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Bürger-Infoabend zur Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung in Rödgen

Regierungspräsident Dr. Lars Wittek
Regierungspräsident Dr. Lars Wittek
Gießen | Am Montag zeigte sich, wie groß der Gesprächsbedarf zur Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung bei den Anwohnern in Rödgen war. Aus diesem Grund luden unter anderem Bürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz und Regierungspräsident Dr. Lars Wittek zu einem Informationsabend im Bürgerhaus Rödgen ein. Die Oberbürgermeisterin begrüßte alle Anwesenden und betonte, dass es an diesem Abend darum gehe, den Anwesenden „Rede und Antwort zu stehen, Infos zu geben und Zusammenhänge zu erklären.“ Das Ziel war es, einen Austausch zu schaffen, Fragen zu beantworten und Lösungen zu finden. Die Anwesenden hatten die Möglichkeit, die Themen, die sie beschäftigen, aufzuschreiben um anhand dieser Anregungen ein konstruktives Gespräch zu führen, in dem die wichtigsten Fragen beantwortet werden sollten. Alles, was die Menschen in Rödgen beschäftigt, sollte gehört und besprochen werden.

Die Hessische Erstaufnahmeeinrichtung (HEAE) in Gießen wurde 1946 eröffnet, zunächst für die Aufnahme von Geflüchteten aus den Ostgebieten. In den kommenden Jahren wechselten zwar die Herkunftsländer derer, die in Gießen Zuflucht suchten, nicht aber die Tatsache,
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dass es immer Menschen gab und gibt, die diese Zuflucht benötigten. „Es ist nicht nur unsere rechtliche, sondern auch unsere menschliche Pflicht, diese Menschen aufzunehmen, wir haben einen moralischen Auftrag.“ betonte Dr. Lars Wittek direkt zu Beginn, ehe er einen kurzen Einblick in die Geschichte in der HEAE und in die dortigen Abläufe gab.

Ein wichtiges Thema war die Buslinie 1, die nach Rödgen fährt und auf deren Route die HEAE liegt. Die Anwesenden kritisierten, der Bus sei immer überfüllt und fahre zu selten, außerdem wurden Äußerungen laut, man fühle sich im Bus nicht sicher, es käme zu Belästigungen und Übergriffen. Zu diesem Thema äußerten sich Anne Müller- Kreutz, Leiterin des Nahverkehrs- Services der SWG, und Stadträtin Astrid Eibelshäuser. Zur Entlastung wurde in der vergangenen Woche eine Expresslinie eingerichtet, die halbstündig zwischen Berliner Platz und er Sophie- Scholl- Schule in der Rödgener Straße verkehrt. Damit soll der Überfüllung entgegengewirkt werden, die durch die große Zahl zusätzlicher Fahrgäste entstanden ist. Im Moment befindet sich diese Maßnahme noch in der Testphase, Ende Mai soll dann ein Resümee gezogen werden und – wenn nötig – Änderungen vorgenommen werden. Für das Unsicherheitsgefühl muss noch eine Lösung gefunden werden, das Bemühen sei vorhanden, so die Verantwortlichen, aber es brauche nun einmal Zeit, diese Probleme zu lösen.

Zahlreiche interessierte fanden sich am Montagabend im Bürgerhaus ein
Zahlreiche interessierte fanden sich am Montagabend im Bürgerhaus ein
Auch die generelle Sicherheit war ein großes Thema, zu diesem Zweck war Polizeipräsident Manfred Schweizer anwesend. Viele Leute fühlen sich unsicher, haben Angst vor Übergriffen oder Einbrüchen. Hier konnte Manfred Schweizer Ängste nehmen, es sei nicht zu einer Steigerung der Straftaten gekommen. Trotzdem nehme die Polizei das subjektive Sicherheitsgefühl der Anwohner sehr ernst, es seien vermehrt Streifenpolizisten unterwegs, um Konflikte oder Vorfälle im Vorfeld zu verhindern.

Vertreter der freiwilligen Feuerwehr waren ebenso anwesend. In der vergangenen Zeit kommt es oft zu Einsätzen, weil in der HEAE der Feueralarm ausgelöst wird. Das passiert sowohl mutwillig als auch durch Versehen, doch eine Lösung ist in Sicht. In Zukunft soll der Alarm umgesteuert werden, so dass zunächst der Sicherheitsdienst die Möglichkeit hat, zu kontrollieren, ob es sich um einen Fehlalarm handelt. Erst dann wird die Feuerwehr verständigt. So wird es für die freiwillige Feuerwehr in Zukunft zu weniger Einsätzen kommen.

Neben vielen Fragen und einigen Antworten und Lösungen brachte
Es kamen viele Fragen auf
Es kamen viele Fragen auf
dieser Abend auch Anregungen, die die Verantwortlichen mitnehmen konnten. Doch was auch bleibt, ist das Gefühl, dass die Menschen in Rödgen hauptsächlich verunsichert sind. Vielleicht sollte sich jeder, dem es ähnlich geht, bewusst machen, dass auch die Geflüchteten verunsichert sind. Keiner von ihnen ist freiwillig hier, keiner hat die Torturen einer Flucht freiwillig auf sich genommen, für keinen von ihnen ist es einfach hier zu sein. Vielleicht sollten wir deshalb bemüht sein, es ihnen etwas einfacher zu machen. Indem wir Unsicherheiten und eventuelle Vorurteile überwinden und Zugeständnisse machen. An Menschen, denen es so viel schlechter geht als uns. Und zum Glück kam auch das am Montag zur Sprache: Die Frage, was man denn tun könnte, um den Menschen zu helfen und wie man sich ehrenamtlich engagieren könnte. Andere berichteten von positiven Erlebnissen im Bus, von interessanten Bekanntschaften und kulturellem Austausch. Um diesen Austausch zu schaffen, müssen zunächst Unsicherheiten beseitigt werden. Und ein erster Schritt dazu sind Infoveranstaltungen wie die am Montag.

