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Public Enemy Number One: Der „Terror-Waschbär“ rüttelt an den Grundfesten unserer Zivilisation

Das personifizierte Böse. Da hilft nur eins: Abknallen. Feuer frei! In der vergangenen Jagdsaison wurden in Deutschland 75.762 dieser Tiere „neutralisiert“ .
Das personifizierte Böse. Da hilft nur eins: Abknallen. Feuer frei! In der vergangenen Jagdsaison wurden in Deutschland 75.762 dieser Tiere „neutralisiert“ .
Gießen | Hierzulande ist der Waschbär ja auf dem besten Wege, den bösen, hinterlistigen Fuchs als „Public Enemy Nr. One“ abzulösen. Der zwielichtige „Schupp“ ist von Natur aus schlecht und stellt eine existentielle Bedrohung für unsere Zivilisation dar. Es gibt viele Gründe, ihm noch vehementer als bisher den Pelz über die Ohren zu ziehen. So sollen diese überwiegend nachtaktiven Räuber zum Beispiel auch für den Bestandsrückgang der europäischen Sumpfschildkröte verantwortlich sein, die es zwar nur noch in Brandenburg in einer Stückzahl von 70 Exemplaren gibt – und neuerdings auch als handverlesene Exponate im Uckersdorfer Vogelpark. Macht aber nix. Als Totschlagsargument, den Tieren bundesweit nachstellen zu müssen (und zu dürfen), und das noch exzessiver als bis dato, reicht das allemal.
Andere, zumeist von Jägern angeführte und angeblich zwingend für einen solche tierischen Genozid sprechende “Fakten“ sind von vergleichbarer inhaltlicher Stringenz. Die kleinen Bären gelten als die Osama-bin-Ladens und Abu Bakr al-Baghdadis unter den Terror-Prädatoren des deutschen Naturhaushaltes. Ausgeburten der Hölle, Manifestation
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des Schreckens. Deshalb: Feuer frei und Fallen auf! Das einschlägige PR-Trommelfeuer der schießenden Interessenverbände zeigt auch in der öffentlichen Wahrnehmung dieses Problems Wirkung. Headlines wie „Der maskierte Jäger erobert das Land“, „Wilder Waschbär wütet in Wohnung“, „Terror-Waschbär macht Regierungsviertel unsicher“ (wenn der Hintergrund nicht so ernst wäre, müsste man drüber lachen), „Aggressive Waschbären killen Jagdhunde“ oder „Waschbären für Artensterben verantwortlich“ rascheln in Endlosschleife durch den gedruckten und den digitalen Blätterwald. Irgendetwas bleibt schon hängen.
Woher diese Informationen kommen und wer das größte Interesse an ihrer Verbreitung hat, ist offensichtlich. Und deren Wahrheitsgehalt entspricht, auch was die suggestive Aufbereitung anbelangt, oft dem von Aufmachern der Schmuddelzeitung mit den vier großen Buchstaben. Das zu Grunde liegende Prinzip ist aber nicht neu und ein gängiges Hilfsmittel der Manipulation und gezielten Desinformation. So etwas begegnet uns in vielen Bereichen. Als vor drei Jahren der e-Zigaretten-Boom an Fahrt aufnahm, ging, von der Tabakindustrie gesteuert, folgende Nachricht gefühlte Tausend mal um die Welt: Einem Konsumenten, einem Amerikaner, war beim Dampfen
Ein amerikanischer Held: Hat unter Einsatz seines eigenen Lebens das zweier maskierter Pelz-Monster beendet. God bless America!
Ein amerikanischer Held: Hat unter Einsatz seines eigenen Lebens das zweier maskierter Pelz-Monster beendet. God bless America!
die Hardware explodiert und hatte ihm drei Schneidezähne verbeult. Da war der Beweis für die extreme Gefährlichkeit der e-Zigarette. Kommt gleich nach der Atombombe und liegt im Risiko- und Wirkungsranking irgendwo zwischen Chemie- und Biowaffen. Aber dann stellte sich heraus, dass das spätere "Opfer" an dem Gerät herumgebastelt und es mit einem 30 mal stärkeren Akku aufgerüstet hatte. Mit dessen Leistungsenergie hätte man einen Panzer fremdstarten können. Kein Wunder, dass das Teil dem Hobbyschrauber um die Ohren (und anderes) geflogen ist. Das haben Philip Morris, BAT und Co. aber natürlich nicht so gestreut.

