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Heute vor 40 Jahren - Hetze gegen Heinrich Böll....

Gießen | In einem offenen Brief verurteilten 14 Autoren am 13.Juni 1972 die Repressalien gegen Heinrich Böll und solidarisierten sich mit ihm. Zuvor hatte in einer Bundestagsdebatte ein CDU-Abgeordneter "die Bölls und Brückners" der Wegbereitung und geistigen Mittäterschaft am Terrorismus bezichtigt.
Das war das damalige Niveau der geistig unterbelichteten rechten Kräfte der CDU/CSU. Strauß z.B. nannte Schriftsteller Schmeißfliegen.
Preisfrage: Finden wir heute noch ähnliches Niveau oder ist die von der CDU angekündigte geistig-moralische Wende in Kraft?

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Kommentare zum Beitrag

Birgit Hofmann-Scharf
10.030
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 13.06.2012 um 21:32 Uhr
An dieses Buch ( wurde auch sehr gut verfilmt ) erinnerte ich mich, als vor kurzem in NRW ein Jugendlicher kriminalisiert wurde und selbst nach der Rehabilitation mit Familie in eine andere Stadt ziehen "musste".
Böll passt auch sehr gut in die heutige Zeit !!

Eine "geistig-moralische Wende" mag ich sehr (!) zu bezweifeln !
Eher denke ich an ein Lied von der Knef: " von nun an geht`s bergab.
Kurt Wirth
1.385
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 13.06.2012 um 22:28 Uhr
Vielleicht bin ich da zu sehr Nostalgiker, aber ich meine, es gibt heute viel weniger "Schmeißfliegen" als dazumal.
Um bei großen Kalibern wie Böll zu bleiben: Martin Walser bewegte sich damals mit vielen anderen Schriftstellern um die Zeitschrift "Kürbiskern", herausgegeben von dem KPD- und dann DKP-Kulturfunktionär Oskar Neumann. Franz Xaver Kroetz war Mitglied des DKP-Parteivorstands. Degenhardt, Süverkrüp, Wader, Floh de Cologne hatten ihren pläne-Verlag. Es gab die Münchner Songgruppe und auch die Gießener Songgruppe. Der "Werkkreis Literatur der Arbeitswelt" bescherte dem Fischer-Verlag gute Umsätze. Frankfurt wimmelte von linken Verlagen (Roter Stern sei genannt) und Buchhandlungen (Karl-Marx-Buchhandlung, Mitinhaber war Daniel Cohn-Bendit). Der Münchner Kommunist August Kühn las landauf landab aus seinem Roman aus dem Arbeitermilieu "Zeit zum Aufstehn". Aus dem Vogelsberg schleuderte Peter O.Chotjewitz seine Blitze mit Hilfe des Rotbuch-Verlags und des Wagenbach-Verlags. Um Gießen herum arbeiteten Christiane und Frederik an ihren Schallplatten, die, wie die "Rübe" mehrere Generationen von Kindergartenbesuchern prägten. Der "Verband des linken Buchhandels" (z.B.Roter Stern Marburg) und die "Arbeitsgemeinschaft demokratischer und sozialistischer Verleger und Buchhändler" (z.B.Wissen und Fortschritt Buchhandelsgesellschaft mit beschränkter Haftung in Gießen, Marburg und Kassel, deren Ko-Geschäftsführer ich mal war) wetterten gegeneinander. Für mich war das ein höchst interessanter und befriedigender Lebensabschnitt. Auch wenn ich rückblickend feststellen muß, daß von den vielen Lkw-Ladungen und Paletten an fortschrittlicher, linker und marxistischer Literatur, die wir in die hessische Kulturlandschaft hineinpumpten (Buchzentrum in der Goethestraße, Frankfurt und Wissen und Fortschritt, Darmstadt sind da auch noch zu nennen) letztlich doch erstaunlich wenig in den Köpfen angekommen ist.