Regierungspräsident Dr. Lars Wittek
Regierungspräsident Dr.... 
Zahlreiche interessierte fanden sich am Montagabend im Bürgerhaus ein
Zahlreiche interessierte... 
Es kamen viele Fragen auf
Es kamen viele Fragen auf 
Anne Müller- Kreutz und Astrid Eibelshäuser
Anne Müller- Kreutz und... 
Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz begrüßte die Anwesenden, der Dekan der evangelischen Kirche Gießen, Frank-Tilo Becher führte durch den Abend
Oberbürgermeisterin... 

Kommentare zum Beitrag

Werner Döring
2.425
Werner Döring aus Gießen schrieb am 29.03.2015 um 12:05 Uhr
Gut, dass Frau Köppen diesen Bericht geschrieben hat. Allerdings war die Informationsveranstaltung am Mittwoch. Macht nichts, die Inhalte sind wichtig.
Marcus Link
456
Marcus Link aus Gießen schrieb am 31.03.2015 um 11:00 Uhr
In letzter Zeit ist die hessische Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen immer wieder Thema in Zeitungen und unter vielen Menschen. Es macht sich aufgrund verschiedener Aspekte Unmut breit. Leider findet die Politik in der Stadt und Landkreis Gießen keinen guten Weg mit den Problemen um zu gehen. Sie tun das was sie in solchen Fällen immer machen: Kleinreden, alles ist in Ordnung und wenn nichts mehr hilft wird Kritik in die rechte Ecke geschoben.

Es sind einfach zu viele Probleme, als damit wie beschrieben um zu gehen.
Über 4000 zum Teil traumatisierte Menschen werden auf engstem Raum zusammengepfercht und ohne nennenswerte soziale Strukturierung und unter unwürdigen Bedingungen in etwas gesteckt, was man als „Lager“ bezeichnen muss. Zum Teil leben diese Menschen in Großraumzelten ohne Privatsphäre, was wirklich unmenschlich ist!
In den Gebäuden herrschen Zustände wie aus meiner Perspektive nicht hinnehmbar sind. Viele Menschen leben dort auf engem Raum. Der Großteil dieser Leute wollen einfach in Ruhe gelassen werden und das erlebte, vor dem sie geflohen sind, vergessen oder zumindest verarbeiten. Leider ist dies kaum möglich, da es wie in jeder Gesellschaft, auch dort ein paar kriminelle und äußerst aggressive Menschen gibt. So entstehen dort kriminelle Strukturen. Diese vermieten die Knöpfe von Kochplatten an Mitbewohner, schlagen Brandmelder ein oder sorgen für Qualm oder Feuer im Gebäude, damit dieses geräumt wird. Vergisst dann ein Mitbewohner ab zu schließen, kann es gut sein dass dieser ausgeplündert wird. Wenn der Sicherheitsdienst dieses Problem mal im Griff hat ist das nächste Problem die Aggression von einzelnen Leuten dort, die dann aber auch auf weitere Menschen überspringt. Nicht selten ist die Polizei mit mehreren Fahrzeugen und sogar Hunden vor Ort, um Schlägereien auf zu lösen. Auch die Feuerwehr kann ein Leid davon singen und ist im Schnitt 3-4 mal am Tag in den 2 Einrichtungen, um fast immer Fehlalarme ab zu arbeiten. Die Leute der Berufsfeuerwehr sind von diesem Zustand zwar genervt, aber es ist deren Beruf, so leben sie eben damit. Doch die freiwilligen Feuerwehren müssen bisher immer mit fahren. Aufgrund der Häufigkeit ist das schon Missbrauch von Ehrenamt. Der Rettungsdienst könnte dort wie die Polizei eine dauerhaft besetzte Wache einrichten, diese wäre dann wohl besser frequentiert als die meisten anderen Rettungsdienst Wachen. Leider sind mal wieder die Kosten dafür ein Hinderungsgrund.
Auch in den Bussen der Linie 1 gibt es immer wieder Probleme durch einzelne Flüchtlinge oder kleine Grüppchen. Dem kann im Grunde nur abgeholfen werden, wenn in den Bussen permanent ein Sicherheitsdienst anwesend ist. Doch wer soll das zahlen? Das will natürlich kein Politiker! Lieber soll die Bevölkerung ein bisschen leiden und sich nicht so anstellen, ist doch alles halb so wild!?
Ich bitte diesen Beitrag nicht als Hetze gehen die Flüchtlinge zu werten. Es geht mir nur darum, dass mit völlig normalen Problemen, die es auch in einem deutschen Flüchtlingslager im Ausland so geben würde (fiktives Szenario), dilettantisch und ignorant umgegangen wird.
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von:  Lea Köppen - Mitarbeiterin der GZ-Redaktion

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