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Lösung des griechischen Schuldenproblems

Gießen | Schon vor ein paar Jahren kursierte im Internet folgende volkswirtschaftliche Abhandlung:

Ein deutscher Tourist kommt in ein griechisches Dorf und möchte da gerne übernachten. Er geht in die einzige Pension am Ort und bittet darum, sich die Räumlichkeiten ansehen zu dürfen. Der Besitzer verlangt 100 Euro Pfand und gibt dem Gast einen Schlüsselbund in die Hand. Der macht sich auf den Rundgang durch das Haus.

Der Pensionseigentümer nimmt die 100 Euro und geht zum Bäcker, um damit seine Schulden zu zahlen.

Der Bäcker ist froh über die 100 Euro und rennt damit zum Metzger, wo er seinerseits 100 Euro Schulden hat, um diese zu begleichen.

Der Metzger hat in der Dorfkneipe einen Deckel stehen, den er mit den 100 Euro glatt macht.

Der Wirt steckt verschämt die 100 Euro der örtlichen Dirne zu, die gerade am Tresen sitzt, und bei der er mit 100 Euro in der Kreide steht für gelegentliche Dienste.

Die Dame läuft schnell zum Pensionsinhaber und bezahlt mit den 100 Euro ihre Schulden, die sie aus gelegentlicher Zimmeranmietung dort hat.

Und da kommt soeben der Tourist die Treppe herunter und gibt am Tresen den Schlüsselbund zurück. Er habe es sich überlegt und sucht ein anderes Quartier.

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Kommentare zum Beitrag

Birgit Hofmann-Scharf
10.362
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 22.02.2015 um 20:08 Uhr
Klasse beschrieben !
Christian Momberger
11.270
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 22.02.2015 um 20:17 Uhr
Ja, der ist immer wieder gut.
Kurt Wirth
3.091
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 22.02.2015 um 22:11 Uhr
Etwas ernsthafter:
Die EU hat 507,4 Mio Einwohner.
Die Euro-Zone 334,6 Mio.
Griechenland 11 Mio. (etwa 3,3 % der Euro-Zone)
Kann es da wirklich so schwierig sein, denen mal eine Zeitlang unter die Arme zu greifen?
2.463
Gertraud Barthel aus Gießen schrieb am 23.02.2015 um 13:23 Uhr
Wenn Eutropa bedroht ist, dann weder durch den Islam, noch durch den Euro, sondern allein durch seine Unfähigkeit zur Solidarität!
Christoph Schäfer
785
Christoph Schäfer aus Gießen schrieb am 23.02.2015 um 15:21 Uhr
Es war - leider - schon immer so: Beim Geld hört die Freundschaft auf!
Stefan Walther
4.851
Stefan Walther aus Linden schrieb am 23.02.2015 um 17:32 Uhr
Solidarität Kurt? Was schreibst du da für ein Zeugs? Wer ist die EU? Sind das etwa die europäischen Völker, die sich gegenseitig unterstützen könnten / würden? Die EU ist ein Bündnis der Herrschenden, es geht um`s Geldverdienen, um Macht und Einfluss... mit Krediten kann man - auch bei Griechenland - sehr gut und sehr viel Geld verdienen, nur darum geht es.