Sicher ist es nicht nur der sog. "Wende" 1989/90 geschuldet, daß das kulturelle Leben heute in anderen Bahnen verläuft. Solch ein famoses Medium, wie die Gießener Zeitung ersetzt wohl doch in gewissem Maß die Beschäftigung mit dem Buch.
Stefan Walther
4.173
Stefan Walther aus Linden schrieb am 14.06.2012 um 22:17 Uhr
Sicherlich ist die GZ ein sehr gutes Medium, die, die hier sachlich und kontrovers diskutieren wollen, die haben sich auch durchgesetzt, kaum mehr ein persönlicher Angriff trotz teilweise sehr unterschiedlichen Meinungen.... viele gute Informationen aus verschiedener Sichtweise... alles richtig!
Nur, ersetzt dies die Beschäftigung mit einem Buch / mit Büchern? Das bezweifle ich dann doch, die Zeit ist ja auch nicht stehen geblieben, es gibt nach wie vor sehr viele fortschrittliche, linke und marxistische Bücher, auch schon in den 1990er Jahren und auch heute noch. Vielleicht nicht mehr so viele ( lautstarke :-)) Intellektuelle, die sich mit dieser Literatur beschäftigen, aber, ist das sooo entscheidend?
Michael Beltz
6.883
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 15.06.2012 um 13:41 Uhr
Liebe Andrea, meine Frage war an die Leser gerichtet. Du hast eine Antwort gegeben. Derartige Fälle, wie du sie schilderst und zu Recht auf hunderte ähnliche Fälle verweist, zeigen deutlich, wie es um die Menschenrechte in unserem Land bestellt ist.

Die Herrschenden verweisen gerne auf andere "schlimme" Länder, einmal um einen Krieg vorzubereiten und auch von den eigenen Menschenrechtsverletzungen abzulenken.
Christian Momberger
10.939
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 23.06.2012 um 23:05 Uhr
Danke Dir Michael für den Hinweis auf Böll und die auch heute noch gegen alles fortschrittliche geführten Kampagnen zur Kriminalisierung desselben. Auch sehr interessant finde ich war Kurt über die Geschichte der linken Literaturszene der 1970er in Hessen schreibt.

Auch für mich ist die GZ ein sehr gutes Medium, dass sicherlich nicht die Bildung über Literatur/Bücher (vollständig) ersetzten kann. Aber auch hier kann man immer wieder viel neues und interessantes lernen und erfahren, wenn man will und sich offen und breit per Kommentar und mittels eigenen Beiträgen hier beteiligt.

> Sicherlich ist die GZ ein sehr gutes Medium, die, die hier sachlich und kontrovers diskutieren wollen, die haben sich auch durchgesetzt, kaum mehr ein persönlicher Angriff trotz teilweise sehr unterschiedlichen Meinungen.... viele gute Informationen aus verschiedener Sichtweise... alles richtig!

Hier kann ich Stefan nur zustimmen und mich dem Lob anschließen!

> Vielleicht nicht mehr so viele ( lautstarke :-)) Intellektuelle, die sich mit dieser Literatur beschäftigen, aber, ist das sooo entscheidend?

Jein. Sicherlich ist es nicht "das entscheidende Kriterium", aber dennoch isst es so, dass in den 1907ern links sein schon mehr en vouge war als heute und es leider so ist, dass viele die damals in linken Kreisen aktiv waren und an der Seite der Fortschrittlichen Kräfte gekämpft haben, heute andere, teilweise rechte Positionen vertreten. Und ich denke, für linke Autoren/Gruppen/Personen ist es heute u.U. schwieriger, an die Öffentlichkeit durchzudringen.

