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Zeugnis für den Lebenswillen in 100 Motiven: Claudia Graf-Wülfing stellt bis Juni in der Landkreis-Galerie aus

Gießen | „Sie haben sich mit dem Pinsel neu erfunden“, sagt Landrätin Anita Schneider, „das ist mit Blick auf Ihre Krankheit eine unglaubliche persönliche Leistung. Sie sind – gerade für Menschen, die mit Schicksalsschlägen umgehen müssen – ein großes Vorbild.“ Die Worte gelten Claudia Graf-Wülfing. 100 ihrer Werke stellt der Landkreis bis Ende Juni in dem Flur der Verwaltungsspitze im ersten Stock von Gebäude F am Riversplatz aus. Das Besondere an der Künstlerin: im April 2007 erlitt die damals 48-jährige Allendorferin einen Hirninfarkt. Seitdem ist sie halbseitig gelähmt und musste das, was zuvor scheinbar selbstverständlich mit rechts funktionierte, mühsam auf links neu erlernen. Fast acht Jahre danach ist die Ausstellung auch ein Zeugnis für den Lebenswillen, den ein Schicksalsschlag freisetzen kann.

„Ich bin in den vergangenen Tagen vor der Vernissage schon mehrmals hier durchgegangen und habe die Bilder auf mich wirken lassen“, berichtet die Landrätin weiter. „Was einen zuerst anspringt, das sind die Farben.“ Intensiv hat sich die in Allendorf/Lumda lebende Künstlerin neben Porträts, Tieren und dem Kontinent Afrika
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Landkreis Gießen (1829)Claudia Graf-Wülfing (1)Ausstellung (310)Anita Schneider (535)
auch mit Fachwerkhäusern im Gießener Land beschäftigt. Neben Landschaften sind es vor allem die Charakterköpfe, die beeindrucken, sei es ein Tiger, Strauß oder das Gemälde mit den zwei Giraffengenerationen – ihr Lieblingsbild in der Ausstellung.

„Sie erfindet sich immer wieder neu, nicht nur künstlerisch“, berichtet Ehemann Mario Wülfing aus dem gemeinsamen Alltag, dem körperlich oft Grenzen gesetzt werden. „Rückschläge hat es in den vergangenen acht Jahren viele gegeben.“ Das Malen helfe aber, auch Phasen tiefer Traurigkeit zu bewältigen. Davon erzählen auch die Bilder, die mal sonnig-ungetrübte, dann wieder melancholische Stimmungen transportieren. Mit den Worten „Es ist einfach was Großes, wenn man 100 Bilder ausstellen darf“ bedankt sich Mario Wülfing für die Möglichkeit, an einem Ort mit täglich viel Publikum wie dem Landkreis Gießen die Werke vorstellen zu können.

Der scheinbar mühelose und spielerische Umgang mit Form und Farbe ist vielmehr ein Ergebnis harter Arbeit. Auf ihrem Weg zurück ins Leben griff Claudia Graf-Wülfing zaghaft zu den Kohlestiften und lernte das Zeichnen neu – diesmal mit links. Später kamen Pinsel und Ölfarben hinzu. Das Spiel mit den Farben begann. Dass Kunsterschaffen immer auch mit Scheitern verbunden ist, diese Gesetzmäßigkeit bekommt sie immer wieder zu spüren. „Ich höre genau an der Art und Weise wie sie mich ruft, ob Claudia mit dem Gemälde zufrieden ist oder nicht“, berichtet Mario Wülfing.

Der Landkreis Gießen am Riversplatz präsentiert die Gemälde von Claudia Graf-Wülfing bis Ende Juni. Die Galerie im ersten Obergeschoss von Gebäude F ist während der allgemeinen Servicezeiten der Kreisverwaltung (Montag bis Donnerstag 8-16 Uhr, Freitag 8-14 Uhr) geöffnet. Die Exponate sind verkäuflich. Der Eintritt ist frei.

 
Die Künstlerin Claudia Graf-Wülfing zusammen mit Landrätin Anita Schneider und Tochter Rike Graf-Knaupp mit den beiden Enkeln Jan und Paula sowie Aduni Djidonou. Bild: Landkreis Gießen
Die Künstlerin Claudia... 

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