Etwas ernsthafter: wer an die Regierungen der EU-Länder appellliert, sie sollten doch Griechenland helfen, der führt den Weg in die Sackgasse!
Und ist etwa das bisherige Geld beim griechischen Volk gelandet Kurt? Wem wurde bisher "geholfen"? Tut mir leid, kann kaum glauben was du hier so zusammen schreibst....
2.463
Gertraud Barthel aus Gießen schrieb am 23.02.2015 um 18:00 Uhr
Ich verstehe, dass Sie sich aufregen , Herr Walther. Ich rege mich ja auch auf. Die kleine Rechnung von Herrn Wirth finde ich aber gut, denn sie macht anschaulich, dass es gar nicht in erster
Linie um Griechenland geht, sondern man will einfach nicht dulden, dass ein Land aus dem neoliberalen Wirtschaftskonsens ausschert. Wenn Sie so wollen, ist es ein Glaubenskrieg, und die
Inquisition hat sich , wie zu erwarten war, durchgesetzt.
Kurt Wirth
3.091
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 23.02.2015 um 18:59 Uhr
Lieber Stefan, ich habe ja nichts von Regierungen geschrieben und auch nichts von der EU (außer die Einwohnerangaben). Ich meinte zunächst einfach die "Europäer". Du darfst nicht immer Deine eigenen "Schubladen" betätigen. Wie diese Solidarität denn erreicht werden kann, darüber kann man diskutieren. Im Moment ist den Griechen, die hungern und den Kindern, deren Krankheiten nicht behandelt werden können, wenig geholfen mit dem Hinweis, daß nur die Beseitigung des Kapitalismus das Problem löst (so in etwa die KKE), auch wenn das natürlich nicht falsch ist.
Stefan Walther
4.851
Stefan Walther aus Linden schrieb am 23.02.2015 um 23:38 Uhr
Wo habe ich geschrieben Kurt, dass dafür die Beseitigung des Kapitalismus notwendig sei? Nirgends! Es geht darum, dass von der EU - und das ist nunmal nichts anderes als ein Bündnis der Herrschenden - keine Solidarität zu erwarten ist! Und wenn du keine Unterscheidungen zwischen Regierungen und den Menschen machst, wenn du von Solidarität sprichst und von "unter die Arme greifen", dann ist das sehr verwirrend und illusionär.

Ich bediene keine eigenen Schubladen, ich versuche nur die Dinge auf den Punkt zu bringen, umso erstaunlicher für mich, dass du das - auch in deinem letzten Kommentar - nicht machst. Es gibt zahlreiche Beispiele der internationalen Solidarität und Unterstützung, sogar in Gießen gab es ein Griechenland-Soli-Komitee... und das bringt wesentlich mehr als Appelle an irgendeine Regierung / an die EU zu richten, denn davon wird in Griechenland weder der Hunger beseitigt noch Krankheiten geheilt.
Was die KKE macht, das interessiert mich wenig, sie hat sich aus meiner Sicht allein schon deshalb selbst disqualifiziert in dem sie jede Zusammenarbeit mit Syriza abgelehnt hatte...
Du beantwortest auch keine Fragen Kurt = was hat die bisherige so genannte "Hilfe" dem griechischen Volk gebracht? Also weiter Geld für die Banken und Konzerne, soll das die ( weitere ) Solidarität mit Griechenland sein? Du musst schon konkret werden was du meinst Kurt....

Stimmt Frau Barthel, da muss man sich aufregen, wer sich im Endeffekt durchsetzen wird - siehe jetzt auch die gleichen Tendenzen in Spanien - das bleibt abzuwarten. Nur eines steht fest: eine Syriza-Führung, die mit Rechten eine Regierung gebildet hat, die jetzt schon von "Reformen" redet, die auch zum Teil wieder zu Lasten der kleinen Leute gehen, die wird genauso wenig eine Lösung bringen wie die Appelle an die Regierungen der EU Länder....
2.463
Gertraud Barthel aus Gießen schrieb am 24.02.2015 um 08:50 Uhr
Ja, ich bin auch eher pessimistisch.
Kurt Wirth
3.091
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 24.02.2015 um 10:37 Uhr
Ich meine schon, daß Regierungen und EU-Institutionen unter Druck gesetzt werden können und ihnen Zugeständnisse abgerungen werden können, wenn die Stimmen zahlreich und laut genug würden. Die Ansätze von direkter Griechenlandsolidarität registriere ich auch, das ist aber bis dato ein Tropfen auf den heißen Stein. Muß eben auch (wie vorstehend) weiter entwickelt werden. Das Entscheidende ist natürlich, daß die Griechen selbst sich einig darüber werden, wo es lang gehen soll.
Was würdest Du, Stefan, ihnen empfehlen? Damit wir uns nicht nur in der Negativ-Kritik unmöglicher Vorgehensweisen erschöpfen.
2.463
Gertraud Barthel aus Gießen schrieb am 24.02.2015 um 11:11 Uhr
Wichtig wäre es vor Allem, die Öffentlichkeit besser aufzuklären.
Unsere, und auch andere Regierungen versuchen ja, aus einer
Anti-Griechenlandhaltung politisches Kapital zu schlagen.
Es gibt zum Beispiel einen Film, "Wer rettet wen?", der deutschlandweit in nur 180 Kinos gezeigt wird. Die Leute, die diesen Film finanziell unterstützt haben, bekamen zum Dank eine DVD mit der Erlaubnis, den Film auch öffentlich zu zeigen. Leider kenne ich niemand von diesen Leuten. Man könnte da zum Beispiel Kontakt anknüpfen. Oder vielleicht Informationsveranstaltungen? Auf jeden Fall muß man versuchen,
eine differenzierte Einstellung in der Öffentlichkeit zu erreichen.
Kurt Wirth
3.091
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 24.02.2015 um 12:01 Uhr
Passend hierzu der Hinweis auf den heutigen Bericht um 21.50 auf arte:
"Macht ohne Kontrolle - Die Troika".

