Bürgerreporter berichten aus: Fernwald | Überall | Ort wählen...

Matthias Klose: "Man muss neue Wege finden, sich zu vernetzen"

Matthias Klose an seinem derzeitigen Arbeitsplatz.
Matthias Klose an seinem derzeitigen Arbeitsplatz.
Fernwald | "Ich bin Fernwalder aus Überzeugung", sagt Matthias Klose über sich selbst. Seit 2003 ist der Christdemokrat Bürgermeister der Gemeinde Fernwald, am 7. Juni tritt er erneut zur Wahl um den Rathaussessel an. Die Politik in seiner Heimatgemeinde sieht der gebürtige Ewersbacher (Gemeinde Dietzhölztal im Lahn-Dill-Kreis) allerdings nicht stur durch die Parteibrille: "In der Kommunalpolitik spielen die Parteien eine untergeordnete Rolle", meint der 46-Jährige, der erst 1998 Mitglied der CDU beigetreten ist. Im Kommunalen, besonders im dörflichen Bereich, komme es mehr auf den Menschen an, meint Klose. Mit der GZ hat Matthias Klose über seinen Werdegang, seine politischen Erfolge, seine Ziele und die Gemeinde Fernwald gesprochen.
Berufliche Gründe waren es, die den Diplom-Verwaltungswirt Matthias Klose in den Landkreis Gießen verschlugen. Seit 1990 lebt er mit seiner Frau in Annerod. Nach dem Abitur an der Wilhelm-von-Oranien-Schule in Dillenburg diente er zunächst als Zeitsoldat bei der Bundeswehr, war in Wetzlar, Westerburg und der Lüneburger Heide stationiert. Nach seiner Verwaltungslehre in Dillenburg und dem
Mehr über...
Der Autor hat diesem Beitrag leider keine Tags (Stichwörter) zugeordnet!
angeschlossenen Studium verschlug es ihn ins Landratsamt nach Gießen, wo er zehn Jahre lang im Sozialamt als Sachbearbeiter für die Flüchtlinge zuständig war. "Diese Tätigkeit hat mich nachhaltig geprägt", berichtet er. Er habe viele zwischenmenschliche Erfahrungen gemacht, sei extremen Belastungen ausgesetzt gewesen und habe extreme Biographien kennengelernt. Dann fiel der Entschluss, noch einmal etwas Neues zu wagen: Klose wurde Referent von Heinz-Peter Haumann, der damals noch Bürgermeister der Stadt Gießen war. In der Fernwalder Kommunalpolitik war Klose schon tätig, bevor er als Bürgermeister kandidierte. Erst 1998 entschied er sich für einen Eintritt in die CDU. "Das war die Partei bei der ich die meiste Übereinstimmung gefunden habe", erklärt er. Als die CDU einen Nachfolger für Kloses Vorgänger suchte, dauerte es nicht lange, bis die Wahl auf ihn, der damals Vorsitzender der CDU Fernwald sowie Beigeordneter im Gemeindevorstand war, fiel. "Wir haben nach einem Kandidaten gesucht, aber keinen gefunden. Dann kam man auf mich zu, ob ich das nicht übernehmen wolle", erinnert er sich. Nach ausführlichen Gesprächen mit seiner Frau entschied er sich für die Kandidatur. Bei so einem Amt müssten Familie und Freunde dahinter stehen,
denn: "Man lebt auch privat mit dem Termindruck". Das Privatleben gebe einem aber einen Ruhepunkt und Rückhalt, den man dringend brauche. Der Sieg nach Stichwahl sei auch für ihn überraschend gewesen, da die CDU seit jeher die kleinste Fraktion in Fernwald stelle. "Es war ein sehr sachlicher und fairer Wahlkampf vor sechs Jahren, keiner, bei dem man sich zerfleischt". Mit seinen damaligen Gegenkandidaten arbeite er bis heute sehr gut zusammen. Muss er auch, schließlich ist Dr. Robert Horn Gemeindevertretervorsteher.
Dass es nach seiner Wahl eine Zäsur in der Gemeinde gegeben habe, sei unumgänglich. Wenn jemand über Jahrzehnte die Geschicke einer Gemeinde geführt habe, bedeute ein Wechsel automatisch einen Umbruch für alle Beteiligten und die Mitarbeiter. Politisch gesehen hat Klose Einiges erreicht in Fernwald, von seinem Vorgänger angestoßene Projekte erfolgreich zu Ende gebracht und neue initiiert. Auf eines ist er besonders stolz: "Alle wichtigen Entscheidungen wurden in Fernwald einstimmig getroffen". "Dies ist mein Verständnis von Demokratie", betont er. Es liege an ihm, Mehrheiten zu finden, denn in der Gemeinde gebe es keine Koalitionen. Dies sei oft schwierig, gehöre aber dazu. "Natürlich kann man Dinge immer noch besser machen", man lerne ja auch dazu. "Unsere Gemeinde hat viel Potenzial".