500.000 maskierte Teufel bedrohen unseren Wohlstand

Im Jagdjahr 2013/2014haben die germanischen Nimrods laut Jagdstatistik 75.762 „Raccoons“, so der englischsprachige Begriff für den Waschbären, zur Strecke gebracht – offiziell. Die Dunkelziffer könnte darüber liegen, deutlich. Der Gesamt-Bestand dieser Allesfresser wird auf bundesweit 500.000 Exemplare geschätzt. Tendenz: angeblich rasant steigend. Bei unseren Verbündeten jenseits des großen Teiches, deren ethischen Wertvorstellungen mit den unseren angeblich deckungsgleich sind, hopsen ein paar mehr von diesen „Viechern“ durch die Gegend. Waschbären stammen ja
Davor kann einem ja auch Angst und Bange werden!
Davor kann einem ja auch Angst und Bange werden!
ursprünglich aus Nordamerika, lebten aber auch schon vor 25 Millionen Jahren in „Good, old Europe“. Baracks Schusswaffen-verliebten Landsleute sind wesentlich erfahrener, erfolgreicher und auch rigoroser darin, den üblen Gesellen mit der putzigen Physiognomie den Garaus zu machen. Vielleicht mag der ein oder andere Kollege hierzulande insgeheim von solchen paradiesischen Voraussetzungen, wie sie sich den amerikanischen Jägern bieten, träumen.

„Raccoon“-Jagd als Volksbelustigung

Letztere, die zwar nicht Willens und/oder in der Lage sind, den doch ein klein wenig langsameren Anakondas in Florida, die vielleicht cleverer als sie selbst sind, Einhalt zu gebieten, haben die Waschbärenjagd zur Volksbelustigung erhoben. In dem kleinen Städtchen Parsons in Tennessee wird in der Zeit vom 9. bis zum 11. April die laut Veranstalter größte Waschbären-Hatz der Welt ausgetragen. Es ist die 40. in Folge, also ein kleines Jubiläum. Muss man natürlich feiern. Und tut das auch. Aufgezogen ist diese grenzwertige Show wie eine große Kirmes, als ein, allen Ernstes, „Fun-Event für die ganze Familie“ deklarierter Mordsspaß. It’s partytime!
Die Besucher legen, um in den Genuss dieses Spektakels zu kommen, je nach Veranstaltungstag 10 bis 20 Dollar
Warten auf den finalen Fangschuss: Ein wackerer US-Jäger macht das zivilisatorische Gefüge seines Landes wieder ein Stückchen sicherer.
Warten auf den finalen Fangschuss: Ein wackerer US-Jäger macht das zivilisatorische Gefüge seines Landes wieder ein Stückchen sicherer.
Eintrittsgeld auf die Theke. Organisator ist die Montgomery County Waschbärenjagdgesellschaft (Montgomery County Coon Hunters Association). Man muss sich das mal vorstellen, ein Verein, dessen „Zweck“ einzig und allein darin besteht, einer bestimmten Tierart den Garaus zu machen. Immerhin sind die Pirscher bei uns, was das Zielspektrum anbelangt, ja noch etwas breiter aufgestellt… Die MCCHA als Gastgeber weiß den nationalen US-Verband für Hundezucht und Hundesport, den United Kennel Club (UKC), hinter sich und als Sponsor auf ihrer Seite. Zum Einsatz kommen bei diesem sportiven Wettstreit vor allem sogenannte „Coonhounds“. Das sind speziell für die Waschbärenjagd gezüchtete Hunde, deren Aufgabe es dabei ist, die bärige Beute aufzuspüren, zu stellen und gegebenenfalls auf einen Baum zu scheuchen. Herrchen braucht dann nur noch ritterlich abzudrücken. Wie es aussieht, wenn diese Hunde den Job alleine erledigen, kann man hier goutieren: http://www.youtube.com/watch?v=wNF1nXmNsdc
Und hier: http://www.youtube.com/watch?v=LSVZQfhut1Q
Wessen Waldi die meisten „Coons“ stellt, hat gewonnen:
Das Logo der „Montgomery County Coon Hunters Association“.Eine patriotische, gemeinnützige Organisation. Mit dem Ku-Klux-Klan oder der dem „IS“ aber weder verwandt, noch verschwägert.
