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Nach der Katastrophe - Lufthansa führt Zwei-Personen-Regel im Cockpit ein

von Sandra Benderam 29.03.20151439 mal gelesen2 Kommentare
Foto: Wiki Commons / Evrik (beispielhaft)
Foto: Wiki Commons / Evrik (beispielhaft)
Gießen | Nach dem verheerenden Flugzeugabsturz einer Germanwings-Maschine vergangene Woche zieht nun auch die Lufthansa erste Konsequenzen aus dem Unglück und ändert die Regularien für´s Cockpit. Demnach sollen zu jedem Zeitpunkt eines Fluges mindestens auch zwei Personen im Cockpit anwesend sein müssen. Das teilte das Unternehmen der Öffentlichkeit am Freitag dieser Woche mit.

http://www.spiegel.de/reise/aktuell/welche-airlines-ihre-cockpit-regeln-verschaerfen-a-1025913.html

Auch andere deutsche Fluglinien einigten sich auf diese Regel, die nun rasch umgesetzt werden soll. Dabei sind kritische Stimmen nicht zu überhören.

- Ein Kommentar von Sandra Bender -

(SB) Es ist doch mindestens erstaunlich, wie schnell Änderungen durch - und dann auch umgesetzt werden, wenn nur genügend Medienvertreter darüber berichten. Noch am Donnerstag, dem 26. März, sträubte sich das Unternehmen gegen die Einführung einer "Zwei- Personen-Regel", da hieß es noch: "Germanwings-Chef Thomas Winkelmann sieht
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Änderung (2)Zwei Personen (1)Regel (1)Pilot (4)Lufthansa (13)Germanwings (3)Cockpit (5)
die von einigen geforderte Zwei-Personen-Regel skeptisch und will sich nicht auf eine Einführung festlegen", weil das sei "noch zu früh, um jetzt schon Schlüsse daraus zu ziehen", teilte Germanwings-Chef Thomas Winkelmann gegenüber Pressevertretern mit. (Quelle: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-03/germanwings-winkelmann-regel

Nur einen Tag später - 27. März - kam die Zwei-Mann-Regel dann doch und auch die Lufthansa-Tochter Germanwings musste mitziehen, wohl auch, um das Vertrauen der Passagiere nicht noch weiter zu verlieren. Zu groß die Gefahr, dass Reisende nur noch bei Airlines buchen, die das 4-Augen-Prinzip im Cockpit eingeführt haben. Eine Maßnahme, die in Europa - im übrigen - längst schon überfällig ist.

- In Amerika schon lange Pflicht -

Bereits seit dem 11. September 2001 schreibt die Flugsicherheitsbehörde FAA den amerikanischen Fluglinien vor, dass immer mehr als nur ein Besatzungsmitglied im Cockpit anwesend sein muss. Eine Katastrophe, wie die des Fluges 4U9525 wäre so vielleicht auch zu verhindern gewesen, zumal dann mindestens zwei Personen mit dem Absturz der Maschine hätten einverstanden sein müssen und das ist garantiert noch schwieriger, als wenn nur eine einzige Person über das Schicksal der Maschine entscheiden kann. Somit kann es nur gut sein, dass dieses "4-Augen-Prinzip" nun auch bei europäischen Linienfliegern zur Pflicht wird und Reisende nicht länger darum bangen müssen, wie fit oder flugtauglich der Co-Pilot einer Maschine nun ist oder nicht. Denn Fakt ist doch Eines: Egal, was Andreas L. nun auch dazu bewogen hat, die Maschine abstürzen zu lassen und egal an welcher Krankheit er litt oder nicht, welche Motive er hatte und welche nicht, das alles ist unerheblich. Entscheidend ist nur, ob eine zweite Person hätte eingreifen können, wenn Diese nur mal anwesend gewesen wäre und das war sie nachweislich nicht! Andreas L. war mutterseelenallein im Cockpit dieser Germanwings-Maschine und schon das ist ein nicht hinnehmbares Sicherheitsrisiko, über das man nicht lange hätte diskutieren oder nachdenken müssen, das man sofort hätte auch einführen und umsetzen sollen, wie nun ja auch geschehen.

- Katalysator Medien -

Ich habe - und das auch nur am Rande bemerkt - so meine Zweifel, dass dies so schnell geschehen wäre, wenn nicht auch die Medien so kritisch über dieses Sicherheitsrisiko berichtet hätten. Vermutlich ist es damit auch nur den Medien zu verdanken, dass diese Zwei-Mann-Regel so schnell nun auch umgesetzt wird. Nichts ist schädlicher - für eine Airline - als sinkende Passagierzahlen und deren Angst vor dem Fliegen und diese Angst wäre, gerade jetzt wohl auch riesig, wenn jeder wüsste, dass auch weiterhin hunderte von Menschen in einem Flugzeug der Willkür von nur einer einzigen Person aussetzbar sind. Etwas Derartiges sollte - auch meiner Meinung nach - so nie wieder passieren dürfen.

Sandra Bender

Foto: Wiki Commons / Evrik

Kommentare zum Beitrag

Sandra Bender
345
Sandra Bender aus Gießen schrieb am 29.03.2015 um 19:08 Uhr
@Roland: "Wie so gibt es speziell für Piloten keine Vernetzung zwischen ihrem Hausarzt und dem LH-Medical bzw. Flugsicherung ?"

Wohl wegen der ärztlichen Schweigepflicht ... das bedeutet, der Mann kann haben was er will, wenn er es selbst nicht anzeigt, kann er dieses Flugzeug auch totkrank noch fliegen ... was natürlich ein Skandal ist.

Das 4-Augen-Prinzip ist wahrscheinlich leichter einzurichten, als die regelmäßigen Psycho-Analysen nebst Weiterleitung an Flugsicherung & Co. ... aber mal sehen, ob sich auch da noch was tut ...

Fakt aber ist auch - dass wenn der Mann nicht alleine im Cockpit gewesen wäre, die Katastrophe so nicht passiert wäre und Fakt ist auch, dass egal was er nun hatte oder nicht, wie krank oder untauglich er nun war oder nicht, das alles ist unerheblich. Entscheidend ist doch nur, dass er zum Zeitpunkt des Sinkfluges allein im Cockpit war und das hätte die Lufthansa verhindern können, indem sie das 4-Augen-Prinzip (wie in den USA üblich) schon vor Jahren eingeführt hätte und nicht erst dann, wenn so etwas Schlimmes passiert. Aus Fehlern wird man eben schlau und die massive Berichterstattung war nur richtig so (in diesem Fall), denn niemals sonst hätte die Lufthansa so schnell reagiert, wie sie es jetzt getan hat. Das 4-Augen-Prinzip für´s Cockpit wird nun also auch bei der Lufthansa eingeführt. Etwas zu spät, wie ich finde, aber besser jetzt als nie ...
Sandra Bender
345
Sandra Bender aus Gießen schrieb am 29.03.2015 um 19:23 Uhr
Sehe ich genau so. Sobald andere Menschenleben im Spiel sind (Beförderung von Personen), sollten die Regularien auch diesbezüglich überarbeitet werden. Schließlich dient es dem Schutz von Menschenleben, und das hundertfach, das sollte m.E. auch über dem Schutz des Einzelnen (Piloten) stehen ...
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Sandra Bender
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