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Kein Aprilscherz

Gießen | Folgenden Leserbrief habe ich in der heutigen Ausgabe des Gießener Anzeiger unter der Überschrift : Keine anderen Themen?
gefunden:
"Langsam verstehe ich die anhaltende Debatte über
Neubaugebiete nicht mehr.Gibt es in Gießen nicht auch andere Themen, die wichtig sind? Ich möchte den Blick auf uns Seniorinnen lenken. Die Stadt Gießen tut viel für uns: Ein Seniorenbüro, Seniorennachmittage, Seniorentreffs, die Beratungs-und Koordinierungsstelle
(BeKo), der runde Tisch "Älter werden in Gießen", der den Altenhilfeplan umsetzt, mehr Barrierefreiheit
gerade auch im Wohnungsbau, wobei hier vor allem im niedrig-preisigen Angebot noch einiges zu tun ist.
Wenn Gießen unter dem Schutzschild bleibt und der Anteil der älteren Bewohner wächst, kann das alles nur schwer für die Zukunft gesichert, finanziert und ausgebaut werden.Insofern ist das Bemühen, durch
Zuzug von jüngeren Menschen mit einem guten Einkommen die Einnahmen der Stadt zu erhöhen, ein Ansatz, um die sozialen Standards unserer Stadt
zu erhalten und ausbauen zu können.(Annegret Schmidt, Gießen)"
Obwohl heute der erste April ist, habe ich mich ganz im Ernst geärgert und eine Stellungnahme dazu verfaßt, die ich hier zur Diskussion stellen möchte.

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Enkeltrick, dubiose Gewinne, Kaffefahrten....
Senioren kann man viel erzählen. Auch zum Beispiel das Märchen, dass die Stadt ihr investorenbestimmtes Stadtentwicklungsprogramm durchführt, um mehr Geld für Soziales und vor Allem für die Belange von Senioren ausgeben zu können.
Seniorenbüro, Seniorennachmittage, Seniorentreffs, "Älter werden in Gießen"- das Alles kostet nicht viel Geld und läßt sich vorwiegend auf ehrenamtlicher Basis durchführen.
Eine sehr schöne Sache aber trotzdem ,( vor Allem für die Veranstalterin ,die Stadt), diese Fürsorge, sanfte Gehirnwäsche inbegriffen, und besonders schön, wenn man noch ein bißchen billige Wahlwerbung damit verbinden kann.
Als Betroffene, ich bin ja auch Seniorin, möchte ich in aller Deutlichkeit sagen, dass ich die meisten dieser Angebote als Ausgrenzung und Entmündigung verstehe.
Was tut die Stadt denn dafür,dass die Senioren nicht in irgendwelche geistigen Ghettos abgeschoben werden, sondern einfach am sozialen Leben teilnehmen können wie jüngere Menschen auch? Wie sieht es mit der Möglichkeit aus, stressfrei ein angemessenes Nahverkehrsangebot nutzen zu können? Sich im Grünen erholen zu können, ohne weite Wege auf sich nehmen zu müssen? Mit Gepäck problemlos den Bahnhof zu erreichen, wenn man verreisen will?
Und besteht nicht für die weniger wohlhabenden Senioren genauso wie für alle anderen Bürger die
Gefahr, bei den steigenden Preisen keine angemessene Wohnung mehr bezahlen zu können?
Im Prinzip sind die meisten Probleme älterer Menschen
dieselben, mit denen sich auch die Jüngeren auseinandersetzen müssen.
Der Seniorenkindergarten ist für viele von uns Senioren jedenfalls keine Lösung. Wir wollen immer noch ernst genommen werden!

