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„In der Republik des Glücks“: Martin Crimps Schauspiel verwirrt im Gießener Stadttheater

Eine Szene.
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Gießen | „In der Republik des Glücks“ von Martin Crimp, das am Samstag, 25. April 2015, in der Inszenierung von Titus Georgi im Großen Haus des Stadttheaters Gießen Premiere gefeiert hat, ist kein Theaterstück für jedermann. Das Schauspiel ist nicht für Zuschauer, die eine lineare Handlung entspannt im Theater verfolgen möchten. Es braucht eine Weile, um verstanden zu werden.
Der Anfang der Geschichte ist klar: Papa (Rainer Hustedt), Mama (Carolin Weber), die Töchter Debbie (Mirjam Sommer) und Hazel (Anne-Elise Minetti), Großvater (Harald Pfeiffer) und Oma (Petra Soltau) sitzen am Tisch für das traditionelle Weihnachtsessen. Die anscheinende friedliche Stimmung wird aber von Sticheleien, Eifersucht und kleinen Streiten ständig betrübt. Der plötzliche Besuch von Onkel Bob (Milan Pešl) und seiner Partnerin Madeleine (Beatrice Boca) mit ihren Vorwürfen verwirrt die versammelte Familie und verwandelt das Theaterstück bühnenbildnerisch und inhaltlich.
Alles löst sich auf. Von der Bühne verschwindet der gedeckte Tisch und die Perspektive vergrößert sich ins Unendliche. Komische Figuren treten auf. Alles dreht sich. Besondere Freiheiten des Individuums werden skurril, mit einem Wortschatz erklärt, der nicht für empfindliche Leute ist. Das Schauspiel wird verfremdend. Es ist eine Dimension der Neurosen und des zugespitzten Individualismus.
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Stadttheater Gießen (265)Premiere (42)In der Republik des Glücks (1)
Nach diesen therapeutischen Erklärungen gelangt man in die Republik des Glücks, einen Ort des ewigen Lebens, der Gesundheit, der Schönheit, der unbegrenzten Freiheit, die aber die Freiheit der anderen nicht berücksichtigt. Ob das wirklich Glück ist, bleibt offen.
„In der Republik des Glücks“ ist sicherlich ein sehr schwieriges Werk. Großes Lob haben die Schauspieler verdient, die die Rollen dieser verstörten Figuren wie immer meisterhaft gespielt und die die von Parviz Mir-Ali neu vertonten Songs live gesungen haben.
Am Ende der Aufführung bleibt jedoch ein Gefühl von Verwirrung. Und so muss es wahrscheinlich bei den Theaterstücken von Martin Crimp sein: „Fast immer wird bei Crimp zunächst eine Exposition geboten, die an ein realistisches Drama erinnert. Doch dann wandelt sich die Handlung zur Nicht-Handlung und nach und nach lösen sich alle vermeintlichen Gewissheiten auf: die erzählerischen, genauso wie die psychologischen, die dramaturgischen und die linguistischen“ (aus „Der Lieblingsbrite aller deutschen Theater“ von Matthias Heine und Stefan Grund).
Wer die Herausforderung annehmen will, sich mit diesem verfremdenden Schauspiel auseinanderzusetzen, kann eine der nächsten Vorstellungen am 9. und 29. Mai, am 5. und 27. Juni sowie am 9. Juli 2015, jeweils um 19.30 Uhr, im Großen Haus des Stadttheaters Gießen, besuchen.

Eine Szene.
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V.l.: Großvater (Harald Pfeiffer), Oma (Petra Soltau), Papa (Rainer Hustedt), Onkel Bob (Milan Pešl), Mama (Carolin Weber), Debbie (Mirjam Sommer), Madeleine (Beatrice Boca), Hazel (Anne-Elise Minetti).
V.l.: Großvater (Harald... 
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von:  Alessandra Riva - Mitarbeiterin der GZ-Redaktion

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