http://arte.tv/guide/de/051622-000/macht-ohne-kontrolle-die-troika

Der Film ist von Harald Schumann, der auch den preisgekrönten Film "Staatsgeheimnis Bankenrettung" gedreht hat. Heute läuft die 90-Minuten-Fassung, am 9. März bringt die ARD eine 45-Minutenfassung.
Stefan Walther
4.851
Stefan Walther aus Linden schrieb am 24.02.2015 um 17:12 Uhr
Nicht ( schon wieder ) nur Gegenfragen Kurt. Ich bin auf deine Kommentare / Argumentation eingegangen, du solltest auf meine eingehen und konkret darauf antworten... wo habe ich z.B. "unmögliche Vorgehensweisen" vorgeschlagen?

"Nur" Aufklärung Frau Barthel? Aufklärung ist wichtig, kein Widerspruch, aber ohne praktische Konsequenz bringt Aufklärung herzlich wenig. Beispiel? = allein in Gießen gab es mittlerweile 7 oder 8 Veranstaltungen zum Thema TTIP - mit sehr viel und guter Aufklärungsarbeit - und nun? Etwas überspitzt = "schön dass wir mal drüber gesprochen haben"?

Zurück zum Thema = in Griechenland gingen die Menschen in Massen auf die Strasse ( jetzt überlassen sie den Politikern die Entscheidungen? wir werden sehen ), in Spanien entwickelt sich ähnliches... nur so können wirkliche Veränderungen durchgesetzt werden, das gilt natürlich auch für und in Deutschland.
2.463
Gertraud Barthel aus Gießen schrieb am 24.02.2015 um 19:47 Uhr
Bevor die Leute auf die Straßegehen,müssen sie wissen, wofür, oder? Deshalb ist Information notwendigerweise der erste Schritt.
Kurt Wirth
3.091
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 24.02.2015 um 20:02 Uhr
Hätte ich wissen können, Stefan, daß Du Gegenfragen haßt. Aber eine Diskussion ist bald am Ende, ohne Gegenfragen. Du hast natürlich keine "unmöglichen Vorgehensweisen" vorgeschlagen, sondern eben diese kritisiert. Ist ja Dein gutes Recht. Ich hoffe ja immer noch, daß Du den Daumen irgendwann mal nach oben hältst und irgendetwas für gut und unterstützenswert findest , auch wenn Du dieses dann selbst vorschlagen würdest...

Wie schon bei früherer Gelegenheit halte ich nicht viel von Zwiegesprächen in diesem Medium, die können wir auch anderweitig führen. Ich glaube, Bernd Zeun äußerte letztens in einem Kommentar, daß sich dieses zwar "Zeitung" nennt, aber ein Diskussionsforum ist. Ich betrachte es eher als Zeitung bzw. will es dahin bringen.
Stefan Walther
4.851
Stefan Walther aus Linden schrieb am 25.02.2015 um 23:27 Uhr
Ich halte alles was die Massen mobilisiert für unterstützenswert Kurt, und ich lehne alles ab was in Richtung Appelle an die Herrschenden geht ( Illusionen verbreitet ). Deshalb habe ich auch auf die Entwicklung in Spanien hingewiesen. Die Aufgabe von Syriza wäre es weiter die Massen zu mobilisieren gegen die "neue Troika" und weitere Spardiktate und so genannte Reformen. Weder wurde die Zusage eingehalten niedrige Einkommen von der Steuer zu befreien noch die Beschäftigten im öffentlichen Dienst wieder eingestellt... natürlich ist der Kampf gegen die Korruption richtig und wichtig, aber dies ist nicht das entscheidende was die griechische Bevölkerung von der neuen Regierung erwartete. Ein verhandeln mit der EU ( und Verzicht auf Schuldenschnitt ) und gleichzeitig sich einsetzen für das griechische Volk, das wird nicht funktionieren, und Teile von Syriza kritisieren dies auch schon heftig...
Gegenfragen sind sicher legitim, nur eingehen auf die Argumente des anderen sind genauso Grundvoraussetzung für eine fruchtbare Diskussion.

