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Gießen Improvisers Pool mit einer Premiere zur 24. Orgelvesper in St. Thomas Morus

Freuen sich über eine gelungene Premiere: (v.l.n.r) Peter Geisselbrecht, Jakob Ch. Handrack, Frank Rühl und Georg Wolf
Freuen sich über eine gelungene Premiere: (v.l.n.r) Peter Geisselbrecht, Jakob Ch. Handrack, Frank Rühl und Georg Wolf
Gießen | Die imposante und nachhaltige Akustik in der Grünberger Straße 80 zeigte sich als hervorragender Schmelzpunkt, in dem moderne Klangkunst und musikalisches Können zelebrierten. Harmonien, Dissonanzen, Staccati, Legati und Arpeggien verwebten sich zu einem Gebilde homophonen Ausdrucks. Aus der scheinbaren Beliebigkeit der Improvisation kristallisierten sich klare Formen und Strukturen. Die drei professionellen Musiker Frank Rühl (E-Gitarre), Georg Wolf (Kontrabaß) und Peter Geisselbrecht am Flügel, der für dieses Konzert dankenswerterweise von der Ev. Johannesgemeinde zur Verfügung gestellt wurde, demonstrierten perfektes Zusammenspiel.
Zur 24. Orgelvesper zur Fastenzeit hatte der Förderverein St. Thomas Morus, unter dessen Ägide die kirchenmusikalischen Aktivitäten in der Pfarrei St. Thomas Morus seit etwa einem Jahr stattfinden, geladen. Etwa 30 bis 40 begeisterte Zuhörer folgten der Einladung am Sonntagnachmittag in die St.-Thomas-Morus-Kirche. Zu Gast war der Gießen Improvisers Pool, eine Formation, u.a. durch Frank Rühl und Martin Speicher ins Leben gerufen, die seit etwa 25 Jahren in wechselnder Formation mit verschiedene Musikern der Region und darüberhinaus Konzerte mit Schwerpunkt zeitgenössischer Improvisationsmusik veranstaltet.
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Nachdem Gitarrist Frank Rühl dem aufmerksamen Publikum einige einleitende Worte zur Formation näherbrachte, wurde die 24. Orgelvesper von Jakob Ch. Handrack an der Orgel durch das Präludium in e des Lübecker Organisten Georg Wilhelm Saxer (gest. im März 1740) eröffnet. Das durch und durch barocke Werk im Geiste der norddeutschen Orgelschule schaffte einen angenehmen Kontrast zu dem was da folgte und holte die Zuhörer gewissermaßen von da ab, was sie kannten, den vertrauten Klängen der Kirchenorgel. Das anschließend gesungene Gemeindelied „Sag ja zu mir, wenn alles nein sagt“ stimmte ein auf die Fastenzeit und atmete den Geist der Erneuerung. So heißt es in dem von Diethard Zils 1971 verfassten Text der dritten Strophe: „Gib mir den Mut, mich selbst zu kennen, / mach mich bereit zu neuen Tun. / Und reiß mich aus den alten Gleisen; / ich glaube, Herr, dann wird es gut.“
Nach der Psalmrecitation aus Psalm 110 durch Lektorin Eva-Maria Kahnke folgte der erste musikalische Teil des Trios, in dem das bereits beschriebene Gefühl der Musiker für Klang und Raum deutlich zum tragen kam. Dabei gelang es dem Ensemble den Spannungsbogen in der Musik vom Anfang bis zum Ende durchzuhalten. Das Publikum war gefesselt und dankte „gloria soli deo“ mit Szenenapplaus.
Nach der Lesung aus dem 1. Korintherbrief wurde aus dem Trio ein Quartett. Mit Jakob Ch. Handrack an der Orgel feierte das Ensemble eine Premiere. Die Langatmigkeit der Orgel schaffte einen sphärischen Klangraum, der durch nuancierte, chromatische Verschiebungen sukzessive in Tonhöhe und Gestalt sanft modulierte und setzte so einen bewussten Kontrapunkt zu den perkussiven Klangelementen des Trios. Dabei demonstrierte Handrack improvisatorisches Gespür für Sequenzen. In den Cresecendi demonstrierte die Orgel ihre Naturgewalt durch cluster-artige Einschläge und wurde zum Schlagwerk und verstummte anschließend, dass nur noch das Summen des Windes zu hören war.
Das „Experiment“ zur 24. Orgelvesper hat sich als erprobt erwiesen und den Beweis aufgestellt, dass moderne Musik, in der alle tonalen Bezüge verschwimmen, mit Kirche als Raum und Ort auf wunderbare Weise eine Symbiose eingehen und Zeit für etwas Neues schaffen. Das Publikum bedankte sich abschließend mit anhaltenden Applaus.

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von:  Jakob Handrack

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Interessensgebiet: Gießen
Jakob Handrack
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