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merci - Nein, danke!

Non merci, Storck !
Non merci, Storck !
Gießen | Wie die meisten wissen, hat die Süßwarenfirma Storck Mitte der Sechzigerjahre die Buchstabenkombination “merci” erfunden und damit einige ihrer Schokoladeprodukte benannt. Das Wort hat einen solchen Zauber, dass es seitdem sogar Eingang in die französische Sprache gefunden hat und von den Franzosen benutzt wird, wenn sie ihre Dankbarkeit ausdrücken wollen, was ihnen vorher gar nicht möglich war.

Das freute die Firma Storck allerdings überhaupt nicht und ehe ihre geniale Wortschöpfung womöglich auch noch in andere Sprachen eindringt, ließ sie diese als Marke eintragen und schützen. Nun sind aber einige Kenner der französischen Sprache - und die gibt es auch außerhalb Frankreichs und sogar in Deutschland – auf die Idee gekommen, dieses schöne Wort “merci” ebenfalls zu benutzen. Offensichtlich in Unkenntnis der Schöpfungsgeschichte dieses inzwischen zum Allerweltswort gewordenen Begriffs, wurde er auf der ganzen Welt in den Namen von Cafés, Restaurants und Bistros integriert.

Das freute die Firma Storck erst recht nicht, könnte man doch leicht ein Café oder Restaurant mit ein paar Schokoladeriegeln verwechseln und Jemand, der noch schnell ein last-minute-Geschenk zum Valentins-, Mutter- oder Geburtstag braucht, kauft statt ein paar Schokostäbchen gleich ein ganzes Café.

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Prozess (13)merci (1)Markenschutzrecht (1)Markenschutz (1)Café (36)
Also: Es muss prozessiert werden. Bloß gegen wen? Man muss nur mal die Suchmaschine anwerfen und findet allein in Deutschland in Bremerhaven, Bad Soden, Dessau, Gera, Görlitz, Hamburg, Hartberg Cafés und Restaurants die sich Merci nennen, weitere gibt es in Paris (gleich drei), in Dänemark in Kopenhagen, in Schweden in Stockholm, in Spanien in Valencia, in den USA in Kalifornien, Arizona und New York, ja sogar in Tripolis in Libyen und in Erbil im Irak. Dass man dort nicht mit dem Prozessieren beginnen wollte, kann man irgendwie verstehen, aber warum man sich dafür ausgerechnet den Familienbetrieb "Café Merci" in Bad Soden im Taunus ausgesucht hat, erklärt Storck auf seiner facebook-Seite mit Befürchtungen, dass die vier Filialen des Familienunternehmens sich "in zehn oder mehr Jahren" zur Kette entwickeln könnten. Als ob die Leute dann nicht mehr zwischen Industrieschokolade und handgemachten Konditorwaren zu unterscheiden wüßten.

Das seit 2011 laufende Gerichtsverfahren ging auch in den ersten beiden Instanzen so aus, wie es die meisten Nichtjuristen
Das Café - Eine Verwechslungsgefahr mit Storck Schokoriegeln? Unsinn.
Das Café - Eine Verwechslungsgefahr mit Storck Schokoriegeln? Unsinn.
erwarten würden, nämlich, dass zu Unrecht geklagt wurde. Da aber Geld für das Millionenunternehmen Storck keine Rolle spielt, ging man vor dem Oberlandesgericht in Revision, das einen Vergleich vorschlug. Ein Vergleich, der aber sehr zu Ungunsten der Cafébetreiberin ausfällt, auf den sie sich jedoch einließ, da ein weiteres Prozessieren eingedenk der Juristenweisheit, vor Gericht und auf hoher See ist man nur in Gottes Hand, für sie auch den finanziellen Ruin bedeuten könnte. Das Wort “merci” darf danach ab 2016 in keinem Zusammenhang mit ihrem Unternehmen mehr auftauchen, d. h. nicht nur der Schriftzug an den Gebäuden, sondern auch Speisekarten, Briefköpfe, Firmeneintragungen etc. müssen geändert werden, was laut der Betreiberin insgesamt Kosten von über 200.000 € verursachen dürfte.

