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Zwischen Koma und Komma: Auf dem kalten Fuß erwischt - Von gedopten Werkssirenen und zweigleisigen Schwertern

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Gießen | Gottes Tierpark ist groß. Da galoppieren viele intellektuelle Grenzfälle durchs Revier und hetzen über den Parcours des prallen, drallen Lebens. Man findet sie überall, aber nirgends ist ihre Bandbreite so groß wie im Internet. Und da vor allem in den einschlägigen Onlineforen, Chats und virtuellen Laber-Ecken, die entweder dem Kennenlernen, der Brautschau, der Selbstdarstellung, der Selbstfindung oder auch der zerknirschenden Selbstreflexion dienen.
Meist müssen sich die Nutzer da anmelden. Sie tun das mit ihrem realen, meist aber auch mit einem der Phantasie entsprungenen Namen. Zu ersterer Kategorie sollen allen Ernstes bzw. allen Kurts ein Kain aus Beuter oder eine Dame namens Sindy Kaat gehören. Auch von Lutz Ifer, Ben Ebelt, Tom Bola, Ernst Haft, G. Schlecht und Roy Bär war da schon an anderer Stelle zu lesen. Peter Silie, Peer Fekt und Anna Log tummeln sich hier ebenfalls. (Was für ein) „Horst“ passt eigentlich auch immer, wenngleich der sich zwischen all den Terminators, Egoshooters und Casanova-Joes etwas bieder vorkommen mag. Davon abgesehen: Diese Anne Theke würde ich schon gerne mal persönlich kennen lernen.
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Ein Profil mit Foto ermöglicht die visuelle Vertiefung. Dahinein gehören dann Aussagen über charakterliche Vorzüge, Stärken und Vorlieben, vermeintliche wie tatsächliche. Motto: Leute ohne Macke sind Kacke! „Und dabei wird natürlich meist gelogen, dass der Monitor raucht“, schreibt die Diplom-Linguistin Moni Tor in ihrem Essay „Das sprachliche Nivo in Deutschland sinkt weiter“. Nivo werde aber mit zwei „O“ geschrieben, also „Nivoo“, musste sie sich prompt belehren lassen…

Zwischen Koma und Komma

Aber in den Foren finden sich auch Selbsteinschätzungen, die ob ihrer skurrilen, und unfreiwilligen Komik gar nicht erfunden oder gefaked sein können. Hauptsache es kommt von Herzen! Vergessen wir einfach mal Grammatik, Orthographie und Interpunktion. Und unterstellen wir mal, dass ein Komma (nicht Koma, das ist wieder was anderes) leidglich ein Baustein zum Generieren eines Smileys ist.
Da war dieser völlig kahlköpfige 85 Kilomann aus der Steiermark - Sternzeichen: (wie ein wilder) Stier- der seine Haarfarbe keck mit blond umschrieb. Nennen wir ihn Rainer Zufall: „Bin auf der Suche. Kann sehr gut komplemente machen, wenn ich mit einer fortgeh und die die hob i gern dann bin ich wie ein bodyguard“. Whow, da
Kauf Dich einen Duden. Hat mich auch gehelft und nur drei Gelt gekostet.
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weiß sich das schwache Geschlecht doch in guten Händen und gut behütet. Ein Mädel, Clair Grube, hat auch prompt geantwortet und verschärftes Interesse an einem Blind-Date bekundet. Die Duden-Redaktion soll unbestätigten Gerüchten zufolge aber inzwischen Strafanzeige wegen grammatikalischer Sachbeschädigung und vorsätzlicher Vergewaltigung der deutschen Sprache gegen ihn erstattet haben.
Sei’s drum, dass er einst zu Grundschulzeiten die Einschulung aus Gewissensgründen verweigert hat, soziale Kompetenz versprüht Justin Time, dem die folgenden Zeilen zu verdanken sind, allemal. Der Mann aus dem Vogelsbergkreis schrieb wörtlich: „Ich interessiere mich für Ich mich für Erste Hilfe die Rettung und Gesundheit und Sozialdienste von Der Rettung und Helfe gerne Behinderten Menschen die was im Rollstuhl oder was mit einem reden möchten höre denen gerne zu was sie zum erzählen haben und bi nPolizisten helfer auch!“
Hallo?? Apropos Erste Hilfe: Die benötigt der Bursche selbst wohl am dringlichsten. Wenn der im realen Leben genau so redet wie er schreibt, explodiert beim Rollstuhlfahrer, dem er eine Unterhaltung aufdrängt, garantiert die Zylinderkopfdichtung. Und außerdem: So viel kosten Satzzeichen doch auch wieder nicht. Die gibt’s sogar meistens umsonst! Das hat sich aber noch nicht überall herumgesprochen. Auch Klaus Trophobie, der sich als Fußballfan outende Autor des nachfolgenden Forumsbeitrags, geht da noch ziemlich sparsam damit um:

Wer könnte da widerstehen?
Wer könnte da widerstehen?
Dann lieber ein Vollwachmittel oder ein Lachfilet

