Bürgerreporter berichten aus: Gießen | Überall | Ort wählen...

Der Dom St. Thomas Morus - Ein Plädoyer

Dom St. Thomas Morus Ostansicht
Dom St. Thomas Morus Ostansicht
Gießen | Tu es Petrus et super hanc petram aedificabo ecclesiam meam.
„Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen.“

Wie ein Fels ragt er über der Grünberger Straße, eine der beiden Lebensadern des östlichen Gießens, hervor und wie eine steinerne Feste schaut jener von dort herab auf die Stadt. Monumental und ehern ragt der imposante Kirchbau hervor, bei Tage ob seiner Ausmaße kaum zu erkennen, zaubern die gigantischen parabelförmigen Kirchenfenster bei Anbruch der Dunkelheit durch das erleuchtete Kircheninnere ein spektakuläres Farbenspiel, welches schon von weitem den sich nähernden Passanten sichtbar wird.
Mit Platz für annähernd 500 Menschen ist sie die größte Kirche in ihrem Stadtteil und überragt mit 185 m ü. NN dabei alle anderen Kirchen im Stadtgebiet.

Laut Wikipedia, der freien Enzyklopädie, ist ein Dom oder eine Domkirche (vom lateinisch domus „Haus“) eine Kirche, die sich durch ihre Größe, architektonische und künstlerische Besonderheiten oder eine besondere Bedeutung auszeichnet. Abzugrenzen davon ist der Begriff der Kathedrale. Wenngleich viele Kathedralen auch als Dom bezeichnet werden, sind diese Begriffe nicht gleichbedeutend. Nur Kirchen, die Sitz eines Bischofs sind, tragen den Titel Kathedrale (vom griechischen kathedra „Sitz des Bischofs“). Darüberhinaus gibt es viele Beispiele in der Region von Dombauten, die nicht gleichzeitig Sitz eines Bischofs sind, z.B. der Dom der Rabenau der Evangelischen Kirche Londorf, der Wetterauer Dom des ehemaligen Praemonstratenser-Chorherrenstift in Niddatal-Ilbenstadt oder der Vogelsberger Dom der Ev. Kirchengemeinde Unterreichenbach in der Gemeinde Birstein.

Gleich mehrere Anforderungen erfüllt der Sakralbau in der Grünberger Straße, die ihn nicht ohne Stolz dazu berechtigen sich als Dom zu bezeichnen.
1967 geweiht ist der Kirchbau architektonisch geradezu visionär, indem er in seiner Anordnung von Altar, Chor-und Gemeinderaum Signalwirkung für ein grundlegendes, revolutionäres Verständnis von der Liturgie einer neuen Zeit im Geiste des II. Vaticanum besitzt: „Haus Gottes und Haus der Gemeinde - Wirken in den Raum und in die Zeit aus der Mitte heraus.“ Diese Klarheit verleiht dem Raum Frische und Transparenz mit einer Konzentration auf das Wesentliche.
Künstlerisch ragen die vier, den Himmelsrichtungen zugeordneten von dem Maler und Graphiker Josef Jost aus
Dom St. Thomas Morus mit Domplatz
Dom St. Thomas Morus mit Domplatz
Hattersheim am Main entworfenen Kirchenfenster hervor, die durch das farbig sich brechende Licht dem Raum Weihe und Erhabenheit verleihen. „Nicht mystisches Halbdunkel, sondern eine lichthafte Heiterkeit bestimmt die Weite des Raumes.“ Die architektonische Realisierung dieser Werke durch die Firma Ignaz Donath & Sohn aus Gelsenkirchen-Buer gleicht einer Meisterleistung. Die breiten Horizontalstege und die kleineren, einzelnde Felder begrenzenden Stege übernehmen die statische Funktion, die Spannung der Wände und Dachkonstruktion auszuhalten und auszugleichen, und veranschaulichen zugleich die Struktur, die dem künstlerischen Entwurf zugrunde liegt.

Unterhalb des Westfensters bildet der halboffene, zu einem Gewinde gemeißelte Granitkörper mit Tabernakel eine stilvolle Symbiose zu der auf dem darüber beginnenden Darstellung des Lebensbaum aus der Wurzel Jesse. Das gegenüberliegende Ostfenster ist Maria gewidmet. Schon in den großen Kathedralen des Mittelalters wie z.B. dem Straßburger Münster war dies der Ort des „Rosenfensters“. Der 2008 erneuerte Kreuzweg bestehend aus halbtransparenten, colorierten Seidentüchern mit modernen Adaptionen der einzelnen Kreuzwegstationen ergänzt den hindurchscheinenden, originalen Kreuzweg und setzt akzentuierte Farbtupfer. Die Orgel, 1971 geweiht, aus dem Hause des Osnabrücker Orgelbauers Matthias Kreienbrink, ist zumindest zum Zeitpunkt dieser Niederschrift die größte, katholische Orgel im Stadtgebiet und ein Instrument einer „orgelbewegten“ Zeit, das in Ausmaß und Qualität in Stadt und Region seinesgleichen sucht.