Das Logo der „Montgomery County Coon Hunters Association“.Eine patriotische, gemeinnützige Organisation. Mit dem Ku-Klux-Klan oder der dem „IS“ aber weder verwandt, noch verschwägert.
The candidate scored 18 points!“Wobei jeder Punkt für einen in diesem fairen Kampf besiegten Gegner steht. Dafür winken stattliche Preisgelder. Männlein und Weiblein gehen teils in unterschiedlichen (Geschlechter-)Klassen an den Start und auf die Jagd, wobei die Ladies, warum auch immer, an den Turniertagen nur bis 19 Uhr ballern dürfen. Das muss man nicht verstehen, was natürlich überhaupt für die Sinnhaftigkeit des Schauspiels gilt. Eingebettet darin sind Show-Acts auf diversen Aktionsbühnen, Grillpartys, gemeinsame Abendessen mit weißen (nicht blauen) Bohnen, Kinderunterhaltungen und, und, und. Das volle Programm.

Mordlust und Nächstenliebe

Und die unterhaltsame Sause dient auch noch einem guten Zweck – in doppelter Hinsicht. Einmal dem natürlich, den Waschbären zu zeigen, wo der Hammer hängt. Und zum Zweiten: Ein caritativer Anstrich steigert Akzeptanz und Vergnügen um ein Vielfaches, macht die Teilnahme an diesem Zinnober quasi zur patriotischen Pflichtübung. Der Reinerlös dieser unter Schießbudenbedingungen ablaufenden Grausamkeits-Olympiade ist auch in diesem Jahr für das St. Jude-Children’s Research-Hospital in Memphis/Tennessee bestimmt, einem der führenden Krankenhäuser für Leukämieforschung und -behandlung. So
Europäisches Eichhörnchen beim Dessert. Im Nordosten der USA gelten diese buschschwänzigen Katteker als Volksfeinde. Die Feuerwehr von Holley im US-Bundesstaat New York belohnt schon 12-jährige Kinder, wenn sie diese Tiere abknallen.
Europäisches Eichhörnchen beim Dessert. Im Nordosten der USA gelten diese buschschwänzigen Katteker als Volksfeinde. Die Feuerwehr von Holley im US-Bundesstaat New York belohnt schon 12-jährige Kinder, wenn sie diese Tiere abknallen.
lassen sich Lust am Töten und gelebte Nächstenliebe mit einander verknüpfen. Eine Geschmacklosigkeit, die an Perfidität eigentlich nicht mehr zu toppen ist. Die Klinik beruft sich mit ihrem Namen auf den christlichen Heiligen Judas Thaddäus, der als Schutzpatron und Helfer in verzweifelten Lebenssituationen und scheinbar ausweglosen Lagen gilt und galt. Natürlich hagelt es weltweit Proteste gegen dieses pervertierte Freizeitvergnügen. Aber das schert die Beteiligten wenig. Sie wollen ihren Spaß - und werden ihn auch in diesem Jahr wieder bekommen.
Apropos: Der Spaßfaktor steht auch bei einer anderen, unter moralischen Aspekten betrachtet ziemlich verunglückten amerikanischen Spielart jagdlicher Abartigkeit im Vordergrund: dem „Eichhörnchen-Slam“ von Holley im US-Bundesstaat New York. Organisiert von der dortigen Feuerwehr, deren Mitglieder nicht mit den verklärten Helden von „Ground Zero“ in New York City identisch sind, werden Erwachsene und Kinder ab 12 Jahren dazu aufgerufen, gegen eine Startgebühr von zehn Dollar Jagd auf die Baumkater zu machen. Die Gesetze des Staates geben es her, dass Minderjährige, geht es gegen die buschschwänzigen Katteker, zur Knarre greifen. Tausende dieser Nager lassen dabei am „Tag X“, dem „D-Day“, ihr Leben.