Gleich zu Beginn seiner Amtszeit sei in Annerod ein Trinkwasserbrunnen versandet. Den Bau eines weiteren Brunnens in Steinbach und die Trinkwasserversorgung von Annerod über Queckborn kann Klose auf seine Erfolgsliste setzen. Auch die Fertigstellung der Kläranlage, die bereits unter seinem Vorgänger auf den Weg gebracht wurde, geht auf Kloses Konto. Lärmschutzwälle an der A 5, die Jahrhundertbaustelle durch die Verlegung einer Gas-Pipeline durch die Gemeinde durch E-ON- all dies wurde während Kloses Amtszeit gemeistert. Fernwald sei außerdem eine der ersten Gemeinden im Kreis gewesen, die einen Bedarfs- und Entwicklungsplan für die Freiwilligen Feuerwehren erstellt hätte: So gab es neue Fahrzeuge, einen Schlauchturm in Steinbach und der Ausbau der Schlauchwerkstatt in Albach resultierten daraus.
"In einer Landkommune sind die Themen gesetzt", so Klose zu seiner Agenda, falls er die Wahl erneut gewinnen sollte. Weitere Lärmschutzmaßnahmen, die Intensivierung der Zusammenarbeit mit Land- und Forstwirtschaft, die Verstärkung der interkommunalen Zusammenarbeit sowie die Förderung der Jugendarbeit liegen dem Bürgermeister am Herzen und stehen ganz oben auf der "To-do-Liste". Schon auf den Weg gebracht worden ist die bessere Verzahnung von Kindergärten und Grundschulen. Beide Fernwalder Grundschulen sollen zu Ganztagsschulen entwickelt und auch die Kindergärten seien entsprechend auszubauen. Man müsse allerdings darauf achten, neue Räume für Kinder so zu gestalten, dass sie auch für Erwachsene nutzbar seien, so Klose. Denn: Dem Problem des demographischen Wandels müsse auch Fernwald zukünftig ins Auge blicken. Mit einem Seniorenbeirat, einem Seniorenzentrum, einem Pflegedienst und einer gemeinsamen Diakonie mit Pohlheim sei man sehr gut aufgestellt. Für die Jugendlichen gibt es Ferienspiele während der Sommerferien.
In Sachen interkommunaler Zusammenarbeit gelte es zu überlegen, ob man einige Bereiche aus dem Backoffice nicht künftig gemeinsam regeln könne. An der Schaffung des interkommunalen Gewerbegebietes "Pfaffenpfad" will Klose weiter festhalten, wenn es auch erst einmal Hindernisse gebe. "Man muss neue Wege finden, sich zu vernetzen", zeigt er, dass er in solchen Modellen die Zukunft sieht. Weitere Ziele Kloses sind die Ansiedlung eines Discounters in Fernwald und die bessere Anbindung der Gemeinde an den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV).
Wenn Matthias Klose einmal ein paar Stunden Freizeit hat, liest er sehr gerne. "Für dicke Wälzer bleibt nur selten Zeit". Ansonsten fährt er gerne Fahrrad und betreibt auch Indoor-Cycling. Klose reist sehr gerne, auch innerhalb Deutschlands. "Mich faszinieren Meer und Küste". Ob er aufgeregt ist in Hinblick auf die Wahl? "Ich bin schon angespannt, das letzte Wort hat nun einmal der Bürger". So sei die Demokratie und das sei auch gut so.

Matthias Klose an seinem derzeitigen Arbeitsplatz.
Matthias Klose an seinem... 
 

Kommentare zum Beitrag

Leider gibt es noch keine Kommentare zu diesem Artikel.
Schreiben Sie doch den ersten!

Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Sabine Glinke

von:  Sabine Glinke

offline
Interessensgebiet: Wettenberg
Sabine Glinke
5.280
Nachricht senden
Aktuellste Beiträge des Autors:
Big/Gun reißen jeden mit.
Big/Gun, Soliloquy und Cuma rocken das "Jokus"
Rockig wird es am Samstag, 21. Mai, im Gießener Kultur- und...
Neivi Martinez stellt erste eigene CD am 9. April vor
"Für mich ist ein Herzenswunsch in Erfüllung gegangen", sagt die...

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.