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Studierende der Social Science an der JLU untersuchten Gründe von (Noch-) Nicht-Theaterbesuchern

V.l.n.r.: Dipl.-Soz. Wiss Michaela Müller, die Studierenden Muriel Lüdke Campos-Garcia, Jakob Lucifero, Max Pappenheimer und Michaela Keiner mit der Intendantin Cathérine Miville.
V.l.n.r.: Dipl.-Soz. Wiss Michaela Müller, die Studierenden Muriel Lüdke Campos-Garcia, Jakob Lucifero, Max Pappenheimer und Michaela Keiner mit der Intendantin Cathérine Miville.
Gießen | Das Stadttheater Gießen versucht seit Jahren, die Schwellen niedriger zu machen, damit die unterschiedlichsten Zielgruppen erreicht werden und Spaß an einem Theaterbesuch haben. Jedoch gibt es immer noch eine Nicht-Besuchergruppe, die aus potentiellen Theatergängern im Hinblick auf den finanziellen, kulturellen und gesellschaftlichen Stand besteht. Es geht um die Mitarbeiter der Hochschulen, der Banken, der Stadtverwaltung, der Krankenhäuser und der gemeinnützigen Organisationen in Gießen.
Um die Gründe zu untersuchen, aus denen diese Personen ins Theater nicht gehen, wurde eine Gruppe von Studierenden der Social Science an der Justus-Liebig-Universität Gießen vom Stadttheater zum Ende der vergangenen Spielzeit beauftragt, eine Umfrage durchzuführen. In einem Seminar unter Leitung von Dipl.-Soz. Wiss. Michaela Müller (Institut für Soziologie), das das ganze Jahr dauerte, setzten sich die Studenten mit dem Thema des Stadttheaters auseinander, entwickelten einen Fragenbogen mit 20 Fragen und 94 Variablen, verteilten ihn persönlich und online in der Zielgruppe und werteten die Ergebnisse zusammen mit der Theaterleitung aus. 435 von den 1000 kontaktierten Menschen im Alter zwischen 18 und 59 aus der Zielgruppe nahmen an der Umfrage teil.
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Stadttheater Gießen (265)Soziologie (2)Social Science (1)Nichtbesucher (1)Befragung (8)
Die Resultate zeigen, dass die (Noch-) Nicht-TheaterbesucherInnen das Stadttheater Gießen kennen: Sie nehmen es auf dem Weg zur Arbeit wahr, sie kennen die Werbung und das Programm, sie schätzen es als hochwertig und unterhaltsam sowie als kulturell wertvolle Institution der Stadt Gießen. Sie besuchten aber in den letzten 12 Monaten nur einmal oder nie eine Aufführung. Nur circa 20% von ihnen waren häufiger in anderen Spielstätten, zum Beispiel in ihrer Heimatstadt; der überwiegende Teil der Teilnehmer war aber gar nicht im Theater. Fast alle Befragten waren schon einmal im Leben im Theater und können sich auch an das besuchte Stück erinnern. Da der damalige Theaterbesuch für die meisten positiv war, kann man ausschließen, dass aufgrund einer negativen Erfahrung keine weiteren Theaterbesuche stattfanden.
Die Kosten einer Theaterkarte und die Erziehungsaufgaben der Befragten sind ebenfalls keine Hindernisse. Viele geben regelmäßig Geld für kulturelle Veranstaltungen aus und würden es auch für einen Theaterbesuch investieren. Personen mit Familie sehen die Theatererfahrung sogar als Unternehmung, die sie mit Partner und Kindern teilen können.
Die genannten Gründe gegen einen Theaterbesuch sind fehlende Begleitung, Zeitmangel und die Parksituation. Der Zeitmangel ist nicht so ausschlaggebend, da die Interessenten es doch schaffen, ins Theater zu gehen, wenn sie eine bestimmte Aufführung unbedingt besuchen wollen. Über die Parksituation kann man noch besser informieren, weil viele potentielle Theatergänger nicht alle Parkmöglichkeiten und -angebote in der Nähe vom Stadttheater kennen. Die (Noch-) Nicht-Besucher gehen hauptsächlich nicht ins Theater, weil sie alleine ungerne ein Theaterstück schauen.
Die Intendantin Cathérine Miville versucht auf dieser Grundlage, diese (Noch-) Nicht-Theaterbesuchergruppe zu involvieren. Kurz nach der Durchführung der Umfrage wurden die Teilnehmer zu einer Führung ins Theater, einer Vorstellung und einem Nachgespräch eingeladen. Bis 100 Personen haben die Einladung angenommen und anschließend „Die Schmachtigallen“ geschaut. Die Theaterleitung überlegt im Moment, wie die potentiellen Theatergänger Gesellschaft für einen Theaterbesuch finden können. Eine Idee ist es, die Personalabteilung der Arbeitsstellen mit Gruppenangeboten für die Mitarbeiter zu kontaktieren.
Die Entwicklung und Durchführung der (Noch-) Nicht-Theaterbesucherbefragung war sehr nützlich sowohl für das Stadttheater als auch für die Studierenden, die daran gearbeitet haben. Für sie war diese Untersuchung nicht nur eine Übung im Rahmen ihres Studiums, sondern eine Aufgabe, mit der sie eine Einrichtung wirklich unterstützt haben. Das Stadttheater Gießen und das Institut für Soziologie der JLU führen schon seit 12 Jahren gemeinsame Projekte durch.

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Kommentare zum Beitrag

Martin Wagner
2.742
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 29.03.2015 um 19:49 Uhr
Also, wenn ich den Artikel so lese wundere ich mich schon.

Ist es nicht mehr so, das die Soziologie links ist?

Linke Soziologie muss doch nicht ein Jahr forschen und viele Menschen befragen. Für die ist die Antwort auf die Frage "Warum gehen bestimmte Bevölkerungskreise (korrekter muss es wohl heissen: Warum gehen Nichtbürgerliche) nicht ins Theater?" doch ganz einfach.

Stadttheater ist das Aushängeschild der Bürgerlichen. Was hat ein Nichtbürgerlicher (z.B. ein klassenbewußter Arbeiter) denn mit Bürgerlichen (hier mit dem Stadttheater) am Hut?

Nichts.

Warum erkennen denn Studierte nicht diesen doch wirklich einfachen Sachverhalt und schwaffeln etwas von (....) " ..... Die (Noch-) Nicht-Besucher gehen hauptsächlich nicht ins Theater, weil sie alleine ungerne ein Theaterstück schauen. .... *" (...).

* Auf so etwas Nebensächliches muss mann /frau erst einmal kommen.
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von:  Alessandra Riva - Mitarbeiterin der GZ-Redaktion

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Alessandra Riva - Mitarbeiterin der GZ-Redaktion
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