Zusammenfassend darf daher mit „Fug und Recht“ und nicht ohne Stolz von St. Thomas Morus in Gießen als einem Dom von architektonisch-künstlerischer Bedeutung, vorallem für das visionäre Verständnis einer sich neu entwickelten, gemeindeorientierten Liturgie gesprochen werden. Auch hier steht das bistumsweite Pilotprojekt einer pastoralen Erneuerung, GS80, für die progrediente Entwicklung dieses visionären Verständnis‘.
Verfügen Dombauten in der Regel ebenfalls über eine Dombauhütte, also einer Domwerkstatt, so lässt sich außerdem konstatieren, dass die Dompfarrei St. Thomas Morus als einzige der drei katholischen Stadtpfarreien mit dem ihr nahestehenden Förderverein über eine mehr als kreative (Ideen-)Werkstatt verfügt.

Dom St. Thomas Morus Ostansicht
Dom St. Thomas Morus... 
Dom St. Thomas Morus mit Domplatz
Dom St. Thomas Morus mit... 

Dies könnte Sie zum Thema auch interessieren

Dr. Diego Semmler
Dr. Diego Semmler kandidiert für FREIE WÄHLER im Wahlkreis Gießen I
„Hessen braucht eine neue Politik, Hessen braucht FREIE WÄHLER, denn...
BiZ-Veranstaltung: „Schulabschlüsse nachholen“
• Infoveranstaltung am 19.10 ab 10 Uhr im BiZ...
Sind Sie fit für den Arbeitsmarkt der Zukunft?
• Filmreihe zum 20-jährigen Jubiläum der Beauftragten für...
Einladung
Das Leben ist nicht Malen nach Zahlen – Workshop am 22.9.
„Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere...
Hammondlive am 10.8.18 um 20 Uhr (Einlass: 19 Uhr) in St. Thomas Morus
Jazz-Arrangements für Orgel und Schlagzeug am 10.8.18 20 Uhr in St. Thomas Morus
Orgelkonzerte sind langweilig, verstaubt und trocken. Das Image...
Der schönste Schlammbeiser von Gießen
Liebe Leser, bitte geht unbedingt auf die Seltersweg Seite und...
Lumdatalbahn - die präzise Planung ermöglicht eine sachliche Diskussion
Die Diskussion um die Reaktivierung der Lumdatalbahn hat deutlich an...

Kommentare zum Beitrag

Martin Wagner
2.472
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 26.04.2015 um 17:38 Uhr
Herr Handrack sie schreiben (...) "Mit Platz für annähernd 500 Menschen ist sie die größte Kirche in ihrem Stadtteil ....." (...)

Und wie viele Menschen gehen an einem normalen Sonntag da rein?
Christine Stapf
6.906
Christine Stapf aus Gießen schrieb am 26.04.2015 um 19:45 Uhr
Herr Wagner, Sie können sich doch am kommenden Sonntag selber informieren, und die Häupter der Lieben zählen :-)
Florian Schmidt
4.569
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 26.04.2015 um 20:49 Uhr
Der Tendenz folgend dürften es immer weniger werden.
Martin Wagner
2.472
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 26.04.2015 um 20:59 Uhr
Nee, Frau Stapf, mit dem selber mal schauen das funktioniert nicht. Bei den Katholiken gilt das Prinzip: Du hast in die Kirche zu gehe, welche deinem Wohnbezirk zugeteilt ist / wo du wohnst (Fremdwort dafür fällt mir gerade nicht ein). Ich gehöre einer anderen Gemeinde an.

Übrigens, das war eine rhetorische Frage. Mir ist bekannt, dass dieses Kirchengebäude (besonders) wenig Gottesdienstbesucher "empfängt".

Wenn das mit der "mangelnden Zulauf" so weiter geht, dann muss das Gebäude früher oder später andersweitig genutzt werden. Hin oder her - die Amtskirche mag reich sein, aber der Unterhalt (gerade von wenig gedämmten Gebäuden aus den 60ern) ist nun einmal sauteuer. Anderswo wird dann ein Getreidespeicher, ein Veranstaltungsort, eine Gaststätte .... und ... und ..... und draus.

Da "beisst die Maus kein Faden ab", egal ob die Kirche von "architektonisch-künstlerischer Bedeutung" ist.

