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Alle zwei Wochen verschwindet eine Sprache

von Timo Röderam 02.03.2011522 mal gelesen1 Kommentar
Fernwald | „Der Internationale Tag der Muttersprache“ am 21. Februar war der aktuelle Grund für eine Vorstandssitzung des Regionalverbandes des Vereins Deutsche Sprache in der Fernwaldhalle am vergangenen Montag.
Vorsitzender Adolf Wallbott (Annerod) ging zunächst auf das Thema „Internationaler Tag der Muttersprache“ ein und verwies auf die aktuelle Gefährdung von Sprachen durch Ursachen wie Kriege, Vertreibungen, Migration und die neuen Informationsmedien. Begünstigt durch diese Vorgänge werde der Einfluss der englischen Sprache in einer weltweit verkümmernden Form. Tatsächlich seien rund 2 500 Sprachen der heute existierenden 6000 Sprachen vom Verschwinden bedroht. In Deutschland gehe es um Sprachen wie Nord- und Saterfriesisch, aber auch um Dialekte wie Bairisch, Elsässisch, Ostfränkisch, Rheinfränkisch, Moselfränkisch, Sorbisch und Jiddisch, weil diese Sprachen von immer weniger Menschen gesprochen würden. Ebenfalls gefährdet seien auch das in Deutschland und Dänemark gesprochene Jütländisch und das von Sinti und Roma gesprochene Romani.
Eine ganz andere Bilanz ergebe sich aus dem Blick auf die deutsche Hochsprache.
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vds (9)Tag der Muttersprache (1)Denglisch (4)
Heute sei Deutsch weltweit eine der am meisten gesprochenen Sprachen. In Europa sei es mit über 100 Millionen Menschen die am meisten verbreitete Sprache. Jeder fünfte Europäer spreche Deutsch als Muttersprache, jeder siebte spreche und lese sie als Fremdsprache. Deutsch sei „Netzsprache“, etwa 12 Prozent aller Bücher weltweit erschienen auf Deutsch, und 7,7 % aller Netzstandorte seien in deutscher Sprache verfasst.

Wallbott ging dann auf das leidige Thema „Denglisch“ ein und stellte dazu fest,
der Begriff „Denglisch“ dürfe nicht mit dem Begriff „Anglizismus“ verwechselt werden.
Der Begriff „Anglizismus“ enthalte in sich nicht unbedingt eine Wertung. Entscheidend sei hier der Stellenwert, den das einzelne Wort im Sprachgebrauch einnehme. Der ANGLIZISMEN-INDEX unterscheide in seiner Einordnung zwischen „ergänzend“ oder „differenzierend“ und „verdrängend“ für jedes einzelne Wort. Als „ergänzende“ Ausdrücke seien zum Beispiel Baby, Clown oder Interview zu nennen.
Als „differenzierend“ wirkten Anglizismen, die einen neuen Sachverhalt bezeichnen und daher anerkannt werden sollten. Als „verdrängend“ sei zum Beispiel zu nennen: Ticket (für Fahrschein, Eintrittskarte, Flugschein, Theater- oder Kinokarte oder Strafzettel). Hier bestehe die Gefahr der Verarmung der deutschen Sprache. Abzulehnen seien Anglizismen wie „Sale“ und „Event“, weil sie den wahren Sachverhalt vertuschten. Als typische Beispiele für „Denglisch“ nannte Wallbott abschließend „Bratwurst Point“ „Crashkurs“ und „Gänsehautfeeling“.
Die anwesenden Vorstandsmitglieder ergänzten die Ausführungen des Vorsitzenden mit weiteren Beispielen und sprachen sich einstimmig für die Fortsetzung der erfolgreichen VDS-Aktivitäten aus.
Der Verein Deutsche Sprache ist im Internet erreichbar unter „vds-mittelhessen.de“ und natürlich auch auf Bundesebene unter „vds-ev.de“.

Kommentare zum Beitrag

Bernd Zeun
9.530
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 02.03.2011 um 21:52 Uhr
Rein rechnerisch heißt das, in 231 Jahren ist die Menscheit sprachlos ;-)
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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von:  Timo Röder

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Timo Röder
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