Frau Barthel, was habe ich geschrieben? = "Aufklärung ist wichtig, kein Widerspruch, aber ohne praktische Konsequenz bringt Aufklärung herzlich wenig." Verstehe ihren letzten Kommentar deshalb nicht!
2.463
Gertraud Barthel aus Gießen schrieb am 25.02.2015 um 23:59 Uhr
Herr Walther, die Alternative zu Verhandlungen mit der EU wäre
der sogenannte Grexit. Das will das griechische Volk nicht, soweit ich informiert bin.
Demonstrationen sind auch Appelle an die Herrschenden.
Es kommt jetzt darauf an, die Spielräume, die vorhanden sind,
gut zu nutzen. In vier Monaten wird ohnehin neu verhandelt.
Und dann ist ja auch noch die Wahl in Spanien, die die Gesamtsituation verändern könnte.
Übrigens waren die Aktionen gegen TTIP bis jetzt nicht ohne Wirkung.
Und "die Massen mobilisieren" ist eine furchtbare Redewendung,
klingt nach Marxismus- Leninismus. Fallen Ihnen keine sympathischeren Ausdrücke ein?
Kurt Wirth
3.091
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 26.02.2015 um 11:30 Uhr
Frau Barthel nimmt mir vieles aus dem Mund. Und wie ich weiter oben bemerkte, halte ich Regierungen und EU-Institutionen beeinflußbar - da meinen wir, Stefan, vielleicht auch teilweise dasselbe, wenn Du von Mobilisierung sprichst. Nur halt ich auch nichts von dem Begriff "Massen" (Hammelherde) - da haben wir uns schon öfter auseinandergesetzt , halte ihn nicht mal für brauchbar im marxistischen Sinne. "Massen" sind vielleicht die von mir oben erwähnten 507,4 Mio EU-Bürger und 334,6 Mio Euro-Zonen-Bewohner. Für die Ingangsetzung politischer Bewegungen ist diese Betrachtung aber zu undifferenziert.

Ein Appell allein bewirkt nicht viel, das Warten auf eine Mobilisierung von oben auch nicht. Aber viele Aktionen zusammen bewirken was.
Stefan Walther
4.851
Stefan Walther aus Linden schrieb am 26.02.2015 um 23:44 Uhr
Stimmt Kurt, das brauchen wir nicht zu wiederholen... im Gegensatz zu dir weiss Frau Barthel sehr genau, dass "die Massen mobilisieren" ein Grundsatz des Marxismus-Leninismus ist ( solltest du vielleicht doch mal wieder nachlesen :-)
Ist dies eine "furchtbare und unsympathische Redewendung" Frau Barthel? Vielleicht für diejenigen, die kein Vertrauen in die Massen haben, mag sein, ich werde das Vertrauen in die Massen nie verlieren...
Ich habe nichts Neues beizutragen, also belasse ich es dabei....
2.463
Gertraud Barthel aus Gießen schrieb am 27.02.2015 um 00:29 Uhr
Schade
Karl-Ludwig Büttel
3.855
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 27.02.2015 um 10:06 Uhr
Für mich ist das Mobiliseren der Massen seit 1933 negativ besetzt. Solche Ausdrucksweisen gehören in die Geschichtsbücher als mahnendes Beispiel aber nicht in das hier und jetzt.
Kurt Wirth
3.091
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 27.02.2015 um 18:46 Uhr
Nun machte ich mich doch an das angeratene Nachlesen in Sachen Masse(n):

Das geflügelte Wort von Marx:"...allein auch die Theorie wird zur materiellen Gewalt, sobald sie die Massen ergreift..." war mir natürlich bekannt. Nun griff ich aber zur sechsbändigen Ausgabe Marx/Engels, Ausgewählte Werke, Dietz-Verlag Berlin (DDR) 1987. Da gibt es noch einen Extra-Registerband hinzu, mit einem umfangreichen Stichwortverzeichnis. Masse(n) taucht da nicht auf.

