Bürgerreporter berichten aus: Gießen | Überall | Ort wählen...

Anti-Tabak-App schockt Schüler: JLU-Student entwickelt neue Form der Aufklärung

Medizinstudent Titus Brinker zeigt sich hier als Testperson in seiner eigenen „Smokerface“-App.
Medizinstudent Titus Brinker zeigt sich hier als Testperson in seiner eigenen „Smokerface“-App.
Gießen | Ein Medizinstudent der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) bringt seit einigen Jahren neuen Schwung in die Anti-Tabak-Kampagnen an Schulen. Dank der 2012 von Titus Brinker gestarteten und preisgekrönten Initiative „Aufklärung gegen Tabak e.V.“ klären heute über 700 Medizinstudierende von 26 deutschen, drei österreichischen und einer Schweizer Universität pro Jahr 16 000 Schüler der 6. bis 8. Klassen über das Rauchen auf. Jetzt hat Titus Brinker nachgelegt: Mit seiner neuen „Smokerface“-App zeigt er den Jugendlichen, welche Folgen das Rauchen für ihr Äußeres hätte – Falten, fahle Haut und gelbe Zähne inklusive. „Die Beschriftungen auf den Zigarettenpackungen sollen zwar schockieren, bleiben als Gefahr aber abstrakt und machen das Rauchen vielleicht erst recht reizvoll“, sagt Titus Brinker, der an der JLU im 9. Semester Medizin studiert. „Dagegen hat der Blick in die eigene Zukunft eine viel direktere Wirkung.“ Brinker hat in den letzten Jahren bereits viel Erfahrung mit Anti-Tabak-Aufklärung an Schulen gesammelt.
Dank seiner Initiative werden bereits an sechs Standorten, darunter an der JLU, Wahlpflichtfächer oder freiwillige Veranstaltungen von universitärer Seite unterstützt. Darin geht es vor allem um die Tabakentwöhnung am Patienten. Hierfür initiierte Brinker die Zusammenarbeit mit dem Tabakentwöhnungsexperten PD Dr. Tobias Raupach MME (Kardiologe und Oberarzt, Universitätsmedizin Göttingen).
„Unser Ziel ist es, die medizinische Lehre in Deutschland langfristig so zu verändern, dass dieses aktuell noch stark präsente Ausbildungsdefizit vollständig behoben wird“, sagt Titus Brinker. „Wir sind auf gutem Weg, bis Ende 2015 an
allen 36 medizinischen Fakultäten vertreten zu sein und damit
etwa 40 000 Schüler pro Jahr erreichen zu können.“
Wichtig ist dabei die interaktive Aufklärung auf Augenhöhe,
damit die jungen Menschen auf der Grundlage von altersgerechten Informationen eine eigene Entscheidung treffen können. Das Besondere: Studierende lernen durch praktische Anwendung im Klassenraum, komplexe medizinische Inhalte in für Schüler verständliche Worte zu bringen. Gleichzeitig sind die Studierenden den Jugendlichen schon aufgrund ihres Alters näher als Ärzte oder Lehrer und wirken deshalb glaubwürdiger. Ein ausgewählter wissenschaftlicher Beirat evaluiert die Initiative, die vom Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL) und der Deutschen Herzstiftung unterstützt wird, und sorgt unter anderem für den Einbezug der Erkenntnisse aus der Aufklärungsarbeit in Forschung und Lehre. Der Leiter des DZL und renommierte JLU-Lungenforscher Prof. Dr. Werner Seeger ist einer der wichtigsten Unterstützer des Studenten Brinker. Prof. Seeger hält die Aufklärung gerade der jüngsten potenziellen Raucher für sehr wichtig. „Die Gefahren des Rauchens – Herz-Kreislauferkrankungen, erhöhte
Sterblichkeit, Lungenkrebs – entstehen schon in diesen frühen Jahren“, betont Prof. Seeger.

Die „Smokerface“-App können Smartphone-Nutzer im Android Play Store oder im App Store von Apple kostenlos runterladen.