Auf facebook heuchelt Storck jedoch Bedauern, dass von Seiten der Betreiberin keine Gesprächsbereitschaft signalisiert worden sei, dabei wurde doch von Storck der Vorschlag, den Namen des Café Merci mit dem Zusatz “im Taunus” zu benutzen abgelehnt. Entsprechend entwickelten sich auch die Kommentare auf facebook zum shitstorm für Storck. Zu recht, wie ich finde, zum Verhalten von Storck kann man nicht merci sagen, das war auf gut französisch einfach merde.

Auf Produkte aus dem Hause Storck werde ich wie wohl viele andere künftig verzichten. Falls ich noch mal meinen Dank jemandem mit merci-Schokolade ausdrücken möchte, dann nur mit dieser original französischen:
http://www.jadisetgourmande.fr/jadis_images/produits/mot-decale_merci_copie.jpg

Wer mehr darüber lesen will, kann das auf den folgenden Seiten tun
http://www.kreisblatt.de/lokales/main-taunus-kreis/Viel-Sympathie-fuers-Cafe-Merci/art676,1235306

http://www.facebook.com/merci/posts/10153027766264244

Non merci, Storck !
Non merci, Storck ! 
Das Café - Eine Verwechslungsgefahr mit Storck Schokoriegeln? Unsinn. 5
Das Café - Eine... 

Kommentare zum Beitrag

H. Peter Herold
29.369
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 07.02.2015 um 21:21 Uhr
Habe gerade eine Schachtel bekommen. Die werde ich aber trotzdem essen, denn bezahlt habe ich sie ja nicht;-)

Frage Bernd. Ich nehme an Fa. Storck hat sich schon vor Jahren den Namen schützen lassen. Erfunden ist ja nicht gleich geschützt. Müssten doch die Franzosen gegen den Missbrauch ihres Wortes klagen;-)

Ich bevorzuge eh Produkte von Lind. Ich nehme an die kommen nicht von Storck
Sabine Manuela Kuhl
242
Sabine Manuela Kuhl aus Gießen schrieb am 07.02.2015 um 21:27 Uhr
Einen ähnlichen Tanz gab es um den "Goldbären" zwischen Haribo & Lindt :-)
H. Peter Herold
29.369
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 07.02.2015 um 21:35 Uhr
Nachdem ich mir da mal eine Plombe gezogen hatte, sind die auch passé
Bernd Zeun
11.777
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 07.02.2015 um 22:09 Uhr
Bei den Goldbären kann ich es noch halbwegs verstehen, immerhin ist das eine Wortschöpfung gewesen, die es noch nicht gab, auch wenn die Produkte nicht zu verwechseln waren. Aber es ist mir unverständlich, wie das Patent- und Markenamt ein Wort, das lediglich einem Wörterbuch entnommen wurde, unter Markenschutz stellen kann. Designschutz für die Art der Schriftwahl und das Herz als i-Punkt wäre mir verständlich, der wäre auch nicht durch den Schriftzug des Cafés verletzt. Aber Markenschutz finde ich nur absurd, den dürfte es nur in Verbindung mit einem Zusatz geben wie "merci von Storck" oder "merci-Schokolade".
Ingrid Wittich
21.011
Ingrid Wittich aus Mücke schrieb am 07.02.2015 um 22:15 Uhr
Ich habe von dieser Sache im Radio gehört. Ich finde die Aktion von Storck absolut unmöglich und ungerechtfertigt. Ich habe immer recht gerne deren Produkte insbesondere "merci" gegessen, werde sie aber sicher in Zukunft nicht mehr kaufen. Es gibt genug andere Marken.
Bernd Zeun
11.777
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 07.02.2015 um 22:23 Uhr
Bei dem Goldbärenstreit haben sich mit Haribo und Lindt immerhin gleichwertige Gegner gebalgt, aber in diesem Fall drischt Goliath auf David ein. Da die Geschichte aber in den sozialen Medien ziemlich die Runde macht, könnte das die Schleuder Davids werden. Am Ruf von Storck hat es jedenfalls gekratzt. Jetzt müsste nur noch das Ausland drauf anspringen.
Birgit Hofmann-Scharf
10.363
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 07.02.2015 um 22:34 Uhr
Danke Bernd, interessant !

