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Neuer Außenminister Griechenlands studierte in Gießen

Gießen | Zum neuen Außenminister Griechenlands wurde gestern Nikos Kotzias ernannt. Dieser studierte in der ersten Hälfte der 70-er-Jahre in Gießen Volkswirtschaft und Politik. Dort lernte er auch seine Frau kennen, mit der er und in Erwartung eines Kindes nach Griechenland zurückkehrte.

Schon bevor er nach Gießen kam war er als Student in Athen in verantwortlichen Funktionen der NKE, der Jugend der Kommunistischen Partei und in der Zeit des Obristenregimes in der Lambrakisjugend aktiv. Lange Zeit nahm er dann Funktionen in der KKE, der griechischen Kommunistischen Partei wahr. Nach dem Zusammenbruch des realen Sozialismus stellte die KKE zunehmend in der dialektischen Paarung von Reform und Revolution das letztere in den Vordergrund und setzte alle Kraft in die "Systemüberwindung", was sie ja nun aktuell von einer Zusammenarbeit mit der Syriza abhält. Diesen Kurs wollte Kotzias nicht mittragen.

Persönlich habe ich ihn kennengelernt als Mitarbeiter der seinerzeitigen Buchhandlung "Wissen und Fortschritt", deren Stammkunde er war und wo seine Bedürfnisse nach Befriedigung des Wissensdurstes manchmal größer waren, als es sein Etat dies zuließ. Ich darf ihm und der neuen griechischen Regierung viel Erfolg wünschen.

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Kommentare zum Beitrag

Bernhard Kröger
377
Bernhard Kröger aus Gießen schrieb am 28.01.2015 um 14:49 Uhr
Sehr interessant. Manchmal wird selbst Gießen vom Mantel der Geschichte leicht gestreift :)
Michael Beltz
7.760
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 28.01.2015 um 16:12 Uhr
Ich kann mich an Nikos ebenfalls gut erinern. Im Rahmen der 68er Bewegung haben wir uns kennengelernt. Ob das in Griechenland klappt mit der neuen Regierung klappt, halte ich für offen - begleitet mit guten Wünschen.
Welche Chance kann diese Regierung mit linken Vertretern und Ausländerfeinden haben? Der Kapitalismus soll nicht überwunden werden, was derzeit auch nicht möglich ist. Im Rahmen dieses Systems das vorgestellt Programm durchzuführen, scheint mir eine beinahe unlösbare Aufgabe.
Die EU und damit Deutschland werden die finanzielle Schraube schon kräftig anziehen.
Also, viel Glück.
Kurt Wirth
3.079
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 28.01.2015 um 18:06 Uhr
@Herr Schmitt: Dann haben die beiden wohl immerhin was zu plaudern, auch wenn sie sich nichts zu sagen haben.

Ansonsten findet man natürlich in wikipedia noch weitergehende Informationen über Kotzias. Hinsichtlich Gießen ist noch anzumerken: Man traf ihn auch häufig in einer griechischen Kneipe an der Ecke Wetzlarer Weg/Friedrichstr. in der Nähe der Bahnhofstreppe.
Bernhard Kröger
377
Bernhard Kröger aus Gießen schrieb am 29.01.2015 um 02:02 Uhr
Na, ja, 'ne interessante Situation: Zunächst zieht N. K. mit der neuen Regierung mal die Schraube der Verweigerung weiterer Sanktionen (die bekanntlich einstimmig sein müssen) gegen Russland durch die EU an. Zugleich werden die Griechen feststellen, dass ihre Ölversorgung bis auf Weiteres gesichert
ist... :)
Martina Lennartz
6.284
Martina Lennartz aus Gießen schrieb am 29.01.2015 um 23:23 Uhr
http://www.annotazioni.de/post/1478
interessanter Link zu Griechenland
Michael Beltz
7.760
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 31.01.2015 um 16:35 Uhr
Wenn das Ganze zu weit nach links sich entwickelt, dann marschiert die NATO ein. Einen derartigen Plan gab es schon einmal, Gladio war gedacht gegen eine antikapitalistische Richtung in Italien.
Ich denke, das wird in Griechenland nicht nötig sein. Die UZ (Zeitung der DKP) vom 22./23. Januar liefert dazu einen Artikel von Olaf Matthes.
Kurt Wirth
3.079
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 31.01.2015 um 18:03 Uhr
Vermutlich, Michael, meinst Du von den zwei Matthes-Artikeln in der besagten UZ (auch in der UZ vom 30.Januar finden sich zwei Artikel zu Griechenland) den mit dem Untertitel: "Syriza will funktionierenden Kapitalismus, nicht dessen Überwindung". Diese Frage hat Syriza im Vorfeld der Wahl meinen oberflächlichen Kenntnissen nach in der Tat gar nicht angeschnitten, weder positiv noch negativ. Steht vielleicht auch nicht auf der Tagesordnung. Erst mal hat sie ja interessanterweise dem (vielleicht) sozialistischen China den Kauf des Hafens Piraeus, der von der früheren Regierung mit China eingefädelt wurde, gestoppt. Die Fronten zwischen Kapitalismus und Sozialismus weltweit gesehen verlaufen heutzutage sehr verzwickt. Wen hätte derzeit ein sozialistisches Griechenland weltweit als Bündnis-, Wirtschafts- etc. Partner? Vielleicht nur Kuba, das selbst größten Solidaritätsbedarf hat.

