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Cochlea Implantat - Was ist das eigentlich?

von Jutta Skrocham 10.04.2012608 mal gelesen1 Kommentar
Buseck | Leider wissen das nur wenige. Ich will mal Licht ins Dunkel bringen, oder besser, das Hören damit näher bringen. Dazu eine kurze Einführung über meinen Weg zum CI und letztendlich zum besseren Hören und wieder teilnehmen am Leben. Die Schwerhörigkeit, in der Folge kurz SH genannt, fing bei mir mit 16 Jahren an, mit 20 Jahren dann bekam ich die ersten Hörgeräte, nachdem ich mich vorher eigentlich schon rumgequält hatte. Im Lauf der nächsten Jahrzehnte wurde das Gehör zunehmend schlechter, bis ich Mitte der 90er Jahre auch mit Hörgeräten so ziemlich am Ende der Fahnenstange angekommen war. Es sollte aber noch bis 2006 dauern, bis ich mich für eine Op entscheiden konnte, obwohl man mir 1998 schon dazu geraten hatte. Ich konnte mir aber, unter der Tatsache, das Hören neu zu lernen, überhaupt nichts vorstellen, zudem hatte ich natürlich Angst, dass, wenn die Op schief geht, ich dann definitiv nichts mehr wahrnehmen würde. Der Versuch, noch Gebärdensprache zu lernen, scheiterte a) an meinem Gedächtnis und b) ich hatte ja immer ein hörendes Umfeld, was also nutzt mir da die Gebärdensprache, obwohl ich sie faszinierend finde.
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Cochlea Implantat (1)
Dann entschloss sich meine jüngste Tochter in 2004, sich operieren zu lassen. Ich war sehr skeptisch, konnte aber zu meiner Freude erleben, wie gut sie nach einiger Zeit mit dem CI hören konnte und auch wieder telefonieren. Im Jahr darauf dann machte es meine älteste Tochter nach. Bei beiden konnte ich die Hörerfolge live erleben. Nun hatte ich keine Ausrede mehr parat, aus dem Berufsleben war ich ja schon ausgeschieden. Anfang 2006 war es dann soweit. Ich ließ mich ebenfalls operieren. Nach 4 Tagen Krankenhaus war ich schon wieder zu Hause. Die Erstanpassung erolgte dann ca. 4 Wochen später. Ich habe sofort Wörter und Zahlen verstanden, das war ein Ahaerlebnis ohnegleichen. Zwar klingt im ersten halben Jahr alles etwas unnatürlich und blechern, aber das gibt sich dann mit der Zeit, zumal auch regelmäßig Anpassungen vorgenommen werden. Außer den Anpassungen unterzieht man sich auch einem Hörtraining, dies kann entweder ambulant (habe ich gemacht) oder stationär erfolgen.
2008 war ich dann diejenige, die vorpreschte, um mich auf dem anderen Ohr implantiern zu lassen. Nun konnte ich "Stereo" hören, was für den Normalhörenden selbstverständlich ist. Zwar habe ich hin und wieder noch Probleme mit dem Richtungshören, also feststellen, von wo das Geräusch/Stimme kommt, kann ich nicht immer, aber das sind Peanuts. Alles in allem habe ich für mich 150 % an Lebensqualität gewonnen.
Die Kosten für die Op übernimmt die Krankenkasse, ebenso die hinterher in größerer Stückzahl erforderlichen Batterien, da das CI als Prothese eingestuft wird, im Gegensatz zum Hörgerät, das als Hilfsmittel gilt.

Hier nun die "fachliche" Erklärung, die ich Wikipedia entnommen habe:

Was ist ein Cochlea-Implantat ?
Ein Cochlea-Implantat (kurz: CI) ist eine Innenohrprothese für hochgradig schwerhörige und gehörlose Kinder oder Erwachsene, denen herkömmliche Hörgeräte wenig oder gar keinen Nutzen mehr bringen. CIs wandeln Schall in elektrische Impulse um, durch die der Hörnerv
in der Hörschnecke (lat.: Cochlea) stimuliert wird. So können Sprache und Töne wieder wahrgenommen werden. Ein CI besteht aus zwei Teilen: Erstens dem Implantat, das hinter dem Ohr unter die Haut implantiert wird, und Zweitens, dem Sprachprozessor (SP) mit der Sendespule, der wie ein Hörgerät hinter dem Ohr getragen wird.
Wie funktioniert das Cochlea-Implantat ?
Im Sprachprozessor werden über das Mikrofon empfangene Schallschwingungen in elektrische Signale umgewandelt, welche nach der Verarbeitung als elektrisches Pulsmuster über das Kabel zur Spule weitergeleitet werden. Die durch Magnetkraft über dem Implantat gehaltene Spule sendet diese kodierten Signale per Radiowellen durch die Haut zum Implantat. Dieses entschlüsselt das die Signale und leitet sie über die Elektrode in die Cochlea weiter. Durch diese elektrischen Impulse wird der Hörnerv stimuliert, der in Folge so genannte Aktionspotenziale erzeugt und diese an das Gehirn weiterleitet. Das Gehirn empfängt die Aktionspotenziale des Hörnervs und erkennt sie als akustisches Ereignis (Sprache, Klang, Geräusch). Der wesentliche Unterschied im Vergleich zu einem Hörgerät besteht darin, dass das Hörgerät den Schall verstärkt und sich dabei auf eine für die Schallübertragung ausreichende Anzahl überlebender Haarzellen in der Cochlea verlässt.

Weiterführende Infos gibt es hier:

http://www.civhrm.de/das-cochlea-implantat

Wer Fragen hat, kann mich gerne kontaktieren.

Kommentare zum Beitrag

Christian Momberger
10.792
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 10.04.2012 um 19:36 Uhr
Danke Jutta für diese interessanten Infos. Freut mich, dass Du Glück hattest und alles bei Dir gut gelaufen ist.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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von:  Jutta Skroch

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