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Am Ende halbwegs die Kurve gekriegt

Nach dem letzten Saisonspiel bedankten sich die Marburger Spielerinnen bei ihrem Publikum für die Unterstützung. (Foto: M. Schneider / belichtbar.net)
Nach dem letzten Saisonspiel bedankten sich die Marburger Spielerinnen bei ihrem Publikum für die Unterstützung. (Foto: M. Schneider / belichtbar.net)
Gießen | Derzeit spielen die vier besten deutschen Damen-Basketball-Mannschaften um den Einzug ins Finale um die Deutsche Meisterschaft. Der BC Pharmaserv Marburg gehört nicht dazu.

Nach durchwachsener Saison schlossen die Lahnstädterinnen die Bundesliga-Hauptrunde auf Platz acht ab. Damit waren die Hoffnungen aufs Halbfinale eigentlich schon vor dem ersten Sprungball in den Playoffs dahin. Gegen den seit – damals – elf Monaten ungeschlagenen Tabellenführer und frischgebackenen Pokalsieger war das frühe Aus vorprogrammiert.

Unter Berücksichtigung der Umstände „haben wir mit dem Erreichen des achten Platzes sehr viel Glück gehabt“, sagt BC-Trainer Patrick Unger, der zwei weitere Spielzeiten lang die Geschicke des Marburger Erstligisten lenken wird. Immerhin hatten seine Schützlinge die Hinrunde noch auf einem Abstiegsplatz abgeschlossen.

Nach dem überraschenden zweiten Rang nach der Hauptrunde der Vorsaison seien viele „mit sehr hohen Erwartungen in die Saison gestartet“, weiß Unger. Allerdings habe „der Team-Spirit nicht so funktioniert“, wie erhofft. Interne Querelen führten zu zwei Ab- und zwei Zugängen: Tonisha Baker und Brittany Wilson kamen für Bjonee Reaves und Kellindra Zackery. Nur drei Siege und Platz elf nach der Hinrunde waren die Folge.

In der Rückrunde zu Hause eine Macht

„Bis dahin haben wir schlecht gespielt und mussten nach dem Umbruch wieder bei Null anfangen.“ Dem Aus im Pokal beim späteren Absteiger Oberhausen, glückte der Start in die Rückrunde: Heimerfolg gegen den Tabellenletzten, wenn nur auch mühsam. „Im neuen Jahr haben wir versucht, ein paar Dinge umzustellen“, berichtet Unger. Das fruchtete zum Teil, zumindest zu Hause.

Auch wenn sich das heimische Publikum nur in homöopatischen Dosen spielerischer Glanzlichter erfreuen konnte, immerhin spielte das BC-Team nun daheim erfolgreich. Der Spielplan meinte es gut mit den Marburgerinnen und so ging in der Rückrunde nur ein Heimspiel verloren. Das allerdings kostete den siebten Platz und damit eine zumindest nicht gänzlich unlösbare Aufgabe in der ersten Playoff-Runde.

So blieb es den Eisvögeln aus Freiburg vorbehalten, die Serie der Tabellensiebten fortzuführen: Zum vierten Mal in Folge flog die zweitbeste Mannschaft der Hauptrunde im Playoff-Viertelfinale raus. „Nach unseren schwankenden Leistungen wäre dieser siebte Platz auch nicht verdient gewesen“, blickt Marburgs Übungsleiter zurück.

Eine einzelne Statistik stehe dabei sinnbildlich für die durchwachsene Saison: die Freiwurfquote. Ohne sich gegnerischer Abwehrarbeit erwehren zu müssen, versenkten die Marburgerinnen in der Hauptrunde nur 68 Prozent ihrer Freiwürfe. „Das zeigt, dass wir zu oft mit dem Kopf woanders sind“, sagt der BC-Coach. Das sei auch in der ersten Halbzeit des letzten Saisonspiels so gewesen.

Schwachstelle Offensive

Und wie in der Hauptrunde, bekamen die Marburgerinnen erst in der zweiten Hälfte der zweiten Playoff-Partie einigermaßen die Kurve. Auch wenn es natürlich nicht reichte, um den Topfavoriten ernsthaft zu gefährden oder das Ausscheiden hinauszuzögern: Die Einstellung indes stimmte und auch dem Ergebnis – 32:30 – nach beendete der BC die zweite Halbzeit erfolgreich. Schließlich doch noch in die Playoffs gekommen zu sein, „war wichtig“, sagt Unger, „finanziell und auch für den Kopf.“

„Leider haben einige Zugänge nicht so eingeschlagen, wie erhofft“, vor allem in der Offensive habe die Durchschlagskraft gefehlt, so Unger. In den 22 Partien der Hauptrunde schaffte es die Marburger Verteidigung immerhin achtmal, den Gegner unter der vom Trainer ausgegebenen Marke von 65 Punkten zu halten. Sechs Partien davon wurden gewonnen. Allerdings schaffte es das Pharmaserv-Team nur in sieben Fällen, mehr als die magischen 65 Zähler zu erzielen – nur einmal ohne Erfolgserlebnis.

Auch wenn nach dem „Gentlemen's agreement“ der Vereine in der kommenden Spielzeit nur noch eine Spielerin mit deutschem Pass auf dem Feld stehen muss, will Unger im Kader auf ein Grundgerüst einheimischer Kräfte setzen: „Ich möchte mindestens sechs Deutsche im Team haben.“ Dabei spiele für den 32-Jährigen auch die gute Kooperation mit dem Zweitligisten Bender Baskets Grünberg und der dortigen Trainerin Aleks Kojic eine wichtige Rolle.