Es ging und geht um unmittelbare Sofortmaßnahmen. Ich vergleiche die Situation ein wenig mit der in Deutschland am 9.Mai 1945. Der Sozialismus stand da nicht auf der Tagesordnung - es ging um das nackte Überleben. Das sah die griechische Bevölkerung anscheinend auch so. Für die Systemüberwindung erklärte sich zunächst die KKE zuständig. Und dafür gab es halt die 5,5 %, wenn auch absolut ein Zugewinn von 60.000 Stimmen und ein Zuwachs von 12 auf 15 Sitze.

Noch ein ganz anderer Hinweis: Interessant ist auch die Biografie des neuen Gesundheitsministers Panagotis Kouroumplis. Er verlor als 10-jähriger das Augenlicht durch eine deutsche Handgranate, die als Blindgänger herumlag. Er hat sich weltweit Ansehen erworben in der Interessenvertretung für Blinde. Außerdem saß er auch bislang schon für Syriza im Parlament.
Michael Beltz
7.760
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 01.02.2015 um 10:49 Uhr
Hallo Kurt, du schneidest mehrere Themen an. Ob z.B. China etwas mit Sozialismus zu tun hat, ist schon zweifelhaft.
Wenn die KKE von Überwindung des Kapitalismus spricht, dann ist das nicht als Aufruf zu verstehen, morgen um die Einfühung des Sozialismus zu kämpfen. Auf dieses langfristige Ziel ist hinzuarbeiten und dieses Ziel ist nicht aus den Augen zu verlieren, sehe ich als die aktuelle Aufgabe. Auch die DKP hat in dieser Richtung für unser Land keine Illussionen.
Wir müssen daher weder von einem derzeit möglichen sozialistischem Griechenland reden, erst Recht nicht von einem solchen Deutschland. Es geht um einen langwierigen geschichtlichen Vorgang, in dem wir eingreifen, ohne dass jeder glaubt, das einzig richtige Konzept zu haben.
Kurt Wirth
3.079
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 01.02.2015 um 13:48 Uhr
Damit bin ich auch einverstanden. Nur scheint in Griechenland die Konfrontation zwischen KKE und Syriza schärfer zu sein und es werden keine Gemeinsamkeiten mehr gesucht.
Ich sehe da gewisse Parallelen zum Verhältnis KPD/SPD in der Zeit von 1923 bis 1931. Die KPD setzte hauptsächlich auf Systemüberwindung und kämpfte gegen den "Sozialfaschismus" und verlor damit ab 1923 zunehmend Wähler (bis 1931). Der Kurs beider Parteien (wobei die SPD streckenweise vielleicht gar keinen "Kurs" hatte) war für die Arbeiterbewegung und die Mehrheit der Bevölkerung verhängnisvoll.
Marcus Wellnitz
61
Marcus Wellnitz aus Gießen schrieb am 02.02.2015 um 21:27 Uhr
@Herr Wirth:
ein griechischer Abgeordneter mit dem Namen "Kouroumplis" das hat schon was .
Ein gefundenes Fressen für Spötter, oder? ;-)
Kurt Wirth
3.079
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 02.02.2015 um 22:51 Uhr
Herr Wellnitz, leider bin ich des Griechischen nicht genug mächtig, um die wörtliche Übersetzung für Korruption (ich vermute, Sie haben da einen Anklang im Auge) wiedergeben zu können. Leider mußten in den letzten Jahren die Griechen viel zu viel Erfahrung machen mit "Fakelaki" (was soviel heißt wie kleiner Umschlag), und ich hoffe, daß die Syriza diesen Umschlag, der oft auch Ärzten gereicht werden mußte und muß, aus dem Sprachgebrauch zurückdrängen können. Man kennt ferner aus der Geschichte das Wort "Rousfeti", das aus dem Türkischen stammt und durch die langwährende osmanische Herrschaft in Griechenland Eingang gefunden hat.

Ich denke bei dem besagten Abgeordneten etwas weniger zynisch an das "Zusammenrumpeln" mit der deutschen Granate.
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Kurt Wirth
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