Auch das zweibändige Wörterbuch der Philosophie (hrsg. von Klaus/Buhr), Enzyklopädie Leipzig, 1972, nahm ich zur Hand. Dort wird Masse ausschließlich als physikalischer Begriff abgehandelt. Massendemokratie und und Massengesellschaft werden besprochen - als Begriffe der bürgerlichen Philosophie und Soziologie.

Auch im Inhaltsverzeichnis der "Geschichte der KPdSU(B) - Kurzer Lehrgang" aus dem Verlag der sowj. MiIitäradministration, Berlin 1946, stoße ich nicht auf Masse(n) im Inhaltsverzeichnis. Ebensowenig in "Stalin, Fragen des Leninismus", Vlg. f. fremdsprachige Literatur, Moskau 1947.

In Sachen Lenin steht mir die dreibändige Ausgabe "Lenin, Ausgewählte Werke" (insges. über 1900 Seiten) zur Verfügung. Auch hier kann ich mich mangels eines Stichwortverzeichnisses nur an den Inhaltsverzeichnissen orientieren, die die einzelnen Arbeiten bis auf Kapitelüberschriften herunter angeben.

Nun kenne ich ja von Lenin die klassischen, sozusagen schulbuchfähigen Definitionen zu "Klasse(n)" (Als Klassen bezeichnet man große Menschengruppen... usw.) und zu "Partei" ("freiwilliger Zusammenschluss von Gleichgesinnten...usw.") aber nichts in gleicher Weise zu Masse(n).

Da ich auch heftig rauf und runter googelte (nicht in russisch und chinesisch), stieß ich auf folgende Aussage (vermutlich eines Nichtmarxisten), die aber doch mein Empfinden in etwa wiedergibt: "...die "Masse"(ein bei Lenin überhäufig gebrauchter Begriff, der jedoch stets unreflektiert und ohne Bezugnahme auf die einschlägigen Massentheoretiker, aber auch ohne die spezifisch "linken" Konnotationen verwendet wird)..."

In den Inhaltsverzeichnissen zu der genannten dreibändigen Leninausgabe stoße ich immerhin in dem Aufsatz "Was tun ?" auf das Kapitel 11: Spontaneität der Massen und Bewusstsein der Sozialdemokratie:

"...dass die Stärke der heutigen Bewegung im Erwachen der Massen (und vor allem des Industrieproletariats) besteht..."

Weiterhin findet man in dem Aufsatz "Über die Rolle und die Aufgaben der Gewerkschaften unter den Verhältnissen der Neuen Ökonomischen Politik" (bezogen im Jahre 1922 auf die russischen Verhältnisse):

8. Die Verbindung mit den Massen als Grundbedingung jedweder Arbeit der Gewerkschaften.
"...Die Verbindung mit den Massen, d.h. mit der gewaltigen Mehrheit der Arbeiter (und sodann aller Werktätigen), ist die...".

Damit hätte man ein paar spärliche Hinweise, was im Marxismus-Leninismus mit Massen gemeint ist. Für weitere Hinweise bin ich durchaus empfänglich, denn das Thema wird sicher auch weiterhin immer wieder mal in Kommentarketten angesprochen.
Stefan Walther
4.851
Stefan Walther aus Linden schrieb am 27.02.2015 um 22:09 Uhr
"In Sachen Lenin steht mir die dreibändige Ausgabe "Lenin, Ausgewählte Werke" (insges. über 1900 Seiten) zur Verfügung. Auch hier kann ich mich mangels eines Stichwortverzeichnisses nur an den Inhaltsverzeichnissen orientieren, die die einzelnen Arbeiten bis auf Kapitelüberschriften herunter angeben."

