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Gießener Einzelhandel: Eene meene muh und raus bist du!

von Michael Beltzam 11.06.20152165 mal gelesen4 Kommentare
Diese Wohnhäuser (Bahnhofstr. 27-29) wurden trotz bester Bausubstanz - wie andere - für Horten und Citycenter abgerissen.
Diese Wohnhäuser (Bahnhofstr. 27-29) wurden trotz bester Bausubstanz - wie andere - für Horten und Citycenter abgerissen.
Gießen | Während Karstadt als Spielball von Spekulanten nicht aus den Schlagzeilen kommt, eröffnen in Gießen die Kaufhäuser Röther und C&A im ehemaligen Horten/Galeria-Kaufhof-Gebäude. Es kann gewettet werden, welches nächste Gießener Einzelhandelsunternehmen baden geht.

Die Expansion des Karstadt-Konzerns in Gießen hatte bereits in den 50er und 60er Jahren viele Fachgeschäfte in den Ruin getrieben. Mit der Eröffnung von Horten im Oktober 1976 - als drittes Warenhaus mit 500 Arbeitsplätzen groß gefeiert - nahm das Einzelhandelssterben zu.
Anfang der 80er Jahre wurden nicht nur bei Karstadt und Horten Beschäftigte entlassen.

Verstärkt wurde die Entwicklung durch die Ausweitung der Öffnungszeiten an Sonntagen, dann donnerstags und schließlich generell. Das verursachte vielen Geschäften zusätzliche Kosten, brachte aber nicht mehr Umsatz. Seit den 90er Jahren gibt es in der Fußgängerzone vorwiegend Klamotten-, Ramsch- und Handy-Läden. Auch der Versuch, in der Westanlage mit der Dern-Passage 1993 eine „Mall“ zu etablieren, schlug fehl; nach mehreren Wechseln und Pleiten steht der gesamte Komplex (bis auf eine Mucki-Bude) leer.
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Diese planlose. chaotische Entwicklung setzte sich 2002 fort mit der Schließung des Kaufhauses Kerber (heute TK-maxx) und der Eröffnung des Monstrums „Galeria Neustädter Tor“ am Oßwaldsgarten. Dieses Projekt, das gegen den Willen breiter Teile der Bevölkerung und der angrenzenden Schulen durchgesetzt wurde, hat sich erwartungsgemäß als Flop erwiesen. Die folgende Schließung von Horten war abzusehen wie auch der ständige Wechsel und die Leerstände in der „Galeria“.

Konkurrenzkampf und Profitprinzip sind mit den Bedürfnissen der Menschen nicht vereinbar. Statt eine vernünftige Struktur des Einzelhandels zu planen, wird dem Chaos des „Marktes“ freie Hand gelassen – zu Lasten der Kunden und der Beschäftigten.

In einer Stadt in der Größenordnung wie Gießen sollte es möglich sein, alle notwendigen Dinge des täglichen Lebens in der Innenstadt kaufen zu können.
Aber auch dazu bedarf es einer Gesellschaftsordnung, in der nach den Interessen der Menschen geplant und gehandelt wird – und das in allen Bereichen: im Gesundheits- und Bildungswesen ebenso wie in der Versorgung mit erforderlichen Dienstleistungen und Infrastrukturen, einer sozialistischen Gesellschaft.
M. Beltz
aus: Gießener Echo Juni 2015

Diese Wohnhäuser (Bahnhofstr. 27-29) wurden trotz bester Bausubstanz - wie andere - für Horten und Citycenter abgerissen.
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1970: Rückansicht der Bahnhofstr. 27 - vorher!
1970: Rückansicht der... 
... und nachher
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Kommentare zum Beitrag

Christine Stapf
8.220
Christine Stapf aus Gießen schrieb am 11.06.2015 um 10:44 Uhr
Vor Jahren hatte ich schon auf die Leerstände im Neustädter Tor hingewiesen. Geht man heute durch das EG und den 1. Stock wird man feststellten, das es nicht wenige Läden gibt, die schon lange geschlossen haben.

Damals war ich der Meinung das es besser gewesen wäre, das in der Stadt aufrecht zu erhalten was vorhanden war, anstatt das Neustädter Tor zu bauen und Oswaldsgarten zu vernichten.

Leider schlug mir ein nicht freundlicher Gegenwind entgegen.

Geht man durch die Bahnhofstraße und in den Lahnhof in Wetzlar, wird man feststellen das es dort auch schon geisterhafte Formen angenommen hat. Aber die Städte brauchen ja ein Center auf Biegen und Brechen

Michael, dein erstes Bild sagt doch das aus was in Gießen passiert. Altes macht man platt, so dass die Stadt für mein Auge immer unschöner wird.

Deinem obigen Bericht kann ich nur zustimmen !
Birgit Hofmann-Scharf
10.362
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 11.06.2015 um 19:47 Uhr
Ja Christine, das hatte Michael in seinem Beitrag bereits erwähnt : Viele Gießener sträubten sich gegen das Neustädter Tor ! Fast könnte man sagen " wer zuletzt lacht, lacht am Besten", aber lustig sind diese Fehlplanungen nicht wirklich.
Fehlschlüsse en gros , zuzüglich nun auch noch Amazon/Zalando & CO sorgen für diese Leersteh-Entwicklungen.
Wegen dieser o. g. Fehleinschätzungen verloren / verlieren zahlreiche langjährig Beschäftigte ( meist weiblich ) ihre Arbeitsplätze - aber es waren ja immer die Anderen.

Danke für den Beitrag, der uns alle angeht !
Christine Stapf
8.220
Christine Stapf aus Gießen schrieb am 11.06.2015 um 20:05 Uhr
Birgit, ich wollte mit meinem Hinweis auf das Neustädter Tor daran erinnern, dass damals nicht wenige BR`s meine Zeilen für falsch hielten. Es war von mir kein geunke, wie man heute sehen kann.

Es sei doch gestattet !!!
Michael Beltz
7.760
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 14.06.2015 um 10:19 Uhr
Die Folgen der auch von uns bekäpften Planungen für das Neustädter Tor waren abzusehen.
Zwischen Karstadt und "Kerber" existieren um die 20 Bekleidungsgeschäfte. Wer soll da einkaufen? Gelegentlich schließt ein (Ketten)Laden.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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von:  Michael Beltz

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Michael Beltz
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