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Kulturreihe „lesbisch jüdisch schwul“: Gegen Diskriminierung und das Verschweigen

Klaus-Jürgen Weber und Cornelia Nette von der Aidshilfe Gießen (vorne), Eduard Galyschew und  Friederike Stibane (Stadt Gießen), Cathérine Miville und Behzad Borhany vom Stadttheater.
Klaus-Jürgen Weber und Cornelia Nette von der Aidshilfe Gießen (vorne), Eduard Galyschew und Friederike Stibane (Stadt Gießen), Cathérine Miville und Behzad Borhany vom Stadttheater.
Gießen | Ein Schlaglicht auf die Themen Homosexualität, Verfolgung und Stigmatisierung werfen – das ist das Ziel der Veranstaltungsreihe „lesbisch jüdisch schwul“ der Aidshilfe Gießen. Zentraler Teil des kulturellen Programms, das der Verein in Kooperation mit dem Büro für Frauen und Gleichberechtigungsfragen, dem Büro für Integration und dem Stadttheater Gießen zusammengestellt hat, ist die Präsentation der gleichnamigen Wanderausstellung des Schwulen Museums in Berlin. Im Atrium des Gießener Rathauses werden vom 2. bis 27. März die Biographien von 24 Menschen und deren Schicksale während der Zeit des Nationalsozialismus gezeigt. Zum Phänomen der Ausgrenzung gebe es „eine Geschichte und es wird in Zukunft aktuell bleiben“, meinte Cornelia Nette vom Vorstand der Aidshilfe Gießen e.V.
Ihr Kollege, Geschäftsführer Klaus-Jürgen
Weber, ergänzte beim Pressegespräch: „Homosexuelle Juden wurden im 3. Reich auf zweifache Weise stigmatisiert.“ Die Ausstellung zeige mitunter auf, dass schwule und lesbische Juden aufgrund der religiösen Diskriminierung ihrer Konfession bewusst wurden. Diese Menschen erlitten dramatische Schicksale.
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taT-studiobühne (42)Oper (49)Nationalsozialismus (35)Lesung (265)Judenverfolgung (1)Homosexualität (15)Ausstellung (310)Aidshilfe (9)
Während die einen im Exil oder im Untergrund ums Überleben kämpften, wurden andere in Konzentrationslager deportiert und dort ermordet. „Bis heute setzt sich die Aidshilfe mit dem Anderssein von Menschen, ihren Ängsten vor Diskriminierung und gesellschaftlichem Ausschluss, aber auch mit ihren Hoffnungen auseinander“, berichtete Weber.
Die Gießener Beauftragte für Frauen- und Gleichberechtigungsfragen, Friederike Stibane, zeigte ihre Begeisterung für die Ausstellung: „Das Gießener Rathaus steht für ein offenes und buntes Leben.“ Die Stadtverwaltung nehme ihre Aufgabe, gegen Diskriminierung und für Chancengleichheit zu werben, ernst. Sie erwarte kontroverse Diskussion rund um die Ausstellung, die öffentliche Präsentation der historischen Zeugnisse sei demnach besonders wichtig.
Höhepunkt der Reihe ist die Aufführung der Kammeroper „For a Look or a Touch“ am 12. März um 20 Uhr auf der taT-Studiobühne des Stadttheaters. Das Drama wird bereits in der zweiten Spielzeit aufgeführt. Die Veranstalter erhoffen sich, mit der Vorstellung im Rahmen der thematisch passenden Veranstaltungsreihe, ein breites Publikum zu erreichen. Die Inszenierung nach einer wahren Begebenheit sei erschütternd und handle zugleich von einer außergewöhnlichen Liebe, heißt es in der Vorankündigung. Der schwule, jüdische Widerstandskämpfer Gad Beck und sein Partner waren ein Paar im Berlin der frühen 40er-Jahre. Als der Jude Manfred verhaftet wurde, lieh sich Gad eine HJ-Uniform und befreite seinen Geliebten aus dem Sammellager – doch dieser entschloss sich, mit seiner inhaftierten Familie zu sterben, und kehrte zurück ins Lager.
Die Theaterintendantin, Cathérine Miville, ist überzeugt, dass die Aufführung Zuschauer mitreißen wird, die sonst kein Interesse an Opern zeigen. Zu spannend sei die Erzählung um die beiden Hauptakteure und zu emotional die Dramaturgie. Einen inhaltlichen Bogen von der Zeit des 3. Reiches zur Stigmatisierung und Verfolgung homosexueller Menschen im heutigen Russland spannt die anschließende Podiumsdiskussion mit zwei schwulen Journalisten aus Sankt Petersburg (21.15 Uhr im taT-Foyer). Sie sind aufgrund der systematischen Diskriminierung in ihrem Land nach Deutschland geflohen und berichten aus erster Hand darüber, was sonst nur aus Medien zu erfahren ist: Die tägliche Angst um das Überleben aufgrund der eigenen Persönlichkeit. Eduard Galyschew vom städtischen Integrationsbüro sieht in der Diskussion um den offenen Umgang mit Homosexualität, eine Chance zur kulturellen Öffnung und einer breiteren Anerkennung der individuellen Züge der Menschen. Die Geschichte um die Flucht der beiden Journalisten werfe ein neues Licht auf die Einwanderungsdebatte in Deutschland: „Hier zeigt sich, dass Migration viele Gründe hat, nicht nur den Fachkräftemangel.“
Zum Abschluss der Veranstaltungsreihe liest Klaus Dieter Spangenberg aus seinem Roman „Die schöne Helena“. Er erzählt von einem deutschen Soldaten, der aufgrund seiner Homosexualität zum Opfer der NS-Justiz wurde. Die Lesung findet am 17. März um 19.30 Uhr im Gießener Rathaus statt. A

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