Halbautomatische Gewehre als Belohnung für Kinder

Als Belohnung u.a. für die kapitalste Beute (es gibt noch weitere Kriterien) winken den erfolgreichsten Nachwuchsschützen dieses unerträglichen „Events“ Geld- und Sachpreise. Letztere beispielsweise auch in Gestalt von Waffen(halbautomatischen Gewehren), wie sie beispielsweise auch im Dezember 2012 beim Schulmassaker an der Sandy Hook Elementary School in Newtown/Connecticut, 100 Kilometer nordöstliche von NY gelegen, verwendet wurden. Die Bilanz: 28 Tote, darunter 20 Kinder. Irgendwie müssen die Aktivisten des Fire Departments von Holley mit dem Slogan ihrer Deutschen Kollegen (Retten, Helfen, Bergen) nix anfangen können. Es sei denn, sie beschränken sich auf das Bergen (und Zählen) erschossener Eichhörnchen oder, im schlimmsten Falle, dem von gemeuchelten Amokopfern, die das Pech haben, zufällig in die Schusslinie eines hochgerüsteten, psychisch Gestörten zu geraten. Wie sagte Obelix einst so treffend? "Ils sont fous, ces Romains!" In Abwandlung dieses Ausspruchs: “Die spinnen, die Amis!“
Bei Yutube gibt es übrigens zahlreiche Videoclips, die den Eichhörnchen-Challenge der US-Florianer thematisieren. Sie sind weniger ob ihrer Grausamkeit relevant. Tatsächlich wird der eigentliche Tötungsakt nicht gezeigt. Erschreckend und beklemmend sind die Reaktionen des Publikums, das jeden zurückkehrenden, stolz die Kadaver vorzeigenden Erfolgsjäger mit euphorischem Gejohle begrüßt und feiert. Die Verrohrung nimmt Fahrt auf. Kotzen könnte man da!

Das personifizierte Böse. Da hilft nur eins: Abknallen. Feuer frei! In der vergangenen Jagdsaison wurden in Deutschland 75.762 dieser Tiere „neutralisiert“ .
Das personifizierte... 
Ein amerikanischer Held: Hat unter Einsatz seines eigenen Lebens das zweier maskierter Pelz-Monster beendet. God bless America!
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Warten auf den finalen Fangschuss: Ein wackerer US-Jäger macht das zivilisatorische Gefüge seines Landes wieder ein Stückchen sicherer.
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Das Logo der „Montgomery County Coon Hunters Association“.Eine patriotische, gemeinnützige Organisation. Mit dem Ku-Klux-Klan oder der dem „IS“ aber weder verwandt, noch verschwägert.
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Europäisches Eichhörnchen beim Dessert. Im Nordosten der USA gelten diese buschschwänzigen Katteker als Volksfeinde. Die Feuerwehr von Holley im US-Bundesstaat New York belohnt schon 12-jährige Kinder, wenn sie diese Tiere abknallen.
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Kommentare zum Beitrag

Jürgen Heimann
2.591
Jürgen Heimann aus Gießen schrieb am 01.04.2015 um 22:13 Uhr
Sehe ich genau so. Kann ich alles unterschreiben. Gut gebrüllt, Löwe/Löwin! Ein, wenn auch nicht das entscheidende Problem bezülich der öffentlichen Darstellung in den Medien ist, dass an den entscheidenden Schaltstellen der Verlage mitunter passionierte Jäger an den Hebeln sitzen. Das gilt besonders für den Giessener Raum - inzwischen aber auch für die WNZ, wo der Verleger der (inzwischen gar nicht mehr als solcher existierenden) Dillenburger Dill-Zeitung sich als Mit-Geschäftsführer eingekauft hat. Er ist Vorsitzender der Jäger des Dillkreises. Und letztere sind, man höre und staune, "besorgt" darüber, dass ihnen neuerdings nicht mehr so viele Füchse vor die Flinte laufen. Es seien deutlich weniger geworden.Deren Bestand gehe deutlich zurück. Und wer ist bzw. könnte den Mutmaßungen der Lodenfrakrtion dran schuld sein? Natürlich, der Waschbär! Ich fasse es nicht. Und die Leute/Leser glauben das am Ende sogar. Da zeitigt ein gut geöltes, interessensgeleitetes PR-Dauerbombardement Wirkung.