„Rapid Wien is meine stadt mein verein meine liebe meines lebens den club für den ich alles gebe ich fahre über all hin für unser schönes wien die ost ist immer voll wenn wir zu hause spielen und die west ist immer bei jeden auswerts match voll besetzt und auch zu hause immer ausverkauf das abo rapid wien alleee alllllleeee schaalllllaaaallaalla schallllaaalaaallllaaaaaaaa olleeee ollleee ollllaaaaaa Schalke04 hat mir mein herz erobert rapid wien den 2vereinen und sonst nimmanden mehr da im chat werde ich nur mehr gute freunde gute freundin finden wollen so zum reden oder wenn ich sie malbrauche zum umarmen wenn ich gerade wo binund ned weis wie ich mir selber helfen kann gehe ich einfach dort hin wo sie gerade sind und frag um hilfe Liebe meine besten freunde auch sehrjetzt die zu mir stehen in schwieige zeiten“. Ende des Zitats! Kommentar überflüssig. Hätte es mir die Sprache verschlagen, mir würden die Worte fehlen. Diesem Klaus hätte auch das „Vollwachmittel“, das
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es unlängst bei Edeka gab, nicht geholfen, selbst wenn er nicht zu heiß darin gebadet, sondern es oral konsumiert hätte. Dann schon eher das „Lachfilet“ aus Norwegen aus der ALDI-Werbung. Wenngleich: Selbiges kann einem schon hier und da mal im Auge stecken bleiben.
Ja, und wenn man nicht mehr weiter weiß, dann bildet man ‚n Arbeitskreis! Oder sucht Rat in einem Hilfeforum, wie es sie zu den unterschiedlichsten Themen zu Tausenden gibt. So beispielsweise auch für die Bildbearbeitung mit Photoshop. Welche Studienfächer der Fragesteller aktuell auf der Uni belegt hat, darüber kann man nur mutmaßen. Deutsch und Mathe aber mit Sicherheit nicht. Vielleicht hatte er aber auch zuvor ganz einfach zu viel von seinem eigenen, auf einen Migrationshintergrund hindeutenden Namen geraucht: Kaan Abis.
„Guten Abend alle zusammen, ich hoffe hier im Forum ein paar nützliche Tipps zubekommen. Ich bin leider ziemlicher Leihe was Vektorgrafiken angeht. Jedoch benötige ich für die Uni eine kleine aber genaue Grafik von einer runden Ecke dessen Radius mich leider nicht erkennbar ist. Es wird sich hier wahrscheinlich um eine Ellipse handeln. Bin schon ein wenig am Verzweifeln...“
Das sind wir auch! Die haben’s auf der Universität auch nicht leicht. Vielleicht sollte man diesem Leihen ja mal einen Duden leihen. Gibt’s aber bei Booklooker auch gebraucht recht günstig. Hat mich ebenfalls gehelft und nur drei Gelt gekostet. Ich habe Kaan vorgeschlagen, uns zusammen zu tun und gemeinsam zu suchen: ich nach dem weißen Einhorn mit den Sommersprossen, er nach seiner vektorbasierten, halbrunden Ellipsen-Ecke. In der Schule hieß es ja immer, eine Ecke würde normalerweise über einen eingeschlossenen Winkel der beiden begrenzenden Linien definiert und könne deshalb nie rund sein, aber wer weiß?

Die nymphomane Jagdhündin ist zwangsläufig

Dagegen nimmt sich die „dröhnende Werkssirene“, von der ein Siegerländer Schriftgelehrter in einem Facebook-Kommentar schrieb, noch vergleichsweise harmlos aus. Dröhnung? Alles klar. Guter Stoff! Würde mich nicht wundern, wenn bei dem Herrn auch die Bimmeln Glöcknern und die Glocken pfeifen würden. Das haut dem Fass glatt den Nagel auf den Kopf. Der Börsen-orientierte Nebenerwerbs-Wilddieb, der in einer Nudelfabrik arbeitet und dort im Akkord Löcher in die Makkaroni bohrt, sieht auf älteren Fotos immer viel jünger aus. Er ist meistens damit beschäftigt, das eigene Schnäppchen ins Trockene zu bringen und hatte die Flinte natürlich gleich gerochen. Denn: Er ist ja nicht dumm, hat halt nur etwas Pech beim Nachdenken. Im Leben geht halt so mancher Schuss den Bach hinunter! Sein Motto: Was lacostet die Welt? Geld spielt keine Rolex!
Der Mann gilt als Erfinder des zweigleisigen Schwertes und beschwert sich ständig über gastronomische Preise in seiner Stammkneipe „Zum Hinterhalt“. Neulich hat der Arzt bei ihm eine erektile synaptische Dysfunktion diagnostiziert. Ob das wohl ansteckend ist? Die Frage, ob Einzelgänger auch alleinstehend sein können, erübrigt sich in diesem Fall. Der Knabe ist zwar nicht verheiratet, führt aber eine lebensähnliche Gemeinschaft mit seiner nymphomanen Blinden-Jagdhündin „Erna“. Die ist zwangsläufig und aus dem gleichen Pulver geschnitzt wie er.

Wir ziehen alle an einem Boot!

Der neue Kamelhaarmantel steht ihm übrigens wie angewachsen. Und er wird nicht müde, allen, die es hören wollen oder vielleicht, sein Credo unter die Nase zu stülpen: „Wir müssen alle an einem Boot ziehen!“ Mit dieser Forderung rennt der Bursche aber nicht nur bei mir keine offenen Ohren ein, sondern beißt auch bei anderen auf Kredit. Auch hierbei gilt: Wie man sich bettet, so schallt es heraus! Doch Schwamm beiseite: Auf diesem schmalen Spagat balancierend kommt dieser schräge Typ nie auf einen gemeinsamen Zweig. Da muss er halt schon mal über seinen eigenen inneren Schweinehund springen, um jemand auf dem kalten Fuß erwischen zu können. Aber ich werde dem Mann deshalb keine Steine in den Wald legen und ihm stattdessen reinen Tisch einschenken.
Und immer dran denken: Die Dunkelheit ist echt. Das Licht aber scheint nur so!

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von:  Jürgen Heimann

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Jürgen Heimann
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