bezahlen muss. Ehrenamtliche "in die Bresche rein zu werfen" ist und kann nicht der Weg sein.
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