Übrigens, um noch mal auf den Kommentar von Kurt einzugehen:
Hannes Wader wurde dieser Tage 70 und Frederik (Fritz) Vahle, der übrigens in Salzböden lebt, wird morgen 70 Jahre alt.
Stefan Walther
4.173
Stefan Walther aus Linden schrieb am 23.06.2012 um 23:15 Uhr
zu deinem "Jein" Christian = nochmal klarer: entscheidend ist, dass sich vor allem die Arbeiterklasse mit dieser Literatur beschäftigt.... wenn es dann noch einige fortschrittliche Intellektuelle auch tun umso besser, aber das ist nicht das entscheidende :-)) .. und wenn es unter Intellektuellen noch so "en vouge" wäre... man hat ja gesehen wie sie sich fast alle als von der Arbeiterschaft "nicht verstanden" in die Schmollecke zurückgezogen haben oder dann doch lieber Karriere bei den Grünen machten statt mit und unter der Führung der Arbeiterschaft zu kämpfen.
Christian Momberger
10.939
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 23.06.2012 um 23:17 Uhr
Da ist ja das was ich kritisiere, dass sie eben sich zurückgezogen haben oder eben nach "rechts" gegangen sind und eben nicht mit den Arbeitern und anderen Linken Kräften weiter gemeinsam gekämpft haben.
Kurt Wirth
1.385
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 23.06.2012 um 23:39 Uhr
Ich meine, das Problem ist nicht, daß die Intellektuellen nicht mit der Arbeiterklasse/Arbeiterschaft gekämpft haben, sondern daß die Arbeiterklasse/Arbeiterschaft gar nicht gekämpft hat (außer gelegentlich um das berühmte "Teewasser")
Stefan Walther
4.173
Stefan Walther aus Linden schrieb am 23.06.2012 um 23:52 Uhr
Ist das dein Ernst Kurt? Den Stahlarbeiterstreik schon vergessen? Die vielen selbständigen Steiks unter anderem der Kollegen bei Opel in Bochum, die jetzt wieder vor der Aufgabe stehen, dass sie die Werksschließung verhindern... die Ausgangslage ist heute sogar wesentlich besser, viele Arbeiter haben erkannt, dass sie konzernweit - international - kämpfen müssen... die Bergarbeiter sind dran, diese internationale Einheit zu schmieden ( schau mal nach Spanien ), das was in Griechenland passiert ( ca. 20 Industriebetriebe haben sich dem Streik der Stahlarbeiter angeschlossen, so eine griechische Genossin heute beim Arbeitersymposium in Frankfurt ).....
Ja, in Zeiten wenn die Wirtschaft brummt, wenn es Reförmchen von oben gibt, ja, da haben es die Reformisten relativ einfach, das darf man aber der Arbeiterschaft nicht vorwerfen. Und wenn das Intellektuelle nicht kapieren / nicht kapiert haben, dann ist das auch nicht das Problem der Arbeiterklasse!
Kurt Wirth
1.385
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 24.06.2012 um 10:04 Uhr
So gesehen hast Du natürlich recht, Stefan. Worauf ich hinaus wollte: Solche Kämpfe blieben fast immer lokal begrenzt. Es entwickelte sich kaum Solidarität, die z.B. in einen politischen Streik oder Generalstreik mündete. Ob man das den Schriftstellern und Liedermachern vorwerfen kann? Bei denen wollte ich eigentlich in dem Zusammenhang bleiben, der Ausgangspunkt war ja Heinrich Böll. Zu den "Intellektuellen" gehört ja allerhand mehr (z.B. auch die wissenschaftlich-technische Intelligenz), die ich hier nicht in die Diskussion einbeziehen wollte.

Nehmen wir die Schließung des Stahlwerks in Duisburg-Rheinhausen. Hier entwickelte sich immerhin die Solidarität über die Werksangehörigen und deren Familien hinaus auf nahezu alle Bewohner und Gewerbetreibenden einer ganzen "Stadt". Aber dabei blieb es dann auch. Fasia Jansen und andere um den Asso-Verlag und pläne-Verlag gehörten seinerzeit zum "festen Inventar" solcher Kämpfe im Ruhrgebiet und diese Kämpfe wären vielleicht nicht ganz so machtvoll geworden ohne deren Einsatz (obgleich ja der Kampf speziell in Rheinhausen letztlich erfolglos blieb).
Christian Momberger
10.939
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 24.06.2012 um 11:00 Uhr
> Worauf ich hinaus wollte: Solche Kämpfe blieben fast immer lokal begrenzt. Es entwickelte sich kaum Solidarität, die z.B. in einen politischen Streik oder Generalstreik mündete.

