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Als Zigarren und Keramik das Leben der Gießener sicherte

Ein Ausschnitt der Grabstätte der Familie Gail
Ein Ausschnitt der Grabstätte der Familie Gail
Gießen | Inspiriert durch die Führung auf dem Alten Friedhof Gießen, dort gibt es das Familiengrab, machte ich mich auf die Suche nach Informationen über die Familie Gail.

Ende des 18. Jahrhunderts betrieb der Großvater von Georg Philipp Gail, dem späteren Firmengründer in Gießen, ein Kolonialwarenhandel und beschäftigte sich mit der Herstellung von Tabakwaren.

Im Jahr 1812 machte sich Georg Philipp Gail, mit einem Startkapital von 700 Gulden auf den Weg nach Gießen. Am Kreuzplatz/Ecke Sonnenstraße entstand die erst Gießener Tabakfabrik. Dort waren acht Mitarbeiter damit beschäftigt, Schnupftabak, Kautabak und Pfeifentabak herzustellen.

Die Produktion lief bestens, und somit wurde mehr Platz und mehr Mitarbeiter benötigt. Im Jahr 1825 kaufte Georg Philipp Gail für 16.000 Gulden einen größeren Besitz in der Neustadt. Dort begann Gail 1840 mit der Herstellung von Zigarren. Dieser Schritt hatte Auswirkungen auf die gesamte Region, die positive wirtschaftliche Entwicklung führte dazu, dass neben der Firma Gail noch andere Tabak- und Zigarrenfabriken entstanden.

Durch die Tabakimporte aus Übersee verbilligte sich die Tabakware, so dass durch alle gesellschaftlichen Schichten hindurch geraucht werden konnte. Durch den ersten Bahnanschluss in Gießen, im Jahr 1852, nahm der weitere Ausbau rasante Formen an.
Mehr über...
Zigarrenfabrik (3)Tonwerke (1)Keramik (18)Gießen (2536)Gail (2)
Fast ausschließlich Frauen waren in der Tabakindustrie tätig. Sie kamen nicht nur aus der Stadt sondern auch aus dem Umland.
Aber auch diese Arbeitskräfte reichten nicht um die große Produktion in Schwung zu halten. Deshalb wurde mit dem Zuchthaus Marienschloss, der heutigen Jugendstrafanstalt Rockenberg, ein Vertrag abgeschlossen. Die Zuchthäusler produzierten nun Zigarren.

Da es sehr hohe staatliche Zuschüsse gab, errichtete Gail im hessischen Hinterland eine Wollspinnerei. Dort wurde die Rohwolle verarbeitet, musste aber, weil die Produktion keinen Erfolg zeigte eingestellt werden.

Dr. Georg Gail übernahm 1925, nach dem Tod seines Vaters die Leitung der Fabrik. 1933 erteilte die nationalsozialistische Reichsregierung ein Maschinenverbot, was in der Produktion von Zigarren einen großen Rückschritt bedeutete. Die Herstellung durch Handwickelung bedeutete mehr Personal, größere Kosten und somit das Aus für die Zigarrenindustrie. Auch hatte zu diesem Zeitpunkt die Zigarette ihren Einzug gehalten.

Da gab es noch den Wilhelm Gail welcher ein sehr gutes Händchen für Geschäfte aller Art gehabt haben soll. Da auch der Bauboom in vollem Gang war, errichtete Wilhelm Gail 1891 die Ziegelei.
Im Erdkauterweg entstand die Gail’sche Dampfziegelei und Tonwarenfabrik. Die dort produzierten Glasklinker kannten Generationen.

Auf finanzielle Schwierigkeiten folgte 1997 die Insolvenz, von der noch 350 Mitarbeiter betroffen waren.

Die seit den 70er Jahren geführte Tochterfirma produziert heute noch in Brasilien die Gail`schen Keramikfliesen und gehört in ihrer Branche zu den Marktführern.

Rollt man auf diesem Link bis zur Mitte, kann man sehen, dass es in Gießen und Umgebung reichlich Zigarrenfabriken gab.
http://mein-kleiner-rauchsalon.de/tbind_he.htm

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Kommentare zum Beitrag

Birgit Hofmann-Scharf
10.333
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 27.05.2015 um 21:14 Uhr
Das Unternehmen " Gail`sche Dampfziegel und Tonwarenfabrik " wurde schließlich nicht nur zum größten
Arbeitgeber in Gießen und der Region, sondern es erwarb sich auch internationales Ansehen.
Gail wurde weltweit ein Markenname -
bis dann Ende der 90er Jahre das schmerzhafte AUS kam.
Nicole Freeman
10.384
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 28.05.2015 um 09:11 Uhr
klasse Bericht. Sehr interessant was eine Familie für seine Stadt alles schaffen kann. Da muss man wirklich danke sagen !
Giessen hat Geschichte. Man muss sie nur sehen wollen ;-)
Christine Stapf
7.704
Christine Stapf aus Gießen schrieb am 28.05.2015 um 14:26 Uhr
Für mich war die Geschichte der Familie Gail als Zugereiste unbekannt.

Ja, dieser Familie kann man nur danken.
Birgit Hofmann-Scharf
10.333
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 28.05.2015 um 16:17 Uhr
Die Frau Klein sagte mir noch, dass sie sich soooo gerne mit dem Herrn Gail Vater unterhalten würde, " sie vermisse ihn" in ihren Recherchen !
Glaube ich gerne !
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Christine Stapf

von:  Christine Stapf

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Christine Stapf
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