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Umweltpreis Stadt Gießen 2015

Gießen | Jedes Jahr wird in der Stadt Gießen ein Umweltpreis für besondere Aktivitäten zur Stärkung des Umweltbewusstseins, zur Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen, zur Verhinderung oder Beseitigung von Umweltschäden oder zur ökologischen Verbesserung des Wohnumfeldes verliehen.

Die Bürgerinitiative "Stoppt diese Landesgartenschau" schlägt den Dipl. Biologen Dietmar Jürgens mit folgender Begründung vor:


Ø für seinen Jahrzehnte langen kontinuierlichen ehrenamtlichen Einsatz für den Naturschutz, zur Erhaltung der biologischen Diversität in einem Landschaftsschutzgebiet
Ø für seine langjährige wissenschaftliche Begleitung und Auswertung insbesondere ornithologischer Phänomene,
Ø für seine in diesem Zusammenhang geleisteten aufklärerischen und pädagogischen Aktivitäten.

Begründung im Einzelnen:

Seit mehr als 15 Jahren beobachtet und kartiert Herr Jürgens wöchentlich die Vogelbestände an den beiden Teichen in der Wieseckaue in Gießen. Sein besonderes Interesse widmet er dem Teichhuhn, das auf der Vorwarnliste der „Rote Liste der bestandsgefährdeten Brutvogelarten Hessens“ steht, weil immer mehr Brutgebiete wegfallen. Die Wieseckaue beherbergte bis vor einigen Jahren eine der größten Teichhuhn-Populationen in Hessen bis massive Gehölzrodungen durchgeführt wurden.

Herr Jürgens Vergleich der Zahlen der Jahre 2000, 2001 und 2013, zeigt, wie dramatisch sich die Situation am Schwanenteich entwickelt hat: Wurden dort zu Beginn der regelmäßigen Erfassungen im Jahre 2000 noch 700 und 2001 784 Teichhühner gezählt, so waren es in 2013 lediglich 16.
Insgesamt konnte Herr Jürgens 121 Vogelarten auffinden und dokumentieren, was die biologische Vielfalt in diesem Gebiet verdeutlicht.

Bereits frühzeitig, nämlich 2010 und weiterhin 2011 und 2012, warnte er in offenen Briefen an alle Fraktionen des Gießener Stadtparlaments vor massiven ökologischen Schäden an Flora und Fauna, die auch im Zusammenhang mit den Arbeiten für die Landesgartenschau entstehen (u.a. Gießener Allgemeine Zeitung, 30.1.2010, „Massive Folgen für Wieseckaue befürchtet“). Er betonte aber, dass bereits vor den Arbeiten zur Landesgartenschau durch massive Eingriffe in die Natur Schaden entstanden sei.

Durch unentgeltliche Führungen in den betroffenen Gebieten brachte er der Öffentlichkeit die Einschränkung der Artenvielfalt nahe. In vielfältigen Artikeln Gießener Zeitungen unterrichtete er die Bevölkerung von seinen akribischen Untersuchungen zur Bestandsentwicklung des Teichhuhns.
Bekannt ist er auch durch seine fotografischen Dokumentationen der Tierarten-Vielfalt
in der Wieseckaue in der „Gießener Zeitung online“

In Agenda-Gruppen der Stadt Gießen engagierte er sich, um die größten Gefahren für die Artenvielfalt abzuwenden.
Als seine Bemühungen keine Früchte trugen, engagierte er sich bei der Gründung der Bürgerinitiative „Stoppt diese Landesgartenschau“. Er suchte aber immer wieder den Kontakt zu den Ämtern, um übermäßige Gehölzrückschnitte, besonders am Schwanenteich einzudämmen. Der Haubentaucher werde sicher seinen Brutbereich am Neuen Teich nicht mehr aufsuchen können, mahnte er.