Jörg Jungbluth
5.108
Jörg Jungbluth aus Lollar schrieb am 02.04.2015 um 15:17 Uhr
Wenn die Waschbären nicht geschossen werden sollen, wie soll dann das Ausbreiten eines "ungewollten Einwanderers" verhindert werden? Die Massnahme verweiste Waschbärbabys aufzunehmen und dann wieder auszusetzen ist jedenfalls ein Hohn. Wenn sie schon zur Natur gehören, dann soll man sie auch der Natur überlassen. Wenn dann Waschbärbabys ihre Eltern verlieren, ist es Schicksal.

Ich selber verabscheue das sinnlose töten, aber da wir schon die natürlichen Feinde unserer Wildtiere (fast) ausgerottet haben (Braunbär, Wolf), müssen wir den Tierbestand selber regulieren. Und in erster Linie muss der Bestand der Waschbären (die hier nichts zu suchen haben) dezimiert werden.
Francesco Dati
17
Francesco Dati aus Lich schrieb am 03.04.2015 um 01:42 Uhr
Kommentar zum Kommentar von Jörg Jungbluth
„Ich selber verabscheue das sinnlose töten, aber… wir müssen den Tierbestand selber regulieren.“ !!! Wirklich interessante (= scheinheilige) Prämisse: Ist es nicht sinnlos, wenn bestimmte Menschen mit grünen Jacken Tiere töten, weil sie meinen, es zu viele Tiere gäbe?
Hallo !! Die Jahresjagstrecke 2013/2014 beträgt über 4 Millionen Tiere (= > 4.000.000 Tiere). Ist es nicht ein bisschen zu viel Regulieren? Sind Sie selbst der „Regulator“?
Ist es nicht ein kompletter Widerspruch, wenn Sie von der Natur reden und behaupten, dass man Waschbärenbabys der Natur überlassen müsste (= verrecken lassen), obwohl ihre Mutter von Menschen bzw. von durch den Menschen gesteuerten Maschinen (und nicht von der Natur) getötet wurde? Wo ist dann die Natur, wenn der Mensch schon durch seine Tötungsmaßnahmen in die Natur eingegriffen hat ?
Ist es nicht ein kompletter Widerspruch, wenn Sie sagen, dass man die Tierbabys auch der Natur überlassen sollte, um dann sich anzumaßen, den Tierbestand selbst regulieren zu wollen? Wo bleibt denn die Natur und warum sollen in diesem Fall die Jäger die Rolle der Natur übernehmen?
Und wo bleibt die Natur bei 500.000 Millionen grundlos getöteten Füchsen, die meistens Mäuse (im Durchschnitt 3.000 pro Jahr) und Ratten vertilgen (und dadurch Schäden an der Natur verhindern)?.
Allerdings wenn Waschbären und andere Tieren reguliert dürfen/müssen, hätten die Jäger dann Rechte auch Katzen zu „regulieren“, wenn Ihre Katze vom Jagdausübungsberechtigten (oder seinen Jagdgästen) 300 m vom letzten Haus entfernt „jagend“ angetroffen wird.
Sie nennen den Waschbären „einen ungewollten Einwanderer“. Von wem ist er ungewollt? Wissen Sie nicht, dass der Waschbär (zwei Paare) „gewollt“ mit amtlicher Genehmigung –sogar aus Berlin- im 1934 am Edersee ausgesetzt wurde, damit er sich dort im Kellerwald vermehrt? Auf Antrag des Bezirksforstamtes Kassel-West hatte auch im 1934 das Regierungspräsidium in Kassel sogar eine polizeiliche Anordnung erlassen, nach der der Waschbär in insgesamt 14 Gemarkungen südlich des Edersees unter Naturschutz gestellt war.
Der Waschbär „ungewollt? Sicher nicht von bestimmten Jägern, die den Waschbären brauchen, um ihn u.a. mit der Fallenjagd zu bejagen und somit diese anachronistische Form der Jagd zu rechtfertigen? Das sagt sogar ein Jägerverein (der ökologische Jagdverein), der auch selbst und sehr direkt von einem Mobbing des Waschbären spricht (siehe: (http://www.oejv-hessen.de/aktuell-waschbaer.html).
