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K.O.-Drogen können jeden treffen, aber niemand ist selbst Schuld

Gießen | Gerade in der feucht-fröhlichen Zeit der Faschingskampagne können auch die unschönen Seiten von ausgelassenen Partyfreuden zum Thema werden: K.O.-Tropfen. Kreisfrauenbeauftragte Angelika Kämmler hatte deswegen zu einem Informationsabend eingeladen, bei dem die Thematik aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet wurde. Als Referentinnen waren Antje Suppmann (Jugendkoordinatorin beim Polizeipräsidium Mittelhessen), Dr. Heike Wollersen (Rechtsmedizinisches Institut der Justus-Liebig-Universität Gießen), Dr. Heike Köcker-Korus (Teamchefärztin der Gynäkologie der Asklepios-Klinik Lich) und Waltraud Thomas (Beratungsstelle ‚Gießener Hilfe‘) zur Kreisverwaltung am Riversplatz gekommen.

Unter K.O.-Tropfen versteht man im Allgemeinen bewusstseinsbeeinträchtigende Substanzen, die zumeist verabreicht werden, um ein Opfer handlungsunfähig zu machen. Absicht dahinter sind kriminelle Handlungen, an die sich das Opfer später nicht erinnern kann. Nicht nur junge Frauen sind von solchen Heimtücken betroffen, sondern auch Männer und Personen jeden Alters. Da die Tropfen farb- und geruchlos sind, können sie ohne Probleme heimlich in Speisen oder Getränke gemischt werden. Die bekannteste K.O.-Droge ist Liquid-Ecstasy (GHB), aber auch Alkohol und diverse Narkosemittel und Medikamente zählen dazu, informierte Dr. Heike Wollersen.

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Mit den körperlichen Folgen setzt sich Gynäkologin Dr. Heike Köcker-Korus auseinander. Sie rät jedem Opfer, sich ärztlich untersuchen zu lassen, um mögliche Spuren sichern zu können. Allerdings übernehmen die Krankenkassen die Kosten dafür nur, wenn zuvor Anzeige bei der Polizei erstattet wurde. Sich zu duschen oder die Unterwäsche zu waschen, ist falsch, weil dann nichts mehr festgestellt werden kann.

Scham sei zwar verständlich, aber alle Opfer sollten sich klar machen, dass sie selbst nicht schuld seien, erklärte Waltraud Thomas von der Beratungsstelle ‚Gießener Hilfe‘. Dort finden Frauen, die Opfer von K.O.-Drogen geworden sind, Hilfe. Die Mitarbeiterinnen unterstützen beim Gang zur Polizei und allen weiteren Schritten. Immer gilt: Melden Sie sich sofort! Holen Sie sich Hilfe!

Um sich zu schützen, rät Antje Suppmann: Das Glas nie unbeobachtet stehen lassen und keine Getränke von Fremden annehmen. In Zweifelsfall sollte man mit zur Theke gehen oder auf eine geschlossene Flasche bestehen. Bei einem unguten Gefühl das Glas besser stehen lassen. Wird einem plötzlich übel oder schwindelig, sofort Freunde oder das Personal ansprechen!

Zum Abschluss verteilte Angelika Kämmler Infobroschüren zum Thema, die das Kreisfrauenbüro erstellt hat. Ein Faltblatt nennt die wichtigsten Tipps und hält Adressen und Telefonnummern bereit, wenn es doch trotz aller Vorsicht passiert ist. Sie sagte: „Feiern, Party und Spaß – ohne K.O.-Tropfen im Glas. Ganz wichtig ist, gegenseitig aufeinander zu achten, wenn Sie gemeinsam ausgehen, damit niemand wehr- und hilflos den Tätern ausgeliefert ist. Denn jede Party soll gut enden. Auch für Sie!“

Kommentare zum Beitrag

Torsten Herwig
339
Torsten Herwig aus Langgöns schrieb am 29.01.2015 um 19:15 Uhr
Ich wüsste sehr gerne, auf welches Datenmaterial sich die Damen Suppmann, Wollersen, Köcker-Korus und Thomas beziehen und wäre für entsprechende Links dankbar.

Ich habe auf der Seite des BKA in den Statistiken keine verwertbaren Informationen zu K.O.-Tropfen gefunden. Das Material, welches ich gefunden habe, sagt allerdings eher aus, dass der ganze K.O.-Tropfen-Hype ein Mythos ist.