Ich denke da ist leider was dran!
Stefan Walther
4.173
Stefan Walther aus Linden schrieb am 24.06.2012 um 12:41 Uhr
Ich denke, so wie du es jetzt eingrenzt Kurt, dann haben wir beide Recht!
Ja klar, diesen Streik hatte ich auch gemeint, es etwickelte sich eine große und breite Solidarität weit über den Betrieb hinaus...

Die Intellektuellen, bleiben wir bei den "Kulturschaffenden" ( natürlich gehören mehr dazu, dies war mein "Fehler" des ersten Kommentars, dies nicht einzugrenzen! ) = etliche haben sich solidarisiert und zwar selbstlos, im Dienste der Arbeiterschaft, das ist immer das wichtigste.

Warum blieb es beim in der Hauptseite Ökonomischen Kampf? Dies haben viele analysiert, der Einfluss des Reformismus spielte eine große Rolle, die Angst der Herrschenden und auch der Gewerkschaftsführer vor einer selbständig kämpfenden Arbeiterschaft.... aber auch die Fantastereien einiger ach so "revolutionären" Kulturschaffenden ( von den Professoren und Studenten ganz zu schweigen ), die den "Arbeiter" vielleicht aus Büchern kennen / gekannt haben, von den tatsächlichen Arbeits- und Lebensbedingungen jedoch wenig Ahnung haben / hatten.

"Auf den Knopf drücken" und dann mündet der ökonomische Streik in den politischen Streik oder gar in den politischen Generalstreik? So funktioniert das nicht Christian, die objektiven und die subjektiven Bedingungen müssen stimmen! Aber keine Bange, das wird schon noch, etliches entwickelt sich auch aktuell... man muss nur immer ganz nah dran sein an der Arbeiterklasse, das ist natürlich Grundvoraussetzung....
Christian Momberger
10.939
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 24.06.2012 um 12:44 Uhr
Klar geht das nicht auf Knopfdruck, das weiß ich auch! Aber dennoch es könnte uns müsste besser sein, gerade wenn ich es mit ganz früher vergleiche. Da waren die Arbeitskämpfe schon grundsätzlicher und politischer. Aber wie Du schon sagst, "des Reformismus spielte eine große Rolle [...] und auch der Gewerkschaftsführer vor einer selbständig kämpfenden Arbeiterschaft".
Stefan Walther
4.173
Stefan Walther aus Linden schrieb am 24.06.2012 um 13:18 Uhr
Mit dem "früher war alles besser", da habe ich immer meine Probleme!
Die objektiven Bedingungen, die muss man beachten, sonst verbreitet man ganz schnell Resignation oder Abenteurertum 2 Seiten der selben Medaille.
- haben wir heute eine revolutionäre Situation?
- geht es heute z.B. darum einen Putsch - auch mit Hilfe von politischen Streiks - zu verhindern?
- sind nicht die sich beginnenden konzernweiten, über Ländergrenzen hinweg, gemeinsamen Aktionen der Arbeiterschaft, die ständig zunehmenden selbständigen Streiks, die immer grundsätzlicher werdenden Diskussionen innerhalb der ( europäischen ) Gewerkschaften... und vor allem die chronisch gewordene Krisenhaftigkeit des Kapitalismus beste Voraussetzung und Anzeichen für die Politisierung der Arbeiterklasse?
- .. und den subjektiven Faktor, den kann man nur beeinflussen mit konsequenter Klein- und Überzeugungsarbeit, die Arbeiter lernen sehr schnell zu unterscheiden wer nur Sprüche klopft und wer wirklich an ihrer Seite steht
- "es müsste besser sein"? = die Arbeiterklasse fällt ihre Entscheidung(en) selbst, sie braucht die Organisiertheit, ja, aber sie braucht keine guten Ratschläge von "Außenstehenden", sie blickt optimistisch in die Zukunft!
Michael Beltz
6.883
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 25.06.2012 um 16:50 Uhr
Über die objektiven Bedingungen sind wir uns einig, Stefan. Auch über die obejktiven Interessen der Arbeiterklasse - und dass sie die Organisiertheit braucht.
Dass sie "optimistisch in die Zukunft" blickt, halte ich eher für ein Wunschdenken als realistisch.
Und mit den Ratschlägen von außen habe ich so ein Problem. Ob Marx oder ein anderer Theoretiker von außen etwas sagt, ist dann als positiv oder nicht zu bewerten, wenn dieser sich der Arbeiterbewegung verbunden fühlt, ihre objektiven Interessen aufgreift oder nicht.
Heilslehrer von außen werden sicher nicht benötigt. Die andauernde Gründung von Gruppen, die sich als einzige berufen fühlen, die Revolution in Gang zu bringen, findet meist statt durch unzufriedene Intelektuelle und ihren vereinzelten Anhängern.
Ich denke, wir dürfen die Arbeiterklasse nicht vergöttern (und alle Latzhosen tragen) sondern sie als den objektiven Faktor sehen, der als einziger in der Lage kist, gesellschaftliche Veränderungen voran zu bringen.