Und mit welcher Berechtigung schreiben Sie „ Und in erster Linie muss der Bestand der Waschbären (die hier nichts zu suchen haben) dezimiert werden.“?
Welche Erkenntnisse führen Sie zu diesen Äußerungen? Sind Sie Jäger oder Forster oder sogar Wildbiologe? Eine schlaue Person müsste wissen, dass wir in Deutschland Gesetze haben, die nicht nur Menschen sondern auch Tiere schützen:
wie z.B. unser Grundgesetz Art. 20 a „der Staat schützt … die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere … durch die Gesetzgebung …
Und auch das Tierschutzgesetz: Art. 1. Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.
Und diese Gesetze sind nicht nur für Katzen und Hunde gedacht, sondern auch für Wildtiere und darunter die Waschbären.
Kennen Sie vielleicht das Bundesnaturschutzgesetz? Im § 7 (2) 7 dieses Gesetzes können Sie unter „Heimische Art“ lesen:
„als heimisch gilt eine wild lebende Tier- oder Pflanzenart auch, wenn sich verwilderte oder durch
menschlichen Einfluss eingebürgerte Tiere oder Pflanzen der betreffenden Art im Inland in freier Natur und ohne menschliche Hilfe über mehrere Generationen als Population erhalten;
Diese trifft für die Waschbären, die seit 1934 in Deutschland leben, zu 100% zu!!!
Also: Der Waschbär ist laut Bundesnaturschutzgesetzes eine „HEIMISCHE TIERART“.
Und wie kommen Sie dazu, zu behaupten, dass der Waschbär hier nichts zu suchen hat?
Und dann entscheiden Sie selbst und allein, wer hier leben darf und wer hingegen sterben und DEZIMIERT werden muss?
Da bis jetzt keine wissenschaftlich fundierte Studie existiert, die beweist, dass der Waschbär weder für das Aussterben einer anderen Tierart verantwortlich ist noch eine solche bundesweit bedroht, können diese Beweise (oder besser gesagt: Behauptungen) – falls überhaupt konkrete Beweise existieren - nur aus der Reihe der Jägerschaft kommen. Und daraus kommen oft nur gezielte Horror-Meldungen über die Waschbären (siehe Story über Hunde-Killer = 4 vier Hunde).
Aus Ihren Beiträgen habe ich festgestellt, dass Sie einen Katzenfreund sind (wie ich auch). Wie können Sie einige Tiere lieben und dann solche Todesurteile für bestimmte andere Tiere fällen?
Gibt es auch für Sie Zwei-Klassen-Schutz?
Karl-Ludwig Büttel
3.854
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 04.04.2015 um 15:52 Uhr
Herr Jungbluth, dass beschreiben Sie genau wie ich es auch sehe. Falsche Tierliebe kann auch schädlich sein. Tierbabys der Natur überlassen ist doch auch Natur. Die Natur reguliert sich selbst. Der Mensch ist in seinem Handeln ein Teil der Natur im Positiven wie im Negativen.
Diese Nesträuber vermehren sich zum Schaden der Niederbrüter. Durch die unnatürliche Population bei uns im Naturschutzgebiet (dort ist die Jagd untersagt) konnten sich die Waschbären ungehindert vermehren. Die Brachvögel die es in unseren Wiesen noch zahlreich gab (12 Brutpaare vor Einführung des Naturschutzes) sind jetzt auf null in Zahlen 0 reduziert. Aber scheinbar spielt das keine Rolle. Auch hier ein Zwei-Klassen Schutz?
Um dass festzustellen, muss man kein Biologe sein oder Jäger noch benötigt man eine Statistik (diese dient nur der Seite die sie in Auftrag gibt) einfach nur hinsehen.
Francesco Dati
17
Francesco Dati aus Lich schrieb am 04.04.2015 um 22:13 Uhr
Herr Büttel, ich wiederhole es: Sie reden von Natur und Sie wollen jene Waschbärenbabys der Natur überlassen (= verrecken lassen), nachdem ihre Mutter von Jägern bzw. von durch den Menschen gesteuerten Autos oder Mähdreschern (und nicht von der Natur) getötet wurde? Wo ist dann die Natur, wenn der Mensch schon durch seine Tötungsmaßnahmen in die Natur eingegriffen hat ?