= da ich denke, dass diese Ausgabe bei dir nicht nur "im Bücherschrank rumsteht", sondern dass du es auch gelesen hast... umso unverständlicher ist mir dein Standpunkt Kurt. Ob dies die Aussage eines Nichtmarxisten ist, das weiss ich natürlich nicht, aber er hat in einem sicherlich vollkommen recht = die "Masse" ist ein bei Lenin häufig ( nicht überhäufig ) gebrauchter Begriff! Ich finde es aber sehr gut, dass du nicht den Beleidigten spielst Kurt, sondern dass du dich damit ernsthaft beschäftigst...
Bringt eine weitere Diskussion zu diesem Punkt etwas? Ich denke wir haben uns mehr als intensiv darüber ausgetauscht!?

Herr Büttel, schreiben Sie doch was zum Thema, dann kann man auch drauf eingehen.... man kann etwas ablehnen, man kann zustimmen, man kann Argumente und Fakten austauschen usw., nur, auf solche oberflächlichen Sprüche habe ich keinen Bock Herr Büttel.
Karl-Ludwig Büttel
3.855
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 28.02.2015 um 12:20 Uhr
Dann lassen Sie es.
Karl-Ludwig Büttel
3.855
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 28.02.2015 um 15:18 Uhr
Massen zu mobilisieren führt immer dazu, das jede Menge Trittbrettfahren mit aufspringen die mit der Sache nicht zu tun haben. Viele anderen werden durch die Propaganda mitmachen ohne zu verstehen um was es eigentlich geht. Menschen werden ihre Aggressionen freien Lauf lassen weil sie in der Masse nicht auffallen. Wer definiert den das Thema und die dazugehörige Masse. Habe ich keine großen Anhang und muss mich quälen eine Mehrheit oder wie hier geschrieben die Massen zu erreichen dann liege ich falsch. Das einzusehen scheint schwierig. Masen folgt meisten einem Schreihals ob er Recht oder Unrecht hat. Derjenige der Mobilisieren will muss nur den richtigen Köter auswerfen dann gehen ihm schon einige ins Netz so geschehen jetzt in Griechenland. Der Herr ist auch nur ein Mäusefänger und es geht wie den anderen auch um persönliche Macht. Wenn Linke sich mit Rechten verbünden sagt das viel aus. Für mich beides Gruppierungen die für mich politisch ein absolutes NO-Go bedeuten. Wenn ich Ihnen auch erst nicht antworten wollte denn ich dachte für einen gebildeten Menschen reicht die kurze aber Aussagekräftige Antwort tue ich es jetzt doch noch einmal. Manchmal liegt in der Kürze die Würze und nicht in den ewigen wiederholten langatmigen zu nicht führenden Aufsätzen. Ich jedenfalls halte nichts von diesen aus der Geschichte negativ besetzten Parolen und halte das für nicht mehr Zeitgemäß. Der Bürger hat die Möglichkeit einzugreifen er ist aber in vielen Fällen zu bequem. Er besucht doch nur Bürgerversammlungen wenn er direkt betroffen ist andere Dinge interessieren ihn doch gar nicht. Der Bürger muss sich einfach mehr einbringen die Möglichkeiten dazu gibt es vielfältig. Nach Bürger Beteiligung schreien aber dann die Möglichkeiten nicht wahrnehmen ist der falsche Weg. Ebenso, das Mobilisieren der Massen, denn sie werden viele erreichen die Sie sich selber dabei gar nicht wünschen. Aus diesen Gründen gehe ich davon aus, dass viele aus der Geschichte nichts gelernt haben oder es nicht wollen.
Stefan Walther
4.851
Stefan Walther aus Linden schrieb am 28.02.2015 um 15:24 Uhr
Dann mache ich es halt mal kurz, wenn darin die Würze liegt = die Menschheit würde vielleicht noch als "Jäger und Sammler" ihr Dasein fristen, evt. auch unter den Bedingungen des Mittelalters leben wenn es keine Massenbewegungen gegeben hätte...
Karl-Ludwig Büttel
3.855
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 28.02.2015 um 15:57 Uhr
Die Erfinder waren meisten einzelne Personen. das Industriezeitalter (Industrielle Revolution) war keine Massenbewegung. Massenbewegungen blieben wie in den letzten 100 Jahren haben zu Not und Unterdrückung, zu Morden politisch Andersdenkenden geführt. Das war in Russland so 1917 und in Deutschland 1933. Wenn Sie natürlich die Gewerkschaften und das was gerade ab Mitte des 19 Jahrhundert erreicht haben meinen dann haben sie zwar Recht aber mit einer mobilisierten Massenbewegung wie die Verbrecher von Kommunisten in Russland und die Nazis in Deutschland hat das nichts zu tun. Für mich kommt mobilisieren von Mobil machen. Mobilmachung ist bei mir ganz negativ besetzt in einem solchen Zusammenhang. Ich würde mich gegen eine solche Massenbewegung unserer Arbeiterschaft der auch in angehöre zu Wehr setzten. So denken auch viele meiner Kollegen und Freunde und Bekannte. Zum Teil sind die in Gewerkschaften aktiv aber davon halten sie nichts. Streikrecht wichtig, Demonstrationsrecht wichtig, Massen Mobilisierung kriminell weil dies immer unübersichtlich in Gewalt endet.
Stefan Walther
4.851
Stefan Walther aus Linden schrieb am 28.02.2015 um 22:44 Uhr
War mein letzter Kommentar dann doch zu kurz? Ich dachte für einen gebildeten Menschen reicht es aus...
Nun gut, dann etwas deutlicher, bevor wir völlig aneinander vorbeireden:
es geht um Gesellschaftssysteme und wie sie überwunden wurden. Ist etwa der heutige Kapitalismus "vom Himmel gefallen"? Gab es davor keinen Feudalismus? Nach Ihrer Auffassung waren das dann alles Kriminelle, denn freiwillig haben sich die Herren der Feudalherrschaft nicht verabschiedet, dazu waren einige bürgerliche Revolutionen notwendig.
Ja, ja und die bösen Kommunisten 1917 in Russland, die haben doch glatt den 1. Weltkrieg beendet, die Bauern von der Knechtschaft befreit, die Soldaten nach Hause geholt und die Arbeiter an die Macht gebracht... nicht ganz richtig Herr Büttel, es waren die Massen der Arbeiter, Soldaten und Bauern, sicherlich unter Führung der Kommunisten... aber ohne die Massen bliebe alles "heisse Luft". Und jetzt könnten wir stundenlang über die Verbrecher diskutieren, die diesen Weltkrieg ( auch in Russland ) angezettelt hatten, die die Bauern wie Leibeigene hielten und die Arbeitskraft der Arbeiter - die in elendigen Verhältnissen lebten - ausbeuteten.
Kurt Wirth
3.091
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 02.03.2015 um 19:05 Uhr
Hier nochmal ein etwas handfesterer Hinweis:
Am morgigen Dienstag, 3.März, kommt in dem ZDF-Magazin frontal um 21.00 Uhr u.a. ein Beitrag über die Entschädigungs-, Reparations- und Kriegsanleihentilgungsforderungen Griechenlands.