Im Mitgliedsbuch der DKP ist formuliert:

Wer die Welt verändern will, muss sie erkennen. Wer sich befreien wil, braucht Genossen. Wer Kraft entfalten will, muss sich organisieren. Wer ein freies menschliches Leben erringen, die Zukunft gestalten will, muss kämpfen.
Die Deutsche Kommunistische Partei hat sich nicht um ihrer selbst willen gebildet. Sie dient der Arbeiterklasse und dem Volk. Sie wirkt mit den Arbeitern für die Arbeiter, mit der Jugend für die Jugend, mit dem Volk für das Volk."

Dies ist in der Paxis zu überprüfen.
Stefan Walther
4.173
Stefan Walther aus Linden schrieb am 25.06.2012 um 23:15 Uhr
Du hast was verpasst Michael, Samstag in Frankfurt, das "Arbeitersymposium", mit Teilnehmern aus ( mindestens ) 6 europäischen Ländern, Streikführern aus der Türkei und Griechenland, Gewerkschaftsvertretern aus Deutschland, Österreich, Frankreich, Spanien, Griechenland und der Türkei. Sie alle haben berichtet - anhand der Situation in ihren Ländern, also kein "Wunschdenken" - wie die Kämpfe der Arbeiterklasse enormen Auftrieb bekommen, wie sie internationale Züge annehmen, wie sie sich vor allem in Griechenland und jetzt auch in Spanien zu politischen Kämpfen höherentwickeln.... und vor allem wurde nachgewiesen, dass die mittlerweile chronische Krisenhaftigkeit des Imperialismus / Kapitalismus Ausdruck der Schwäche des Systems ist!
Also, warum sollte die Arbeiterklasse nicht optimistisch in die Zukunft blicken? Dass nur der bewußteste Teil der Arbeiterklasse dies auch im Kapitalismus erkennen kann, das hat auch schon Lenin nachgewiesen, aber das ist wieder eine ganz andere Frage! Ja, und dafür braucht die Arbeiterklasse ihren Vortrupp, logisch. Ob das dann die DKP ist / sein wird? Nun, das wird die Geschichte erst beweisen müssen :-)) oder wie du es ausdrückst = jede Theorie muss sich in der Praxis beweisen!