Und zu Ihren 12 Brutpaaren von Brachvögenl: Haben Sie Fotos oder Videos von Waschbären bei Fressen der Vögeln, die Sie vorweisen können? Wollen Sie deswegen alle Waschbären in Hessen tö,ten obwohl die Waschbären Allesfresser sind und Fleisch nur ein ganz kleiner Teil ihrer Nahrung darstellt? Und was ist mit den Greifvögeln in Ihrem Gebiet? Sie dürfen es?
Jürgen Heimann
2.591
Jürgen Heimann aus Gießen schrieb am 05.04.2015 um 11:21 Uhr
Herr Dati, ich gebe Ihnen Recht! Damit wäre eigentlich alles, oder doch das meiste gesagt. Aber überhaupt, was ist denn das hier für eine verquere Argumentation!?Da stimmt der Ansatz ja noch nicht einmal annähernd. Die kühnen und abenteuerlichen Thesen Herrn Büttels zu Ende gedacht wäre, um die Absurdität der verunglückten Legitimierungsversuche auf die Spitze zu treiben, dann ja alles, was der Mensch tut, Natur! Und damit könnte man dann alles entschuldigen und begründen. Hallo? Basierend darauf wäre dann ja auch der Germanwings-Absturz in letzter Konsequenz ein Naturereignis gewesen, natürlich im negativen Sinne. Da hat sich die Natur dann auch selbst reguliert und sich dabei halt der kranken Psyche eines depressiven Piloten bedient.
Ein bisschen sehr weit hergeholt, oder? Geht’s eigentlich noch? Und, Herr Büttel, es ist ja schön für Sie, dass Sie so weit in sich selbst ruhen, um klar erkennen und vor allem entscheiden zu können, was falsche und was richtige Tierliebe ist. Natürlich verläuft bei Ihnen die Grenzziehung zwischen Schädling und „Nützling“ genauso eindeutig. Das entscheiden wir als Menschen gestützt auf unsere exponierte Stellung auf diesem Planeten dann von Fall zu Fall je nach Interessenlage. Genau wie Ihr Vorredner Jörg Jungbluth, der selbstherrlich darüber befinden zu können glaubt, wer bzw. welche Tiere bei uns etwas zu suchen haben und welche nicht. Und die Ultimo Ratio heißt dann: Töten! Wobei der regulative Faktor dabei natürlich im Vordergrund steht.
Auch wenn ich mich vielleicht wiederhole: Si tacuisses, philosophus mansisses! Der olle Boethius, der mit den zwei Punkten über dem „e“, war kein Dummer!
Karl-Ludwig Büttel
3.854
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 05.04.2015 um 13:40 Uhr
Verstehen ist die Kunst des Lesens. Aber fast sind sie auf der richtigen Spur Herr Heimann. Alles andere sind pseudo Versuche sich ein gutes Gewissen zu verschaffen.
Herr Dati ich schreibe nicht, dass die Waschbären die Vögel gefressen haben sondern deren Brut. (Niederbrüter) Eier Dieb. Greifvögel fressen keine Eier. Es war auch nicht der Waschbär alleine sondern auch der Fuchs konnte sich unnatürlich vermehren da er keine Feinde hat in diesem Naturschutzgebiet. Ich schreibe nicht von der großen weiten Welt sondern von einem begrenzten Gebiet. Dort fahren keine Autos und es wird nicht gejagt. Kommt dort ein Elternteil zu Schaden so ist diese von der Natur gewollt. Es kommt zu einer natürlichen Auslese. Wieso soll der Mensch da eingreifen und ein Junges aufziehen.
Ich halte nichts von falsch verstanden Natur – Tierschutz. Ich lasse in solchen Geschützen Gebieten von denen ich spreche lieber der Natur ihren Lauf. Ich habe kein Recht einzugreifen.
Francesco Dati
17
Francesco Dati aus Lich schrieb am 06.04.2015 um 00:06 Uhr
Herr Büttel, Danke für die Erklärung über den Unterschied zwischen Fressen von Vögeln oder von deren Brut (+ Eier).
Ohne Ihre Experten-Hilfe hätte mein Intellekt dazu nicht gereicht!