Dies könnte Sie zum Thema auch interessieren

Zum Charakter der „Hygienedemos“
Nach Wochen der Einschränkungen werden immer mehr Regeln gelockert,...
Gesundheit statt Profite
Anlässlich der Übernahme der Rhön AG, und damit auch des...
Covid-19 - das Virus wird bleiben
Neue Erkenntnisse seriöser Wissenschaftler zu Covid-19 sind weiterhin...
Theodor-Litt-Schule Gießen wird zur „Bike-School“
Nach dem Laufen ist das Fahrrad für die meisten Jugendlichen der...
Theodor-Litt-Schule: Theo radelt wieder...
Im letzten Jahr haben wir die Aktion 'Theo radelt für Klima und...
Helauuuu!!! Auch zu hause kann man viel Spaß haben :-) Lachen und positives Denken ist die beste Medizin! Also los geht's!!!
Antrag auf Pflegeleistungen - Pflegegrad auch bei Demenz
Mit dem Älterwerden können viele Fragen auftauchen. Wer kümmert sich...

Kommentare zum Beitrag

Marcus Link
506
Marcus Link aus Gießen schrieb am 20.02.2015 um 12:23 Uhr
Das ist eine gute Idee! Was mich erschreckt, ist dass anscheinend das äußere Erscheinungsbild mehr schockt als die gesundheitliche Konsequenzen die dahinter stehen. Aber OK ist irgendwie klar: Das Bild macht die Konsequenzen greifbar.

Daumen hoch!
Florian Schmidt
4.968
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 20.02.2015 um 13:10 Uhr
Zum Glück kann man das ja auch auf der Packung aussuchen. Wenn man keine Kinder will nimmt man eben die Kippen die Impotent machen aber wenigstens keinen Krebs fördern oder die Haut altern lassen.
Christoph Schäfer
806
Christoph Schäfer aus Gießen schrieb am 20.02.2015 um 14:53 Uhr
Die Tatsache, dass die Warnaufdrucke auf den Packungen keine Wirkung haben, erschließt sich schon daraus, dass diese auf den Werbeplakaten der Tabakhersteller, welche leider immer noch erlaubt sind, fett mit abgedruckt werden.
Allerdings könnte man bei anderen Produkten, etwa Alkoholika oder Medikamente, genauso vorgehen. Die Tabakindustrie wird mir, warum auch immer, hierbei zu singulär ins Visier genommen. Eine abgebildete Säufernase oder Leberzirrhose könnte sicher auch erheblich Wirkung zeigen.
Oder drastische Unfallbilder für die Produkte der Fahrzeugindustrie etc etc.
Karl-Ludwig Büttel
3.882
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 20.02.2015 um 14:55 Uhr
Ein Raucher wird sich ganz bestimmt die App herunterladen.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) aus Stadt und Land

von:  aus Stadt und Land

offline
Interessensgebiet: Gießen
26.853
Nachricht senden
Aktuellste Beiträge des Autors:
Brennholzverkaufstag der Gemeinde Reiskirchen am 24. Oktober
Im Bereich der Autobahn A5 nördlich der ehemaligen Kreismülldeponie...
Landrätin Anita Schneider und der Leiter Servicezentrum der DAK Gießen Manuel Höres.
Aktion „bunt statt blau“ 2020 in Gießen verlängert: Neuer Einsendeschluss für DAK-Plakatwettbewerb
Die DAK-Kampagne „bunt statt blau – Kunst gegen Komasaufen“ reagiert...

Weitere Beiträge aus der Region

Online-Seminar für Frauen: Mein gelungenes Vorstellungsgespräch
Eine Einladung zum Vorstellungsgespräch ist häufig mit Freude und...
Frühling gemalt
Frühling und Herbst Bilder
Bis zu den ersten Ackerfurchen hat es noch Zeit und den Herbst haben...
Vormittag um die 10 Uhr
Ein Unterschied von 7 Stunden
Dazwischen wechselnde Wolkenstimmungen, Sonnenschein, auch etwas...

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.