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Zwischen Schauspiel und wichtigen Botschaften - Herderschülern meistern Balance-Akt zwischen philosophischer Nachricht und unterhaltsamen Schauspiel

Der DS-Kurs zeigt, dass jeder von uns zum "Wolf" werden kann
Der DS-Kurs zeigt, dass jeder von uns zum "Wolf" werden kann
Gießen | Wer am Freitag Abend den Weg in die Herderschule fand, wurde in knapp einer Stunde von einem von den Schülern selbst geschriebenen Stück eingefangen, das einen auch lange nach dem Schlussapplaus noch nicht loszulassen vermochte. „Homo Homini Lupus – Der Mensch ist dem Mensch ein Wolf“, lautete der Titel des Stückes, der schon erahnen ließ, dass die geneigten Zuschauer wohl mehr erwartete als ein seichtes Stück, um gemächlich ins Wochenende starten zu lassen. Unter Leitung ihres Lehrers für Darstellendes Spiel (DS) Herrn Philippe Mund hatten sich die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler die Thematik und auch das Stück selbst komplett über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren eigenständig erarbeitet und man konnte jedem einzelnen anmerken, wie sehr er doch hinter dem Werk stand und sich voll einbrachte.

Eine Klasse Schüler, Manche das eine oder andere Klischee bedienend, ist eher alles andere als motiviert den Weg zur Abschlussfahrt zum Campen an den Edersee anzutreten, während andere fremde Kulturen und Länder erkunden können. Doch soweit kommt es erst gar nicht, als sich die Klasse plötzlich in den Räumen der Schule eingesperrt vorfindet. Den ersten Schreck überwindend, wird die Nacht durchgefeiert, doch bereits am nächsten Morgen entflammt der erste Streit. Zu unterschiedlich sind die anderen Schüler, zu unerwartet die Situation der Gefangenschaft, so dass die Lage zu eskalieren droht, als erste Beschuldigungen über Diebstähle aufkommen. Doch als die Not am größten scheint, macht Finn(Robert Schmidt) den Vorschlag das gesamte Essen doch einzusammeln und gerecht zu verteilen. Gestützt von seinen drei guten Freunden wird auch darüber abgestimmt und ihm, Finn, die Verantwortung zu überlassen, die dieser zunächst scheinbar nur ungern annimmt. Erst einmal gewählt etabliert auch noch ein verpflichtendes Erkennungszeichen aus einem Pfeifen und einem Handzeichen, das an „Die Welle“ zu erinnern vermag.

Die Clique um Finn kümmert sich also um die Essensausgabe und teilt Aufgaben ein, sieht sich jedoch selbst der Versuchung gegenüber sich nicht zu bereichern. Als der Hunger jedoch zu groß wird, bereichern sie sich selbst und so beginnt der Anfang vom Untergang. Jeglicher Widerstand gegen das System wird unterdrückt und die Methoden der Clique werden immer härter. Währenddessen nimmt die Verzweiflung in gleichem Maße zu, wie die Nahrungsvorräte
Die Clique unter der Leitung von Finn(im grauen Hemd) vor der Versuchung sich selbst zu bereichern
Die Clique unter der Leitung von Finn(im grauen Hemd) vor der Versuchung sich selbst zu bereichern
abnehmen und nur der Glaube, dass es ohne die Clique noch schlimmer wäre unterdrückt den Widerstand. Als ein Mädchen von dieser Bereicherung der Clique Wind bekommt und droht das Ganze zu verraten, bringt die Clique sie um und schürt in der Öffentlichkeit weiter Unsicherheit und versucht die Mitschüler gegeneinander auszuspielen. Nachdem die Willkür schließlich immer größer geworden ist, regt sich Widerstand, der dazu führt, dass die Clique sich nun auch mit gegen ihren einstigen Anführer wendet und selbst die nun wieder offene Tür ihres Schulgefängnis den wütenden Mob nicht besänftigen kann.

Das Stück erzählt die Geschichte aus zwei unterschiedlichen Perspektiven, die wahrscheinlich zu unterschiedlichen Zeitpunkten spielen. Auf der einen Seite läuft das bereits geschilderte Geschehen innerhalb der Klasse ab und auf der anderen Seite verhört ein mysteriöser Ermittler(Robert Martin) die Schüler anfangs freundlich, später verzweifelt und wütend, bis ihn schließlich selbst der Wahn packt. Ob diese Ermittlungen wirklich dazu dienen sollen, die Schuldfrage zu klären sie nur einen Einblick in die Gedankenwelt der Protagonisten liefern sollen oder es sich bloß um einen surrealen Traum handelt, der gewisse brennende Fragen aufwirft, wird bewusst im Dunklen gelassen.

Der mysteriöse Ermittler(im Vordergrund) bei der Suche nach den Schuldigen
Der mysteriöse Ermittler(im Vordergrund) bei der Suche nach den Schuldigen
Gerade diese Meta-Ebene ist es, die einen unglaublichen Charme des Theaterstücks ausmacht.Dieses ist vermutlich inhaltlich von großen Werken und Themen wie „Die Welle“, „Das Experiment“, „Herr der Fliegen“ inspiriert. Natürlich ist auch der Stücktitel und der Inhalt eine Anspielung auf den Philosophen Thomas Hobbes.
Wenn der mysteriöse Ermittler die rhetorische Frage aufwirft: „Sind es vielleicht manchmal gerade die, die Gutes im Sinne haben, die das Böse vollbringen?“, kommt man ähnlich ins reflektieren wie auch an der Stelle als eine Schülerin(Paula Schoch) im Gedenken an ihre verstorbene Mitschülerin über die vertane Möglichkeit resümiert seine Mitmenschen wirklich kennenzulernen. Im surrealen Traum zwischen den Szenen tragen immer mehr der Schüler Wolfsmasken und so wirft der Ermittler abschließend die Frage in den Raum, ob die Mitläuferschaft uns nicht auch schon zu Tätern macht.

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Die Mitschüler(im Vordergrund) unterwerfen sich vollständig der Clique(im Hintergrund)
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