Ich wüsste z.B. sehr gerne, wie viele wissenschaftlich belegte(!) Fälle von Straftaten in Verbindung mit K.O.-Tropfen es wirklich in den letzten Jahren gab, dazu eine Aufschlüsselung nach Opfergeschlecht und (sofern vorhanden) Tätergeschlecht und der Art der Straftat (sexueller Übergriff, Raub etc.)
Ebenso wüsste ich gerne die Anzahl angezeigter Fälle, bei denen sich bei der Überprüfung herausstellte, dass nicht eine unterstellte heimliche Verabreichung von K.O.-Tropfen sondern schlicht übermäßiger (eigener) Alkoholkonsum mit entsprechender Enthemmung der Grund für eventuelle sexuelle Akte war (Stichwort Falschbeschuldigungen) und wieviele dieser Falschbeschuldigungs-Fälle strafrechtlich verfolgt wurden.

Eine entsprechende Anfrage von mir ans BKA blieb leider bis heute unbeantwortet...
Florian Schmidt
4.969
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 30.01.2015 um 08:35 Uhr
Gamma-Hydroxy-Buttersäure oder kurz GHB ist eine schwer nachweisbare Droge die bereits in geringen Mengen einen Zustand der Willenlosigkeit und sowie zum Verlust des Bewusstseins führen kann. Der Nachweis gestaltet sich wie gesagt schwierig da der Stoff schnell vom Körper abgebaut wird.
Verhältnismässig leicht zu beschaffen gilt das Zeug als Vergewaltigungsdroge und wird gezielt dafür eingesetzt. Was evtl. das Fehlen von Statistiken begünstigt, Herr Herwig sind Aussagen wie "Ebenso wüsste ich gerne die Anzahl angezeigter Fälle, bei denen sich bei der Überprüfung herausstellte, dass nicht eine unterstellte heimliche Verabreichung von K.O.-Tropfen sondern schlicht übermäßiger (eigener) Alkoholkonsum mit entsprechender Enthemmung der Grund für eventuelle sexuelle Akte war (Stichwort Falschbeschuldigungen) und wieviele dieser Falschbeschuldigungs-Fälle strafrechtlich verfolgt wurden.". Das macht es Opfern noch schwieriger wenn sie das Gefühl haben müssen dass ihnen nicht geglaubt wird, schlimmer noch eine Mitschuld eingeredet wird. Selbst wenn Frau besoffen wie eine russische U-Boot Besatzung über den Disco Parkplatz stolpert ist das keine Entschuldigung über sie herzufallen.
Jetzt stellen sie sich nur mal die Frage. Sie wachen mit blauen Flecken und nackt auf einem Feldweg auf. Sie bluten und haben Schmerzen. Keine Erinnerung, keine Orientierung. Vielleicht ein paar kurze blitzartige Flashbacks. Getrunken haben sie am Vorabend 1-2 Bier. Sie schleppen sich zur Polizei und das erste was man sie fragt: "Haben sie was getrunken?"
Torsten Herwig
339
Torsten Herwig aus Langgöns schrieb am 30.01.2015 um 10:50 Uhr
Herr Schmidt, wir leben im 21.JH, da sollte die Kriminalmedizin ein wenig mehr zu bieten haben als "das ist halt schwer nachweisbar".
Ihr Beispiel könnte genau so gut für einen Mann gelten. DER würde aber auf der Polizeistation garantiert ganz anders behandelt werden als eine Frau!

Wenn Frauen übermäßig viel trinken, ist das kein Grund über sie herzufallen. Ja, und? Was sagt das aus? Heißt das, dass es für Sie in Ordnung ist, wenn zwei Menschen miteinander trinken und hinterher Sex haben, was IHR im Nachhinein peinlich ist oder sie den Eltern, Freunden eine Erklärung liefern muss, dass sie was von KO-Tropfen erfindet und der Typ, obwohl selber betrunken, plötzlich als Vergewaltiger hingestellt wird?
Der "Rape Culture" Hype trägt nicht gerade dazu bei, das Verhältnis der Geschlechter zueinander zu verbessern.

Pankraz, der Diskoschreck und die Knockout-Pille

ein Auszug:
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"Sind solche Maßnahmen aber wirklich nötig? Just zur selben Zeit wie der Uno-Report erschien in dem angesehenen British Journal of Criminology (London) der Bericht über eine ausgedehnte Langzeitstudie, der größte Zweifel an der Seriosität der derzeitigen Vergewaltigungsdrogen-Hysterie wecken muß. 200 Mädchen, die nachts in die Notaufnahme kamen und behaupteten, jemand habe etwas in ihren Drink getan und sie danach vergewaltigt, wurden gründlich untersucht, Mediziner entnahmen Blutproben zur Alkoholbestimmung und suchten im Urin nach Betäubungsmitteln. Das Resultat: Keine einzige Probe enthielt Vergewaltigungsdrogen, aber in 94 Prozent der Fälle wurde deutlich überhöhter Blutalkohol nachgewiesen.

