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Energetische "Modernisierung" der Wohnbau - Die Zeche zahlen die Mieter!

Gießen | Der Mieterverein Gießen berichtet in der Mieterzeitung 1/2015 des DMB:
" Nach einer Analyse der Betriebskostenabrechnungen der Jahre 2011 bis 2013 für eine Wohnung in der Wohnbau-Liegenschaft Trieb 3, die von dem städtischen Wohnungsunternehmen im Jahre 2012 aufwendig energetisch modernisiert worden ist, muss man zu dem Schluss kommen, dass die Mieter für die Maßnahmen kräftig draufzahlen. Die Versprechungen der Wohnbau für die Mieter haben sich nicht erfüllt" (...) Die Überprüfung ergab: Für eine Wohnung mit 69 Quadratmeter Wohnfläche wurde die Kaltmiete Anfang 2013 um 73 Prozent von 237,90 auf 411,80€ angehoben, weil man 11 Prozent der Modernisierungskosten auf die Miete aufgeschlagen hat. (..) Dem drastischen Mietanstieg steht nun eine Wärmekosteneinsparung von nur 94,03€ im Jahr gegenüber. Zwar ist der Wärmeverbrauch im Haus um 65 Prozent gesunken, aber die Wärmekosten für den Mieter nur um 40 Prozent. Als Folge der energetischen Modernisierung stiegen die Heizungsbetriebskosten für das Haus, weil neue Energie-Erfassungsgeräte installiert und gemietet wurden. (...) Weitere Kosten werden auf die Mieter aufgrund
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der neu installierten dezentralen automatischen Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung in den Wohnungen zukommen: Der Stromverbrauch erhöht sich deutlich, wenn die Anlage ganzjährig in Betrieb ist (höher als 200€ im Jahr). Man muss es schon eine ökologische Absurdität nennen, wenn aufwendige Lüftungstechnik für die Regulierung des Klimas sorgen soll, das sie selbst, als Stromfresser, negativ verändert. Als zusätzliche Ausgabe kommt mindestens einmal im Jahr der Wechsel des Luftfilters hinzu (120€). Andere Wartungskosten sind da noch gar nicht berücksichtigt. Der Mieterverein stellt deshalb die Frage, wem energetische Modernisierungen dieser Art eigentlich nützen. Trotz hoher öffentlicher Zuschüsse für solche Maßnahmen ergebe sich keine akzeptable Kostenbelastung für die Mieter. Eine Zehn-Jahres-Amortisation sei kaum zu erwarten, und das verstoße gegen das Wirtschaftlichkeitsgebot des Energieeinspargesetzes (EnEG). So ergeben sich die Forderungen:
- Art und Umfang der Modernisierung müssen dringend überprüft werden. Die mit Styropor voll wärme-
geschützten Wände sind Fassadenpfusch, das Gegenteil von Fortschritt.
- Die Finanzierung der energetischen Modernisierung sollte zeitlich länger gestreckt werden, damit nicht die Mieter von heute für mögliche Vorteile der Mieter von morgen zahlen müssen.
- Außerdem müssen die Lasten gerechter verteilt werden: auf Mieter, Vermieter und Staat zu gleichen Teilen.
Die Umlage der Modernisierungskosten mit 11Prozent auf die Miete wurde seinerzeit ins Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) eingefügt, um kleinere Investitionen in der Wohnung, wie etwa eine Badezimmererneuerung, zu finanzieren. Damals ging man nicht von Investitionskosten von 20.000€ und mehr pro Wohnung für die energetische Modernisierung aus. Vor allem "die energetische Modernisierung der Wohnbau gehe weiter", erklärten der Chef der Wohnbau und die Aufsichtsratsvorsitzende des Unternehmens, Dietlind Grabe-Bolz, auf der Auftaktveranstaltung für das Wohnraumversorgungskonzept. „Sie geht technisch weiter in die falsche Richtung und voll zu Lasten der Mieterschaft“, meint der Mietervereinsvorsitzende Kaisers.“

.. und dem kann ich nichts hinzufügen, allein schon, weil mir die Worte fehlen, da ich sprachlos bin!

Kommentare zum Beitrag

Martin Wagner
2.415
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 08.03.2015 um 17:30 Uhr
Danke Herr Schäfer für ihren Artikel. Er ist für mich ein weiteres Puzzleteil im Bild von der momentanen Giessener Stadtregierung.
Michael Beltz
7.089
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 08.03.2015 um 18:39 Uhr
Sehr gut, das gibt einen Blick auf die Misere beim "sozialen Wohnungsbau".
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

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Herzlichst, Ihr(e) Christoph Schäfer

von:  Christoph Schäfer

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Interessensgebiet: Gießen
Christoph Schäfer
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