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Busecker Forum: Globale Herausforderungen der Wirtschaftskrise

Prof. Dr. Gunther Schmid während seines Vortrages über Globale Herausforderungen der Wirtschaftskrise im Busecker Kulturzentrum.
Prof. Dr. Gunther Schmid während seines Vortrages über Globale Herausforderungen der Wirtschaftskrise im Busecker Kulturzentrum.
Buseck | Zum 22. Busecker Forum konnte der Vorsitzende des Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik Gießen – Frankfurt (GfW), Oberstleutnant d.R. Hans-P. Hess, zahlreiche Gäste begrüßen. Hess erinnerte daran, dass die GfW in diesem Jahr 60 Jahre alt wird und somit die älteste Organisation ist, die sich mit Sicherheitspolitik beschäftigt. Die internationale Wirtschafts- und Schuldenkrise ist seit Monaten ein dominierendes Thema. Grund, einen Experten zu diesem Thema einzuladen: Dr. Gunther Schmid, Professor an der Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung, im Fachbereich Internationale Politik. Alarmierend für den Referenten ist, dass sich Politik und Medien auf die wirtschaftlichen Auswirkungen konzentrieren, die politischen Folgen würden dagegen ausgeblendet. Während des Kalten Krieges war die Welt klar bipolar ausgerichtet. Den USA stand die Sowjetunion gegenüber. Mit Zusammenbruch der Sowjetunion verblieb nur noch die USA als unipolare Supermacht übrig. So lautete Schmids erste These, dass sich die internationale Politik in einem strategischen Wandlungsprozess mit einer historischen Dimension befinde.
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In der Folge sei eine polyzentrische, eine ungeordnete Welt entstanden, so Schmid im Busecker Kulturzentrum. Die USA hätten durch ihre Wirtschafts- und Finanzprobleme und mangelnden Konzepte zum Krisenmanagement nur noch eine geschmälerte Weltmachtrolle. Als Beispiele nannte Schmid die Entwicklung der G7, die Gruppe der führenden Industriestaaten, die dann um Russland erweiterte G8, und die G20, die die führenden Entwicklungs- und Schwellenländer einschlössen. Die G20 seien die heute die wichtigste Gruppe. In nur acht Ländern finden 75 Prozent des globalen Wirtschaftswachstums statt – in den BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) sowie in Südafrika, der Türkei, Indonesien und Südkorea. Diese Länder halten 48 Prozent der Stimmen in IWF und Weltbank. Die Asien-Pazifik Region werde die neue Schlüsselregion, so Schmid. Denn „wir leben in einer Nach-Atlantik-Ära“. Und die USA konzentrierten sich auf diese Region. Dort entstehe ein Systemwettlauf zwischen Indien und China. Indien stehe mit dem Model „Kapitalismus, Demokratie, aber hohe Armutsrate“ gegen China, das auf „Kapitalismus, autoritäre Parteiführung und Senkung der Armut“ setze. Indien werde, was Bevölkerungszahl und IT-Kenntnisse angehe, langfristig China überholen. China habe eine Wirtschaftswachstumsrate von acht Prozent jährlich und muss „auf Teufel komm raus acht Prozent jedes Jahr“ erneut erreichen, um 20 Millionen neue Arbeitsplätze zu generieren. Die klassische Form von Kriegen sei für die hochentwickelten Gesellschaften keine Option mehr. Durch die Veränderungen in dieser Welt und der Ungleichgewichten, sei die Unsicherheit ungleich größer. In über 40 zerfallenen Staaten lebten 2,3 Milliarden Menschen. Schadensbegrenzung sei das heutige Kriterium für Sicherheitspolitik. Neue Formen von Erschütterungen von Systemen zeigten die Bürgerproteste gegen Korruption (Russland, China) bis hin zu den Protesten in der arabischen Welt, dem sogenannten Arabischen Frühling, die zum Sturz von etablierten Regimen führten. Die Revolution der Twitter-Generation, wie Schmid deutlich machte, trete als Alternative zu Al Kaida auf. Das größte Problem sei allerdings das rasante Bevölkerungswachstum – vor allem außerhalb der Industriestaaten. Damit verbunden sei die Versorgung der Bevölkerung, und somit komme es auf die Sicherung der Zugänge zu Rohstoffen an. Der eigentlich gefährliche Krieg verschiebe sich ins Internet. Damit können die völlig vom Computernetz abhängigen modernen Gesellschaften lahmgelegt werden. 120 Länder würden sich für diesen Cyberwar rüsten. Zusammenfassend stellte Schmid fest, dass die USA nur noch eine reduzierte Weltmachtrolle spielen können. Russland werde ohne Chance auf eine globale Position sein, werde aber dies aber durch Großmachtansprüche kompensieren. China setze auf Wachstum, könne und wolle aber wegen massiver innerer Defizite und sozialer Probleme auf absehbare Zeit keine globale Macht werden. Europa sei als globaler Akteur nicht mehr von Bedeutung, werde aber weltgrößter Wirtschaftsraum bleiben. Europa bleibe ein gewaltiger Investitionsplatz und wichtiger Technologielieferant bleibt. Zum Abschluss zitierte Schmid die Arche-Noah-Regel des US-Investors Warren Buffet: „Regen vorherzusagen zählt nicht, der Bau der Arche zählt.“

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