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Genversuchsfelder besetzt - Gießener Gengerste betroffen!

Dieses Plakat zur Besetzung wurde in Gießen aufgehängt
Dieses Plakat zur Besetzung wurde in Gießen aufgehängt
Gießen | In der Nacht haben ca. zwei Dutzend Gentechnikgegner_innen ein Versuchsfeld auf dem Gelände des Agrobiotechnikums 20 km östlich von Rostock besetzt. Lüsewitz ist ein traditioneller Züchtungsstandort für Kartoffeln und hier befindet sich auch eine Saatgutdatenbank, also ein Ort an dem Saatgut ausgebracht wird, um es zu erhalten. „Gerade hier nun auch mit gentechnisch veränderten Pflanzen Freisetzungsversuche zu machen legt
die Absicht der Gentechnikindustrie offen: Es geht bewusst darum, Saatgut durch Auskreuzung zu verunreinigen und alte, traditionelle Sorten zu gefährden.“ so Johanna Rehse, eine der Gentechnikgegner_innen. Außerdem wird in diesem Jahr auf der Fläche auch ein Gen-Gerstenversuch der Universität Gießen durchgeführt, der in Gießen in den letzten Jahren immer wieder durch kreativen und entschlossenen Widerstand unbrauchbar bzw. im letzten Jahr sogar durch eine ähnliche Feldbesetzung unmöglich gemacht wurde. „Die Uni Gießen weicht nun ans andere Ende Deutschlands aus. Sollte sie darauf gehofft haben, dort nicht auf Widerstand zu treffen, hat sie sich getäuscht“ so die Besetzer_innen.

Das Agrobiotechnikum
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gentechnik universität besetzung protest gerste (1)
verbindet jede Menge Firmen und Neugründungen. „Es besteht die Vermutung, dass es hier weniger um Forschung, als primär um Imagepflege für die Gentechnik und das Abgreifen von Fördergeldern in Millionenhöhe geht“ so Rehse. „Bei der Gentechnik geht es nicht um Menschen, sondern um Profite. Die Landwirt_innen sollen abhängig gemacht werden von Saatgutmultis, die die Kontrolle über einen komplett patentierten Saatgutmarkt anstreben. Das wollen wir verhindern“. Die Besetzer_innen errichteten auf dem Feld einen Holzturm und verschiedene Vorrichtungen, die eine Räumung möglichst aufwendig machen sollen. Sie sind darauf eingestellt, wenn nötig mehrere Wochen zu bleiben und wollen auf der besetzten Fläche auch Informationsveranstaltungen anbieten.


Gießener Gengerstefeld betroffen
Auch der in Gießen gescheiterte Versuch mit transgener Gerste soll dort wiederholt werden, wo nun die Felder besetzt wurden. Seit 2006 versuchen Prof. Kogel und sein Team, die bereits das Gießener „IFZ für Umweltsicherung“ (welch ein Etikettenschwindel!) zu großen Teilen in lange Flure voller Gentechniklabore verwandelt haben, transgene Gerste im Freiland auszusäen. Ihr Versuch traf nicht nur auf massiven Widerstand, sondern war eine Aneinanderreihung von Pannen bis zum doppelten Gentechnik-GAU: In beiden Aussaatjahren 2006 und 2007 wuchs transgene Gerste außerhalb der kontrollierten Flächen. Die Versuchsleitung verschwieg das, ging aber bewusst weitere Risiken ein. So wurde auflagenwidrig auf einen Mäuseschutz verzichtet. Besonders dreist: Für den Versuch täuschten Kogel vor, die Umweltauswirkungen der Gengerste untersuchen zu wollen. Doch tatsächlich entwickelte er seit Jahren Methoden und Produkte. So wurden Steuergelder missbraucht für riskante Experimente.
Am 31.3.2008 machte eine Besetzung der Fläche am Alten Steinbacher Weg dem Spuk ein Ende. Doch Kogel gab nicht auf. Die Uni wiederholte ihren Antrag und suchte einen neuen Acker für den Feldversuch. Sie fand ihn 20km östlich Rostock auf den Flächen des dubiosen AgroBiotechnikums. Die Einrichtung steht im Verdacht, systematisch Fördermittel in eigene Firmenkonstruktionen zu leiten. Rund um dieses Gründerzentrum ist ein enger Filz von Gentechnikkonzernen, Kontrollbehörden und Forschungsinstituten entstanden. Dort suchen Kogel & Co. nun ihr neues Heil - neben Weizen-, Mais- und Kartoffelversuchen. Aber wieder stellen sich AktivistInnen ihnen entgegen. Am frühen Morgen des 3. April wurden die Versuchsäcker besetzt!

Weitere Informationen unter:
·http://de.indymedia.org/2009/04/246035.shtml
·www.aggrobiotechnikum.de.vu
·www.gentech-weg.de.vu
·Kontakt mit den Besetzer_innen auf dem Feld: 0163/92 33 618

Kommentare zum Beitrag

Sabine Glinke
5.280
Sabine Glinke aus Wettenberg schrieb am 03.04.2009 um 11:35 Uhr
War ja klar, dass sich die Besetzung verlagern würde, nach dem die Uni die Verlagerung ihrer Genversuche angekündigt hatte.
Martin Schmitt
128
Martin Schmitt aus Pohlheim schrieb am 04.04.2009 um 07:34 Uhr
Schade, wenn alberne Kampfrhetorik gepflegt wird und die realen Inhalte sich auf einen einzigen Satz beschränken: "Die Landwirt_innen sollen abhängig gemacht werden von Saatgutmultis, die die Kontrolle über einen komplett patentierten Saatgutmarkt anstreben." - Und sogar der ist mit diesem Quatsch durchsetzt.

Ihr habt doch recht, Leute. Warum könnt ihr keine Botschaften vermitteln, die die Menschen auch verstehen?

Es interessiert wirklich niemanden, ob ihr mit dem Wohnmobil angereist sind, zeltet, oder um Himmels Willen auf einem Holzturm sitzt, und ob ihr Männlein oder Weiblein seid. So riskiert ihr nur, die Öko-Spinner zu bleiben, die gegen alles sind. Was schade wäre.
Sabine Glinke
5.280
Sabine Glinke aus Wettenberg schrieb am 07.04.2009 um 12:29 Uhr
Hallo Herr Lenz,
ich hätte gerne einmal erläutert, wie in Ihren Augen denn "feminine Linguistik" zu definieren ist...
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

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Herzlichst, Ihr(e) Jörg Bergstedt

von:  Jörg Bergstedt

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