Und zu den Tierbabys: Aus dem Gebiet, das Sie beschreiben, werden nicht sehr wahrscheinlich sondern sicher keine verwaisten Wildtierbabys überleben, weil Leute wie Sie der Natur ihren Lauf lassen. Also über jene können wir nicht sprechen, weil von dort sowieso keiner ein Tierbaby zu einer "Pflegestelle" bringen wird.
Die Situation der Tierschutzvereine ist anders: Sie bekommen - bis von der Tür gebracht -verwaiste Wildtierbabys von verschiedenen Personen, die diese irgendwo gefunden haben. Was würden Sie in diesem Fall machen? Sagen Sie den Leuten?: Ja, wir heißen Tierschutzverein aber Ihre Tierbabys nehmen wir nicht an und lassen Sie der Natur ihren Lauf. Dann kriegen Sie beim Tierschutzverein sogar eine Anzeige durch jene Personen und hinzu wird überall auch den Zeitungen von diesem Fall erzählt.
Und was machen Sie, lieber Naturfreund, wenn sogar ein Jäger Ihnen beim Tierschutzverein Wildtierbabys bringt und ganz offen sagt, die Mutter "aus Versehen" getötet zu haben?
Werden Sie ihm sagen: "Töten Sie auch die Tierbabys! Es ist die Natur!"?
Übrigens, hierbei geht es nicht um eine abstrakte Konstruktion sondern um ganz echte (und harte) Fälle, die sich mehrfach wiederholt haben.
Sie draußen waschen sich die Hände in Unschuld und sagen "Die Natur! Ich habe mit so etwas nichts zu tun."
Ja, es sind die Tierschutzvereine die immer die harte Arbeit machen müssen. Es sind die Tierschutzvereine die ALLEINE und sehr oft/zu oft ohne ausreichende finanzielle Mittel (für Wildtiere zahlen die Kommunen nicht) die Probleme, die durch Leute wie Sie (die nichts, gar nichts von dem von ihnen genannten "falsch verstandenen Natur - Tierschutz" halten) entstanden sind, lösen müssen.
Und es handelt um freiwillige Personen, die sich um verwaiste Tierbabys, um verletzte Tiere, um misshandelte Tiere, um auf dem Autobahnparkplatz verlassene Tiere, weil der Besitzer in Urlaub fahren wollte usw.
Und Sie meinen dieser sei falsch verstandene Tierschutz?
Ja, ja, Sie behaupten, Sie haben kein Recht einzugreifen. Sie können ruhig zuhause bleiben und fernsehen, während die "falschen Tierschützer" sich um die Tiere (auch um Ihr Tier, wenn es sein muss) kümmern.
Und die einzige Belohnung dieser "falschen Tierschützer" ist allein und einzig das Erleben, dass den Tierbabys auch ohne Mama gut geht und dass sie glücklich sind.
Dies ist was ich auch empfinde und mir viel Kraft gibt, trotz Kommentare von Personen wie Sie weiterzumachen.
Gute Nacht, Herr Büttel, schlafen Sie gut und träumen Sie von Ihrer eigenen Welt, wo keine Waschbären und Füchse existieren. Dort sind schon alle tot. In meiner Welt sind alle Tiere da.
Karl-Ludwig Büttel
3.854
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 06.04.2015 um 13:24 Uhr
Ich sehe leider wenig bis gar kein Fernsehen. Da ich driekt am Natuschutzgerbiet wohne benötige ich kein TV. Ich achte und fördere den Tierschutz und den Naturschutz. Habe selbst Tiere und hab auch schon Tiere aufgezogen. Ich mag den Waschbär und achte den Fuchs. Ich unterscheide aber nicht mehr und nicht weniger. Ideologien kann man nicht besprechen und diskutieren.
Francesco Dati
17
Francesco Dati aus Lich schrieb am 06.04.2015 um 23:02 Uhr
"Ich achte und fördere den Tierschutz und den Naturschutz.
Habe selbst Tiere und hab auch schon Tiere aufgezogen.
Ich mag den Waschbär und achte den Fuchs."
OK
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Herzlichst, Ihr(e) Jürgen Heimann

von:  Jürgen Heimann

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