Schade wäre es dann sicher um die Orgel, denn es gibt immer weniger Veranstaltungsorte an denen Musik bei denen eine Orgel zum Einsatz kommt (ich meine nicht so elektronische Teile .... sondern richtig große Instrumente) aufgeführt werden kann.
Jakob Handrack
781
Jakob Handrack aus Gießen schrieb am 26.04.2015 um 21:04 Uhr
Herr Wagner, Sie haben vollkommen richtig erkannt, auch die Pfarrei St. Thomas Morus hat wie viele andere Gemeinden beider christlicher Konfessionen durch Überalterung und Ausbleiben von Nachwuchs einen kontinuierlichen Rückgang der Besucherzahlen zu den Sonntagsgottesdiensten zu verzeichnen (klammert man die besonderen Hochfeste wie Weihnachten, Ostern und Pfingsten mal aus). Hier haben sich die einfach die Lebensgewohnheiten und Traditionen der Menschen geändert, zumal man, um an Gott zu glauben, die Kirche dazu nicht unbedingt braucht.
Aber Gemeindeleben in seinen Grundzügen der Liturgia, Diakonia und Martyria lebt zwar auch aber nicht nur von der sonntäglichen Gottesdienstfeier, sondern zeigt sich überall dort, wo Gemeinde am Entstehen ist und sich eine Gemeinschaft im Geiste tätiger Nächstenliebe zeigt. Hier versuchen wir in der Pfarrei St. Thomas Morus mit dem bistumsweiten Pilotprojekt GS80 - benannt nach der Grünberger Straße 80 - welches die veränderten Strukturen in Gesellschaft und Kirche berücksichtigt, neue Wege zu gehen, weg von einer strukturkonservativen "Pfarr-Gemeinde", die sich selbst genügt, hin zu einer Öffnung im Zuge eines pastoralen Erneuerungsprozess. In diesem Prozess der Öffnung vernetzen wir uns mit anderen, der spanisch-sprachige Gemeinde, die auf dem Gelände von St. Thomas Morus angesiedelt ist, oder die eritreisch-orthodoxe Gemeinde. Auch die pfarrei-eigene Kita St. Thomas Morus mit ihrer ganz eigenen Klientel der Familien v.a. aus unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft, wird durch die intensivierte Kooperation im Rahmen des GS80-Prozess in den Blick genommen. Ihre jeweiligen Bedürfnisse gilt es zu berücksichtigen und Aktivitäten zu bündeln und in Zusammenarbeit mit anderen Kooperationspartnern ("Playern") eine großmöglichste, gegenseitige Vernetzung herzustellen.
Vor diesem Hintergrund werden die Pfarrgemeinderatswahlen im November diesen Jahres für die Pfarrei St. Thomas Morus eine besondere Herausforderung. Hier gilt es, in einem "Gesamt-Pfarrgemeinderat" alle beteiligten Gruppen zu berücksichtigen und ein möglichst repräsentatives Gremium zu bilden.
Sie sehen, Herr Wagner, allein aus der Zahl der Sonntagsbesucher im Gottesdienst lässt sich der Grad einer Gemeinde nicht ohne weiteres festlegen. Im Gegenteil, wir haben kulturelle Veranstaltungen, die weit mehr Interessierte locken, etwa unser Weihnachtschorkonzert am 11. Januar diesen Jahres, bei dem die Kirche bis auf den letzten Platz gefüllt war. Auch solche Veranstaltungen erfüllen im Geiste einer "kulturellen Diakonie" den Gemeindebegriff.
Jakob Handrack
781
Jakob Handrack aus Gießen schrieb am 26.04.2015 um 21:11 Uhr
Zitat: " Bei den Katholiken gilt das Prinzip: Du hast in die Kirche zu gehe, welche deinem Wohnbezirk zugeteilt ist / wo du wohnst "

--> das ist schon lange nicht mehr so und wird auch nicht verlangt. Jeder ist natürlich frei, in den Gottesdienst zu gehen, der ihm am meisten zusagt, sei es von der terminlich, dass die Kirche ihm besonders gefällt, die Predigt, die musikalische Begleitung, etc...

zB haben wir in St. Thomas Morus gerade auch sehr viele Gottesdienstbesucher aus anderen Gemeinden im Stadtgebiet aber auch aus dem Umland (Pohlheim, Linden, ...)
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Jakob Handrack

von:  Jakob Handrack

offline
Interessensgebiet: Gießen
Jakob Handrack
781
Nachricht senden
Aktuellste Beiträge des Autors:
Kulturkirche St. Thomas Morus - powered by förderverein | www.morusfreunde.de
KulturKirche St. Thomas Morus: Das Fliegende Klassenzimmer (D, 2002) und eine Orgelvesper zum Advent
+++Am Freitag, den 7. Dezember 2018, präsentiert der Förderverein St....
Purer Rhythmus und lateinamerikanische Lebensfreude am 25.11. um 12:30 Uhr in St. Thomas Morus
Kirche für ausgeschlafene Christen!
Zu einem einmaligen Gottesdienst kommt es am Sonntag, den 25....

Weitere Beiträge aus der Region

Alex Wilke erzielte im Pokalspiel in Hannover 13 Punkte für das Pharmaserv-Team.
Marburg erreicht Pokal-Viertelfinale
Wecker klingelt in der Halbzeit Deutscher Basketball-Pokal,...
Katie Yohn war im Liga-Spiel gegen Hannover am Samstag Topscorerin der Partie.
Sonntag: Pokalspiel in Hannover
„Wir müssen uns steigern“ Deutscher Basketball-Pokal,...
Lambertikirche
Freitag vor zweitem Advent ....
... auf dem Parkdeck 4. Etage in den Schlosshöfen in Oldenburg....

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.