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Geldadel

Buseck | Billionen horten die Superreichen in Steueroasen

Was der Hügel über Entenhausen für Dagobert Duck oder das Kopfkissen für die schwäbische Hausfrau ist, das sind die Steueroasen den global 85.000 Personen, sog. High Net Worth Individuals, die jeweils über mehr als 50 Millionen US-Dollar verfügen (2.500 von ihnen über mehr als 500 Millionen Dollar). Wohlgemerkt: flüssige Mittel, ohne Sachvermögen wie Immobilien, Goldbestände, Yachten, Rennpferde usw., vielleicht hat der eine oder andere für die Klunker und das Geschmeide doch auch einen Bunker wie DD.

Schon seit 2009 verkünden die G-20-Staaten etwas gegen die Steueroasen zu unternehmen. Bisher Fehlanzeige. Immer dann, wenn den Steuerbehörden wieder eine CD mit Daten über Schwarzgeldgeschäften aus der Schweiz oder Lichtenstein angeboten wird, ist die öffentliche Aufregung groß. Dabei geht es meist nur um steuerbetrügerische Ärzte, Handwerker oder Postmanager. Ablenkung vom Wesentlichen.

Worin das besteht, macht eine Studie der NGO Tax Justice Network (TJN, Netzwerk Steuergerechtigkeit) deutlich, die in London Mitte Juli veröffentlicht wurde: „Ungleichheit – Sie wissen nicht einmal die Hälfte“. 21 bis 32 Billionen Dollar haben die Superreichen in Steueroasen bebunkert. Der jährliche Einkommensteuerbetrag von über 280 Milliarden Dollar wird damit den Staaten vorenthalten.

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Reichtum (11)Macht (5)Finanzen (44)
Den Vorreiter bei der beschleunigten Entwicklung von Ungleichheit machen die USA. Dort verringerte sich das Einkommen zwischen 1980 und 2010 für 90 Prozent der Bevölkerung um fünf Prozent. Das Einkommen der 0,01 Prozent Superreichen vervierfachte sich, das der 0,1 Prozent sehr Reichen verdreifachte sich.

Die Studie verwendete Daten der Weltbank, des Internationen Währungsfonds (IWF), der Vereinten Nationen und der Zentralbanken. Untersucht wurden nur Finanzvermögen. Die Autoren verweisen auf die Gefahren für Wachstum und Stabilität. Und sie machen darauf aufmerksam: Die Macht folgt dem Geld bzw. Geld bedeutet Macht, d.h. diese Konzentration von Reichtum führt zu einer Refeudalisierung der Machtverhältnisse. Die Vermögen der Superreichen stellen ein Droh- und Erpressungspotential dar, die auf den Finanzmärkten nicht nur für weitere spekulative Transaktionen (wie Wetten gegen Währungen einzelner Staaten, Rohstoff- und Nahrungsmittelpreise) eingesetzt werden, sondern auch Auslöser kommender, noch tieferer Finanzkrisen sein werden als der aus 2008.

http://www.taxjustice.net/cms/front_content.php?idcat=2
http://steuergerechtigkeit.blogspot.de/

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Kommentare zum Beitrag

Stefan Walther
3.906
Stefan Walther aus Linden schrieb am 04.08.2012 um 01:01 Uhr
Ja Reinhard, es ist wichtig mal die konkreten - für Normalbürger unfassbaren - Zahlen darzustellen, sehr gut!

Die entscheidende Frage ist doch = warum tun denn die G 20 - Staaten nichts gegen diese Steueroasen.... oder wie immer, die alles entscheidende Frage "wem nutzt es, wer steckt dahinter, wer hat wirklich die Macht darüber zu entscheiden?" Dann nähern wir uns auch der Realität, du hast es selbst dargestellt = "Die Macht folgt dem Geld bzw. Geld bedeutet Macht", oder anders ausgedrückt, die wahren Herrscher, das sind nicht Staaten, der wahre Herrscher ist das Internationale Finanzkapital, der Widerspruch aus dem es aber nicht herauskommen kann, ist, dass es für die Herrschaft die Nationalstaaten braucht...

Das ist die eine, eine sehr wichtige, Seite, Rüdiger! Die andere Voraussetzung ist aber auch, dass die Herrschenden nicht mehr in der bisherigen Weise regieren können.
Muss es dazu noch viel, viel schlimmer kommen? Das muss keineswegs sein, das Wichtigste ist, dass die Voraussetzungen/Bedingungen der neuen Gesellschaft sich in der alten Gesellschaft bereits herausgebildet haben, und diese Basis ist längst vorhanden! Der Widerspruch zwischen gesellschaftlicher Produktion und dem Privateigentum an den Produktionsmitteln schreit längst nach Veränderung, die "Barbarei" ist Realität, drohende Klimakatastrophe, Verelendung, Massenarbeitslosigkeit, ständiger Abbau demokratischer Rechte und Freiheiten, chronisch auftretende Krisen mit verheerenden Folgen ....