Darin wird auch Argyris Sfontouris interviewt: Er überlebte als Vierjähriger das Massaker von Distomo, wo 1944 insgesamt 218 Dorfbewohner von deutschen Gebirgsjägern getötet wurden. Er wuchs als Waise auf, studierte und promovierte später in Zürich und arbeitete einen Großteils seines Lebens als Entwicklungshelfer in der Dritten Welt. Er gehörte zu den Klägern um Entschädigungen, die vom höchsten griechischen Gericht Aeropag und auch von italienischen Gerichten anerkannt wurden, nicht jedoch von deutschen Gerichten.
Karl-Ludwig Büttel
3.855
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 02.03.2015 um 20:37 Uhr
Aber die Massen wurden für die Zwecke der Kommunisten missbraucht. Es ging denen nur um die Erlangung der Macht. Was die Kommunisten angerichtet haben in Russland steht in den Geschichtsbüchern.
Ebenso hat Hitler die Massen geblendet und für seine Zwecke missbraucht.
Aber sie haben Recht wir drehen uns im Kreis oder es ist wie wenn man drei Tage durch den Kreisverkehr fährt.
Bernd Zeun
11.649
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 04.03.2015 um 20:36 Uhr
Da ist ja wieder eine Diskussion aus einem amüsanten volkswirtschaftlichen Scherz am Anfang entstanden, der auf einem Trugschluss beruht, indem er kein Finanzsystem beschreibt, sondern Tauschhandel in einer abgeschlossenen Gemeinschaft, die unter sich Waren und Dienstleistungen tauscht. Solange der Tourist dort nicht eindringt, sondern nur seinen 100 Euro-Schein kreisen lässt, den sich alle einmal ansehen, und dann wieder verschwindet, bleibt alles in Ordnung.

