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Prof. Robert Kolb in der FTH

Kommentare zu: "Luther war ein Meister des Erzählens"

11 Kommentare letzter Kommentar von Nicolai Franz (03.12.2009 11:21 Uhr)

Paul Rohde schrieb am 20.11.2009 um 12:04 Uhr
Luther - ein Meister des Erzählens? Richtig. Auch Hitler war ein Meister der Rede, des Wortes, des Verführens - der Rhetorik.
Wie war es sonst möglich, dass nicht nur Hitler sondern Hunderttausende den Vernichtungskampf gegen die jüdische Bevölkerung aufnahmen?
Wie aber wurde Hitler Antisemit, nachdem er bis etwa 1920 nie etwas gegen Juden vorgebracht hatte?
Warum hat Hitler Martin Luther verehrt und als das größte deutsche Genie bewundert?
Ist es falsch, dass die ursächliche Schuld am Jahrhunderte andauernden Judenhass in den Hetzschriften Martin Luthers zu suchen ist?
Was trieb die zahllosen Pastoren dazu, ihrerseits gegen die Juden zu hetzen?
Wie schafft es die Kirche, diesen größten Antisemiten seiner Zeit noch heute zu feiern, anstatt sich von ihm zu distanzieren?
Solche Fragen sollten beantwortet werden. Vor allem von einem Lutherforscher. Der breiten Masse scheint Luthers antisemitische Haltung immer noch unbekannt zu sein. Im Religions- oder Konfirmanden-Unterricht habe ich nie etwas davon gehört.

Paul Rohde schrieb am 20.11.2009 um 12:42 Uhr
Lieber Nicolai, Sie bekennen sich als "Gläubiger Christ"; das sollte nicht so weit führen, dass sie alles glauben, was Kirchenfunktionäre sagen. Ich habe der Kirche viele Jahre sehr nahe gestanden und dabei erschreckende Erfahrungen gesammelt.
Zur Sache:
Eine Ausstellung in Halle zeigt jetzt archäologische Funde aus Martin Luthers Elternhaus, dem Bürgerhaus eines Bergwerksunternehmers – nicht eines Bergmannes, wie Luther log. Vieles zeugt vom üppigen, ausschweifenden Lebensstil der begüterten Familie. Innerhalb der evangelischen Kirche wird 1933 dokumentiert, wie Luthers antijüdische Schriften Jahrhunderte lang den Boden für den damaligen "Antisemitismus" bereiten.
Luther gilt als großer Held und wird ungebrochen als nationale Symbolfigur genutzt. Seine Ideologien sind allerdings derart menschenverachtend, dass er ohne Skrupel als Vordenker der Nazis bezeichnet wird, die sich immer wieder positiv auf den Reformator bezogen: In abstoßenden Formulierungen phantasierte er über das feurige Ende aller Juden, vom Ersäufen behinderter Menschen in der Gosse und rechtfertigte das Morden an den aufständischen Bauern. Luther steht für Sexismus, Sozialrassismus, Antisemitismus und Obrigkeitshörigkeit - ungeachtet dessen feiern die evangelische Kirche und auch insgesamt die patriotischen Teile Deutschlands Luther unkritisch als wichtigen Gesellschaftsgestalter.
"Am 10. November 1938, an Luthers Geburtstag, brennen in Deutschland die Synagogen. Vom deutschen Volk wird ... die Macht der Juden auf wirtschaftlichem Gebiet im neuen Deutschland endgültig gebrochen und damit der gottgesegnete Kampf des Führers zu völligen Befreiung unseres Volkes gekrönt. In dieser Stunde muss die Stimme des Mannes gehört werden, der als der Deutschen Prophet im 16. Jahrhundert einst als Freund der Juden begann, der getrieben von seinem Gewissen, getrieben von den Erfahrungen und der Wirklichkeit, der größte Antisemit seiner Zeit geworden ist, der Warner seines Volkes wider die Juden." (Der evangelisch-lutherische Landesbischof Martin Sasse aus Eisenach im Vorwort zu seiner Schrift "Martin Luther und die Juden - Weg mit ihnen!", Freiburg 1938)
»...Ausgangspunkt des lutherischen Antisemitismus ist die grundlegende Schrift Martin Luthers Von den Juden und ihren Lügen (1543). Die Judenverfolgung ist eines der wichtigsten Anliegen von Martin Luther in seinen letzten Lebensjahren. Sie ist auch das Thema seiner letzten Kanzelabkündigung am 15.2.1546 in Eisleben, drei Tage vor seinem Tod, wo er z. B. fordert: "Darum sollt ihr Herren sie nicht leiden, sondern wegtreiben." Und auch in seinem letzten Brief, den er von Eisleben aus an seine Frau schreibt, heißt es: "Wenn die Hauptsachen geschlichtet sind (die Streitigkeiten unter den Grafen von Mansfeld), so muss ich mich daran legen, die Juden zu vertreiben. Graf Albrecht ist ihnen feind und hat sie schon preisgegeben, aber niemand tut ihnen noch etwas" (zit. nach Landesbischof Martin Sasse, Martin Luther über die Juden: Weg mit ihnen!, a.a.O., S. 14)...« Quelle: www.theologe.de.
Werter Mac-Kollege, ich habe ein Jahr versucht, unseren Superintendenten zu einer offenen Diskussion zu bewegen. Er hatte dafür keine Zeit. Das Hauptproblem sind nicht Luthers Worte sondern die Tatsache, dass bis heute versucht wird, das Gesagte und Geschriebene zu bagatellisieren. Erst durch das Internet kann sich jeder ausführlich informieren.

Paul Rohde schrieb am 03.12.2009 um 10:17 Uhr
Lieber David Pölka,
natürlich sind Sie als Theologe vorbelastet und glauben der Bibel mehr als dem Internet. Das ist Ihr gutes Recht. Doch es gibt zu viele Belege über Luthers Gesinnung. Siehe u.a. www.neo-lutheraner.de/juden.html. Auch bei kritischer Betrachtung und unter Beachtung der damaligen rauen Ausdrucksweise können Luthers wiederholte Äußerungen nicht beschönigt werden. Außerdem stehen Luthers Leistungen nicht zur Debatte. Sondern sein abgrundtiefer Hass auf Juden und der offenbar auch daraus resultierende Antisemitismus.

Paul Rohde

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Interessensgebiet: Gießen
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