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Ich habe überlebt und muss für die sprechen die es nicht mehr können

Trude Simonsohn
Trude Simonsohn
Gießen | Dies sagte am 8. Mai 2015 die Jüdin Trude Simonsohn, die vor einer vollbesetzten Marburger Synagoge sprach. Sie wurde am 25. März 1921 in Olmütz/Mähren geboren und wuchs als Einzelkind auf, hatte eine sehr schöne Kindheit und besuchte in ihrer Heimatstadt eine tschechische Grundschule.

Die 94 Jährige ist eine Überlebende des Holocoust. Ihr Vater starb im KZ Dachau, ihre Mutter in Auschwitz. Trude Simonsohn wurde im Juni 1942 wegen Hochverrats verhaftet. Sie hatte im Rahmen ihrer Jugendarbeit Jugendliche zur Ausreise nach Palästina vorbereitet.

Da sie als Politische und nicht als Jüdin inhaftiert wurde, kam sie erst einmal in verschiedene Gefängnisse, in denen sie auch 6 Monate Einzelhaft erdulden musste.

Nach dieser Zeit kam sie nach Theresienstadt, wo sie noch einmal ihre Mutter sehen konnte. Berthold Simonsohn ein jüdischer Jurist und Sozialpädagoge, lernte sie bei einem Vortrag in Theresienstadt kennen und lieben. Kurz vor der Deportation nach Auschwitz bekamen sie von dem Rabbi in Theresienstadt eine Heiratsurkunde, und sie waren ein Ehepaar.

Am 3. Mai erzählte Trude Simonsohn, wurde sie noch einmal ins KZ Merzdorf verlegt und am 9. Mai, und nicht am 8. Mai wie sie berichtet, von der Roten Armee befreit. Nach der Befreiung erfuhr sie das auch ihr Mann, der im KZ Kaufering, einem Außenlager von Dachau, überlebt hatte.

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Trude Simonsohn (2)KZ-Befreiung (2)Holocoust (1)
Mit geschorenem Kopf und splitternackt durch ein Spalier von SS Leuten laufen, dies sei eines der schlimmsten Erlebnisse gewesen. Ihr Kopf habe nicht mehr alle grausamen Geschehnisse gespeichert was auch gut sei.

Ich sehe diese kleine Frau über ihr Leben berichten, und ich habe die Bilder, die man aus dieser Zeit aus dem TV und Büchern kannte vor Augen.
Mich hat es emotional ganz schön mitgenommen.

Eine Frage aus dem Publikum war, ob sie die Deutschen hassen würde für das was ihr und ihrer Familie angetan wurde antwortet sie:

„Ich empfinde keinen Hass, werde nur wütend wenn ich höre, dass es Menschen gibt, die den Holocoust leugnen“.

Ich habe Trude Simonsohn als humorvolle Frau erlebt, obwohl sie soviel Grausamkeiten erdulden mußte.

Die heutige Resonanz war so groß, dass ca. 80 Menschen, die noch vor der Synagoge standen die Zusage bekamen, dass Trude Simonsohn noch einmal nach Marburg kommen wird.

Am 21. Mai wird Trude Simonsohn in der Kongresshalle Gießen sprechen.

Begleitet wurde sie von Elisabeth Abendroth, mit der sie ihre Biografie schrieb mit dem Titel
„ Noch ein Glück „

Elisabeth Abendroth ist die Tochter von Wolfgang Abendroth, siehe hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Abendroth

Über Elisabeth Abendroth schrieb die Frankfurter Rundschau einmal:
http://www.fr-online.de/zeitgeschichte/der-gute-geist-der-ueberlebenden,1477344,2740980.html

Trude Simonsohn
Trude Simonsohn 
Trude Simonsohn mit Elisabeth Abendroth
Trude Simonsohn mit... 

Kommentare zum Beitrag

Christine Stapf
8.220
Christine Stapf aus Gießen schrieb am 09.05.2015 um 10:42 Uhr
Ist der Wunsch nach Frieden eine Träumerei ?
Da fällt mir der Song von John Lennon ein.

https://www.youtube.com/watch?v=DVg2EJvvlF8

Leider lääst es sich nicht anklicken, also bitte kopieren und unter www.... einsetzen.
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von:  Christine Stapf

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Christine Stapf
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