Kommentare zum Beitrag

Jutta Skroch
13.688
Jutta Skroch aus Buseck schrieb am 02.04.2015 um 11:53 Uhr
Seniorenkindergarten ist ein passender Ausdruck, die wirklich dringenden Probleme, die du angeschnitten hast, werden von der Stadt nicht angegangen, denn dann müsste man wirklich Geld in die Hand nehmen.
Ich glaube nicht, dass die Einnahmen der Stadt durch den Bau von Luxuswohnungen und deren Bewohner im relevanten Bereich liegen und es wird dadurch auch kein bezahlbarer Wohnraum frei. Es wäre sicher vordringlicher, wenn die Stadt Gewerbeflächen ausweisen könnte, aber da scheint es an geeigneten Flächen zu hapern.
2.463
Gertraud Barthel aus Gießen schrieb am 02.04.2015 um 13:01 Uhr
Vielleicht hapert es auch an Gewerbertreibenden, die sich hier
niederlassen wollen. Man könnte ja denken, in Zusammenarbeit
mit der Technischen Hochschule Mittelhessen müsste es möglich sein, junge Unternehmer zur Niederlassung in Gießen zu ermutigen. Vielleicht versucht man es auch, aber scheinbar ohne großen Erfolg. Dabei dürfte die hohe Grundsteuer wohl auch eine Rolle spielen.
Karl-Ludwig Büttel
3.855
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 02.04.2015 um 15:13 Uhr
Naja das mit dem Gewerbe ist so eine Sache in Bezug auf die Einnahmen einer Kommune. Die Gewerbesteuer ist ein schwer einplanbares Einkommenselement. Viele wichtiger ist der Zuzug von Zahlungskräftigen Einwohner. Die Anteile an der Einkommensteuer sichern der Stadt den besseren und sicheren Ertrag. Aus dem Grund hat die Dame in ihrem Leserbrief nicht Unrecht. Durch den Gewinn von Einkommensstarken Bewohnern steigert die Stadt die Einnahmen über die Einkommensteuer. Am besten wäre es natürlich beides zu generieren; Gewerbe dadurch Arbeitsplätze und dadurch Einwohner.
Die Grundsteuer spielt bei der Entscheidung nach Gießen zu gehen oder nicht eher eine untergeordnet Rolle. Durch diverse Steuermodelle finden sich da adäquate Mittel und Wege. Für das Gewerbe ist eher die Gewerbesteuer interessant. Aber auch da zahlen wenige viel und viele nichts. Laut dem Gewerbeindex liegt Gießen mit 420 Punkten gut im Rennen. Insgesamt hat Gießen eine gute Standortbeurteilung. Das ist also auch nicht der Grund.
Michael Beltz
7.760
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 02.04.2015 um 18:41 Uhr
Vorbild könnte auch die Mafia in Neapel sein. Die versorgen die Armen mit Waffen und Geld. Und das Ged ist gewaschen, also sauber. Weil die Armen nun zufrieden sind, geschehen in Neapel wenig Verbrechen. Das hat zur Folge, dass Touristen sich gerne in Neapel aufhalten und die mit gewaschenem erbauten Hotels florieren. Insofern hat auch Neapel eine gute Standortbeurteilung.
Ob es dort Seniorennachmittage gibt, entzieht sich meiner Kenntnis.
Karl-Ludwig Büttel
3.855
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 02.04.2015 um 19:17 Uhr
Ja mit der Mafia da kennen Sie sich aus...ich leider nicht. Ich verlasse mich auf die mir zur Verfügung stehenden Quellen.
2.463
Gertraud Barthel aus Gießen schrieb am 03.04.2015 um 09:48 Uhr
Man muß ja nicht gleich an die Mafia denken. Es gibt viele legale Möglichkeiten zur Steuerersparnis. Gerade für Selbstständige, die
Einkommenssteuer zahlen. Bei Lohnsteuerpflichtigen sieht es schon schlechter aus. Aber auch sie haben die Möglichkeit, beim
Kauf von Wohneigentum durch Abschreibung Steuern zu sparen.
Deshalb stellt sich für mich auch die Frage, ob die Käufer, die siich angeblich in so großer Zahl für die neu gebauten Wohnungen interessieren, dann auch tatsächlich in Gießen wohnen werden, oder ob sie diese Wohnungen nur als Abschreibungsobjekte kaufen wollen.
Hallo Lieber Leser
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Herzlichst, Ihr(e) Gertraud Barthel

von:  Gertraud Barthel

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