Feudale Verhältnisse? = das ist Kapitalismus pur, so ist er halt wenn er sein wahres Gesicht zeigt, er geht ( für "eine Handvoll Monopole" ) ohne mit der Wimper zu zucken über Leichen!
1.746
Gertraud Barthel aus Gießen schrieb am 04.08.2012 um 09:41 Uhr
Hallo, Reinhard,
dazu passt eine Diskussion im Feuilleton der FAZ: Nicht der Euro
wird gerettet, sondern eine Ideologie,- von Sarah Wagenknecht und Michael Hudson.
Klaus Stadler
4.625
Klaus Stadler aus Reiskirchen schrieb am 04.08.2012 um 13:51 Uhr
Lieber Herr Hamel,wie immer wurden von ihnen die Ausbeuter und roten Superreichen in China vergessen.Sie beuten ihr eigenes Volk aus.Als Beispiel ist hier die Familie des amtierenden Parteichefs Haifengs zu nennen,die 297 Millionen Dollar auf ihren Bankkonten hat. Auch der zukünftige Parteiboss Xi hat schon hunderte Millionen auf seinen Konten. China wird von seinen eigenen Politikern ausgesaugt. Kapitalismus hoch drei!!!!!!
Reinhard Hamel
160
Reinhard Hamel aus Buseck schrieb am 04.08.2012 um 16:44 Uhr
Lieber Herr Stadler, ich habe die "Superreichen" in China nicht vergessen. Ich habe lediglich ein Land genannt - die USA. Ich gestehe Ihnen gerne zu, dass von den 85.000 HNWIs - sagen wir: 200 - aus China kommen. Das wären dann ca. 0,25 Prozent, bei ca. 35 Prozent Anteil Chinas an der Weltbevölkerung.
Es ist auch sicher so, dass das Vermögen der chinesischen Reichen von der chinesischen Bevölkerung erwirtschaftet wird. Das ist in China nicht anders als in den USA, Deutschland oder Russland. Deswegen geht es mir ja darum, egal wo, die private Aneignung des gesellschaftlich produzierten Reichtums zu beenden und zu verhindern. Wenn wir das nüchtern betrachten, sind die Chinesen da den USA oder der BRD ein kleines Stück voraus.
Dies ist übrigens nicht nur eine Frage der Beseitigung von Ungleichheit, der Kluft zwischen Armen und Reichen, sondern auch eine Frage, dass die Aufrechterhaltung des gegenwärigen Zustands unvermeidbar zu neuen tiefen Krisen und Crashs der Weltwirtschaft führen wird.
Denn jeder Schüler lernt im Sozialkundeunterricht seit Jahrzehnten, dass ein gewisses Gleichgewicht immer wieder mal zwischen Produktion und Geldumlauf erreicht werden solte. Der weltweit jährlich geschaffene Reichtum (WSBP=Weltbruttosozialprodukt) ist heute sechsmal so groß wie 1980. Das angelegte Finanzvermögen (FV) ist im gleichen Zeitraum viel schneller gewachsen – fast um das 15-Fache wurde es aufgebläht: 1980: WBSP 10 Bill.$ - FV 12 Bill.$, 2008 WBSP 60 Bill.$ - FV 180 Bill$). Quelle: McKinsey, Mapping Global Markets, Oktober 2008
Stefan Walther
3.906
Stefan Walther aus Linden schrieb am 04.08.2012 um 21:49 Uhr
Natürlich beuten auch die Kapitalisten in China ihr Volk aus, so wie es alle Kapitalisten auf der ganzen Welt tun Herr Stadler. Ob sie sich nun "rot" nennen, das spielt überhaupt keine Rolle, entscheidend ist das was sie tun und welche Folgen dies für das Volk hat. Ein Beispiel genügt = 200 Millionen Wanderarbeiter, die meist von der Hand in den Mund leben, oft monatelang ihre Familien nicht sehen können usw. usw.

Nur, was wollen Sie uns eigentlich mit ihrem Kommentar sagen Herr Stadler, das ist mir nicht klar geworden! Wer hat hier die chinesischen Verhältnisse verteidigt ( oder sonstige irgendwo in der Welt ) = keiner!
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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