Öffentliche Veranstaltungen nutzte er, um die Verantwortlichen aufzurütteln und zu einer Umkehr zu bewegen, z.B. in der gemeinsamen Veranstaltung der Stadt Gießen mit der Bürgerinitiative „Stoppt diese Landesgartenschau“.
Herr Jürgens arbeitet seit Jahren mit am „Vogelkundlicher Jahresbericht des NABU“, in dem Vogelbeobachtungsdaten in einer kreisweiten Datenbank jährlich zusammengefasst werden.
Er ist ehrenamtlicher Ortsbeauftragter der „Staatlichen Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz
und Saarland“ für Gießen-Rödgen. Seine Aufgaben sind „...Mitwirkung und Beratung bei allen Maßnahmen zur Erhaltung, Gestaltung und Pflege von Natur und Landschaft, soweit vogelkundliche und vogelschützerische Belange berührt werden...“(aus: „Handlungsanweisungen für die Beauftragten“).

Zu erwähnen sei noch, dass durch seine Aufmerksamkeit und Umsicht am 22.6.2013 ein Schwanen-Jungtier mit Hilfe der Feuerwehr aus einem Abflussrohr am THM-Platz gerettet werden konnte.
Insgesamt ist Herr Jürgens mit seinen enormen Kenntnissen natürlicher Zusammenhänge ein kritischer Mahner und Warner vor übermäßigen Eingriffen in die Gießener Naturlandschaft, um die biologische Vielfalt für alle Gießener zu erhalten.


Mit freundlichen Grüßen

i.A. Martina Lennartz


(Alle Fotos der Teichhühner und Grafiken wurden von Herrn Jürgens aufgenommen und gestaltet.)

(gelb markiert, der erste Rückschnitt der Strauchvegetation)

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Kommentare zum Beitrag

Birgit Hofmann-Scharf
10.362
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 03.03.2015 um 21:33 Uhr
SEHR GUT !!!
Dietmar hat der Natur gute Dienste geleistet - ehrenamtlich !

Wie kann ich als Bürger dieser Stadt meine Solidarität dazu bekunden ?
H. Peter Herold
29.026
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 03.03.2015 um 23:35 Uhr
Ich glaube da können wir nicht viel machen. Das wird sicher ein Gremium der Stadt Gießen entscheiden. Bürger können sicher nicht mitreden.
H. Peter Herold
29.026
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 04.03.2015 um 08:44 Uhr
Mitglied? Sie, weil Sie es so genau wissen, zumindest es so überzeugend rüber bringen.
Karl-Ludwig Büttel
3.855
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 04.03.2015 um 09:24 Uhr
Alles nach zu lesen auf der Hompage der Stadt Gießen unter Umweltpreis. Ich denke (aber ich weiß es nicht), das Frau Back da mal nachgelesen hat. Ist der einfachste Weg und spart mühseliges geschreibsel.


"Über die Verleihung des Umweltpreises entscheidet die Jury. Die Jury setzt sich aus je einem Mitglied der in der Stadtverordnetenversammlung vertretenen Fraktionen,
dem/der für Umweltschutz zuständigen Dezernenten/Dezernentin,
dem/der Leiter/Leiterin des Amtes für Umwelt und Natur,
einem/einer Vertreter/in des Naturschutzbeirates,
einem/einer vom Naturschutzbeirat benannten Vertreter/in eines
anerkannten Naturschutzverbandes,
einem/einer vom Naturschutzbeirat benannten Vertreter/in einer im 2 Umweltbereich engagierten Gruppe oder Institution, die nicht zu den anerkannten Naturschutzverbänden gehört"
H. Peter Herold
29.026
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 04.03.2015 um 12:42 Uhr
Ich dachte nur, weil wie üblich Frau Back einen Hinweis gab, sie hätte was mit der Jury zu tun. Das dunkel erinnern kommt sicher von der getönten Brille ;-))
Birgit Hofmann-Scharf
10.362
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 04.03.2015 um 12:55 Uhr
Soweit ich mich erinnere, kann jedoch jeder mündige Bürger einen Vorschlag einreichen. Na dann ................
( Oder wurde da im Sinne der "Bürgerbeteiligung " - gemäß der HGO - etwas geändert worden )
H. Peter Herold
29.026
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 04.03.2015 um 12:59 Uhr
;-)) wirklich jeder?
Birgit Hofmann-Scharf
10.362
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 04.03.2015 um 13:08 Uhr
" Die Vorschläge sind beim Amt für Umwelt und Natur, Postfach 11 08 20, 35353 Gießen, über Fax: 0641 306-2191 oder per E-Mail umweltamt@giessen.de einzureichen."
( Verlängert bis Mitte März )

