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Englisch ja - aber nicht immer angemessen

von Timo Röderam 22.09.2010895 mal gelesen4 Kommentare
Informationsstand Deutsche Sprache in Marburg
Informationsstand Deutsche Sprache in Marburg
Fernwald | „Ich spreche lieber Englisch…“ Diese Aussage eines Besuchers des VDS-Infostandes in Marburg am Tag der deutschen Sprache am 11. September veranlasste Adolf Wallbott (Vorsitzender der VDS-Region Mittelhessen) in der Vorstandssitzung in der Fernwalhalle am vergangenen Montag zu folgender persönlicher Klarstellung: „Ich spreche nicht lieber Englisch oder Deutsch, sondern in der Sprache, die der Situation angemessen ist. Dieser Leitgedanke sollte für alle gelten, die mehrere Sprachen beherrschen.“ Leider gebe es viele Menschen, die auf die einzige Sprache angewiesen sind, die sie als Kinder erlernt haben. Sie sollten nach Auffassung des Vereins Deutsche Sprache nicht ständig durch überflüssige Anglizismen in Verlegenheit gebracht werden. Dem Verein gehe es nicht um einen Kampf gegen die englische Sprache, sondern um einen sorglichen Umgang mit der deutschen Sprache. Seine Schlussfolgerung: „Wir würden es begrüßen, wenn die englische Sprache ebenfalls pfleglich behandelt, nicht verschandelt oder als Steinbruch für deutsche Werbesprüche missbraucht würde, wie dies leider heute sehr oft der Fall ist.“
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Zeit gebe es im Zusammenhang mit der Integration der Bürger mit Migrationshintergrund noch ein weiteres Sprachproblem. Hier seien oft andere Sprachen notwendig, um Kommunikation zu ermöglichen. Dazu stellte Wallbott die Frage: „Was spricht eigentlich gegen Hinweisschilder in verschiedenen Sprachen?“ Dazu machte er u.a. folgende Vorschläge: In öffentlichen Gebäuden sollten die Hinweisschilder immer zwei- oder mehrsprachig sein. Dies gelte vor allem für Behörden, die Anlaufstellen für ausländische Mitbürger seien. Außerdem gebe es auch die Möglichkeit der bildlichen Darstellung durch sog. „Piktogramme“ in internationalen Begegnungsorten, wie z. B in Bahnhöfen oder Flughäfen. Man brauche zum Beispiel keinen McClean in deutschen Bahnhöfen.
Vorstandsmitglied Hermann Schubart (Marburg) erstattete einen ausführlichen Bericht vom Tag der deutschen Sprache auf dem Marktplatz in Marburg. Zahlreiche Passanten hätten sich durch persönliche Gespräche mit den anwesenden Vereinsmitgliedern aus dem Marburger, Gladenbacher und Gießener Raum über die Ziele des Vereins Deutsche Sprache informiert. Zu dem Informationsmaterial über den zunehmend feststellbaren Sprachmischmasch durch überflüssige Anglizismen gehöre auch die kostenlose Verteilung der „Sprachnachrichten“ – einer Zeitung, die nicht nur über die Arbeit des Vereins berichte, sondern auch tiefgehende Beiträge zur Bedeutung der deutschen Sprache in Vergangenheit und Gegenwart enthalte.
Vorstandsmitglied Ernst Lorch (Gladenbach) berichtete von den Bemühungen, dass Deutsch künftig als Arbeitssprache neben Englisch und Französisch gleichberechtigt in den EU-Gremien praktiziert werden solle. In Marburg habe es auch spontane Zustimmung zur Arbeit des VDS gegeben – etwa in der Aussage: „Ich kann das Kauderwelsch/Denglisch nicht mehr hören!“ Abschließend wies er darauf hin, dass es in Marburg eine große zustimmende Beteiligung an der Unterschriftensammlung „Deutsch ins Grundgesetz!“ gegeben habe.
Der Verein Deutsche Sprache ist im Internet erreichbar unter „vds-mittelhessen.de“ und natürlich auch auf Bundesebene unter „vds-ev.de“.

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Kommentare zum Beitrag

Gaby Hopfenmüller
207
Gaby Hopfenmüller aus Gießen schrieb am 22.09.2010 um 13:54 Uhr
Ich liebe die englische Sprache: lese gerne Bücher auf Englisch und sehe mir auch gerne Kinofilme in der englischen Originalversion an. Dennoch stören auch mich sehr oft die vielen Anglizismen, die sich hier eingebürgert haben... insbesondere dann, wenn mir kein passendes deutsches Wort mehr als "Ersatz" einfällt. Ich bemühe mich also die Anglizismen zu umgehen. Auch eine schöne Seite in diesem Zusammenhang ist www.wortpatenschaft.de
Ullrich Drechsel
1.729
Ullrich Drechsel aus Gießen schrieb am 22.09.2010 um 14:58 Uhr
Macht sich der VDS eigentlich auch Gedanken darum, ob die chattende, social workende Jugend von heute überhaupt noch weiß, wie man einigermaßen ordentlich Deutsch spricht oder schreibt? Dass Anglizismen der Sprache der Dichter und Denker gefährlich werden könnten, glaube ich nicht. Die englische Sprache ist auch nicht untergegangen, nur weil es dort seit längerem einen Kindergarten gibt. Manche Unternehmen haben ja inzwischen auch gelernt, dass ein Service Point am Ende nur ein Post- oder Fahrkartenschalter ist.
Ullrich Drechsel
1.729
Ullrich Drechsel aus Gießen schrieb am 22.09.2010 um 15:01 Uhr
Da fällt mir noch was Nettes ein: Zu tiefsten DDR-Zeiten erschien eine Ausgabe der Satire-Zeitschrift "Eulenspiegel" mit dem folgenden Titelbild: Über dem Eingang eines Ladengeschäftes bringen zwei Handwerker ein neues Schild an. Darauf steht in dicken Lettern: JUICE SHOP. Verständnislos dreinblickenden Passanten erklärt einer der Handwerker: "Wir wechseln nur das Schild. Es ist und bleibt ein Saftladen."
Simone Linne
5.040
Simone Linne aus Gießen schrieb am 22.09.2010 um 15:03 Uhr
@ Herr Drechsel: Sehr schöne Geschichte!!!
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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