In die Diskussion werde ich mich nicht auch noch einmischen, ich halte es nämlich auch für einen Trugschluss, die "Massen" zur Solidarität mit Griechenland zu bewegen. Wie Herr Schäfer schrieb, beim Geld hört die Freundschaft auf. Klar gibt es Solidaritätsaktionen, aber ich sehe es wie Herr Wirth, das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Solidarität gibt es erst, wenn es allen gleich schlecht geht. Solange man noch seine Bundesliga hat und den Krimi im Fernsehen, interessieren doch die Griechen nicht. Die französische Revolution fand auch erst mal nur in Frankreich statt und als die Russen ihren Zar verjagt bzw. umgebracht haben, hat ihnen das Resteuropa auch nicht dabei geholfen. War jetzt alles ein bisschen knapp, aber das Wesentliche wurde ja schon gesagt.
Kurt Wirth
3.091
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 04.03.2015 um 22:50 Uhr
Mal abgesehen von "Tauschhandel", Herr Zeun, haben wir in dem Dorf schon vor Eintreffen des Touristen rein kaufmännisch gesehen die Situation, daß nicht nur Verbindlichkeiten, sprich Schulden, bestehen, sondern in gleichem Umfang auch Forderungen. So betrachtet haben wir die "schwarze Null" im Dorf schon von Anfang an, und das Geschichtchen ist eine "optische Täuschung".

Was nun die gesellschaftlichen Umbrüche betrifft: die Betonung liegt da auf "erst mal": Mit der französischen Revolution korrespondierte der Aufstieg der USA, mit der Verjagung des Zaren ging die Absetzung aller möglicher Monarchen zum und nach dem Ende des ersten Weltkrieges einher (Wilhelm zwo, Ludwig drei von Bayern, Kaiser Karl von Österreich). Es brach zwar nicht die von Marxisten erwartete länderübergreifende sozialistische Revolution aus, aber immerhin eine "demokratische". Und um das noch nachzutragen: In meinen Augen war die Oktoberrevolution - gemessen an der Gesamtbevölkerung Russlands und der angegliederten Völkerschaften - eigentlich auch "nur" das Werk einer aktiven Minderheit in den wenigen industriellen Ballungsräumen, wenn nicht sogar nur in St.Petersburg. Also einer relativen "Masse". Jedoch waren bis dahin stets nur aktive Minderheiten in geschichtlichen Umbrüchen maßgebend.
Bernd Zeun
11.649
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 05.03.2015 um 01:17 Uhr
Da könnte man jetzt doch weiter diskutieren. Zum ersten Teil haben Sie natürlich recht, dass Forderungen und Verbindlichkeiten, egal ob Waren oder Dienstleistung, sich ausgleichen müssen. Ich wollte nur auf die Scheinbedeutung der 100 Euro des Touristen hinweisen. (Übrigens hasse ich Ausdrücke wie "schwarze Null" oder "robustes Mandat", das ist dummes Politikergeschwätz. Geht nicht gegen Sie, Sie haben ja nur zitiert.)

Zum zweiten Teil, meine ich, dass es eher umgekehrt ist, dass die USA bzw. die englischen Kolonien der französischen Revolution voraus waren. Die Bosten Tea Party, die ja als der Beginn der USA und der Loslösung von der englischen Krone gilt, war 16 Jahre vor der französischen Revolution. Und ob in den USA die Wiege der modernen Demokratie liegt, kommt auch darauf an, von welcher Seite man es betrachtet. Die indianische und die schwarze Bevölkerung dürften da eine andere Sichtweise haben, als die weiße. Ich will das aber nicht vertiefen, ich hoffe nur, dass man für Griechenland eine Lösung findet, die keine solchen Zeiträume braucht, wie die Entwicklungen in den vorgenannten geschichtlichen Prozessen.
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