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Kunstausstellung im Foyer des DGB Hauses - Lukas Schindel präsentiert "Bilder im Kopf" noch bis zum 21. März 2015

Gießen | Durch seine Tätigkeit im sozialen Bereich wurde Lukas Schindel 2012 mit Menschen konfrontiert, die mit ihren Träumen bereits abgeschlossen hatten. Diese Zeit hat ihn künstlerisch sehr geprägt: Emotionen, Gefühle, Gesichtsausdrücke – und Handlungen, die ihnen gegenüberstehen. Choleriker, die kein Vertrauen in das fassen, was sie tun. Fröhlich wirkende Introvertierte, die nur vom Leid anderer angetrieben werden. Diese Liste könnte er ewig weiter führen. 2012 kam er nach Gießen um Geschichts- und Kulturwissenschaften zu studieren, als Nebenfächer wählte er Soziologie und Pädagogik.
In dieser Selbstfindungsphase sind zwei entscheidende Werke in ihrer Rohfassung entstanden: „Der Weg ist das Ziel“ und „Frühling“. Beide sind Sinnbild für seinen inneren Kampf: lebensbejahend und doch viel von ihm preisgebend.
Seine erste große Schaffensphase begann im August 2014. Nach einer Auszeit suchte er sich eine neue Wohnung und brach das Studium ab. Seitdem lebt er von seinem Ersparnissen und der Unterstützung seiner Eltern.
Das erste Werk in dieser Zeit ist „Alltagstheater“. Hier werden quälende Selbstzweifel auf die Leinwand
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gebannt: absurde Fratzen, teilweise nach Hilfe schreiend, teilweise apathisch ins Leere blickend, teilweise schauen sie wütend oder enttäuscht aus dem Bild heraus. Oder das Werk „Drei“, auf dem ein Wolf und zwei Schafe zu sehen sind – eine Bearbeitung des Sprichworts „Der Wolf im Schafspelz“. Wie auch andere Bilder von ihm thematisiert dieses die Aufhebung jeglicher Werte. Das spiegelt sich vor allem in der Farbverteilung.
Die Veränderungen in seinem Leben hatten sich als wichtig und richtig für ihn erwiesen – und allmählich ging es ihm wieder besser. Das spiegelte sich in einer neuen Serie ab Mitte Oktober 2014 wider.
Er wollte den Stil von abstrakten und expressionistischen Elementen mit Farbfeldmalerei zusammenbringen, und wurde von Werken von Rothko und Newman, aber auch von Schumacher, dem frühen Pollock und Matisse inspiriert, die ihm immer schon sehr nahestanden.
Er experimentierte mit neuen Techniken, verwendete z.B. Klebeband. „Stürmische See“, „Tag 0“, „Frühling“, „Made im Gold“, „Reanimator“ und „Maskenball“, aber auch die vier „Back Black“-Bilder entstammen dieser Zeit. Das Gemälde „Frühling“, aber auch„Made im Gold“ sind zunächst der Anfang und auch Ende dieser Phase. An „Frühling“, der Aufarbeitung einer Arbeit aus 2012, zu malen, war für ihn eine Art Neugeburt.

Lukas Schindel zeigte die bis dahin entstandenen Werke Weihnachten 2014 in einer Ausstellung in der gießener WG-Bar. Er hatte seinen Weg gefunden und traute sich wieder mehr – und merkte, dass für ihn die Malerei ein Prozess war. Ein Weg, zu lernen, sich selbst zu vertrauen. Ein Weg, der ein Beweis ist:

“Ich versuche damit die chaotischen Gedanken, die ich mir über das Leben mache, auszudrücken. Ich versuche sie in Gefühle zu verpacken, mit denen ich an der Leinwand arbeite. Das Produkt sind die Bilder. Ich habe manchmal bis kurz vor Fertigstellung keine Ahnung, wohin mich der Schaffensprozess leiten wird. Ich will loslassen und eine Freiheit erzeugen, die über allem steht. Das will ich vermitteln. Diesen Geisteszustand, der kennengelernt werden will. Der polarisiert. Die Betrachter sollen sich in den Bildern erkennen. Ich versuche zu vereinfachen. Blindes Vertrauen zu erzeugen. Meine Erfahrungen zu teilen. In der Stille. Denn in meinem Kopf ist dann während des tatsächlichen Prozesses Stille."

Zur Finissage und zum Konzert mit PanneBierhorst am Samstag, 21. März 2015, sind alle Interessierten herzlich eingeladen.

Lukas Schindel Ver.schin.delte Einzelstücke

 
 
 

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von:  Antje Amstein

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