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Immer weniger fossile Energieträger

Die TREA in Gießen trägt maßgeblich dazu bei, den Anteil fossiler Energieträger an der Strom- und Wärmeproduktion zu senken.
Die TREA in Gießen trägt maßgeblich dazu bei, den Anteil fossiler Energieträger an der Strom- und Wärmeproduktion zu senken.
Gießen | Schon das sechste Jahr in Folge gelang es den Stadtwerken Gießen ihren Primärenergiefaktor in der Wärme- und Stromerzeugung für die Stadt Gießen zu senken. Damit einher geht eine deutliche Reduktion der Kohlendioxid-Emissionen.

0,36 – auf diesen neuen Spitzenwert konnten die Stadtwerke Gießen (SWG) den Primärenergiefaktor für die Stadt Gießen im Jahr 2014 drücken. An der für Laien unscheinbaren Zahl können Experten die Effizienz der Wärmeproduktion ablesen. Der Primärenergiefaktor beschreibt das Verhältnis von eingesetzten fossilen Energieträgern, etwa Kohle, Öl oder Erdgas, zur damit erzeugten nutzbaren Wärme. Konkret bedeutet dies für Gießen: Die SWG müssen für eine Kilowattstunde Wärme nur noch 0,36 Kilowattstunden Erdgas einsetzen.
2013 verzeichneten die SWG dank ihrer drei Holzheizwerke, der TREA und einiger mit Biogas befeuerter Blockheizkraftwerke den im bundesweiten Vergleich schon außergewöhnlichen Primärenergiefaktor von 0,41. Die neuerliche Verbesserung resultiert aus der Strategie, die die SWG konsequent verfolgen. „Anfang 2014 haben wir weitere vier BHKW auf den Betrieb mit Biogas umgestellt“, erklärt Matthias Funk, Technischer Vorstand der Stadtwerke Gießen. Das bedeutet: 19 der 59 BHKW in Gießen arbeiten regenerativ.
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Mit dem erfreulichen aktuellen Tiefstwert gibt man sich in der Lahnstraße aber nicht zufrieden. Im Gegenteil. Wenn 2016 die TREA 2 ans Netz geht dürfte der Primärenergiefaktor mit einem Schlag deutlich unter die Marke von 0,2 fallen. 2018 könnte möglicherweise noch die Bioabfallvergärung der Bioabfälle des Landkreises Gießen hinzukommen. „Letzten Endes peilen wir einen Primärenergiefaktor von null an“, führt Matthias Funk die Pläne der SWG aus. Wenn dies erreicht ist – Matthias Funk geht spätestens von 2020 aus – entsteht die Gießener Fernwärme zu mehr als 50 Prozent aus nichtfossilen Brennstoffen.

Solide Kalkulation
Für die exakte Bestimmung des Primärenergiefaktors verwenden die Stadtwerke Gießen die von der unabhängigen Arbeitsgemeinschaft Fernwärme festgelegte und allgemein anerkannte Formel. Diese berücksichtigt auch die für Produktion und Bereitstellung des Brennstoffs benötigte Energie –beispielsweise Treibstoff für Tanklastzüge oder Energie für den Transport von Erdgas über lange Strecken. Zwei Vergleiche zeigen, wie gut der Wert von 0,36 ist: Ein an sich effizienter Erdgas-Brennwertkessel liegt mit 1,1 erheblich darüber, der derzeitige Strommix in Deutschland rangiert bei 2,4. Dass die SWG ihren Primärenergiefaktor derart drastisch senken können, hat neben dem Umstieg auf erneuerbare Energien einen weiteren wichtigen Grund: Seit jeher produzieren die Stadtwerke Gießen große Teile der benötigten Wärme in Kraft-Wärme-Kopplung. „Der dabei gleichzeitig entstehende Strom wirkt sich positiv auf die Kalkulation aus“, rechnet Matthias Funk vor. Schließlich braucht es dafür ja keine zusätzliche Primärenergie.

Kraft-Wärme-Kopplung als Basis
Nur dank dieser effizienten Kraft-Wärme-Kopplung ist es möglich, dass der Primärenergiefaktor in Gießen mittelfristig den Wert null erreichen kann. Denn auch regenerative Brennstoffe haben einen Primärenergiefaktor größer als null. Für Holzpellets beträgt er beispielsweise 0,2, für Biomethan 0,5. Deren Transport oder die Herstellung sind bis auf Weiteres vom Einsatz fossiler Energieträger abhängig – etwa Maschinen zur Ernte der Energiepflanzen oder zum Zerkleinern des Holzes und dem anschließenden Pressen. „Den Grundstein für unsere so guten Primärenergiefaktoren in Gießen haben meine Vorgänger vor fast vier Jahrzehnten gelegt“, räumt Matthias Funk ein. 1982 ging im Badezentrum Ringallee das erste BHKW Gießens in Betrieb – die Keimzelle für eines der effizientesten Fernwärmenetze Deutschlands.

Deutlich weniger CO2
Weil der Primärenergiefaktor im Wesentlichen durch den Einsatz regenerativer Energien sinkt, hat er natürlich einen direkten, positiven Einfluss auf die Kohlendioxid-Emissionen. Würden die gleichen Mengen Wärme und Strom getrennt in herkömmlichen Kesseln und Kraftwerken erzeugt, entstünden jährlich rund 45000 Tonnen mehr klimaschädliches CO2. Eben diese Emissionen ersparen die Stadtwerke Gießen der Umwelt. So lange, wie der Faktor 0,36 beträgt. Sinkt der Wert weiter – und das ist schon für 2015 absehbar, reduzieren sich CO2-Ausstoß und Primärenergieverbrauch nochmals. Und wenn der Primärenergiefaktor null erreicht ist, gelangen Jahr für Jahr etwa 125000 Tonnen Kohlendioxid weniger in die Atmosphäre.

Ansprechpartner in Sachen Fernwärme
Mit der leitungsgebundenen Wärmeversorgung in Gießen stellen die SWG ihren Kunden eine wirtschaftliche, nachhaltige und konkurrenzfähige Wärmeversorgung bereit. Alle gesetzlichen Anforderungen – auch im Bezug auf Förderprogramme – werden durch die Gießener Wärmeversorgung eingehalten.
Bei Fragen zur Fernwärme helfen die Ansprechpartner im SWG-Kundenzentrum am Marktplatz in Gießen weiter und vermitteln den Kontakt zu den entsprechenden Experten bei den Stadtwerken Gießen. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9 bis 18 Uhr und Samstag 9 bis 14 Uhr

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