Schwerpunkte u. a. in 2015 :
...als Beispiele hierfür seien Artenschutzprojekte........
Bernd Zeun
11.649
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 04.03.2015 um 21:36 Uhr
Den Preis hätte er verdient.
Karl-Ludwig Büttel
3.855
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 05.03.2015 um 09:59 Uhr
Andere sicher aber auch. Die Jury wird es richten. Wenn das hier der eingreichte Vorschlag ist wird es sicherlich nicht einfach. Die Schwerpunkte sind dieses Jahr wohl festgelegt. Habe dieses Auszug mal kopiert aus dem Text.
"soll es in 2015 zum ersten Mal Schwerpunktthemen geben. Das sind einerseits die Biologische Vielfalt (Biodiversität) und andererseits der Klimawandel bzw. die Energiewende. Preisvorschläge sollten nachweisen, was dafür getan wird, um die biologische Vielfalt in Gießen nachhaltig zu verbessern. Als Beispiele hierfür seien Artenschutzprojekte, großflächige Entsiegelungsmaßnahmen, die Anlage von Blumenwiesen statt Zierrasen genannt. Beiträge zum Klimawandel könnten besondere Projekte zur Energieeinsparung, Energieeffizienz oder auch Stadt-Mobilität sein.
Ganz spannend finden wir, wenn ein Preisvorschlag beide Aspekte miteinander verbindet, denn biologische Vielfalt und Energiewende beeinflussen sich oftmals negativ“, ergänzt Barbara Haderer. So werden bei Wärmedämmungen an Häusern, die nicht genehmigungspflichtig sind, häufig Brutstätten von z. B. Mauerseglern oder Fledermäusen entfernt und nicht mehr ersetzt, obwohl es gesetzlich gefordert ist. Also wirkt sich eine positive Umweltmaßnahme für eine Energieeinsparung negativ auf die biologische Vielfalt aus."

Der/Die Besten mögen gewinnen.
Bernd Zeun
11.649
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 05.03.2015 um 10:20 Uhr
Das jahrzehntelange Eintreten für biologische Vielfalt passt doch bestens zu Dietmar Jürgens.

Und wenn es um Energieeinsparung, Energieeffizienz und Stadt-Mobilität geht, sollte man vielleicht noch Jörg Bergstedt für seinen Kampf für kostenlosen ÖPNV vorschlagen.
Karl-Ludwig Büttel
3.855
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 05.03.2015 um 14:29 Uhr
Ich habe das so verstanden , dass der Umweltpreis an den vergeben wird der das Haus saniert hat, energetisch erschlossen hat einen Brutplatz geschaffen hat und den Rasen durch Blumen ersetzt hat. Und dadurch nicht bezahlbaren Mietraum geschaffen hat damit betuchte nach Gießen ziehen. Also fallen die von Ihnen genannten wohl weg. (Spaß)
Bernd Zeun
11.649
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 05.03.2015 um 15:40 Uhr
Leider sitzt keiner von uns beiden in der Jury.
Christian Momberger
11.270
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 05.03.2015 um 22:27 Uhr
Vielleicht ist die thematische Einengung der Grund, warum die Frist für Vorschläge verlängert werden musste. Denn so wie ich gehört habe, lagen bis zur ersten Deadline noch keine Vorschläge vor.

Und ich muss sagen, ich finde den Vorschlag und die Begründung gut und sehe das wie Bernd.
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