Mit anderen Worten: Sämtliche „Vergiftungsfälle“ durch unfreiwillige Einnahme von Knockout-Pillen oder dergleichen waren vorgetäuscht. Adam Burgess, der Leiter der Langzeitstudie, vertritt die Meinung, die grassierende Vergewaltigungsdrogen-Hysterie sei nichts weiter als Ausfluß eines „urbanen Mythos“, gestrickt von jungen Frauen, die nicht bereit waren zu akzeptieren, daß sie einfach zuviel Alkohol konsumiert hatten. „Junge Frauen scheinen ihre Ängste vor den Folgen des Konsums dessen, was in der Flasche ist, durch Gerüchte darüber, was von jemand anderen in die Flasche gegeben sein könnte, zu ersetzen.“

Übrigens ist die jetzige Studie von Burgess zwar die bisher spektakulärste, aber bei weitem nicht die einzige und auch nicht die erste. Eine voriges Jahr in Australien veröffentlichte Untersuchung an der Universität von Perth kam zu genau dem gleichen Ergebnis. Bei keinem von 97 jungen Frauen (und auch einigen Männern), die über den Zeitraum von 19 Monaten in zwei Krankenhäusern der Stadt aufgenommen worden waren und behauptet hatten, daß ihre Getränke „gespickt“ gewesen seien, konnten K.o.-Tropfen oder -Pillen nachgewiesen werden. Alles war nur eingebildet oder schlicht erlogen.

Nick Ross, der Vorsitzende des angesehenen Londoner Jill-Dando-Instituts für Kriminologie, hat denn auch schon klipp und klar konstatiert: „Es gibt keine Beweise für die angeblich weit verbreitete Verwendung von Hynotika bei sexuellen Übergriffen.“ Was es gibt, sind Beweise, daß heute auch viele junge Mädchen und Frauen üppig zur Flasche greifen; selbst protestantische Bischöfinnen machen dabei bekanntlich keine Ausnahme. Beim Flatrate-Saufen in Bars und Diskos wächst der Prozentsatz der beteiligten Mädchen rasant an. Und oft sind auch Drogen mit im Spiel."
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Wieviele Mädchen erfinden schlicht eine Vergewaltigung oder K.O.-Tropfen, nur um eine Ausrede zu haben, warum sie zu spät nach Hause gekommen sind (kenne selber so einen Fall), oder warum sie besoffen Sex mit einem Typen hatten, was ihnen hinterher leid tut?

Nicht jeder Beschuldigte hat dann soviel Glück wie der 40jährige aus Meerbusch.
Märchen von den K.o.-Tropfen


Da halte ich es doch gerne mit der französischen Großfeministin Elisabath Badinter.
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"An sich sind das höchst üble Assoziationen, die das gesellschaftliche Klima flächendeckend vergiften. Elisabeth Badinter, die hochgelehrte, aufgeklärte französische Großfeministin, hat soeben eindringlich vor derlei Unterstellungen und Insinuationen gewarnt. Die Frauen sollten endlich, so Badinter, mit ihrem ewigen Opfergetue aufhören und sich den Tatsachen stellen. Dazu gehört auch, daß sie sich selbstverantwortlich exzessiver, destruktiver Sozialpraktiken enthalten, statt andere dafür verantwortlich zu machen. "
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Florian Schmidt
4.969
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 30.01.2015 um 20:10 Uhr
Das ist die Statistik mit der Fallzahl 1. Oder in Prosa: "Ich kenne da aber einen..."
Torsten Herwig
339
Torsten Herwig aus Langgöns schrieb am 30.01.2015 um 20:24 Uhr
Ich hatte zwei Studien und zwei angesehene Experten dazu angeführt, deren Ergebnisse und Aussagen recht eindeutig sind.
Ich weiß, passt Ihnen nicht ins Weltbild, is' aber leider so.

Was ich dagegen bisher von noch niemandem gehört habe, sind die angeblich so unwiderlegbaren Fakten und Daten, auf die der Artikel fußt bzw. die darin genannten Damen ihre Aktionen stützen. Ja wo sind denn die Zahlen über bewiesene K.O.-Tropfenopfer? Wo?
Bisher lese ich zu dem Thema bis auf viel Aktionismus und Hysterisierung nur heisse Luft.
Zahlen bitte, ganz genau!
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