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Talkrunde zum Internationalen Frauentag 2015 mit dem Thema: "Muttersein - war das früher viel einfacher?"

von links: K. Seipp (Aktino); A. Schmidt; I. Bietz; H. Blum; A. Führer (Aktino)
von links: K. Seipp (Aktino); A. Schmidt; I. Bietz; H. Blum; A. Führer (Aktino)
Gießen | Zum Internationalen Frauentag 2015 hatte die AKTION – Perspektiven für junge Menschen und Familien e.V. zu einer Talkrunde mit kleinem Imbiss unter dem Titel „Muttersein – war das früher viel einfacher?“ ins Nordstadtzentrum eingeladen.
In einer kurzen Eingangsrunde berichteten Frauen aus der Großmütter-Generation, Inge Bietz (74), die Vorsitzende der AKTION – Perspektiven e.V., Heide Blum (74) und Anne Schmidt (69) aus ihrer Familien- und Arbeitsbiografie. In den 60er und 70er Jahren galt es zahlreiche Hürden zu überwinden, um Kindererziehung und Berufstätigkeit in Einklang zu bringen. So waren beispielsweise die Kinderbetreuungsangebote spärlich oder fehlten insbesondere für Kleinkinder ganz. Die Erwerbstätigkeit von Frauen, die Unabhängigkeit vom Partner garantiert, war nicht in allen Familien selbstverständlich. Kurz: es war viel Kreativität und Selbsthilfefähigkeit gefragt, um sich zu behaupten.
Es entwickelte sich eine lebhafte Diskussion mit den jungen Frauen aus vielen verschiedenen Herkunftsländern. Besucherinnen des Interkulturellen Müttercafés von Aktino und Teilnehmerinnen eines Kurses für Berufsrückkehrerinnen beim ZAUG benannten, was für sie heute Schwierigkeiten bereitet.
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Besonders in der Nordstadt ist die Wohnsituation für Familien mit mehreren Kindern angespannt. Die Enge im eigenen Zuhause verursacht zusätz-lichen familiären Stress, da Rückzugsmöglichkeiten fehlen. Arbeitslosigkeit und Geldsorgen, aber auch Krankheit und psychische Belastungen erschweren den Familien-Alltag. Stark belastet sind dabei Alleinerziehende. Einige Frauen berichteten, dass sie seit Jahren vergeblich nach einer bezahlbaren größeren Wohnung suchen. Kaltmiete, Nebenkosten und Energie werden immer teurer, während die Kosten der Unterkunft beim Transferleistungsbezug (ALG II) abgesenkt wurden. Eine problematische Situation, in der es schwer fällt, die eigene Zukunft optimistisch anzupacken.
Im Hinblick auf den eigenen Berufseinstieg vermissen junge Mütter Teilzeitausbildungsplätze und flexible Arbeitszeitmodelle, um Kinder und Berufstätigkeit besser zu vereinbaren. In Sachen Kinderbetreuung gibt es ebenfalls noch immer Ausbaubedarf. Betreuungsplätze sind oft an eine tatsächliche Berufstätigkeit gekoppelt, doch eine Einstellung erfolgt nur, wenn die Kinderbetreuung gewährleistet ist. Ein in Einzelfällen verhängnisvoller Teufelskreis, der ohne Unterstützung nur schwer zu überwinden ist.
Gleichzeitig betonten die Besucherinnen, wie wichtig sie eine eigene Berufsausbildung oder Teilqualifizierung für sich persönlich finden. Migrantinnen möchten an der Verbesserung ihrer Sprachkenntnisse arbeiten und wünschen sich spezielle Angebote für Mütter. Die allermeisten Frauen würden gerne eigenes Geld verdienen und wären über neue Chancen sehr glücklich.
Mut macht der Diskussionsbeitrag einer Besucherin: „Egal wie stressig es anfangs auch sein mag, ich glaube es lohnt sich, nach der Erziehungszeit so früh wie möglich wieder in eine Erwerbstätigkeit einzusteigen. Für die Eigenständigkeit als Frau und Mutter und nicht zuletzt auch für die Kinder, deren Mama nicht ‚nur‘ Hausfrau sein will."

„Kinder sind unsere Zukunft!“
Einig waren sich Alt und Jung in der Forderung: Kindererziehung verdiene mehr gesellschaftliche Anerkennung, denn schließlich sind Kinder unsere gemeinsame Zukunft. Die mangelnde Anerkennung von Familienarbeit belastet auch heute noch insbesondere die Mütter. Wichtig sind deshalb der Selbsthilfegedanke und die Solidarität untereinander, um Chancengleichheit und Frauenrechte beharrlich durchzusetzen.
Sowohl das gemeinsame Frühstück wie auch der Austausch zwischen Alt und Jung wurden von beiden Seiten als sehr bereichernd beurteilt und sollte nicht nur zum Internationalen Frauentag gepflegt werden.
Die jungen Mütter aus der Nordstadt finden in der Beratungsstelle Aktino Unterstützung für ihre Alltagssorgen und sind froh, dass sie sich regelmäßig im Müttercafé (dienstags, von 9.00 bis 12.00 Uhr im Nordstadtzentrum) treffen können.
Neu interessierte Frauen sind jederzeit herzlich willkommen.

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von:  AKTION - Perspektiven e.V

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