Frau Back, mit Ihrem Kom haben Sie kurz und sachlich alles Wesentliche gesagt.
Nicole Freeman
11.057
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 08.02.2015 um 09:55 Uhr
Was eine Schweinerei. Ich hoffe Stork bekommt jetzt eins auf die ruebe. Eines der Franzoesischen Cafes ist bestimmt aelter als die MARKE von Stork. Das wird dann Teuer ;-) Und vielleicht bekommt ein Famiklienunternehmen dann eine Saftige Starthilfe fuer mehr Filialen. Auch wenn es der Beklagten nicht viel bringen mag. Ich werde in Zukunft auch auf die Stork Riesen verzichten. Ist auch nur ein Wort aus dem Woerterbuch.
Michael Beltz
7.779
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 08.02.2015 um 11:57 Uhr
In China verkauft Stork sein Produkt mit dem Namen MeLzI.
338
Ruth Schewietzek aus Gießen schrieb am 09.02.2015 um 00:40 Uhr
Wenn es schon soweit ist, daß einzelne existierende Worte einen Markennamen bedeuten sollen, dann muß man sich womöglich darauf gefaßt machen, daß man diese Worte entweder nicht mehr benutzen darf oder Konzessionsgebühren bezahlen darf.
Das Ganze ist völlig absurd - und ich hoffe, Storck bekommt die Quittung dafür.
H. Peter Herold
29.369
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 09.02.2015 um 00:55 Uhr
Einfach keine Produkte mehr kaufen
Bernd Zeun
11.777
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 09.02.2015 um 14:41 Uhr
Was gar nicht so einfach ist, sind doch Produkte wie nimm2, Toffifee, Knoppers, Werther`s Original, Campino etc. und auch die ALDI-Marken Choceur, Moser-Roth, Chateau alle von Storck (Wikipedia).

Wie absurd der Streit zwischen Storck und dem kleinen Familienunternehmen ist, sieht man auch daran, dass die Wirtschaftswoche die Familie Oberwelland, die hinter Storck steckt, mit einem geschätzten Vermögen von 1,3 Milliarden € zu den 100 reichsten Familien Deutschlands zählt.
Sabine Manuela Kuhl
242
Sabine Manuela Kuhl aus Gießen schrieb am 09.02.2015 um 15:10 Uhr
Nun ja, der Teufel kackt ja bekanntlich immer auf den größten Haufen :-)!!!
H. Peter Herold
29.369
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 09.02.2015 um 17:40 Uhr
Mir fällt das Verzichten nicht schwer. Ich kaufe nichts dergleichen mehr. Schon seit langem.
Jutta Skroch
13.746
Jutta Skroch aus Buseck schrieb am 18.02.2015 um 16:40 Uhr
Nachdem wohl ein Shitstorm gegen Storck losgebrochen war, hat man sich nun geeinigt, Café Merci darf seinen Namen behalten.
H. Peter Herold
29.369
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 18.02.2015 um 17:22 Uhr
Die Macht aus dem Netz ;-(
Jutta Skroch
13.746
Jutta Skroch aus Buseck schrieb am 18.02.2015 um 18:39 Uhr
Sie ist mittlerweile nicht mehr zu unterschätzen, wenn sie positiv genutzt wird, ok, aber sie birgt auch Gefahren.
Bernd Zeun
11.777
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 18.02.2015 um 21:15 Uhr
Ich vermute mal, die Einigung sieht so aus, dass keine weiteren Filialen under dem Namen eröffnet werden dürfen.
Bernd Zeun
11.777
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 18.02.2015 um 21:53 Uhr
Sowohl Café wie Firma Storck haben die Einigung mit einem Comic auf ihrer Web- bzw. facebook-Seite veröffentlicht, wo sie als Indianer und Bleichgesicht die Friedenspfeife rauchen. In den Kommentaren auf facebook an Storck zeigen sich zwar praktisch alle erfreut über den Ausgang, viele lassen aber auch durchblicken, dass sie nicht an plötzliche Vernunft bei Storck glauben, sondern dass wohl die Angst vor geschäftlichen Nachteilen durch den shitstorm zum Einlenken führte.

http://www.facebook.com/merci/photos/pb.93250644243.-2207520000.1424291847./10153061013099244/?type=1&theater

http://www.cafe-merci.de/

Wer findet den Unterschied in beiden Comics?
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