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Der Yukon, 750 km im Kanu von Whitehorse nach Dawson

Ausrüstungscheck vor dem Abflug
Ausrüstungscheck vor dem Abflug
Buseck | Nach einem Jahr Planung und Vorbereitung wurde der Traum Wirklichkeit. Zu zweit und gut ausgerüstet erfolgte der Start auf dem Yukon River in Whitehorse/ CAN. Der Fluß hat dieses Jahr sehr viel Wasser und fließt mit einer Geschwindigkeit von 8 bis 12 km/h. Direkt nach dem Verlassen der 25.000 Einwohner Stadt am frühen Nachmittag taucht man ein in unberührte Natur. Die ersten Seeadler begleiten einen auf dem Fluß und Biber machen mit lautem Schwanzklatschen auf sich aufmerksam. Das Erste was man spürt, ist diese absolute Ruhe, die einen direkt gefangen nimmt.

Nach rund 40 km und am späten Abend erreichen wir den Lake Laberge, der mit 50 km Länge fast die Ausmasse des Bodensees erreicht. Der See ist bekannt für seine Wetterkapriolen und kann als einer Schlüsselstelle für das Gelingen oder Scheitern der Tour verantwortlich sein. Nicht selten baut der See Wellen bis 2,00m Höhe auf, was eine Passage mit dem Kanu unmöglich macht. Wenn dazu noch Gegenwind kommt, werden aus 2 geplanten Tagen schnell 4 oder mehr.

In der fast taghellen ersten Nacht beim Toilettengang stoße ich beinahe mit einer Elchkuh zusammen, die
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mit Ihrem Jungen im See steht. Ihr markerschütterndes Grollen lassen mich schlagartig wach werden und warnen mich noch einen Schritt näher zu kommen. Langsam und beruhigend auf sie einredend : "keine Angst Elchmami , ich tue Deine Jungen nichts" verziehe ich mich rückwärts Richtung Zelt. Leider sind die Bilder die ich noch schießen wollte nicht so gut geworden. Es lag wohl daran, das ich aus unerklärlichen Gründen leicht gezittert habe. Man achte auf die Ironie des Satzes :-)
Im Ernst, dass Grollen einer Elchkuh mit 2,50m Kopfhöhe versetzt einen im halbschlaf pinkelnden Mensch in einen Schockzustand. Daraus haben wir gelernt, erstmal aus dem Zelt zu schauen, bevor man es verlässt.

Bereits bei den Vorbereitungen haben wir uns überlegt, wie wir die 50 km am besten meistern. Es wurde in Deutschland ein Segel aus Fallschirmseide genäht. Am See fertigten wir aus Treibholz 3 m lange Masten. Der 2. Tag auf dem Lake brachte den ersehnten Wind aus Süd und uns innerhalb von 4 Stunden über 30 km bis an den Auslauf des Sees.

Jetzt folgte wohl die schönste Strecke der ganzen Fahrt, die thirty miles zone. Der Yukon ist spiegelklar und das Wasser schimmert blau. Der Fluss ist noch schmal und schlängelt sich in unzähligen Windungen durch die unberührte Wildnis.

Vor dem Ablegen
Vor dem Ablegen
Die Ufer sind eng bewachsen und man muß weit vorausschauend nach einem möglichen Lagerplatz suchen. Verpasst man das Anlanden am ausgesuchten Platz ist eine Umkehr durch die starke Strömung unmöglich und man ist zur Weiterfahrt gezwungen. 2 Tage später erreichen wir Carmacks, eine wirklich kleine Kleinststadt wo nochmals die Vorräte ergänzt werden. Auch der Luxus einer Dusche wird hier in Anspruch genommen, bevor die nächste Etappe über 400 km angegangen wird.

Am nächsten Tag wird die gesamte Ausrüstung gut verzurrt, denn es gilt die five finger rapids zu überwinden. Diese Stromschnellen waren während des gold rush um 1900 gefürchtet. Viele Schiffe und Boote der Goldsucher scheiterten hier. Viele verloren Hab und Gut und schlechtestenfalls Ihr Leben. Mit sehr stark erhöhtem Adrenalinspiegel gelingt die Durchfahrt. Zwar sind wir und die Ausrüstung pitschnass, zusätzlich noch steht noch einige Liter Wasser im Kanu, aber die Erleichterung überwiegt diese Kleinigkeit.

Die nächsten Tage stoßen wir immer wieder auf Artefakte aus der Goldgräberzeit. Wir werden Zeitzeuge von alten Goldgräberhütten, Schiffe und Boote die Ihre letzte Ruhe am Ufer gefunden haben und auch die Ansiedlung Fort Selkirk ist eine
Traumhaft
Traumhaft
Besichtigung wert. Fort Selkirk als wichtigste Station der Goldgräber zwischen Whitehorse und Dawson City zeigt sich noch heute in gutem Zustand. Dank der Indianer, die in den kurzen Sommermonaten versuchen den Verfall aufzuhalten, können viele Originale besichtigt werden.

Weitere 8 Tage verbringen wir in Gesellschaft von Bären, Adlern und Bibern in unberührter Natur. Der Yukon (übersetzt "großer Fluss) wechselt jetzt oft sein Erscheinungsbild. Unzählige Inseln und die Flussbreite von teils 3 km machen es notwendig, die Flußkarte im Auge zu behalten. Verlässt man nämlich ungewollt den "main stream" ist erhöhte Muskelkraft angesagt und die Strecke wird schnell erheblich länger. Wenn es irgend möglich ist zelten wir Nachts auf den kargen Inseln wo etwas Wind geht. Somit ist die Mosquitoplage nicht ganz so groß. Die ersten Tage haben wir die Stiche gezählt. Bei mehr als hundert haben wir aufgehört und verstärkt Mosquitospray eingesetzt, was dann auch Erfolg brachte.

Die letzte Nacht verbringen wir in Ancient voices, einem sehr schönen Platz, der auch einige Hütten für Wanderer oder Kanuten aufweist. Wir schreiben uns in das dort ausliegende Gästebuch ein und finden dabei Eintragungen von anderen Abenteurern aus Buseck und Trohe. Einen Gruß und ein großes Lob an J. Maschinke. Dein Film im offenen Kanal war große klasse.

Mündung des white River in den Yukon
Mündung des white River in den Yukon
Am nächsten Tag erreichen wir Dawson. Damit hat uns die Zivilisation wieder. Wir verbringen hier noch einige Tage, schauen uns die Umgebung an, schürfen Gold und nehmen natürlich den sourtoe cocktail zu uns. (Ein Glas Whiskey mit einem amputierten menschlichen Fußzeh). Wer mehr darüber wissen möchte , einfach mal googeln :-).

Das Flugzeug bringt uns zurück nach Whitehorse und ein paar Tage später zurück nach Frankfurt, wo wir auch ein bisschen stolz sagen können.

I paddle the yukon

Die Indianer sagen: Wer einmal das Wasser des Yukon getrunken hat kommt immer wieder.

So auch wir. Dann geht es über die gesamte Strecke 3.200 km bis in die Behringsee. An dieser Stelle noch ein großes Danke an meinen Partner und guten Freund Thomas Meyer aus Bad Homburg, mit dem ich ein solches Abenteuer jederzeit wieder starten würde.

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Mündung des white River in den Yukon
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In the wilderness
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von:  Jürgen Minkley

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Jürgen Minkley
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