Ach, diese ganzen Gruppen und Grüppchen, enttäuschte Intellektuelle, Heilsbringer wie du sie bezeichnest, die kommen und gehen.... die Partei der Arbeiterklasse, die MUSS vor allem auch aus Arbeitern bestehen, sich aus ihren Reihen bilden! Intellektuelle, die sich auf den Standpunkt der Arbeiter begeben, die sind natürlich herzlich willkommen... aber auch hier muss gelten, die Führung, die kann nur den Arbeitern gehören!
Kurt Wirth
1.385
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 26.06.2012 um 10:14 Uhr
Lieber Stefan, ich will mich da nicht allzusehr in diese Expertendiskussion vertiefen. Deine Worte hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Seit 40 Jahren höre ich vom unaufhaltsamen Niedergang des Kapitalismus, von den wachsenden Kämpfen der Arbeiterklasse. Ich neige da mehr zu der Formulierung von Robert Steigerwald in einer aktuellen Buchrezension :
"...der dösende Riese Arbeiterklasse.." (diese Rezension ist nachzulesen auf "scharflinks" oder dem blog von Sepp Aigner "kritische Massen".) Daß die Arbeiterklasse die entscheidende Kraft ist, und die Kulturschaffenden die Begleitmusik liefern(können), ist unter uns unstrittig. Das meinte ich oben auch ausgedrückt zu haben. Sie haben heute "weniger Basis", nicht weniger Willen oder Lust, das natürlich zwangsläufig auch. Die Schmeißfliegen haben sozusagen weniger Mist zur Verfügung.

Insgesamt ist die objektive Lage der Arbeiterklasse eine Sache, die subjektive eine andere. Die Beseitigung des Kapitalismus wird nicht gelingen, wenn nicht die große Mehrheit der Menschen dies auch will. Insofern bin ich von der Überzeugung abgekommen, daß unsere Politik (ich bin DKP-Mitglied) um so richtiger sein muß, je mehr die Wahlergebnisse gegen 0,02 % gehen. Der subjektive Faktor wird im Zuge der Entwicklung bekanntlich auch zu einem objektiven.
Stefan Walther
4.173
Stefan Walther aus Linden schrieb am 26.06.2012 um 18:32 Uhr
Lieber Kurt, ich werde mich nicht in innere Angelegenheiten der DKP einmischen, auch nicht zum "Chefideologen" :-) Steigerwald äußern ( das gäbe eine größere Diskussion! )... deshalb gehe ich eher auf deine eigene Meinung hier ein, das bringt denke ich auch mehr hier in der Diskussion!?

- was sind schon 40 Jahre wenn man in historischen Epochen denkt? Wie lange hat es gedauert bis die Sklavenhaltergesellschaft oder auch der Feudalismus überwunden wurde?
- der Klassenkampf ist eine komplizierte Sache, erst Recht wenn es zum ersten Mal in der Geschichte darum gehen soll, dass eine Mehrheit über die Minderheit herrscht...
- ich denke, da muss man auch konkret werden, da muss man auch genau hinschauen was so passiert ( oder auch nicht passiert ), "der Riese döst nicht", er wird auch nicht auf Knopdruck "geweckt" werden können und aus dem Schlaf erwachen. Schau hin wo und wie die Arbeiterklasse zur Zeit kämpft, ob es die Textilarbeiterinnen in Bangladesch sind, die die Arbeit von Hunderttausenden zur Zeit lahmlegen, die Bergleute in Spanien, die trotz massivem Einsatz der Polizei Zechen besetzt halten, Autobahnen und Zugverbindungen blockieren, oder nach Griechenland, in die Türkei und und und , ja, und auch in Deutschland entwickelt sich der Kampf um den Erhalt von Arbeitsplätzen und gegen Werksschließungen ( da ist Opel nur ein Beispiel ). Und die Kulturschaffenden, sind wir zu weit weg vom Thema, dann sorry!, die geben z.B. morgen ein Solidaritätskonzert für die Opelarbeiter in Bochum!
Sicher, es wird sich erst dann etwas ändern, wenn die Herrschenden nicht mehr in der alten Weise regieren können und die Beherrschten nicht mehr in der alten Weise regiert werden wollen!
Dazu bedarf es der großen Mehrheit der Menschen? Nun, gegen das Volk kann man keine Veränderung machen, ja, dazu bedarf es aber in erster Linie der entscheidenden Mehrheit der Arbeiterklasse, andere Schichten müssen nicht unbedingt aktiv werden, bei einigen wird es genügen sie zu neutralisieren, andere muss man gewinnen usw. usw. = eine sehr komplizierte Sache :-))
Hallo Lieber Leser
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Herzlichst, Ihr(e) Michael Beltz

von:  Michael Beltz

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