„Wir werden nun die Dinge analysieren und Gespräche führen“, sagt BC-Coach. „In Urlaub geht’s erst, wenn der neue Kader steht“, deutet der 32-Jährige einen erneuten Umbruch an. Diesmal will man nicht den „Fehler von vor dieser Saison“ wiederholen. „Da haben wir zu schnell gehandelt.“ Diesmal wolle man sich mehr Zeit lassen.


Statistik:

Hauptrunde:

Heimbilanz: 6 Siege, 5 Niederlagen. 719:723 Punkte.
Auswärtsbilanz: 2 Siege, 9 Niederlagen. 624:773 Punkte.
Gesamt: 8 Siege, 14 Niederlagen. 1343:1496 Punkte.
Ergebnis: Platz 8. Ein Sieg hinter Platz 7, ein Sieg vor Platz 9.

Höchster Sieg: +19 gegen Bad Aibling (66:47, Season Opening).
Meiste Punkte erzielt bei Sieg: 79:72 gegen Saarlouis (heim).
Wenigste Punkte erzielt bei Sieg: 50:48 bei Rhein-Main.
Meiste Punkte kassiert bei Sieg: 79:72 gegen Saarlouis (heim).
Wenigste Punkte kassiert bei Sieg: 54:47 gegen Freiburg (heim, n.V.).

Höchste Niederlage: -44 in Wasserburg (45:89).
Wenigste Punkte erzielt bei Niederlage: 45:89 in Wasserburg.
Meiste Punkte kassiert bei Niederlage: 56:91 in Oberhausen.
Meiste Punkte erzielt bei Niederlage: 70:73 gegen Rhein-Main (heim), 70:82 gegen Rotenburg/S. (heim).
Wenigste Punkte kassiert bei Niederlage: 55:56 in Freiburg.

Eingesetzte Spielerinnen: 16.
Meiste Spiele: Crowder, Köppl, Koop, Pierce, Schaake (22).
Meiste Spielzeit: Finja Schaake, 11:23'24“ Stunden (30'15“ Minuten).
Meiste Punkte erzielt: Finja Schaake, 271 (Schnitt: 12,32).
Meiste Dreier: Finja Schaake, 23 (1,05).
Meiste Rebounds: Lisa Koop, 155 / 91 defensiv (7,05 / 4,14).
Meiste Assists: Alissa Pierce, 32 (1,45).
Meiste Steals: Alissa Pierce, 27 (1,23).
Meiste Blocks: Lisa Koop, 24 (1,09).

Meiste Feldwürfe: Finja Schaake, 287 (110 Treffer, 38 Prozent).
Meiste Feldtreffer: Finja Schaake, 110.
Beste Feldquote°: Tonisha Baker, 42 Prozent (65/154).
Beste Zweierquote*: Finja Schaake, 46 Prozent (87/188).
Beste Dreierquote*: Brittany Wilson, 51 Prozent (15/29).
Meiste Freiwürfe: Lisa Koop, 56 Versuche (35 Treffer, 62 Prozent).
Meiste Freiwurftreffer: Alissa Pierce, 39 (47 Versuche, 82 Prozent).
Beste Freiwurfquote*: Alissa Pierce, 82 Prozent.
° mindestens 110 Versuche, * mind. 5 Versuche.

Mal ganz anderes:

Höchstwerte basierend auf der individuellen Einsatzzeit^ hochgerechnet auf 40 Spielminuten:
Punkte: Brittany Wilson, 18,74.
Rebounds: Lisa Koop, 10,10 / 5,93 defensiv.
Assists: Jennifer Crowder, 2,71.
Steals: Brittany Wilson, 2,70.
Blocks: Lisa Koop, 1,53.
^ mindestens 2 Minuten auf dem Feld.


Playoffs:

Heimbilanz: 0 Siege, 1 Niederlagen. 46:75 Punkte.
Auswärtsbilanz: 0 Siege, 1 Niederlagen. 46:65 Punkte.
Gesamt: 0 Siege, 2 Niederlagen. 92:140 Punkte.
Ergebnis: Platz 8.

Höchste Niederlage: -39 gegen Wasserburg (heim, 46:75).
Wenigste Punkte erzielt bei Niederlage: 46, 2x gegen Wasserburg.
Meiste Punkte kassiert bei Niederlage: 46:75 gegen Wasserburg (heim).
Meiste Punkte erzielt bei Niederlage: 46, 2x gegen Wasserburg.
Wenigste Punkte kassiert bei Niederlage: 46:65 in Wasserburg.

Eingesetzte Spielerinnen: 11.
Meiste Spiele: zehn Spielerinnen (2).
Meiste Spielzeit: Finja Schaake, 59'58“ Minuten (29'59“ Minuten).
Meiste Punkte erzielt: Alissa Pierce, 19 (Schnitt: 9,95).
Meiste Dreier: Tonisha Baker, 3 (1,50).
Meiste Rebounds: Tonisha Baker, 11 / 8 defensiv (5,50 / 4,00).
Meiste Assists: Finja Schaake, 6 (3,00).
Meiste Steals: Alissa Pierce, Birte Thimm, je 5 (je 2,50).
Meiste Blocks: Julia Köppl, 4 (2,00).

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von:  Marcus Richter

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